Ösophagusdivertikel (Speiseröhrendivertikel)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 27. November 2017
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Bei einem Ösophagusdivertikel handelt es sich um eine Ausstülpung der Speiseröhre nach außen. Sie werden in drei Gruppen unterteilt. Im folgenden wird das Krankheitsbild, - verlauf sowie Diagnose, Behandlung und Vorbeugung beschrieben.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Ösophagusdivertikel?

Ösophagusdivertikel sind eine eher selten auftretende Krankheit. Meistens sind Männer im höheren Lebensalter betroffen. Dabei kommt es zu einer Ausstülpung der Speiseröhrenwand nach außen.

Ösophagus kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Der Essensbringer" und steht somit für die Speiseröhre. Diverticulum entstammt dem lateinischen und bedeutet Abweg oder Abweichung. Es wird bei diesem Krankheitsbild zwischen "falschen" und "echten" Divertikeln unterschieden.

Entsteht nur ein Schleimhautprolaps, stülpt sich nur die Schleimhaut nach außen, so wird dies als falsches Divertikel bezeichnet. Sind hingegen alle Schichten der Speiseröhrenwand von der Ausstülpung betroffen, so bezeichnen Mediziner dies als echtes Divertikel. Divertikel sind lokal begrenzt und können verschiedener Größe sein. Sie entstehen an den physiologischen Engstellen der Speiseröhre, somit im oberen, mittleren und unteren Drittel.

Ursachen

Speiseröhrendivertikel können im Laufe des Lebens auftreten oder sind angeboren. Sie entwickeln sich durch erhöhten Druck im Hohlorgan oder durch das Einwirken von Zugkraft von außen, wodurch das Gewebe nachgibt und ein Divertikel entstehen kann.

Es wird zwischen Pulsionsdivertikeln und Traktionsdivertikeln unterschieden. Pulsionsdivertikel manifestieren sich durch zu hohen Druck in der Speiseröhre und einer vorliegenden Schwäche der Speiseröhrenwand. Es kommt zur Ausbuchtung der Schleimhaut, meistens im oberen Drittel der Speiseröhre.

Diese Art des Divertikels wird nach dem Dresdener Pathologen Friedrich Albert von Zenker benannt. Neben dem Zenker-Divertikel wird es auch hypopharynx oder zervikales Divertikel genannt. Zu den Pulsationsdivertikeln gehören auch die im unteren Drittel entstehenden epiphrenalen Divertikel.

Die Traktionsdivertikel entstehen durch eine Zugkraft von außen. Hierbei handelt es sich oft um entzündliche Lymphknoten, die im benachbarten Gewebe vorliegen. Die Art von Ösophagusdivertikeln treten vorwiegend im mittleren Bereich der Speiseröhre auf. Sie werden auch epibronchiale oder parabronchiale Divertikel genannt, aufgrund ihrer Nähe zu den Hauptbronchien.

Typische Symptome & Anzeichen

Parabronchiale Divertikel:

Epiphrenale Divertikel:

Zenker-Divertikel:

Diagnose & Verlauf

Typisch für Ösophagusdivertikel sind Schluckbeschwerden und das unbewusste Hochwürgen von Nahrungsresten aus dem Darm.

Das Zenker-Divertikel tritt mit einer Häufigkeit von 70% auf. Die Symptome entwickeln sich im Laufe der Zeit eher schleichend. Betroffene Personen leiden meist unter einem rauen Rachen, häufigem Räuspern und einem Fremdkörpergefühl. Es können aber auch Schluckbeschwerden bei fester Nahrung und ein gurgelndes Geräusch bei Aufnahme von Flüssigkeit entstehen. Viele Patienten leiden auch unter Mundgeruch und stoßen Nahrungsreste auf, die im Divertikel verbleiben.

Epiphrenale Divertikel lösen eher unspezifische Symptome, wie Schmerzen im Oberbauch, nächtliche Druckschmerzen hinter dem Brustbein und Schluckbeschwerden aus.

Beim parabronchialen Divertikel kommt es selten zu Symptomen. Die Divertikel werden häufig zufällig bei Röntgenuntersuchungen entdeckt. Alle drei Arten können durch den Verbleib von Nahrungsmitteln in den Divertikeln eine Entzündung der Speiseröhre und eine Refluxerkrankung auslösen. Weiterhin kann es zu sogenannten Regurgitationen führen, wobei verbliebene Speisereste, vor allem in liegenden Position, aufgestoßen werden. Dadruch entsteht ein Aspirationsrisiko, da die Nahrungsteilchen eingeatmet werden können.

Bei einem Verdacht auf ein Divertikel wird eine Röntgenuntersuchung angeordnet. Mittels einer Bariumsulfat-Lösung kann unter Röntgeneinsicht verbleibende Lösung im Divertikel erkannt werden. Eine Spiegelung der Speiseröhre wird meist nur vorgenommen, um Tumore auszuschließen.

Komplikationen

Ösophagusdivertikel haben nach der Behandlung eine sehr gute Prognose. Unbehandelt können jedoch schwerwiegende Komplikationen auftreten. Die größten Risiken für einen komplizierten Verlauf bestehen beim sogenannten Zenker-Divertikel. Es handelt sich um ein Pulsationsdivertikel im oberen Bereich der Speiseröhre.

Diese Divertikel müssen chirurgisch entfernt werden, weil sich sonst teilweise lebensbedrohliche Komplikationen entwickeln können. So reizen die in der Aussackung verbleibenden Nahrungsreste die Speiseröhre. Es kommt zu Entzündungen, die sogar zu Ösophagusblutungen führen können. In manchen Fällen findet sogar ein Durchbruch der Speiseröhre statt. Besonders nachts beim Liegen kann es zum Rückfluss von Speiseresten aus dem Divertikel kommen.

Dabei gelangen diese beim Einatmen in die Luftröhre und von dort auch in die Lunge. Es besteht Erstickungsgefahr. Gleichzeitig können die Speisereste Lungenentzündungen oder Lungenabszesse hervorrufen. Die epiphrenischen Divertikel, die am unteren Ende der Speiseröhre vorkommen, führen ebenfalls oft zur Entzündung der Speiseröhre. Des Weiteren kann sich ein hartnäckiger gastroösophagealer Reflux ausbilden, der chronisches Sodbrennen auslöst und die Gefahr von Speiseröhrenkrebs erhöht.

In geringerem Maße können auch hier Speisereste in den Rachen und in die Luftröhre gelangen, die dann Erstickungsanfälle oder Lungenentzündungen hervorrufen. Die parabronchialen Divertikel befinden sich in der Mitte der Speiseröhre und verursachen in der Regel keine Beschwerden. In sehr seltenen Fällen können sich jedoch Verbindungen (Fisteln) zur Luftröhre ausbilden, sodass die Speisereste auch hier in die Luftwege eindringen und zu den entsprechenden lebensgefährlichen Komplikationen führen können.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung des Zenker-Divertikels sowie des epiphrenalen Divertikels erfolgt operativ. Dabei wird die Speiseröhre freigelegt und das vorliegende Divertikel abgetragen. Diese Behandlung nennt sich Divertikulopexie.

Bei einem Zenker-Divertikel gibt es auch die Möglichkeit einer minimal-invasiven Entfernung durch die Mundhöhle. Parabronchiale Divertikel werden nur dann operativ entfernt, wenn es unbedingt nötig ist.

Bei Patienten, die an einem epiphrenalen Divertikel leiden, wird erst Versuch eine Symptomlinderung durch kleine Mahlzeiten und das Vermeiden von größeren Mengen von alkoholischen, fetthaltigen und sauren Lebensmitteln sowie Schokoladen herbeizuführen. Medikamente gegen die möglicherweise auftretende Refluxerkrankung können auch die Symptome verringern.

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Vorbeugung

Das Vorbeugen eines Osöphagusdivertikels ist nicht explizit möglich. Jedoch schonen eine ausgewogene Ernährung und kleine Portionen den Verdauungstrakt und mindert dadurch das Risiko an einem Divertikl zu erkranken.

Bücher über Refluxkrankheiten

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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