Scrofulose

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Oktober 2017
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Die Skrofulose war im Mittelalter eine weit verbreitete Hauterkrankung mit Halsdrüsengeschwulsten. Dieses Krankheitsbild wird heute mit Hauttuberkulose und allergischen Reaktionen in Zusammenhang gebracht. Die Therapie bestand während des Mittelalters vor allem aus einem Handauflegen durch den König.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Skrofulose?

Skrofulose ist die historische Bezeichnung für eine Hauterkrankung mit Halsdrüsengeschwulsten und einer Vergrößerung oder Zerstörung der Lymphknoten. Die heutige Medizin spricht in diesem Zusammenhang am ehesten von einer Hauttuberkulose. Der Begriff der Skrofulose war vor allem während des Mittelalters ein verbreiteter Begriff für verschiedene Erkrankungen der Hals- und Gesichtshaut. Das Auftreten der Erkrankung war in vielen Orten des Landes endemisch.

Die Skrofulose kam in bestimmten Orten also andauernd und gehäuft vor. Heute geht man im Zusammenhang damit von infektiösen Ursachen aus, wie sie auch für die Hauttuberkulose angenommen werden. Unter der Hauttuberkulose versteht der Mediziner der Gegenwart eine chronische oder akute Bakterieninfektion der Haut und Unterhaut. Nach Dornblüths klinischem Wörterbuch meinte die Skrofulose zum einen eine entzündliche und genetisch bedingte Überreaktion der Haut auf Umweltreize und zum anderen die Hauttuberkulose im Kindesalter, die mit chronischen Entzündungen einher ging.

Ursachen

Für die Tuberkulose typisch sind käsige Untergänge von Gewebe. Wenn für diese Gewebsuntergänge eine Neigung zum Einschmelzen besteht, dann kann sich das in Form von Hauttuberkulose äußern, wie sie im Mittelalter als Skrofulose beschrieben wurde. Die Ursache für eine Hauttuberkulose ist in aller Regel das Bakterium Mycobacterium tuberculosis. Eine infektiöse Ursache wie diese könne die mittelalterlich beschriebene Endemie der Erkrankung erklären.

Einige Wissenschaftler haben sich heute aber auch gänzlich von einem Zusammenhang zwischen der Tuberkulose und der Skrofulose entfernt und sprechen stattdessen von einer ursächlichen Allergie. Eine allergische Ursache würde zumindest die mittelalterlich beschriebenen Schwellungen der Lymphknoten in Kombination mit chronischem Schnupfen und entzündlichen Immunreaktionen erklären. Den mittelalterlichen Schriften zufolge waren von der Skrofulose vor allem Kinder bis zu 13 Jahren betroffen. Im Zusammenhang damit hinterfragen einige Wissenschaftler bis heute eine allergische Ursache und sprechen sich noch immer für Infektionen aus.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das Leitsymptom der Skrofulose waren die Entzündungen der Drüsen. Diese Entzündungen wurden typischerweise von Ekzemen begleitet. Nasen- sowie Ohren- oder Augenentzündungen traten oft begleitsymptomisch dazu auf. Lang andauernde Verdauungsstörungen und Appetitlosigkeit wurden ebenso zu den wichtigsten Symptomen gezählt. Manchmal lagen zusätzlich Atembeschwerden vor.

Der symptomatische Hautausschlag der Patienten entwickelte sich oft zu erhabenen Geschwulsten, aus denen eitriger Ausfluss austrat. Selbst Gelenkentzündungen und andere Entzündungserscheinungen des Skeletts wurden in verschiedenen Schriften für die Skrofulose beschrieben. Heute ist allerdings nur noch schwer einzuschätzen, welche Symptome wirklich mit der Skrofulose in Verbindung gestanden haben und welche eventuell auf eine zeitgleich zur Skrofulose eingetretene Erkrankung zurückzuführen waren. Manche Schriften bezeichnen kalte und schwitzende Füße bei Kleinkindern als Frühsymptome der Skrofulose. Die Zuverlässigkeit dieser Aussage steht allerdings in Frage.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Erkrankung verlief während des Mittelalters äußerst langwierig. Manche Schriften sprechen von einer Krankheitsdauer um die zehn Jahre. Die Diagnose wurde in der Regel blickdiagnostisch gestellt, da sich mit den typischen Ekzemen der Krankheit ein mit bloßem Auge zu erkennendes Kriterium der Diagnostik bot. In einigen Fällen hat sich die Skrofulose während des Mittelalters im Verlauf auf das gesamte Lymphsystem ausgeweitet und damit das Erscheinungsbild einer Pseudoleukämie verursacht.

Komplikationen

Die Skrofulose ist in der Regel mit verschiedenen Beschwerden und Erkrankungen der Haut verbunden. Betroffene leiden an wiederkehrenden Entzündungen, die meist mit Juckreiz, Rötungen und Schmerzen verbunden sind. Begleitend dazu treten mitunter auch Mandelentzündungen oder Entzündungen der Ohren auf.

Eine Ohrenentzündung verursacht ebenfalls intensive Schmerzen, die bis in den Kopf oder Nacken ausstrahlen können. Im Allgemeinen kann sich die Skrofulose auf verschiedene Körperregionen ausbreiten und beispielsweise eine Blinddarmentzündung, eine Nasennebenhöhlenentzündung und andere Beschwerden auslösen. Bei Fehlstellungen von Kiefer und Gebiss können Probleme bei der Nahrungsaufnahme auftreten.

Die Behandlung einer Skrofulose birgt ebenfalls Risiken. So können die verordnen Medikamente Neben- und Wechselwirkungen hervorrufen. Nach der Einnahme von Phytotherapeutika können vereinzelt Störungen des Immunsystems auftreten. Auch klassische Arzneimittel rufen mitunter Beschwerden hervor – etwa Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden oder Hautirritationen.

Auch allergische Reaktionen können auftreten, die in Verbindung mit den ursprünglichen Symptomen mitunter weitere Beschwerden hervorrufen. Werden ohne Rücksprache mit dem Arzt Naturheilmittel eingenommen, kann dies zu einem Unwohlsein führen und unter Umständen Beschwerden der Haut, des Immunsystems, des Herz-Kreislauf-Systems oder des Magen-Darm-Traktes auslösen.

Behandlung & Therapie

Ab dem Mittelalter und bis in die frühe Neuzeit hinein wurde die Skrofulose in Frankreich und England vor allem vom König selbst behandelt. Damals glaubte das Volk an eine Berufung des Königs durch Gott und unterstellte ihm so die Fähigkeit, Skrofulose durch bloßes Handauflegen zu heilen. Die Heilung von Skrofulose-Patienten gehörte daher sowohl in Frankreich, als auch in England zu den alltäglichen Königsriten. Der rechtmäßig gesalbte König legte den Patienten also täglich die Hände auf.

Oft reisten die Kranken sogar aus weit entfernten Orten an, um vom König geheilt zu werden. Unter dem englischen König Karl II. erreichte das Handauflegen seinen Klimax. Er legte während seiner Herrschaft schätzungsweise 100.000 Menschen die Hände auf, um damit die Wiederherstellung der sakralen Königsherrschaft zu repräsentieren. In der Volksmedizin wurde die Skorfulose teilweise mit Arsen, Silicium, Heilpflanzen oder anderen Stoffen aus der Natur behandelt.

Körperliche Bewegungen und Sonnenlicht galten als Therapieempfehlungen. Auch einer Ernährung auf Basis von Milchprodukten wurden zum Teil heilende Wirkungen nachgesagt. Zusätzlich kam der salzhaltigen Hautpflege eine besondere Bedeutung zu. Ein Gemisch aus Lebertran, Eidotter und Zucker sollte die Schwellungen der Drüsen eindämmen. Später wurden den Patienten gegen Entzündungen der Knochen, der Gelenke und der Drüsen zum Teil auch operative Maßnahmen nahe gelegt.

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Vorbeugung

Im Mittelalter war die Volksmedizin der Ansicht, eine strenge Diät und strenge Hygienemaßnahmen könnten Erkrankungen wie der Skrofulose vorbeugen. Scharfe, sowie würzige und stark gesalzene Speisen wurden in diesem Zusammenhang zum Beispiel genauso verboten, wie Alkohol. Zweimal wöchentlich wurde zu einem lauwarmen Bad geraten. Auch der Seeluft und der Bergluft wurden oft präventive Effekte nachgesagt.

Bücher über Lymphknotenschwellung & Scrofulose

Dr. Nonnenmacher zum Thema Lymphknotenschwellung

Quellen

  • Dirschka, T., Hartwig, R.: Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2011
  • Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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