Schmerzen beim Stillen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 5. November 2017
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Stillen ist das Beste für Mutter und Kind. Keine Säuglingsnahrung kommt an die Zusammensetzung der Muttermilch mit all ihren gesundheitlichen Vorteilen heran, diese These gilt auch unter Wissenschaftlern als unumstritten. Doch auch wenn Stillen eines der natürlichsten Dinge der Welt sein sollte, kommt es gerade in der Anfangszeit nicht selten zu Problemen. Eines davon können Schmerzen beim Stillen sein.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Schmerzen beim Stillen?

Unter Schmerzen beim Stillen verstehen sich alle Formen von körperlichem Unwohlsein während der Stillvorgangs. Die Schmerzen beim Stillen treten vor allem im Bereich der Brust auf, können sich aber auch im Nacken und im Rücken lokalisieren.

Insbesondere Erstlingsmütter, die zuvor noch kein Kind an der Brust ernährt haben, klagen über Schmerzen beim Stillen. Die Schmerzen beim Stillen können so stark werden, dass eine Mutter sich entscheidet, ihr Baby nicht länger stillen zu wollen. Wenn Stillen grundsätzlich gewünscht ist, sollte vorm Übergang zur Kunstmilch aber immer eine genaue Diagnostik und wenn möglich Behandlung der Schmerzen beim Stillen erfolgen!

Ursachen

Die Ursachen für Schmerzen beim Stillen liegen oftmals in einer falschen Körperhaltung beim Stillen begründet. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Schmerzen im Rücken- und Nackenbereich verspürt werden und tendenziell schnell nachlassen, sobald eine andere Körperhaltung eingenommen wird.

Eine falsche Haltung beim Stillen kann in der Tat für große Schmerzen sorgen. Beugt sich die Mutter beispielsweise zu weit vor, werden Nacken und Rücken zu stark beansprucht. Schmerzhafte Verspannungen sind die Folge. Schmerzen während des Stillens können aber auch von Störungen des Milchflusses herrühren. Etwa zwei bis fünf Tage nach der Geburt kommt es zum so genannten Milcheinschuss. Die Brust ist in dieser Zeit oft gerötet, geschwollen und fühlt sich heiß an. Das Anlegen des Babys wird als unangenehm bis schmerzhaft empfunden.

Schmerzen wegen des Milcheinschusses sind aber nicht als krankhaft zu bewerten, sondern durchaus normal! Anders verhält es sich, wenn die Schmerzen beim Stillen von einer Brustentzündung verursacht werden. Hierbei hat sich Brustgewebe entzündet. Viele Frauen klagen über starkes Unwohlsein, häufig auch verbunden mit Fieber. Eine Brustentzündung kann von gestauter Milch in der Brust kommen. Es handelt sich hierbei um eine Krankheit, die bei sehr schmerzhaften Verläufen ärztlich kontrolliert werden sollte.

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Typische & häufige Krankheiten

Diagnose & Verlauf

Insbesondere Erstlingsmütter, die zuvor noch kein Kind an der Brust ernährt haben, klagen über Schmerzen beim Stillen.

Treten Schmerzen während des Stillens auf, sollten diese zunächst von der Mutter hinsichtlich des Verlaufs beobachtet werden. Stillen ist ein Vorgang, den Mutter und Kind erst üben müssen. Gehen die Schmerzen also sehr schnell zurück, so handelt es sich in vielen Fällen auch lediglich um eine ungünstige Saugtechnik des Babys oder erste Anlegeprobleme der Mutter.

Bleiben die Schmerzen beim Stillen, ist unbedingt eine gute Diagnostik nötig. Die Hebamme ist hierbei ein guter Ansprechpartner. Kann die Hebamme nicht weiterhelfen oder treten Symptome wie Fieber, schwere Erschöpfung und Erbrechen auf, ist immer an eine ausgeprägte Brustentzündung zu denken. In diesem Fall sollte ein schneller Besuch beim Gynäkologen anstehen.

Dieser kann die Brust abtasten und gegebenenfalls Blutwerte kontrollieren. In manchen Fällen ist je nach Ergebnis der Diagnostik die Verordnung eines Antibiotikums nötig.

Komplikationen

Schmerzen beim Stillen können zu Komplikationen führen, wenn die Mutter sich aus Angst vor den Schmerzen nicht mehr traut, das Baby regelmäßig anzulegen. Komplikationen können weiter auftreten, wenn Schmerzen beim Stillvorgang zu ungünstigen Anlegetechniken an der Brust führen. Kann das Baby nicht richtig an der Brust saugen oder wird es wegen Unwohlsein der Mutter nicht mehr ausreichend oft angelegt, kann die Brust sich nicht mehr vollständig entleeren.

Daraus kann sich als Kompilation ein Milchstau entwickeln. Schnell entsteht so ohne ursächliche Behandlung der Schmerzen ein Teufelskreis: Der Milchstau sorgt für neue Schmerzen und diese wiederum tragen erneut dazu bei, dass nicht ausreichend oder nicht korrekt angelegt wird. Aus einem Milchstau kann sich eine Brustentzündung entwickeln. Diese muss gegebenenfalls auch mit einer Antibiose behandelt werden, da ansonsten die Entzündung sich auf den ganzen Körper ausbreiten kann.

Hebamme und Frauenarzt sind bei Schmerzen beim Stillen deswegen ein guter Ansprechpartner, um Komplikationen zu vermeiden, die sich bei nicht genügender Entleerung der Brust naturgemäß einstellen. Schmerzen beim Stillen können aber auch von selbst wieder vergehen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die Schmerzen vor allem aus der ungewohnten Beanspruchung der Brust resultieren. Sofern die Brust dennoch leer getrunken wird, ist hier nicht mit weiteren Komplikationen zu rechnen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Die ersten Schmerzen beim Stillen treten noch in der Entbindungsklinik auf. Da hier noch ein Arzt anwesend sein wird, ist es ratsam, sich darüber aufklären zu lassen, wie diese Schmerzen entstehen und wie lange sie andauern dürfen. Treten etwa nach einem Kaiserschnitt starke Schmerzen auf, sollte die Frau darauf bestehen, beim Stillen Hilfe zu bekommen. Dies wird in der Regel von den Stationsschwestern übernommen.

All das kann einer frisch gebackenen Mutter helfen, besser mit den Schmerzen umzugehen und abzuwarten, bis sie sich von alleine auflösen. Treten in den Wochen und Monaten danach erneut Schmerzen beim Stillen auf, ist das nicht mehr normal und sollte ärztlich untersucht werden. Wenn gleichzeitig Symptome wie erschwerter Milchfluss, geschwollene Brüste oder gerötete und gereizte Brustwarzen auftreten, deutet alles auf einen Milchstau oder eine Brustentzündung hin. Das kann zwar vorkommen, muss aber behandelt werden, denn andernfalls bekommt das Baby keine Nahrung mehr.

Schmerzen beim Stillen können auch dadurch auftreten, dass das Baby nicht richtig andockt oder beim Zahnen beißt, ohne natürlich zu wissen, dass es der Mutter damit wehtut. Manche Frauen sind auch einfach sehr empfindlich an der Brust und müssen sich erst an das Gefühl gewöhnen. Der Gynäkologe kann in diesen Fällen helfen, in der ersten Zeit ist jedoch auch die Nachsorgehebamme eine verständnisvolle und fachkundige Ansprechpartnerin bei allen Problemen rund ums Stillen.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung von Schmerzen beim Stillen richtet sich nach der Ursache. Die harmloseste Ursache sind meist falsche Anlegetechniken und falsche Körperhaltung beim Stillen. Frauen sollten hierbei keine Scheu haben, auch wiederholt ihre Hebamme um Rat zu bitten.

Jede Frau hat Anrecht auf Hausbesuche durch eine Hebamme, die gerade den Vorgang des Stillens beobachten und ensprechend beraten kann. Hebammen kennen meist kleine Tricks, um das Baby zu einer besseren Sautechnik zu animieren. Produkte wie Stillkissen können helfen, das Baby während des Stillens besser hinzulegen. Das Stillkissen hilft, dass die Mutter sich nicht allzu weit nach vorne beugen muss. So werden Nacken und Rücken geschont. Generell sollten Mütter darauf achten, eine möglichst entspannte, aufrechte Sitzhaltung beim Stillen einzunehmen. Stillen darf bequem sein!

Gerade beim Milcheinschuss ist es wichtig, das Baby möglichst oft anzulegen, damit der Milchfluss angeregt wird und sich das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage einpendeln kann. Umschläge mit Quark können Linderung verschaffen. Viele Krankenhäuser bieten bei stark beanspruchten Brustwarzen in den ersten Tagen auch eine Laserbehandlung an. Dies ist schmerzfrei, für den Milchfluss und die Qualität der Milch völlig unbedenklich. Im Falle einer Brustenzündung besteht die Behandlung in der Bekämpfung der Entzündung.

Um die bakterielle Infektion in den Griff zu bekommen, ist meist die Verordnung eines stillfreundlichen Antibiotikums nötig. Brustentzündungen sind nicht selten mit starken Schmerzen gerade beim Stillen verbunden. Diese können auch symptomatisch durch entsprechende Schmerztabletten behandelt werden. Viele Schmerzmedikamente sind in geringen Dosen mit dem Stillen sehr gut zu vereinbaren, sollten aber niemals ohne Rücksprache mit Arzt oder Hebamme angewendet werden.

Aussicht & Prognose

Schmerzen beim Stillen treten häufig durch eine falsche Körperhaltung auf. Das Skelettsystem und die Muskulatur werden fehlerhaft belasten und lösen dadurch Schmerzen aus. Eine Veränderung der Körperhaltung und die Nutzung von Still- sowie Schwangerschaftskissen helfen, um eine dauerhafte Linderung der Schmerzen zu erreichen. Darüber hinaus sind sportliche Aktivitäten und Dehnübungen hilfreich, um die Symptome zu lindern.

Bei Brustschmerzen an der Warze, die durch das Stillen auftreten, können natürliche Pflegeprodukte für die Brustwarze zu einer Reduzierung der Beschwerden beitragen. Gemeinsam mit der Hebamme können Hinweise und Tipps für eine optimale Saugtechnik erarbeitet werden, die beim Heilungsprozess helfen. Tritt eine Brustentzündung auf, kommt es bei der Weiterführung des Stillens zu einer Zunahme der Schmerzen. Die Stillmethode muss dann überdacht und verändert werden. In einigen Fällen ist ein Absetzen des Stillens notwendig, da über die Muttermilch die Krankheitserreger in den Organismus des Neugeborenen gelangen können. Nach einigen Wochen ist die Entzündung im Normalfall vollständig verheilt.

Werden die Schmerzen durch einen Milchstau ausgelöst, besteht ein Ungleichgewicht zwischen der produzierten und der genutzten Muttermilch. Die Mutter kann die überschüssige Muttermilch abpumpen, um eine Schmerzlinderung zu erreichen. Mit dem Abstillen verschwinden die aufgetretenen Schmerzen dauerhaft. Nur in sehr seltenen Fällen kommt es zu weiteren Beeinträchtigungen oder Beschwerden.

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Vorbeugung

Die beste Vorbeugung gegen Schmerzen beim Stillen besteht in einer optimalen Körperhaltung beim Stillen und häufigem Anlegen des Säuglings. Hierbei empfinden die meisten Frauen Hebammenhilfe als nützlich. Wer Schmerzen vorbeugen möchte, kann sich vorab und auch nach der Geburt oftmals in speziellen Stillcafés im Krankenhaus über den Vorgang des Stillens informieren.

Viele Geburtskliniken bieten solche Treffen an, die oftmals auch von Kinderkrankenschwestern und Hebammen geleitet werden. Auch hierbei haben Mütter die Gelegenheit, Fragen zum Stillen zu stellen sowie Körperhaltung und Anlegetechnik gegebenenfalls korrigieren zu lassen.

Das können Sie selbst tun

Schmerzen beim Stillen belasten die Stillbeziehung und müssen schnell verschwinden, wenn sie auftreten. Unmittelbar nach der Geburt sind sie leider normal und treten bei Kaiserschnitt-Patientinnen noch viel stärker auf. Gerade sie müssen auf Hilfe beim Stillen bestehen. Direkt nach dem Kaiserschnitt darf das Baby nicht auf dem Bauch der Mutter liegen, da das die Schmerzen nur verschlimmert - bestenfalls wird es von einer anderen Person gehalten.

Auch Frauen, die spontan entbunden haben, dürfen auf Hilfe beim Stillen bestehen. Wenn sie noch einige Tage in der Geburtsklinik bleiben, können die Stationsschwestern verschiedene Stillpositionen zeigen, in denen es möglicherweise leichter geht. Treten Schmerzen beim Stillen durch Ursachen wie Brustentzündungen oder Milchstau auf, ist Abpumpen eine sinnvolle Lösung. Die Aufsätze spezieller Saugflaschen für Muttermilch sind ähnlich gemacht wie eine Brustwarze, was verhindern soll, dass das Baby durch den kurzfristigen Wechsel auf abgepumpte Milch eine Saugverwirrung entwickelt. Währenddessen kann die Mutter in ihrem Tempo Milch abpumpen und hat weniger Schmerzen, als wenn das Baby in dieser Zeit selbst saugen würde.

Zeitgleich muss natürlich die Ursache der Schmerzen beim Stillen behoben werden, damit das Baby nicht zu lange mit der Flasche ernährt werden muss. Wenn immer wieder Schmerzen auftreten und das Stillen deshalb nur sehr schlecht funktioniert, ist das Abstillen eine letzte mögliche Option, die aber nach Möglichkeit vermieden werden sollte.

Bücher über Schmerzen beim Stillen

Quellen

  • Arastéh, K., et al.: Innere Medizin, Thieme, Stuttgart 2012
  • Largo, R.: Babyjahre. Die frühkindliche Entwicklung aus biologischer Sicht. Piper, München 2016
  • Stiefel, A., Geist, C., Harder, U.: Hebammenkunde. Hippokrates, Stuttgart 2013

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