Mastitis puerperalis (Brustentzündung in der Stillzeit)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 9. Oktober 2017
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Eine Mastitis puerperalis ist eine Entzündung der milchproduzierenden (laktierenden) Brust, die durch eine bakterielle Infektion verursacht wird und neben dem Milchstau die häufigste Komplikation während der Stillzeit darstellt. Von einer Mastitis puerperalis ist in etwas eine von hundert Frauen nach der Entbindung betroffen, wobei die Erkrankung in der Regel gut therapierbar ist.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Mastitis puerperalis?

Als Mastitis puerperalis wird eine akute Brustdrüsenentzündung während der Stillzeit bezeichnet, die auf bakterielle Erreger (zu über 90% auf Staphylococcus aureus) zurückzuführen ist.

In Abhängigkeit von der Ausbreitungsart wird zwischen zwei Formen einer Mastitis puerperalis differenziert. In den meisten Fällen breitet sich eine Mastitis puerperalis diffus im Bindegewebe der Brust über das Lymphsystem oder das Blut aus (interstitielle Mastitis puerperalis).

Daneben kann eine Mastitis puerperalis über das Milchgangsystem der betroffenen Brust Verbreitung finden, wobei die Übertragung in erster Linie beim Stillen stattfindet.

Ursachen

Eine Mastitis puerperalis wird durch eine Kontamination mit einem bakteriellen Erreger ausgelöst, der in der Regel aus dem keimbesiedelten Nasen-Rachen-Raum des Kindes stammt. Das Kind kann hierbei von der Mutter oder vom Krankenhauspersonal (Nosokomialinfektion) infiziert worden sein.

Daneben ist eine Kontamination infolge eines Kontakts zwischen der Brusthaut und den als infektiös eingestuften Lochien (Wundsekretion nach der Geburt) möglich. Die Erreger dringen über Rhagaden (feine Risse) in der Brustwarze (Mamille), dem Warzenvorhof oder der Haut während des Stillens in die Brust ein, verbreiten sich und lösen eine Mastitis puerperalis aus.

Ferner kann eine Mastitis puerperalis durch einen Milchstau verursacht werden, bei welchem die Vermehrung der Erreger zusätzlich, ähnlich wie bei einem „stehenden Gewässer“, begünstigt werden kann.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Bei einer Mastitis puerperalis wird die Diagnose im Rahmen einer klinischen Untersuchung gestellt. So sind eine schmerzhafte Schwellung im Bereich der betroffenen Brustdrüse einhergehend mit Rötung, Überwärmung der Haut sowie plötzlich auftretendem Fieber, Gliederschmerzen und angeschwollenen Achsellymphknoten charakteristische Symptome einer Mastitis puerperalis.

Gesichert wird die Diagnose durch eine Blutanalyse, anhand derer das Blut auf Entzündungsmarker getestet wird. In einigen Fällen (4-12%) bildet sich bei Mastitis puerperalis innerhalb von 1 bis drei Tagen ein Abszess (Eiteransammlung). Bei Verdacht auf Abszessbildung wird eine Sonographie (Ultraschalluntersuchung) zur Bestimmung von Größe und Lage des Abszesses erforderlich.

Generell ist der Verlauf einer Mastitis puerperalis gut und die Entzündung bildet sich selbst oder durch die Behandlung schnell zurück. Lag jedoch bereits eine Mastitis puerperalis vor, kann die Erkrankung chronisch werden und das Risiko für eine rezidivierende Mastitis puerperalis ist erhöht.

Komplikationen

Eine Brustentzündung in der Stillzeit ist in der Regel sehr unangenehm und führt zu brennenden Schmerzen und weiteren Einschränkungen. Um Folgeschäden zu vermeiden, ist daher auf jeden Fall eine Behandlung von einem Arzt notwendig. Die Betroffenen leiden dabei vor allem an Fieber während der Stillzeit. Neben dem Fieber kommt es auch zu einer Müdigkeit und zu einer Abgeschlagenheit.

Die Brüste der Mutter entzünden sich, wodurch es zu Schmerzen und zu unangenehmen Gefühlen an der Brust kommt. Vor allem beim Stillen kommt es dabei zu starken Schmerzen. Die Brüste können sich durch die Brustentzündung in der Stillzeit auch vergrößern oder anschwellen. Weiterhin kommt es auch zu den gewöhnlichen Beschwerden einer Grippe, sodass die Patienten an Kopfschmerzen und an Gliederschmerzen leiden. Die Lebensqualität wird durch diese Krankheit deutlich verringert.

In vielen Fällen führt die Brustentzündung in der Stillzeit allerdings nicht zu weiteren Komplikationen und verschwindet dabei wieder von alleine. Nur selten ist dabei eine Behandlung notwendig. Diese wird allerdings mit Hilfe von Antibiotika durchgeführt und führt nicht zu weiteren Komplikationen. Auch die Lebenserwartung des Patienten wird durch die Brustentzündung in der Stillzeit nicht beeinflusst.

Behandlung & Therapie

Bei einer Mastitis puerperalis werden zuerst physikalische Maßnahmen angewandt. Hierzu gehören Kühlung sowie konsequente Entleerung der Brust zur Vermeidung eines Milchstaus. Zusätzlich kann die Milchbildung medikamentös durch Prolaktinhemmer verringert werden.

Ferner sollte die betroffene Brust nach Möglichkeit ruhig gestellt werden. Kann innerhalb von 24-48 Stunden keine Besserung festgestellt werden, wird eine Antibiotikatherapie empfohlen. Da etwa 80 Prozent der Stämme von Staphylococcus aureus gegen Penicillin resistent sind, wird hierzu vom Arzt ein Abstrich genommen, um ein Antibiotikum zu bestimmen, auf das der Erreger nicht resistent ist. Hat sich im weiteren Verlauf ein Abszess gebildet, kann der Arzt den Abszess durch eine Inzision (minimaler Hauteinschnitt) entleeren, indem er eine Lasche oder einen kleinen Schlauch zur Ableitung des Wundsekrets in die Abszesshöhle legt (Saug-Spüldrainage).

Bis zum vollständigen Abklingen der Mastitis puerperalis sind tägliche Wundspülungen erforderlich. Entwickeln sich im Rahmen einer Mastitis puerperalis lediglich kleinere subkutane Abszesse, können diese unter Umständen punktiert und das Wundsekret mit Hilfe einer Spritze abgesaugt werden. Während bei einer leichten Mastitis puerperalis nach den ersten beiden Tagen weiter gestillt werden kann, sollte bei einer abszedierenden Mastitis puerperalis auf das Stillen in jedem Fall verzichtet werden.

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Vorbeugung

Eine adäquate Hautpflege der Brust zur Vermeidung von Rhagaden (Salben, Cremes) kann während der Stillzeit einer Mastitis puerperalis vorbeugen. Auch eine regelmäßige und sorgfältige Entleerung der Brust kann über ein vermindertes Risiko für Milchstau zur Vorbeugung beitragen. Darüber hinaus sollte unbedingt ein direkter Kontakt der Brust mit Lochien zur Vermeidung einer Mastitis puerperalis unterbunden werden.

Das können Sie selbst tun

Bei der Mastitis puerperalis oder der Brustentzündung in der Stillzeit kann die Betroffene selbst einige Maßnahmen ergreifen, um die Symptome zu lindern und die Entzündung zu heilen.

Zunächst ist ein gutsitzender BH von Vorteil, sollte es zu einer Brustentzündung kommen. Des Weiteren kann vor jedem Stillen eine warme Kompresse auf die Brust gelegt werden. Diese regt aufgrund der Wärme den Milchfluss an. Während der Zeit zwischen dem Stillen, kann das Kühlen der Brust mit Hilfe von Eisbeuteln oder Quarkwickeln zu einer Verbesserung der Entzündung kommen. Auch Wickel mit essigsaurer Tonerde können zu einer Kühlung und damit zu einer Verbesserung führen. Die Brust sollte regelmäßig entleert werden, damit es zu keiner Anstauung von Milch in der Brust kommt. Außerdem sollte die Betroffene auf eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme achten. Ebenso ist auf Bettruhe zu achten.

Wenn die Mastitis puerperalis zu stark ausgeprägt ist, dann kann die Betroffene oft schmerzbedingt nicht stillen. Ein Arzt sollte konsultiert werden, der Medikamente verschreibt, welche dem Säugling nicht schaden können. Kommt es zu keiner Verbesserung der Mastitis puerperalis nach Anwendung der genannten Selbsthilfemaßnahmen, sollte ein Arzt aufgesucht werden, der dann in der Regel eine Behandlung der Brustentzündung mit Antibiotika beginnt.

Bücher über Brustentzündung

Quellen

  • Goerke, K., Steller, J., Valet, A.: Klinikleitfaden Gynäkologie. Urban & Fischer, München 2003
  • Kaufmann, M., Costa, S.-D., Scharl, A. (Hrsg.): Die Gynäkologie. Springer, Berlin 2013
  • Stauber, M., Weyerstrahl, T.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013

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