Progressive familiäre intrahepatische Cholestase

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 19. September 2017
Startseite » Krankheiten » Progressive familiäre intrahepatische Cholestase

Unter dem Begriff progressive familiäre intrahepatische Cholestase werden drei, im Erscheinungsbild sehr ähnliche, Cholestasen zusammengefasst, die durch unterschiedliche Gendefekte voneinander abgegrenzt werden können. Die Krankheiten werden autosomal rezessiv vererbt und führen aufgrund fehlerhaft kodierter Membrantransportproteinen in den Gallenkapillarmembranen zu einem Stau von Gallenflüssigkeiten im Körper. Eine Heilung der Krankheit setzt eine Lebertransplantation voraus, ansonsten ist die Prognose für alle drei Formen der Krankheit ungünstig.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine progressive familiäre intrahepatische Cholestase?

Bei der seltenen progressiven intrahepatischen Cholestase (PFIC) handelt es sich um eine autosomal-rezessiv vererbte Erkrankung der Leber. Es sind drei verschiedene Formen der Krankheit, der PFIC Typ1 bis Typ 3 (PFIC1, PFIC2, PFIC3) bekannt, die sich klinisch nur wenig unterscheiden. Ihr Hauptabgrenzungsmerkmal besteht in unterschiedlichen Gendefekten, die jeweils ein bestimmtes Membrantransportprotein in den Leberzellen fehlerhaft kodieren.

Es kommt dadurch zu einer gestörten Ausscheidung von Gallensäuren und bedingt einen auf die Leberzellen (Hepatozyten) toxisch wirkenden Stau der Gallensäuren sowie einen Stau der Gallenflüssigkeit im Körper (Cholestase). Der PFIC Typ 1 wird auch als Morbus Byler oder Byler-Syndrom bezeichnet, weil der verursachende Gendefekt erstmals bei einer Familie Byler festgestellt wurde.

Alle drei Formen der Krankheit führen bereits im frühen Alter zur Ausbildung einer Leberzirrhose, die sich medikamentös und diätetisch nur verzögern, nicht aber verhindern lässt. Die einzige Heilungsmöglichkeit besteht in einer Lebertransplantation noch im Kindesalter.

Ursachen

Die progressive familiäre intrahepatische Cholestase wird ausschließlich durch bestimmte Gendefekte verursacht, die autosomal-rezessiv vererbt werden. Das bedeutet, dass die Krankheit nicht geschlechtsspezifisch ist und nur zum Tragen kommt, wenn beide Elternteile den gleichen Gendefekt aufweisen. PFIC1 geht auf das mutierte ATP8B1-Gen ATP auf Chromosom 18 zurück.

Die Genmutation bewirkt eine Störung des Phosphoglycerids Phosphatidylserin, das für die Funktion eines bestimmten Aminophospholipid-Transporters wichtig ist. Es kommt dadurch zu einer intrahepatischen Cholestase. Da der gleiche Zelltyp auch in der Bauchspeicheldrüse vorhanden ist, stellen sich auch dort ähnliche Symptome ein. Hierdurch erklären sich die bei PFIC1 ebenfalls zu beobachtenden extrahepatischen Symptome.

Die Krankheitsvariante PFICB2 lässt sich auf eine Genmutation des ABCB11-Gens auf Chromosom 2 zurückführen. Das defekte Gen ist an der Funktionsfähigkeit eines Gallensäuretransporters beteiligt und führt ebenfalls zu einer Cholestase. Eine Genmutation im ABCB4-Gen auf Chromosom 7 führt zu einer verringerten Ausscheidung von Lecithin, so dass es zu einem verringerten Schutz der Hepatozyten kommt.

Die Auswirkungen des Gendefekts, der ursächlich für die Entstehung von PFICB3 verantwortlich ist, äußern sich in einer chronischen Cholangitis, die letztlich der Auslöser für die Entwicklung einer Leberzirrhose ist.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Symptomatik bei allen drei Formen der PFIC ist nur wenig unterschiedlich und tritt vielfach bereits bei den Neugeborenen auf. Alle drei Erscheinungsformen werden von schwerem Juckreiz begleitet, der nur bei PFIC3 schwächer ausgeprägt ist. Das Byler-Syndrom zeichnet sich schon bald nach der Geburt durch eine chronische Gelbsucht, durch Diarrhö, Pankreatitis sowie durch Wachstumsstörungen und Schwerhörigkeit aus.

Das Auftreten von Lebertumoren und die Ausbildung von Gallensteinen bereits im ersten oder zweiten Lebensjahr sind typische Anzeichen für PFIC2. Wenn auch der Verlauf der Krankheit bei PFIC3 im Vergleich zu den beiden anderen Formen langsamer und milder zu sein scheint, entwickelt sich später eine Leberzirrhose.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Bei Neugeborenen, die Symptome einer Cholestase zeigen, ohne dass eine Verlegung der Gallenwege vorliegt, deutet auf die Erbkrankheit PFIC hin. Eine laborchemische Untersuchung liefert Hinweise über die Leberenzymwerte und über Gallensäure im Blut. Weitere Diagnosemöglichkeiten bestehen in einer Leberbiopsie mit anschließender histologischer Untersuchung und Überprüfung auf Vorhandensein defekter Transportproteine.

Prinzipiell ist eine molekulargenetische Untersuchung hilfreich, vor allem zur Abgrenzung der drei Formen der PFIC untereinander. Allerdings sind die Ergebnisse einer derartigen Untersuchung nicht immer zuverlässig. Die Zusatzbezeichnung progressiv deutet bereits darauf hin, dass die Krankheit unbehandelt einen progressiven Verlauf nimmt. Die Überlebensprognose ist bei allen drei Erscheinungsformen der Krankheit ungünstig. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt unbehandelt bei unter zehn Jahren.

Komplikationen

Bei dieser Krankheit kommt es in den meisten Fällen zum Tod, wenn keine Behandlung eintritt. Die Betroffenen sind dabei in der Regel auf die Transplantation der Leber angewiesen, um zu überleben. Eine Selbstheilung tritt dabei nicht ein. Die Beschwerden treten dabei schon im Kindesalter auf und können zu einem sehr starken Juckreiz auf der Haut führen.

Auch eine Gelbsucht tritt dabei auf und verringert die Lebensqualität des Patienten enorm. Ebenso leiden die Betroffenen dabei an einer Schwerhörigkeit und an Störungen des Wachstums und der Entwicklung. Weiterhin führt die Krankheit auch zu störrigen Durchfällen oder zu Blähungen. Auch die Eltern und die Angehörigen der Patienten leiden aufgrund der Erkrankung sehr häufig an Depressionen oder an anderen psychischen Verstimmungen.

Sollte es nicht zu einer Behandlung kommen, so führt diese Erkrankung in der Regel zu einer Leberzirrhose, die schließlich zum Tod des Betroffenen führt. Die Behandlung dieser Erkrankung erfolgt mit Hilfe von Medikamenten. Allerdings sind die Patienten in den meisten Fällen auf eine Transplantation der Leber angewiesen, um die Lebenserwartung zu erhöhen.

Behandlung & Therapie

PFIC ist aufgrund der genetisch bedingten Verursachung nicht heilbar, so dass sich Therapien auf Behandlung der Symptomatik konzentrieren, um eine Hinauszögerung des progressiven Krankheitsverlaufs zu erreichen. Wichtig ist eine hochwertige Ernährung mit hochkalorischen Elementen, um die durch Diarrhö verminderte Aufnahmefähigkeit des Darms zu kompensieren.

Hinsichtlich Ernährung sollte auch für eine ausreichende Zufuhr fettlöslicher Vitamine und für eine Anreicherung mit mittelkettigen Fetten (MCT-Kost) gesorgt werden. Der Juckreiz wird normalerweise mit Antihistaminika behandelt, auf die aber nicht alle Patienten ansprechen. Eventuelle Nebenwirkungen dieser leicht sedierenden Medikamente müssen bedacht werden.

Einige Patienten sprechen auf Ursodesoxycholsäure an, wodurch der fibröse Umbau der Leber unter Umständen gestoppt oder zumindest stark verlangsamt werden kann. Besonders bei PFIC1 und 2 kann unter Umständen eine partielle externe Gallediversion den Krankheitsverlauf stoppen. Mittels einer Dünndarmschleife wird ein Stoma, ein künstlicher Ausgang für die Gallenblase geschaffen, so dass für etwa 30 bis 50 Prozent der Gallenflüssigkeit ein Bypass nach außen entsteht.

Alternativ hierzu können mit einem Bypass etwa 15 bis 20 Prozent des Dünndarms überbrückt werden, so dass die Reabsorption der Gallesalze verringert wird. Der Vorteil besteht darin, dass kein künstlicher Ausgang geschaffen werden muss. Als Ultima Ratio bleibt als einzige Möglichkeit zur Heilung der Krankheit eine Lebertransplantation.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Wegen der genetisch bedingten Verursachung der PFIC sind keine Vorsorgemaßnahmen existent, die Einfluss auf eine Verhinderung der Krankheit hätten. Empfehlenswert ist eine Nachforschung innerhalb der eigenen Familie, ob Fälle einer diagnostizierten PFIC bekannt sind.

Bücher über Gallensteine

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: