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Pocken

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 14. Januar 2013
Symptomat.deKrankheiten Pocken

Die Pocken bzw. Blattern sind eine extreme und hochansteckende Infektionskrankheit. Sie wird durch Viren verursacht und durch Tröpfcheninfektion bzw. Staub oder direkten Kontakt übertragen. Typische Anzeichen sind die infektiösen und ansteckenden Eiterblasen bzw. Pusteln. Nicht verwechselt werden sollten die oftmals tödlich verlaufenden Pocken mit den eher harmloseren Windpocken bei Kindern.

Inhaltsverzeichnis

Definition Pocken

Pocken (Blattern, Variola) sind eine hochansteckende, akute, meldepflichtige Infektionskrankheit und sollten nicht mit der Kinderkrankheit der Windpocken verwechselt werden. Erreger ist das zur Familie Poxviridae gehörende Variolavirus. Die Übertragung erfolgt durch Tröpfchen-, Schmier- und Staubinfektion. Die Inkubationszeit beträgt 7‒11 Tage. 1980 erklärte die Weltgesundheitsorganisation diese Erkrankung nach einem weltweiten Impfprogramm als ausgerottet. Die allgemeine Impfpflicht wurde aufgehoben; internationale Impf- und Quarantänebestimmungen bleiben jedoch in Kraft.

Die echten Pocken (Variola major, Variola vera) werden durch Orthopoxvirus variola hervorgerufen. Die Pocken sind als endemische Krankheit schon seit etwa 1000 v. Chr. in China, Indien und Arabien bekannt. In Europa kam es im 6. Jahrhundert zur ersten sicher belegten Epidemie, ihr folgten weitere im 13. Jahrhundert in England und Ende des 15. Jahrhunderts in Deutschland. Noch im 19. Jahrhundert waren die Pocken in Europa endemisch verbreitet; 1871‒73 wurden in Deutschland 175 000 Fälle mit mehr als 100 000 Todesopfern registriert. Obwohl man heute von einer erfolgreichen Ausrottung der Pocken ausgeht, kann die Medizin niemals 100%tig sicher sein, ob die Krankheit nicht doch irgendwann oder irgendwo wieder ausbricht.

Ursachen für Pocken

Die Pockenviren (Poxviridae) sind eine Familie sehr großer, komplex gebauter Viren mit ovaler oder quaderförmiger Form, die bei Wirbeltieren und Insekten als Krankheitserreger weit verbreitet sind. Mit Abmessungen von 300 × 200 × 150 nm sind Pockenviren schon lichtmikroskopisch erkennbar. Die Infektion manifestiert sich auf Haut und Schleimhaut. Zur Gattung der Orthopoxviren zählen acht unter sich verwandte Virusstämme, die zu Infektionen mit Hauterscheinungen führen und meist nur den jeweiligen Wirt und nahe verwandte Wirtspezies infizieren können.

Neben Kamel-, Kuh-, Mäuse- und Affenpockenvirus finden sich hier das Variola- und das Vacciniavirus. Das Variolavirus ist der Erreger der jahrhundertelang gefürchteten Pocken beim Menschen. Es wird neben den hämorrhagisches Fieber auslösenden Viren (Ebola- und Lassa-Virus), neben Milzbrand, Pest, Tularämie (Hasenpest) und dem Botulinumtoxin in die Kategorie A, die höchste Gefahrenklasse der Bioterror-Erreger, eingestuft.

Symptome

Die auffälligsten Symptome und Anzeichen für eine Pockenerkrankung sind die charkateristischen Papeln, die vom Laien wohl als eiterige Blasen bzw. Hautausschlag verwechselt werden. Diese Papeln können in den verschiedensten Formen und Größen auftreten. Erste Aanzeichen der Pocken sind jedoch nicht diese Erscheinungen, sondern allgemeine Krankheitssymptome, wie Rückenschmerzen, Fieber, Entzündungen der Atmungsorgane und Gliederschmerzen. Langsam treten kleine rote Flecken im Rachenraum und auf der Zunge auf. Bereits ab diesem Stadium ist die Krankheit hochansteckend. Im späten Verlauf der Krankheit kommt es dann zumeist zu Orientierungsstörungen und Verwirrtheit und Wahnvorstellungen. Zuletzt entwickeln sich die Papeln zu harten Krusten, wobei es zu starken Juckreizen kommt. Auch Blutungen der Haut und der inneren Organe sind keine Seltenheit.

Krankheitsverlauf Pocken

Nach einem Anfangsstadium von 2‒4 Tagen mit hohem Fieber, Kopf-, Kreuz- und Gliederschmerzen, Entzündung der oberen Luftwege und einem vorübergehenden Ausschlag kommt es unter kurzzeitigem Fieberabfall im anschließenden Eruptionsstadium zur charakteristischen Ausbildung von blassroten, juckenden Flecken, die sich zu Knötchen, Bläschen, Papeln und Pusteln entwickeln. Sie breiten sich in der Regel vom Kopf her über den ganzen Körper aus und trocknen unter Borken- und Schorfbildung nach einigen Wochen ein. Nach Abstoßung der (infektiösen) Krusten bleiben die typischen Pockennarben zurück.

Behandlung von Pocken

Den eigentlichen Impfschutz gegen Pocken ermöglichte 1796 E. Jenner durch die Vakzination mit Rinderpockenlymphe. Er schuf damit die Grundlage für die in Verbindung mit den späteren Impfgesetzen erfolgreiche Bekämpfung. Sollten Pocken als biologische Waffen eingesetzt werden, so stellen sie eine ernste Bedrohung für die Zivilbevölkerung dar. Die Sterblichkeit liegt bei ungeimpften Personen bei 30% (oder mehr) und außerdem gibt es keine spezifische Behandlungsmöglichkeit.

Obwohl die Pocken über einen langen Zeitraum die gefürchtetste Infektionskrankheit waren, ist ihr Gefährdungspotenzial heute größer als in früheren Jahrhunderten. Die obligaten Schutzimpfungen wurden in vielen Ländern vor etwa 25 Jahren eingestellt. Eine Impfung, die innerhalb von vier Tagen nach einer Exposition durchgeführt wird, scheint einen gewissen Schutz gegen eine Pockeninfektion zu geben und einen deutlichen Schutz gegen einen tödlichen Verlauf.

Als Gegenmaßnahme für den Eventualfall steht heute weltweit Pockenimpfstoff bereit. Vaccinia- u. a. Pockenviren werden in den Biowissenschaften als Vektoren zur Expression fremder Proteine, daneben auch für die Entwicklung neuartiger Impfstoffe genutzt. Das Überstehen der Krankheit verleiht lebenslange Immunität. Bei unvollständiger Immunität kommt es zu einem in der 2. Phase stark abgemilderten Verlauf (Variolois). Eine leichtere Krankheitsform stellen die weißen Pocken oder Milchpocken (Variola minor oder Alastrim) dar, die durch Orthopoxvirus alastrim verursacht werden; sie hinterlassen keine Immunität gegenüber den echten Pocken.

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