Pest

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 21. August 2017
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Obwohl die Pest heute in Deutschland nicht mehr vorkommt, ist sie dennoch durch ihre Geschichte bei fast allen Menschen bekannt. Besonders die Pest-Epidemien des Mittelalters sind in den Köpfen der Menschen hängengeblieben. In manchen Ländern kommt es jedoch immer noch zu vereinzelten Fällen der Unterform Lungenpest. Informieren Sie sich bei Bedarf bei Ihrem Arzt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Pest?

Die Pest ist eine durch das Bakterium Yersinia pestis hervorgerufene Erkrankung, die in vier verschiedenen Erscheinungsformen auftritt: Der Beulen-, Lungen- oder abortiven Pest sowie der Pestsepsis. Seltener tritt eine Pestmeningitis auf, wenn die Pesterreger die Hirnhaut befallen. Den meisten Menschen ist die Pest als Schwarzer Tod des Mittelalters bekannt - es gilt heute als weitgehend gesichert, dass die historisch dokumentierten Pestwellen tatsächlich dem Erreger Yersinia pestis zuzuschreiben sind. Allerdings sind die meisten Formen heutzutage behandelbar.

Ursachen

Der Erreger der Pest ist eine Zoonose, ein durch Tiere übertragener Krankheitserreger. Ratten sind die bekanntesten Überträger, gefährlich können aber auch Eichhörnchen, Murmeltiere und ähnliche Nager sein. Yersinia pestis wird nicht direkt vom Nager selbst übertragen, sondern durch den Biss seiner Flöhe. Die Beulenpest hat in der Regel einen solchen Flohbiss zur Ursache und entsteht wenige Stunden bis sieben Tage danach. Sie geht einher mit starker Benommenheit, Fieber und eitrig oder blau gefärbten Schwellungen der Lymphknoten.

Daraus kann sich die Pestsepsis ergeben, bei der die Bakterien in den Blutkreislauf eindringen, Toxine (Giftstoffe) abgeben, absterben und dort nach spätestens 36 Stunden durch innere und äußere Blutungen zum Tod führen. Es kann aber auch durch den Flohbiss zur abortiven Pest führen - es treten nur leichtes Fieber und Krankheitsgefühl auf, danach ist der Patient gegen alle Erreger immun. Die Lungenpest hingegen, bei der Yersinia pestis die Lunge befällt, ist auch heute noch extrem gefährlich.

Symptome & Krankheitsverlauf

Nahezu jede Form der Pest beginnt mit Fieber bis hin zu Schüttelfrost, allgmeinem Krankheitsgefühl und Benommenheit. Die Inkubationszeit beträgt wenige Stunden bis zu 7 Tagen, bei der Lungenpest 1-3 Tage. Um die Form der Pest zu unterscheiden, muss auf die spezifischen Symptome geachtet werden. Bei der Beulenpest sind dies beispielsweise die angeschwollenen Lymphknoten, die sich eitrig gelb bis blau färben.

Charakteristisch sind Atemnot, schwarz-blutiger Auswurf und Lungenödeme. Eine Pestsepsis kann sich aus beiden Formen ergeben oder die Lungenpest erst herbeiführen, weshalb auch sie erkannt werden muss. Sie äußert sich durch eine Verstärkung der allgemeinen Krankheitssymptome, es können Kopfschmerzen hinzukommen. Recht ungefährlich ist lediglich die abortive Pest: Sie kann sich bestenfalls von alleine zurückbilden, nachdem sie leichte, unspezifische Symptome gezeigt hat.

Komplikationen

Welches Ausmaß die Pest annimmt, hängt von der jeweiligen Form ab. So sind die Beschwerden bei der abortiven Pest relativ gering ausgeprägt. Bei anderen Formen besteht jedoch die Gefahr von schwerwiegenden Komplikationen. Besonders hoch ist das Risiko, wenn keine medizinische Behandlung der Pest stattfindet.

Eine Komplikation, die aus der Beulenpest hervorgehen kann, ist die Lungenpest. Mediziner sprechen in diesem Fall von einer sekundären Lungenpest, da die häufiger vorkommende primäre Form durch Tröpfcheninfektion übertragen wird. Die Lungenpest nimmt einen schnellen Verlauf und zeigt sich mitunter schon nach wenigen Stunden. Allerdings schreitet die sekundäre Lungenpest langsamer voran als die Primärform.

Als typische Anzeichen gelten Abgeschlagenheit, Schüttelfrost, Fieber, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen sowie Schwindelgefühle. Am zweiten Krankheitstag kommen Husten mit schwarz-blutigem Auswurf, Schmerzen in der Brust, Atembeschwerden und eine Blaufärbung der Haut hinzu. Nicht selten treten auch Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen auf.

Aus der Lungenpest kann sich ebenso wie aus der Beulenpest, Hautpest, Pestmeningitis oder Pestlaryngitis eine lebensgefährliche Pestsepsis entwickeln. Bei etwa zehn Prozent aller Pestpatienten dringen die Pestbakterien bis ins Blut vor, wo sie eine Blutvergiftung verursachen. Bemerkbar macht sich die Pestsepsis durch Lethargie, hohes Fieber, Verdauungsbeschwerden sowie einen Abfall des Blutdrucks.

Außerdem reagiert der Erkrankte verwirrt. Des Weiteren kann die Pestsepsis Gefäßverschlüsse hervorrufen, durch die die Blutversorgung der Organe in Mitleidenschaft gezogen wird. Im Extremfall tritt der Tod des Patienten ein.

Behandlung & Therapie

Bei dem Erreger Yersinia pestis handelt es sich um ein Bakterium, weshalb die Grundlage der Behandlung bei Pest auf Antibiotika beruht. Das Mittel der Wahl ist Streptomycin, das intramuskulär verabreicht wird, während der Patient der stationären Überwachung unterliegt. Vor allem bei der Lungenpest ist eine schnelle Behandlung wichtig, da sie auch heute noch eine extrem hohe Sterblichkeitsrate hat.

Wenn Streptomycin nicht eingesetzt werden kann oder die Wirkung sehr schnell eintreten muss, um dem Patienten noch helfen zu können, wird auf Chloramphenicol ausgewichen, das allerdings als letzte Behandlungsmöglichkeit gilt. Es ist bekannt für seine starken Nebenwirkung, die Aplastische Anämie. Diese tritt zwar nur in einem von 6000-36000 Fällen auf, ist aber gerade bei der Pest ein Risiko, das nicht unterschätzt werden darf. Je nach Ausprägung der Symptome werden auch diese behandelt - hohes Fieber kann beispielsweise gesenkt werden, Schmerzen lassen sich medikamentös lindern.

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Quellen

  • Darai, G., Handermann, M., Sonntag, H.-G., Zöller, L. (Hrsg.): Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen. Springer, Berlin 2012
  • Suttorp, N., et al.: Infektionskrankheiten. Thieme, Stuttgart 2004
  • Thomas, C. (Hrsg.): Atlas der Infektionskrankheiten. Schattauer, Stuttgart 2010

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