Perichondritis

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 18. September 2017
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Bei einer Perichondritis handelt es sich um eine Entzündung an der Haut des Knorpels (medizinischer Fachbegriff Perichondrium). Im überwiegenden Teil der Fälle entwickelt sich im Rahmen der Erkrankung eine Entzündung des Knorpels an der Ohrmuschel. Darüber hinaus tritt die Perichondritis auch an anderen Bereichen des Körpers auf, zum Beispiel am Kehlkopf oder dem Nasenknorpel.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Perichondritis?

Grundsätzlich entwickeln sich im Rahmen der Perichondritis entzündliche Prozesse an der Haut des Knorpels. Am häufigsten kommt es dabei zu Entzündungen der Ohrmuschel. Doch auch an anderen knorpelhaltigen Bereichen ist die Entstehung einer Perichondritis möglich. Betroffen sind etwa die Nase und der Kehlkopf.

Die Perichondritis geht in der Regel mit Schmerzen einher, die von den entzündeten Stellen am Knorpel ausgehen. Betroffen ist vor allem die Haut des Knorpels, das sogenannte Perichondrium. Wenn die Perichondritis am Ohr auftritt, ist in den meisten Fällen auch der äußere Gehörgang an der Erkrankung beteiligt. Die Ursache stellen in erster Linie bakterielle Erreger dar, die in die Haut eindringen.

Den Angriffspunkt für die Bakterien bilden kleine verletzte Bereiche auf der Haut. Möglich ist auch, dass die Perichondritis im Zusammenhang mit Systemkrankheiten auftritt. So wurde die sogenannte rezidivierende Perichondritis im Jahr 1923 durch einen Facharzt für innere Medizin, von Jaksch, erstmalig beschrieben. Inzwischen zählt die Erkrankung zu den Autoimmunkrankheiten.

Ursachen

Die Ursachen für die Entstehung der Perichondritis liegen im überwiegenden Teil der Fälle in bakteriellen Infektionen begründet. Dabei handelt es sich meist um Staphylokokken oder Pseudomonas. Die Erreger dringen oftmals über die Haut in den menschlichen Organismus ein. Besonders häufig infizieren sich die betroffenen Patienten über Hautverletzungen an den Bakterien.

Möglich sind zum Beispiel verletzte Bereiche an der Ohrmuschel. Auch über Mückenstiche dringen einige Erreger in die Haut ein. Darüber hinaus entwickelt sich die Perichondritis in einigen Fällen im Anschluss an eine Operation. Oftmals infizieren sich Personen auch beim Stechen von Piercings am Ohr mit der Perichondritis.

Das Risiko für eine Erkrankung erhöht sich stark, wenn die hygienischen Bedingungen beim Stechen nicht zufriedenstellend sind. Zudem gelangen die bakteriellen Keime unter Umständen durch Mikroverletzungen in der Ohrmuschel in den Körper. Wenn ein sogenanntes Othämatom vorliegt und verletzt wird, ist ebenfalls eine Perichondritis möglich. Mitunter sind Mykobakterien für die ursächliche Infektion verantwortlich.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine Perichondritis ist für die betroffenen Patienten mit diversen Beschwerden verbunden. Die erkrankten Bereiche des Knorpels schwellen in der Regel an. In den meisten Fällen röten sich die entsprechenden Areale. Außerdem leiden die erkrankten Personen an mehr oder weniger starken Schmerzen, die von der Entzündung der Knorpelhaut ausstrahlen.

Wenn die Perichondritis an der Ohrmuschel auftritt, kündigen sich die entzündlichen Vorgänge zudem mit Veränderungen im Relief der Muschel an. Die Perichondritis reicht jedoch in der Regel nicht bis zum Ohrläppchen. Erfolgt keine adäquate Behandlung der Perichondritis, weitet sich der Entzündungsherd in die benachbarten Bereiche aus. Im schlimmsten Fall schreitet die Entzündung soweit voran, dass sich Nekrosen am Knorpel entwickeln, die zum Beispiel septischer Art sind.

Das Ohrläppchen ist im überwiegenden Teil nicht von der Perichondritis betroffen, da es über keinerlei Knorpelgewebe verfügt. Dadurch wird zugleich die Differentialdiagnose erleichtert, denn bei einem Erysipel ist das Ohrläppchen in der Regel von der Entzündung betroffen. Die Nekrosen, die im Rahmen der Perichondritis möglich sind, implizieren in vielen Fällen Änderungen in der Form der Ohrmuschel. Bei manchen erkrankten Personen entwickelt sich ein sogenanntes Blumenkohlohr.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Personen mit typischen Beschwerden und Anzeichen der Perichondritis ist der Besuch eines Arztes zu empfehlen. Im Rahmen der Anamnese klärt der behandelnde Arzt die individuelle Symptomatik mit dem Patienten ab und bringt in Erfahrung, ob Verletzungen im Bereich des betroffenen Knorpels vorgekommen sind. Anschließend inspiziert der Arzt die betroffenen Bereiche.

An diesem Punkt stellt er unter Umständen bereits eine Verdachtsdiagnose. Um die Diagnose der Perichondritis eindeutig zu sichern, sind Laboranalysen des entsprechenden Gewebes notwendig. Zuerst nimmt der Arzt Abstriche der entzündeten Stellen und lässt diese anschließend untersuchen. Auf diese Weise lassen sich die verantwortlichen bakteriellen Keime identifizieren.

Komplikationen

Die Ohr-Perichondritis ist eine Entzündung des Ohrknorpels und des benachbarten Gewebes. Das Ohrläppchen ist nicht betroffen, weil es keinen Knorpel enthält. Zu Beginn ist die Krankheit meist harmlos, sie kann aber zu beträchtlichen Komplikationen führen, wenn sie nicht zeitnah adäquat behandelt wird. Im Anfangsstadium bilden sich im Umfeld der infizierten Stelle Blasen und das Ohr beginnt zu schmerzen, manchmal rötet sich zudem das Ohrläppchen.

Bei unzureichender Behandlung besteht das Risiko, dass sich die Perichondritis auf die gesamte Knorpelhaut der Ohrmuschel und des Gehörgangs ausbreitet. Häufige Folge ist ein Absterben des Gewebes (Nekrose). Dies kann mit einer dauerhaften Veränderung des Ohrknorpels einhergehen und zum sogenannten Blumenkohlohr führen, das sonst nur bei Kampfsportlern zu beobachten ist.

In schweren Fällen kann es erforderlich werden das Ohr ganz oder teilweise zu amputieren. Sofern der Patient nicht mit der optischen und meist auch akustischen Beeinträchtigung leben möchte, kann das Ohr mit einer Ohrprothese ersetzt werden. Der chirurgische Eingriff geht mit den allgemeinen Operationsrisiken einher.

Ein besonders großes Risiko für die Entwicklung einer schwer verlaufenden Perichondritis besteht bei Diabetikern und Personen mit geschwächtem Immunsystem. Auch kosmetische Eingriffe am Ohr wie Piercings oder Tätowierungen bergen wegen der oftmals unzureichenden Hygiene ein gesteigertes Risiko.

Behandlung & Therapie

Eine Perichondritis ist mit verschiedenen Mitteln und Methoden therapierbar. Befindet sich die Krankheit noch in einem relativ frühen Stadium, kommen in der Regel Antibiotika zum Einsatz. Diese werden den Patienten auf oralem Weg verabreicht. Ist die Entzündung im Rahmen der Perichondritis bereits weiter fortgeschritten, werden die Antibiotika meist in die Venen injiziert. Dies verbessert die Wirksamkeit der Medikamente.

Dabei haben sich insbesondere Wirkstoffe wie Ciprofloxacin oder Levofloxacin bewährt. Denn diese sind in der Lage, in den Knorpel einzudringen. Wenn sich allerdings Nekrosen am Knorpel entwickelt haben, ist eine operative Entfernung der entsprechenden Stellen nötig. Dadurch lässt sich die Zerstörung der Ohrmuschel eindämmen. Begleitend empfiehlt sich die Anwendung von medizinischen Spülungen der erkrankten Areale, um den Heilungsprozess zu beschleunigen.

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Vorbeugung

Nicht immer lässt sich einer Perichondritis vorbeugen. Das Risiko einer Entzündung reduziert sich allerdings, wenn beispielsweise beim Stechen von Piercings penibel auf hygienische Standards geachtet wird.

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Quellen

  • Arnold, W.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Boenninghaus, H. G., Lenarz, T.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2012
  • Reia, M.: Facharztwissen HNO-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2009

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