Perichondritis

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 27. Februar 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Bei einer Perichondritis handelt es sich um eine Entzündung an der Haut des Knorpels (medizinischer Fachbegriff Perichondrium). Im überwiegenden Teil der Fälle entwickelt sich im Rahmen der Erkrankung eine Entzündung des Knorpels an der Ohrmuschel. Darüber hinaus tritt die Perichondritis auch an anderen Bereichen des Körpers auf, zum Beispiel am Kehlkopf oder dem Nasenknorpel.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Perichondritis?

Wenn die Perichondritis an der Ohrmuschel auftritt, kündigen sich die entzündlichen Vorgänge zudem mit Veränderungen im Relief der Muschel an. Die Perichondritis reicht jedoch in der Regel nicht bis zum Ohrläppchen.
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Grundsätzlich entwickeln sich im Rahmen der Perichondritis entzündliche Prozesse an der Haut des Knorpels. Am häufigsten kommt es dabei zu Entzündungen der Ohrmuschel. Doch auch an anderen knorpelhaltigen Bereichen ist die Entstehung einer Perichondritis möglich. Betroffen sind etwa die Nase und der Kehlkopf.

Die Perichondritis geht in der Regel mit Schmerzen einher, die von den entzündeten Stellen am Knorpel ausgehen. Betroffen ist vor allem die Haut des Knorpels, das sogenannte Perichondrium. Wenn die Perichondritis am Ohr auftritt, ist in den meisten Fällen auch der äußere Gehörgang an der Erkrankung beteiligt. Die Ursache stellen in erster Linie bakterielle Erreger dar, die in die Haut eindringen.

Den Angriffspunkt für die Bakterien bilden kleine verletzte Bereiche auf der Haut. Möglich ist auch, dass die Perichondritis im Zusammenhang mit Systemkrankheiten auftritt. So wurde die sogenannte rezidivierende Perichondritis im Jahr 1923 durch einen Facharzt für innere Medizin, von Jaksch, erstmalig beschrieben. Inzwischen zählt die Erkrankung zu den Autoimmunkrankheiten.

Ursachen

Die Ursachen für die Entstehung der Perichondritis liegen im überwiegenden Teil der Fälle in bakteriellen Infektionen begründet. Dabei handelt es sich meist um Staphylokokken oder Pseudomonas. Die Erreger dringen oftmals über die Haut in den menschlichen Organismus ein. Besonders häufig infizieren sich die betroffenen Patienten über Hautverletzungen an den Bakterien.

Möglich sind zum Beispiel verletzte Bereiche an der Ohrmuschel. Auch über Mückenstiche dringen einige Erreger in die Haut ein. Darüber hinaus entwickelt sich die Perichondritis in einigen Fällen im Anschluss an eine Operation. Oftmals infizieren sich Personen auch beim Stechen von Piercings am Ohr mit der Perichondritis.

Das Risiko für eine Erkrankung erhöht sich stark, wenn die hygienischen Bedingungen beim Stechen nicht zufriedenstellend sind. Zudem gelangen die bakteriellen Keime unter Umständen durch Mikroverletzungen in der Ohrmuschel in den Körper. Wenn ein sogenanntes Othämatom vorliegt und verletzt wird, ist ebenfalls eine Perichondritis möglich. Mitunter sind Mykobakterien für die ursächliche Infektion verantwortlich.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine Perichondritis ist für die betroffenen Patienten mit diversen Beschwerden verbunden. Die erkrankten Bereiche des Knorpels schwellen in der Regel an. In den meisten Fällen röten sich die entsprechenden Areale. Außerdem leiden die erkrankten Personen an mehr oder weniger starken Schmerzen, die von der Entzündung der Knorpelhaut ausstrahlen.

Wenn die Perichondritis an der Ohrmuschel auftritt, kündigen sich die entzündlichen Vorgänge zudem mit Veränderungen im Relief der Muschel an. Die Perichondritis reicht jedoch in der Regel nicht bis zum Ohrläppchen. Erfolgt keine adäquate Behandlung der Perichondritis, weitet sich der Entzündungsherd in die benachbarten Bereiche aus. Im schlimmsten Fall schreitet die Entzündung soweit voran, dass sich Nekrosen am Knorpel entwickeln, die zum Beispiel septischer Art sind.

Das Ohrläppchen ist im überwiegenden Teil nicht von der Perichondritis betroffen, da es über keinerlei Knorpelgewebe verfügt. Dadurch wird zugleich die Differentialdiagnose erleichtert, denn bei einem Erysipel ist das Ohrläppchen in der Regel von der Entzündung betroffen. Die Nekrosen, die im Rahmen der Perichondritis möglich sind, implizieren in vielen Fällen Änderungen in der Form der Ohrmuschel. Bei manchen erkrankten Personen entwickelt sich ein sogenanntes Blumenkohlohr.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Personen mit typischen Beschwerden und Anzeichen der Perichondritis ist der Besuch eines Arztes zu empfehlen. Im Rahmen der Anamnese klärt der behandelnde Arzt die individuelle Symptomatik mit dem Patienten ab und bringt in Erfahrung, ob Verletzungen im Bereich des betroffenen Knorpels vorgekommen sind. Anschließend inspiziert der Arzt die betroffenen Bereiche.

An diesem Punkt stellt er unter Umständen bereits eine Verdachtsdiagnose. Um die Diagnose der Perichondritis eindeutig zu sichern, sind Laboranalysen des entsprechenden Gewebes notwendig. Zuerst nimmt der Arzt Abstriche der entzündeten Stellen und lässt diese anschließend untersuchen. Auf diese Weise lassen sich die verantwortlichen bakteriellen Keime identifizieren.

Komplikationen

Die Ohr-Perichondritis ist eine Entzündung des Ohrknorpels und des benachbarten Gewebes. Das Ohrläppchen ist nicht betroffen, weil es keinen Knorpel enthält. Zu Beginn ist die Krankheit meist harmlos, sie kann aber zu beträchtlichen Komplikationen führen, wenn sie nicht zeitnah adäquat behandelt wird. Im Anfangsstadium bilden sich im Umfeld der infizierten Stelle Blasen und das Ohr beginnt zu schmerzen, manchmal rötet sich zudem das Ohrläppchen.

Bei unzureichender Behandlung besteht das Risiko, dass sich die Perichondritis auf die gesamte Knorpelhaut der Ohrmuschel und des Gehörgangs ausbreitet. Häufige Folge ist ein Absterben des Gewebes (Nekrose). Dies kann mit einer dauerhaften Veränderung des Ohrknorpels einhergehen und zum sogenannten Blumenkohlohr führen, das sonst nur bei Kampfsportlern zu beobachten ist.

In schweren Fällen kann es erforderlich werden das Ohr ganz oder teilweise zu amputieren. Sofern der Patient nicht mit der optischen und meist auch akustischen Beeinträchtigung leben möchte, kann das Ohr mit einer Ohrprothese ersetzt werden. Der chirurgische Eingriff geht mit den allgemeinen Operationsrisiken einher.

Ein besonders großes Risiko für die Entwicklung einer schwer verlaufenden Perichondritis besteht bei Diabetikern und Personen mit geschwächtem Immunsystem. Auch kosmetische Eingriffe am Ohr wie Piercings oder Tätowierungen bergen wegen der oftmals unzureichenden Hygiene ein gesteigertes Risiko.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei Rötungen oder einer schmerzhaften Schwellung der Ohrmuschel empfiehlt sich ein Termin beim Arzt. Die Perichondritis ist zwar keine schwere Erkrankung, unbehandelt kann es jedoch zur Entstehung von Knorpelnekrosen und anderen Komplikationen kommen. Betroffene Personen konsultieren am besten schon bei den ersten Anzeichen einer Entzündung den Arzt. Die äußerliche Rötung ist ein deutliches Warnzeichen und ein Grund für einen zügigen Arztbesuch. Eine bakterielle Erkrankung sollte frühzeitig behandelt werden, damit die Erreger gar nicht erst bis zur Ohrmuschel vordringen können. Dann ist oft noch eine orale Antibiotika-Behandlung möglich, durch welche die Erreger vernichtet werden können.

Fortgeschrittene Erkrankungen bedürfen einer intravenösen Antibiose-Therapie. Falls bereits Nekrosen einstanden sein sollten, ist ein chirurgischer Eingriff vonnöten. Die Perichondritis wird vom Hausarzt oder dem HNO-Arzt behandelt. Fortgeschrittene Erkrankungen werden stationär von einem Chirurgen und weiteren Fachärzten behandelt. Im Rahmen der Nachsorge genügen in aller Regel einige wenige Kontrolluntersuchungen, durch welche der Genesungsgrad beurteilt und gegebenenfalls die Medikation angepasst wird.

Behandlung & Therapie

Eine Perichondritis ist mit verschiedenen Mitteln und Methoden therapierbar. Befindet sich die Krankheit noch in einem relativ frühen Stadium, kommen in der Regel Antibiotika zum Einsatz. Diese werden den Patienten auf oralem Weg verabreicht. Ist die Entzündung im Rahmen der Perichondritis bereits weiter fortgeschritten, werden die Antibiotika meist in die Venen injiziert. Dies verbessert die Wirksamkeit der Medikamente.

Dabei haben sich insbesondere Wirkstoffe wie Ciprofloxacin oder Levofloxacin bewährt. Denn diese sind in der Lage, in den Knorpel einzudringen. Wenn sich allerdings Nekrosen am Knorpel entwickelt haben, ist eine operative Entfernung der entsprechenden Stellen nötig. Dadurch lässt sich die Zerstörung der Ohrmuschel eindämmen. Begleitend empfiehlt sich die Anwendung von medizinischen Spülungen der erkrankten Areale, um den Heilungsprozess zu beschleunigen.


Aussicht & Prognose

Bei der Perichondritis hängt der weitere Verlauf in den meisten Fällen sehr stark davon ab, wann die Krankheit erkannt und wie schnell diese auch behandelt wird. Eine Selbstheilung dieser Krankheit kann dabei in der Regel nicht auftreten, sodass der Betroffene dabei immer auf eine medizinische Behandlung durch einen Arzt angewiesen ist. Daher sollte schon bei den ersten Symptomen und Anzeichen ein Arzt kontaktiert werden. Wird die Erkrankung nicht behandelt, so breitet sich die Entzündung in der Regel auch in andere Regionen des Körpers aus und kann dabei die Lebensqualität des Betroffenen erheblich einschränken. Auch eine Behandlung erweist sich dann als relativ schwierig.

Wird die Krankheit schon direkt zu Beginn durch einen Arzt richtig erkannt und behandelt, so kann sie mit Hilfe von Antibiotika in der Regel gut eingeschränkt und geheilt werden. Dabei kommt es auch nicht zu weiteren Komplikationen oder zu anderen Beschwerden. Allerdings ist auch nach einer vollständigen Heilung eine erneute Infektion der Perichondritis möglich. Wird die Krankheit nicht behandelt, so kann die Ohrmuschel vollständig und irreversibel zerstört werden. Die Krankheit selbst verringert dabei in den meisten Fällen nicht die Lebenserwartung des Betroffenen.

Vorbeugung

Nicht immer lässt sich einer Perichondritis vorbeugen. Das Risiko einer Entzündung reduziert sich allerdings, wenn beispielsweise beim Stechen von Piercings penibel auf hygienische Standards geachtet wird.

Nachsorge

Dem Betroffenen stehen bei einer Perichondritis in den meisten Fällen nur wenige und auch nur eingeschränkte Möglichkeiten einer Nachsorge zur Verfügung. Dabei sollte der Betroffene in erster Linie frühzeitig einen Arzt aufsuchen, damit es im weiteren Verlauf nicht zu Komplikationen oder zu anderen Beschwerden kommt. Je eher ein Arzt aufgesucht wird, desto besser ist meistens auch der weitere Verlauf der Erkrankung.

Die Behandlung der Perichondritis erfolgt in der Regel durch die Einnahme von verschiedenen Medikamenten, wobei vor allem Antibiotika verwendet werden. Dabei ist immer eine regelmäßige Einnahme mit einer richtigen Dosierung zu beachten, wobei Antibiotika auch nicht zusammen mit Alkohol eingenommen werden sollten. Bei Fragen oder bei Nebenwirkungen sollte bei der Perichondritis zuerst ein Arzt konsultiert werden, um Komplikationen zu vermeiden.

Dabei sind auch regelmäßige Kontrollen durch einen Arzt sehr wichtig. Falls die Krankheit durch einen operativen Eingriff behandelt wird, sollte sich der Betroffene nach dem Eingriff schonen und dabei besonders die betroffene Region schützen. Dadurch können Infektionen und Entzündungen verhindert werden.

Das können Sie selbst tun

Bei einer Perichondritis genügt es zumeist, die verordneten Medikamente einzunehmen und den Arzt über Nebenwirkungen zu informieren. Der Patient muss keine weiteren Maßnahmen ergreifen, da die Entzündung innerhalb weniger Tage von selbst abklingt.

Lediglich bei Komplikationen oder einer späten Diagnose sind weitere Selbsthilfe-Maßnahmen sinnvoll. So muss bei schweren Entzündung im Bereich des Ohres unbedingt der ärztliche Notdienst kontaktiert werden. Sollte sich die Hörfähigkeit massiv verschlechtern, ist ein Krankenhausbesuch angezeigt. Wenn die Perichondritis erst spät diagnostiziert wurde, haben sich möglicherweise bereits Nekrosen gebildet. Diese müssen operativ entfernt werden. Nach einem operativen Eingriff sollten die Patienten sich schonen und ansonsten die Empfehlungen des Arztes bezüglich der Wundpflege beachten. Spülungen mit Mitteln wie Rivanol wirken unterstützend und können in Rücksprache mit dem Arzt um natürliche Präparate ergänzt werden.

Sollten erneut Entzündungen auftreten, liegt womöglich ein ernstes Leiden zugrunde, welches zunächst diagnostiziert werden muss. Der Patient sollte sich an den Ohrenarzt wenden oder einen Internisten hinzuziehen. Ein Beschwerdetagebuch dient als Orientierung für den Arzt, der anhand der Informationen über die Symptome und deren Ausprägung eine Diagnose stellen kann.

Quellen

  • Arnold, W.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Boenninghaus, H. G., Lenarz, T.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2012
  • Reia, M.: Facharztwissen HNO-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2009

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