Othämatom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 30. September 2017
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Das Othämatom ist ein Erguss zwischen der knorpeligen Ohrmuschel und der Knorpelhaut. Da es in der Regel durch eine scherende Gewalteinwirkung, wie beispielsweise einen Schlag von der Seite auf das Ohr, verursacht wird, wird es auch als Boxerohr bezeichnet. Das Othämatom sollte immer zeitnah behandelt werden, da es unbehandelt zu Komplikationen wie bleibenden Formveränderungen der Ohrmuschel und zu Infektionen kommen kann, die weitaus schwieriger zu therapieren sind.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Othämatom?

Die Ansammlung von blutiger oder eiweißreicher (seröser) Flüssigkeit zwischen dem Knorpel und der Knorpelhaut (Perichondrium) der Ohrmuschel wird als Othämatom bezeichnet. Die Ohrmuschel besteht aus einem knorpeligen Grundgerüst, das dem Ohr seine charakteristische Form verleiht. Der Knorpel wird von einer Knorpelhaut überzogen, der wiederum die äußere Haut anliegt. diese ist reich an Blutgefäßen und Nerven.

Die Knorpelhaut liegt dem Knorpel normalerweise so dicht an, dass kein Raum zwischen den beiden Strukturen existiert. Auch die äußere Haut haftet von der anderen Seite fest am Perichondrium an. In Folge eines Traumas kann es aber passieren, dass sich die Knorpelhaut vom Knorpel löst und somit ein Raum geschaffen wird, der natürlicherweise nicht existiert, in welchem sich nun aber Flüssigkeit ansammeln kann. Die Entstehung eines Othämatoms ist die Folge.

Ursachen

In den meisten Fällen entsteht ein Othämatom durch äußere Gewalteinwirkung. Dabei sind in der Regel scherende sowie tangentiale Krafteinwirkungen auf die Ohrmuschel ursächlich für die Entstehung der Erkrankung. Ein seitlicher Schlag auf die Ohrmuschel bei einem Boxkampf ist wohl die häufigste Ursache für die Entstehung des Othämatoms.

Aus diesem Grund trägt der Erkrankung die Bezeichnung Boxerohr eingebracht. Weiterhin kann langes Liegen auf dem abgeknickten Ohr ursächlich für die Entstehung des Ergusses sein. Dies ist vor allem bei Menschen typisch, die in seitlicher Position und sehr ruhig schlafen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das Othämatom zeigt sich als rosarote, prall-elastische Schwellung an der Vorderseite der Ohrmuschel. Ganz ähnlich einer Blase bei Verbrennungen, wölbt es sich konvex unter der Haut hervor und kann zu einem starken Druckgefühl führen. Betroffene klagen zumeist nicht über Schmerzen. Das Ohr ist oft nur leicht gerötet und in der Regel nicht überwärmt.

In vielen Fällen kann aber eine Verschieblichkeit des Ergusses bei Druck von oben oder von der Seite bemerkt werden. Kommt es zu einer Infektion mit Bakterien, können starke lokale Schmerzen, Rötung, Schwellung und Überwärmung auftreten. Zusätzlich kann es zur Sekretion von eiterhaltiger Flüssigkeit aus der wunden Stelle kommen. Auch leichte Blutungen sind in diesem Falle möglich. Wird ein Othämatom nicht behandelt, kommt es zu einem bindegewebigen Verwuchs des Ergusses.

Das Othämatom wird dabei fest, verwächst mit dem umgebenden Knorpel und lässt die Ohrmuschel blumenkohlartig deformiert erscheinen. Dies tritt vor allem bei immer wiederkehrenden Ergüssen auf, die entweder nicht richtig behandelt wurden oder auf eine neuerliche Krafteinwirkung zurückzuführen sind. Diese Komplikation kann durch eine frühzeitige Diagnose und Behandlung leicht abgewendet werden.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Das Othämatom ist in der Regel eine Blickdiagnose, die durch den HNO-Arzt gestellt wird. Passende Ereignisse in der nahen Vergangenheit, wie beispielsweise ein Schlag auf das betroffene Ohr oder das Auftreten der Symptomatik direkt nach dem Aufwachen, untermauern die Diagnose. Bildgebende Verfahren wie eine Ultraschalluntersuchung oder Röntgen sind in der Regel nicht erforderlich.

Die Diagnosenstellung eines akuten Othämatoms erfordert immer eine therapeutische Intervention, da die Erkrankung nicht von alleine ausheilt. Der bindegewebige Umbau des chronischen Othämatoms ist zwar nicht gefährlich, kann jedoch unästhetisch wirken. Eine Behandlung der Erkrankung in diesem Stadium gestaltet sich weitaus komplexer und ist mit geringeren Erfolgen versehen.

Komplikationen

Wird ein Othämatom nicht behandelt, kann sich die Schwellung entzünden und starke Schmerzen hervorrufen. Zusätzlich kann Flüssigkeit aus der wunden Stelle austreten und schwere Infektionen hervorrufen. Im weiteren Verlauf tritt ein bindegewebiger Verwuchs des Ergusses auf, der unter anderem mit optischen Veränderungen und chronischen Schmerzen verbunden ist. Diese Komplikation tritt vor allem bei wiederkehrenden Hämatomen auf, die unzureichend behandelt werden.

In schweren Fällen kann ein Othämatom mit Schädigungen des Trommelfells und einem totalen oder teilweisen Hörverlust verbunden sein. Vor allem Kampfsportler sind hiervon betroffen. Zudem kann ein Hämatom die umliegenden Gewebestrukturen empfindlich schädigen. Werden hierbei Muskeln und Nerven geschädigt, kann es zum sogenannten Kompartmentsyndrom mit dauerhaften Empfindungsstörungen und Lähmungserscheinungen am betroffenen Körperteil kommen.

Zuletzt kann ein Othämatom starke Schmerzen hervorrufen und die Muskeln bei wiederkehrenden Traumata dauerhaft schädigen. Die Behandlung eines Othämatoms kann schwere Verwachsungen, Blutungen und Infektionen (bei einer Drainage) sowie Blutungen, Nachblutungen und die Bildung von Narben (bei operativen Eingriffen) begünstigen. Die medikamentöse Behandlung kann Neben- und Wechselwirkungen hervorrufen. Bei unzureichender Nachsorge kann es zu erneuten Traumata kommen.

Behandlung & Therapie

Da sich die Flüssigkeitsansammlung zwischen Knorpel und Knorpelhaut mit der Zeit organisiert und verfestigt und so zu einer Deformierung der Ohrmuschel führen kann, muss das Othämatom immer behandelt zeitnah werden. In der Regel wird hierbei ein kleiner Hautschnitt an der Vorderseite der Ohrmuschel vorgenommen (Inzision), über den die Flüssigkeit abgelassen werden kann (Drainage).

Anschließend sollte ein Druckverband am Ohr angelegt werden, damit sich der Raum zwischen Knorpel und Knorpelhaut nicht erneut mit Flüssigkeit füllen kann. Der Druckverband unterstützt die Verwachsung zwischen den beiden Geweben und sorgt dafür, dass sich der unnatürliche Raum suffizient schließt.

Besonders bei immer wiederkehrenden Ergüssen an derselben Stelle, kann an der Rückseite der Ohrmuschel ein kleines Knorpelfenster angelegt werden. Dabei wird der veränderte Knorpel herausgeschnitten, was eine neuerliche Entstehung eines Othämatoms an dieser Stelle sehr gut vorbeugt.

Infizierte Othämatome sollten medikamentös behandelt werden. Hierbei können antibiotikahaltige Lösungen erforderlich werden. Weiterhin ist es wichtig, die Wunde regelmäßig und gründlich durch einen erfahrenen Arzt säubern zu lassen und erneute Traumata zu vermeiden.

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Vorbeugung

Die beste Möglichkeit, um einem Othämatom vorzubeugen, ist Kampfsport zu meiden. Boxer sollten auf ausreichenden Kopfschutz achten und ihrem Gegenüber nicht auf die Ohren zielen. Anfällige Menschen können sich nachts die Ohrmuscheln mit Pflastern am Kopf befestigen und so vermeiden, dass es zum Abknicken kommt.

Auch das Einschlafen in Rückenlage kann zur Vermeidung der Entstehung eines Othämatoms auswirken. Sollte es trotz Vorsichtsmaßnahmen zur Ausbildung eines Othämatoms kommen, kann durch eine sofortige Behandlung eine vollständige Ausheilung erreicht und eine Chronifizierung vermieden werden.

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Quellen

  • Arnold, W.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Boenninghaus, H. G., Lenarz, T.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2012
  • Reia, M.: Facharztwissen HNO-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2009

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