Lärmempfindlichkeit

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. Oktober 2017
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Lärmempfindlichkeit ist eine hohe Sensibilität gegen Alltagsgeräuschen, die für gesunde Menschen keine Probleme darstellen. Sie ist häufig Resultat eines Traumas, Stress oder einer anderen Verletzung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Lärmempfindlichkeit?

Lärmempfindlichkeit (Hyperakusis) ist eine Störung, die eine Übersensibilität für bestimmte Frequenzbereiche von Umgebungsgeräuschen mit sich bringt.

Einer Person, die an Lärmempfindlichkeit leidet, empfindet alltägliche Geräusche als schwer erträglich und sehr laut, mit denen andere Personen keinerlei Probleme haben. Lärmempfindlichkeit kann das Produkt einer Verletzung des Hörorgans oder des Innenohrs sein. Auch andere Störungen in den Nervenbahnen zwischen Ohr und Gehirn können als Ursache in Erwägung gezogen werden.

Es kann auch eine Störung des Nervensystems oder des Gehirns angenommen werden. In diesem Fall wäre die Lärmempfindlichkeit ein rein neurologisches Problem und beeinträchtigt von der Rezeption und Verarbeitung des Gehirns.

Ernste Formen der Lärmempfindlichkeit sind sehr selten, doch schwächere Formen betreffen viele Menschen. Sie sind nicht selten das Resultat einer längeren Krankheit, Stress oder verwandten Traumata wie Tinnitus.

Ursachen

Die verbreitetste Ursache von Lärmempfindlichkeit ist die Konfrontation mit extrem hohen Dezibelwerten. Bei manchen Menschen setzt die Lärmempfindlichkeit ganz plötzlich ein, zum Beispiel nach dem Abfeuern einer Waffe, einem Unfall (Autounfall mit Airbag), sehr lauten Geräuschen, der Einnahme von Drogen, die das Empfindungsvermögen stimulieren, einer Borreliose-Erkrankung, der Menière-Krankheit, einer kraniomandibulären Dysfunktion, einer Kopfverletzung oder Operation.

Andere Menschen wiederum werden mit einer Lärmempfindlichkeit geboren, entwickeln eine Bogengangsdehiszenz, haben eine längere Krankheitsgeschichte mit Ohrinfektionen oder stammen aus einer Familie, in der Hörprobleme verbreitet sind. Lärmempfindlichkeit ist eine überaus häufige Nebenwirkung des Langzeitmissbrauch von Phencyclidin.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Die Diagnose von Lärmempfindlichkeit bezieht sich auf die Ausprägungen der Symptome und Anzeichen. Betroffene stören sich plötzlich an Geräuschen, die vorher unproblematisch waren oder die andere Menschen nicht stören.

Sie klagen womöglich über Schmerzen oder andere Irritationen. Betroffene haben eventuell ein gereiztes und rotes Trommelfell, oder ein Trommelfell, das locker oder sehr gespannt ist. Ein Ohrenarzt wird vermutlich Pegelgrenzen für Schmerzen und Unannehmlichkeiten auf beiden Seiten austesten. Bei diesem Verfahren wird mit sehr leisen Tönen begonnen, die graduell ansteigen und lauter werden. Wenn die Toleranzschwelle unter 90 dB für Geräusche und 95 dB für Stimmen fällt, wird in der Regel von einer akuten Lärmempfindlichkeit ausgegangen.

Die Sensibilität ist jedoch sehr individuell, es existiert kein objektiver Test für Lärmempfindlichkeit. Diese Tests sollten regelmäßig wiederholt werden, da die Ursachen und die Erscheinungen der Empfindlichkeit variieren können. Hier spielen häufig psychologische Faktoren wie Stress, Angst und Aufregung eine wichtige Rolle.

Komplikationen

Lärmempfindlichkeit kann verschiedene Komplikationen hervorrufen. Zunächst kann eine hohe Empfindlichkeit gegenüber Geräuschen Stress verursachen. Unmittelbar kann es zu Schlafstörungen und Viruserkrankungen kommen. Langfristig können Stresserkrankungen wie Magen- und Darmprobleme, Herz-Kreislauferkrankungen wie Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen sowie Migräne und Spannungskopfschmerzen entstehen.

Darüber hinaus können sich bestehende Krankheiten wie Diabetes oder Neurodermitis verstärken, wodurch es zu weiteren Komplikationen kommen kann. Auch seelische Erkrankungen wie Burnout, Angststörungen und Depressionen können sich ausbilden. Ebenso erhöht sich die innere Unruhe und Nervosität. Bestehende Erkrankungen wie ADS und ADHS können verstärkt auftreten und weitere Komplikationen mit sich bringen.

Langfristig stellt eine ausgeprägte Lärmempfindlichkeit eine erhebliche Belastung für die Betroffenen dar, die weitere körperliche und psychische Probleme verursachen kann. Bei der Behandlung einer Lärmempfindlichkeit kann es ebenfalls zu Komplikationen kommen.

So können Schlafmittel und Medikamente zur Stressreduktion Nebenwirkungen hervorrufen, welche die vorhandenen Beschwerden auf Dauer noch verstärken. In Folge von Vermeidungsstrategien kann es außerdem zur sozialen Ausgrenzung kommen, wodurch sich das Wohlbefinden meist noch verschlechtert. Eine professionell unterstützte Behandlung ist bei Lärmempfindlichkeit also unerlässlich.

Behandlung & Therapie

Auch wenn es bis heute keine invasive Methode gibt, eine Lärmempfindlichkeit chirurgisch zu korrigieren, existieren eine Reihe von Methoden, die den Betroffenen dabei helfen können, mit ihrer Störung zu leben und die Sensibilität gegenüber bestimmter Geräusche langsam zu reduzieren.

Diese Methoden beinhalten in den meisten Fällen eine Akustik-Therapie oder ein gezieltes Umlernen der Empfindung. Diese Therapien zielen darauf ab, die betroffene Person durch die Konfrontation mit bestimmten Geräuschen erneut an Umgebungsgeräusche zu gewöhnen und ihre psychologische und körperliche Reaktion darauf zu beeinflussen.

Die begleitete Verhaltenstherapie möchte hier die Einstellung und den Umgang des Patienten mit den Geräuschen beeinflussen. Die Akustik-Therapie hingegen reduziert in langsamen Schritten die Sensibilität. Zur Ausführung dieser Behandlung existieren spezielle Geräte, die durchgehende Geräusche produzieren.

Die Theorie geht hier davon aus, dass die regelmäßige Stimulation mit einem bestimmten Geräusch in einer sicheren Umgebung, den Patienten vorbereitet diesen Geräuschen auch im Alltag standzuhalten. Diese Therapie erzielt gute Erfolge, doch benötigt drei Monaten bis zu zwei Jahre um zu wirken.

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Vorbeugung

Viele Menschen beschreiben das Einsetzen der Lärmempfindlichkeit als Resultat eines Traumas. Folglich sollte sich vor der Konfrontation mit hohen Dezibelwerten geschützt werden. Dies gilt beispielsweise beim Besuch eines Konzertes oder dem Proben beim lauten Musizieren. Ansonsten gilt eine frühe Diagnose und Behandlung der Lärmempfindlichkeit, damit sich die Sensibilität nicht noch verstärkt.

Das können Sie selbst tun

Eine Lärmempfindlichkeit sollte zunächst von einem Arzt untersucht werden. Gemeinsam mit dem Mediziner können dann Maßnahmen erarbeitet werden, durch die sich die Beschwerden in vielen Fällen reduzieren lassen. Eine zwischenzeitliche Lärmempfindlichkeit, etwa durch Stress oder Krankheit, kann mit einer Reihe von Hilfsmitteln behandelt werden.

Ohrstöpsel oder Ohrenschützer etwa, filtern störende Geräusche zuverlässig und schnell aus. Auf lange Sicht können diese Mittel die Lärmempfindlichkeit jedoch noch verstärken. Darum sollte die hohe Geräuschsensibilität ursächlich behandelt werden. Bewährt hat sich beispielsweise eine Akustik-Therapie oder ein gezieltes Umlernen der Empfindungen und Reaktionen auf Geräusche. Im Rahmen dieser Therapien werden die Umgebungsgeräusche mit positiven Reizen verknüpft, wodurch sich langfristig die psychologische und körperliche Reaktion darauf reguliert. Begleitend dazu bietet sich eine Verhaltenstherapie an, die den Umgang des Patienten mit den Geräuschen schult.

Zeigen diese Maßnahmen keine Wirkung, sollte die alltägliche Geräuschbelastung so gut wie möglich reduziert werden. Hier bietet sich eine Dämmung der Wände ebenso an wie ein aufklärendes Gespräch mit lauten Nachbarn oder Arbeitskollegen. Zuletzt kann auch ein Umzug in eine ruhigere Gegend oder ein Jobwechsel helfen.

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Quellen

  • Arnold, W.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Boenninghaus, H. G., Lenarz, T.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2012
  • Reia, M.: Facharztwissen HNO-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2009

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