Kraniodiaphysäre Dysplasie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 16. August 2017
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Die kraniodiaphysäre Dysplasie ist eine angeborene Skeletterkrankung, die mit Hyperostose und Sklerose im Bereich des Gesichtsschädels assoziiert ist. Die Ursache ist eine genetische Mutation der knochenbauhemmenden Gene. Die Therapie ist symptomatisch und konzentriert sich darauf, den Krankheitsverlauf aufzuhalten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine kraniodiaphysäre Dysplasie?

Bei Hyperostosen vermehrt sich die Knochensubstanz auf krankhafte Weise. Die Hyperostose des Schädels ist eine Gruppe von Krankheiten, die von einer solchen Vermehrung der Knochensubstanz im Bereich des Schädels in Zusammenhang steht. Als kraniodiaphysäre Dysplasie zeichnet sich durch eine angeborene Hyperostose des Schädels aus und zählt zu den Skeletterkrankungen.

Der australische Arzt John Halliday beschrieb die Erkrankung Mitte des 20. Jahrhunderts erstmals. Die Häufigkeit wird mit einer Prävalenz unter einem Fall zu 1.000.000 Menschen angegeben. Das macht die Skeletterkrankung zu einer extrem seltenen Dysplasie des Schädels.

Mittlerweile wurde der Komplex aus Hyperostose und Stenose der Gesichts- und Schädelknochen auf eine genetische Ursache zurückgeführt. Aufgrund der bislang wenigen dokumentierten Fälle sind nicht alle Zusammenhänge der Erkrankung abschließend geklärt. Auch die Therapieoptionen halten sich aus diesem Grund zum gegenwärtigen Zeitpunkt in Grenzen.

Ursachen

Die kraniodiaphysäre Dysplasie tritt in einer Vielzahl von Fällen nicht sporadisch, sondern mit familiärer Häufung auf. Als Erbgang für die Erkrankung wurden sowohl der autosomal-rezessive, als auch der autosomal-dominante Erbgang identifiziert. Der Erkrankung liegt in der autosomal-dominanten Form eine Neu-Mutation im SOST-Gen zugrunde. Das Gen befindet sich auf Location 17q21.31 und gilt als einer der wichtigsten Hemmer für die Knochenbildung.

Die Mutation der SOST-Gene ist für eine Vielzahl von erblichen Knochenerkrankungen verantwortlich, so zum Beispiel für VDB. Bei einer Mutation kann das Gen seine hemmenden Aufgaben nicht mehr erfüllen und der Knochenbau wuchert aus. Das unterscheidet die Hyperostose der kraniodiaphysären Dysplasie grundlegend von anderen Hyperostosen.

Meist liegt diesen Erkrankungen nämlich eine Funktionsstörung der Osteoklasten oder Osteoblasten zugrunde. Die genetische Disposition gilt im Zusammenhang mit der Erkrankung als erwiesen. Welche anderen Faktoren für den Krankheitsausbruch eine Rolle spielen, ist nicht abschließend geklärt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das Krankheitsbild der kraniodiaphysären Dysplasie wird durch verschiedene klinische Kriterien gekennzeichnet, die bereits im Säuglingsalter zur Manifestation finden. So besitzen betroffene Säuglinge meist stark verlegte Nasenwege, die ihnen Probleme beim Atmen bereiten können. Im späteren Krankheitsverlauf tritt in den meisten Fällen eine vollständige Obstruktion der Nasenwege ein.

Häufig verlegen sich nach diesem Phänomen außerdem die Tränenwege der Patienten. Am Unterkiefer der meisten Betroffenen bilden sich im Verlauf progradient anwachsende Nasenwülste aus knöcherner Substanz. Die Hyperostose des Gesichtsschädels schreitet fort und entwickelt sich zu einer Leontiasis ossea. Die Zahnentwicklung der Patienten ist in den meisten Fällen gestört oder tritt verzögert ein. Der Schädelbinnenraum engt sich im Krankheitsverlauf zunehmend ein.

Die Verengungen betreffen auch die Foramina und rufen eine konsekutive Optikusatrophie hervor. Begleitend dazu können Symptome wie Schwerhörigkeit und mehr oder weniger starke Kopfschmerzen vorliegen. In einigen Fällen leiden die Patienten mit zunehmender Einengung des Schädelbinnenraums zusätzlich an Krampfanfällen. Die Schäfte der langen Röhrenknochen weiten sich zunehmend auf.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Eine möglichst frühe Diagnose und unmittelbar daran anschließende Therapie verbessert die Prognose von Patienten mit kraniodiaphysärer Dysplasie erheblich. Einen ersten Verdacht auf die Hyperostose hegt der Arzt vermutlich schon durch Blickdiagnose. Als wichtigstes Diagnostikum gelten bildgebende Verfahren. So zeigen sich im Röntgenbild beispielsweise eine extreme Hyperostose und eine Sklerose aller Schädelknochen.

Die Schlüsselbeine oder Rippen können in der Bildgebung aufgeweitet wirken. Die fehlenden Diaphysen an den Röhrenknochen treten klar hervor. Auch eine abgrenzbare, nicht verdickte Kortikalis passt ins Krankheitsbild. Differentialdiagnostisch muss eine Abgrenzung zu Erkrankungen wie dem Engelmann-Syndrom getroffen werden. Für eine solche Differentialdiagnose bieten sich vor allem molekulargenetische Analysen an. Das Engelmann-Syndrom zeigt bei der Mutationsanalyse Veränderungen des TGFB1-Gens, während die kraniodiaphysäre Dysplasie das SOST-Gen betrifft.

Komplikationen

Unter der kraniodiaphysären Dysplasie wird eine seltene, genetisch bedingte Skeletterkrankung verstanden. Das Symptom manifestiert sich direkt am Gesichtsschädel durch eine starke Vermehrung der Knochensubstanz mit begleitender Sklerose. Bereits im Säuglingsalter zeigt sich die genetische Mutation anhand der Schädelform und nicht korrekt angelegten Nasenwegen, die bedrohliche Atemprobleme hervorrufen können.

Die resultierenden Folgen der kraniodiaphysären Dysplasie bringen dem betroffenen Patienten ab dem Kleinkindalter zahlreiche lebenseinschränkende Komplikationen. Wird nicht rechtzeitig klinisch eingegriffen, schreitet das überschüssige Knochenwachstum voran. Der Schädelinnenraum verengt sich und die Zahnreihen bilden sich nicht adäquat aus. Das verdickende Knochenmaterial engt den Gehörgang ein und es droht eine Schwerhörigkeit bis hin zum Hörverlust.

Im Schädelraum entsteht zunehmend Platzmangel, Knochenablagerungen dringen in das Gehirn ein. Heftige Kopfschmerzen, Krampfanfälle, Gesichtslähmung und Epilepsien entstehen sowie eine Minder- beziehungsweise Rückentwicklung der bereits geistig erworbenen Fähigkeiten. Eltern, deren Kinder von der kraniodiaphysären Dysplasie betroffen sind, sollten daher frühzeitig klinische Maßnahmen beanspruchen.

Nach der bildgebenden Abklärung greift im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten die Differentialdiagnose. Eine grundlegende Therapie gegen die kraniodiaphysäre Dysplasie gibt es derzeit nicht. Es wird versucht, das unkontrollierte Fortschreiten des Knochenwachstums und dessen Folgen einzudämmen. Verschiedene Medikamente sowie eine kalziumreduzierte Diät ab dem Säuglingsalter helfen dem Betroffenen, das Symptom zu verringern.

Behandlung & Therapie

Eine kausale Therapie existiert für Patienten mit kraniodiaphysärer Dysplasie bislang nicht. Eine solche Therapie wird in der Zukunft durch gentherapeutische Ansätze unter Umständen denkbar sein. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann die Erkrankung aber ausschließlich symptomatisch behandelt werden. Das Ziel aller Therapiemaßnahmen ist es vor allem, das überschießende Knochenwachstum aufzuhalten. Dazu bieten sich verschiedene Schritte an.

Das Fortschreiten der Krankheit kann zum Beispiel medikamentös aufgehalten werden. Als Medikamente werden meist Calcitriol und Calcitonin verwendet. Da der Knochenbau auf Kalzium angewiesen ist, kann auch eine kalziumreduzierte Ernährung Sinn machen. Diese spezielle Diät sollte auf lange Sicht Anwendung finden und idealerweise das gesamte Leben der Patienten begleiten.

Positive Wirkungen hat auch die medikamentöse Versorgung der Patienten mit dem künstlichen Glucocorticoid Prednison gezeigt. Je früher mit der Therapie begonnen wird, desto vielversprechender ist die Aussicht. Die Hyperostose kann bei extrem früher Behandlung schon in den ersten Lebensjahren zu einem Stillstand gebracht werden. Auf diese Weise reduzieren sich die Folgesymptome drastisch.

Unter Umständen können im Rahmen der Therapie auch chirurgische Korrekturen vorgenommen werden. Bevor der Krankheitsverlauf nicht unter Kontrolle gebracht wurde, machen solche Korrekturen aber meist nur wenig Sinn.

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Vorbeugung

Vorbeugemaßnahmen für die kraniodiaphysäre Dysplasie existieren bisher nicht. Bei der Erkrankung handelt es sich um eine genetische Erkrankung, die mit einer familiären Disposition assoziiert ist. Daher können einzig und allein molekulargenetische Beratungen als eine Art Vorbeugemaßnahme in Anspruch genommen werden.

Bücher über Erbkrankheiten

Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Murken, J., Grimm, T., Holinski-Feder, E., Zerres, K. (Hrsg.): Taschenlehrbuch Humangenetik. Thieme, Stuttgart 2011
  • Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

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