Kindliche Plexusparese

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Juli 2017
Startseite » Krankheiten » Kindliche Plexusparese

Die kindliche Plexusparese ist eine Armlähmung, die Neugeborene betrifft. Sie entsteht durch eine Überdehnung, einen Einriss oder einen Ausriss von Nervenwurzeln bei der Geburt. Neben Physio- und Ergotherapie können mikrokonstruktive Maßnahmen in den ersten Lebensmonaten die Beweglichkeit und Sensibilität des betroffenen Arms wiederherstellen, wobei auch die intensive Betreuung der Eltern als therapeutische Maßnahme eine Rolle spielt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine kindliche Plexusparese?

Unter der kindlichen Plexusparese versteht die Medizin eine infantile Lähmung des Arms, die während der Geburt durch eine Verletzung des Nervengeflechts entsteht. Infantile Armlähmungen sind verschieden stark ausgeprägt und schränken die Armbewegung damit in unterschiedlichem Maß ein.

Zeitgleich tritt eine mehr oder minder starke Störung der Armsensibilität auf. Abhängig von der Anzahl der betroffenen Nervenwurzeln kann eine kindliche Plexusparese entweder rückläufig sein oder bleibende Bewegungseinschränkungen beinhalten.

Ursachen

Ursächlich für eine infantile Armlähmung sind immer Schädigungen des Armnervengerüsts, die während des Geburtsvorgangs auftreten. In der Regel entstehen die Schädigungen durch eine abnormale Dehnung der Armnerven und gehen so meist mit Komplikationen während des Geburtsvorgangs einher.

Solche Komplikationen liegen zum Beispiel vor, wenn sich die Schulter des Kindes verhakt und die Geburtshelfer extrem auf den Nacken des Babys einwirken müssen. Auch mechanische Geburtshilfen wie die Zange können eine kindliche Plexusparese aber begünstigen. Am häufigsten sind Kinder mit einem Geburtsgewicht über 4000 Gramm von der Erscheinung betroffen.

Auch Notfallsituationen wie eine Nabelschnurumschlingung während der Geburt können eine Einwirkung auf den Hals- und Nackenbereich erfordern und stehen daher ebenso häufig mit der infantilen Armlähmung in Verbindung. Seltener geht die Schädigung des Arms auf einen Kaiserschnitt oder einen Nervenwurzelausriss bei der Steißgeburt zurück.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Der Plexus brachialis liegt über dem Schlüsselbein und weist fünf Nervenwurzeln zu drei Nervenstämmen auf. So wird neben der Schulterbewegung auch die Beugung und Streckung des Ellenbogens gesteuert. Ebenso ist dieser Nervenkomplex für die Handbewegung und die Brustmuskelbewegung zuständig. Je nachdem, welche der fünf Nervenwurzeln von der Parese betroffen sind, liegt eine obere, mittlere oder eine komplette Plexusparese vor.

Die Stärke und die Lokalisation der Schädigung bestimmen die Symptome. Bei einer kompletten Plexusparese mit Nervenwurzelausriss kann das Kind den Arm und den Brustmuskel nicht bewegen. Auch Empfindungen liegen für diese Bereiche nicht mehr vor. Wenn statt einem Ausriss nur ein Einriss oder eine Überdehnung vorliegt, so ist die Bewegungsfähigkeit, aber auch die Sensibilität der entsprechenden Bereiche zwar eingeschränkt, aber nicht vollständig blockiert.

Bei einer oberen Plexusparese sind nicht alle fünf Nervenwurzeln betroffen. Die Sensibilität und Bewegungseinschränkung bezieht sich in diesem Fall nur auf die Schulter und den Ellenbogenbereich, wobei teilweise eine Brustmuskelbeteiligung vorliegt. Eine mittlere Plexusparese bezieht sich dagegen nur auf den Brustmuskel und auf die Streckung des Ellenbogens.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Der Arzt kann die Diagnose auf eine kindliche Plexusparese oft schon blickdiagnostisch stellen. Das gilt speziell dann, wenn der Vorgang der Geburt mit Komplikationen einher gegangen ist, die die Erscheinung typischerweise begünstigen. Zur Sicherung der Diagnose wird der Arzt unter Umständen eine entsprechende Bildgebung veranlassen.

Wie sich eine kindliche Plexusparese entwickelt, hängt vom Einzelfall und der Zahl sowie Intensität der jeweiligen Verletzungen ab. Auch die eingeleiteten Maßnahmen zur Korrektur beeinflussen den Krankheitsverlauf. Wenn zum Beispiel mikrochirurgische Nervenrekonstruktion stattfinden kann, lässt sich unter Umständen von einem positiveren Verlauf ausgehen. Falls begleitend zu der Parese Wachstumsstörungen des Arms auftreten, lässt das einen eher schwerwiegenderen Krankheitsverlauf mit bleibenden Schäden vorausahnen.

Negativfaktoren können im Einzelfall auch Begleiterkrankungen, wie Übergewicht sein. Durch die Lähmungen kann es in dem betroffenen Arm unter Umständen zu extremen Fehlstellungen kommen, die mit einem Gelenkverschleiß einhergehen. Um einen solchen Krankheitsverlauf zu vermeiden, können physiotherapeutische Maßnahmen hilfreich sein.

Komplikationen

In der Regel kommt es bei betroffenen Kindern zu einer Lähmung der Arme. Diese Lähmung kann dabei zu verschiedenen Einschränkungen im Alltag des Patienten und damit auch zu einer verzögerten Entwicklung führen. Die Lebensqualität des Betroffenen wird durch diese Krankheit deutlich eingeschränkt.

In vielen Fällen sind auch die Eltern und die Angehörigen stark von dieser Krankheit betroffen und benötigen eine psychologische Unterstützung. Dabei ist das Strecken und Beugen des Armes in der Regel nicht mehr ohne Weiteres möglich, wodurch nicht selten auch die Schulter belastet wird. Nicht selten kommt es in den geschädigten Bereichen auch zu Missempfindungen und zu anderen Störungen der Sensibilität.

Die Patienten können dabei bestimmte Dinge und Tätigkeiten im Alltag nicht mehr ausführen. In vielen Fällen kommt es durch die kindliche Plexusparese auch zu Störungen des Wachstums, die zu Folgeschäden und zu Komplikationen im Erwachsenenalter führen können. Die Arme können auch eine Fehlstellung einnehmen und dadurch noch weiter belastet werden.

Die Behandlung der Plexusparese erfolgt durch verschiedene Therapien oder durch einen operativen Eingriff. Dabei treten keine weiteren Komplikationen ein. Es kann allerdings nicht vorausgesagt werden, ob es zu einem positiven Krankheitsverlauf kommt.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung der infantilen Armlähmung hängt stark davon ab, welche Nerven betroffen sind. In den ersten zwei Wochen nach der Geburt wird der Arm geschont und ruhig gestellt, da sich das Nervenkostüm eventuell selbst von kleineren Schäden wie Überdehnungen erholt. Schwellungen und Blutergüsse sollten in diesem Zeitraum abklingen.

Erst nach diesen ersten Tagen werden ergotherapeutische und physiotherapeutische Maßnahmen initiiert, die insbesondere eine Fehlstellung der Gelenke vermeiden sollen und auf die alterstypischen Bewegungen des Kindes abgestimmt sind. Im Einzelfall lässt sich ein Teil der Nerven in der Frühphase auch durch einen mikrochirurgischen Eingriff wiederherstellen. In der Regel findet dieser rekonstruktive Eingriff in den ersten Lebensmonaten statt.

Die Neurolyse entfernt zum Beispiel zurückgebliebene Narben und verbessert so die Leitfähigkeit der beschädigten Nerven. Rund drei Jahre nach diesem Eingriff lässt sich durch einen Sehnen- und Muskelumlagerung eventuell die allgemeine Funktionsfähigkeit des Arms verbessern. Der Betreuung der Eltern kommt im Rahmen aller Therapiemaßnahmen ein hoher Stellenwert zu. So soll eine übermäßige Belastung des Mutter-Kind-Verhältnisses durch die Erscheinung zum Beispiel vermieden werden.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Eltern können einer kindlichen Plexusparese soweit wie möglich vorbeugen, indem sie sich bei der Geburt ausschließlich in die Hände von erfahrenen Geburtshelfern begeben. Bei extremen Geburtskomplikationen kann die Lähmungserscheinung allerdings auch dann auftreten, wenn die Geburtshelfer über viel Erfahrung verfügen.

Bücher über Lähmung

Quellen

  • Beckermann, M.J.: Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Schwabe, Basel 2004
  • Gortner, L., Meyer, S., Sitzmann, F.C.: Duale Reihe Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Uhl, B.: Gynäkologie und Geburtshilfe compact. Thieme, Stuttgart 2013

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: