Nabelschnurumschlingung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 27. September 2017
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Eine Nabelschnurumschlingung (NSU) bezeichnet eine Umschlingung des kindlichen Körpers durch die Nabelschnur. Die Umschlingung kann einfach oder mehrfach sein. Nur in seltenen Fällen stellt sie eine gefährliche Komplikation dar.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Nabelschnurumschlingung?

In circa 30 Prozent der Schwangerschaften kommt eine Nabelschnurumschlingung des Fetus vor. Dabei handelt es sich um eine einfache oder mehrfache Umschlingung der Nabelschnur um einen Körperteil wie Hals, Arm, Bein oder Rumpf. Auch mehrere Körperteile können gleichzeitig betroffen sein. Um den Hals legt sich die Nabelschnur in ungefähr 20 Prozent der Fälle. Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen.

In der medizinischen Literatur wird von einer Geburtskomplikation gesprochen, obwohl eine Nabelschnurumschlingung in der Schwangerschaft zu einem hohen Prozentsatz auftritt. Nur in sehr seltenen Fällen stellt sie wirklich eine Komplikation dar. Als Todesursache für den Fetus kommt sie noch seltener infrage. Meist ist die Umschlingung schlaff und bedeutet daher keine Gefährdung für die Sauerstoffversorgung des Fötus.

Unter der Geburt werden jedoch manchmal Komplikationen beobachtet, da hier die Umschlingung straffer werden kann. Nur in Ausnahmefällen ist bei einer Nabelschnurumschlingung eine primäre Sectio notwendig.

Ursachen

Die Ursachen für Nabelschnurumschlingungen sind vielfältig. Häufig ist die Nabelschnur sehr lang. In anderen Fällen besteht eine starke Vermehrung der Fruchtwassermenge (Polyhydramnion). Beobachtungen haben ergeben, dass Jungen häufiger von einer NSU betroffen sind als Mädchen. Wahrscheinlich ist diese Tatsache auf die größere Beweglichkeit männlicher Feten im Fruchtwasser zurückzuführen. Eine erhöhte Fruchtwassermenge erhöht die Wahrscheinlichkeit einer NSU, weil der Fötus in diesem Fall einen größeren Bewegungsspielraum hat.

Dabei kann ein Polyhydramnion wiederum durch mehrere Ursachen ausgelöst werden. Fetale Ursachen sind beispielsweise Fehlbildungen des Verdauungstraktes, Rückenmarksfehlbildungen, Herzfehler, Fehlen des Großhirns, fetale Infektionen, genetisch bedingte Störungen der Knorpel- und Knochenbildung, Lippen-Kiefer-Gaumenspalten oder Chromosomenaberrationen.

Weitere Ursachen für ein Polyhydramnion von mütterlicher Seite können Inkompatibilität von mütterlicher und fetaler Blutgruppe mit Ausbildung einer Hämolyse beim Fetus oder Diabetes mellitus sein. Bei Diabetes mellitus ist die Fruchtwassermenge durch eine Polyurie des Fetus erhöht. Das Polyhydramnion als Folge anderer Störungen kann zwar eine Nabelschnurumschlingung hervorrufen, wobei in diesen Fällen mehrheitlich die zugrunde liegende Störung das Hauptrisiko für den Fetus darstellt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine Nabelschnurumschlingung des Halses tritt in 20 Prozent der Schwangerschaften auf. Dabei kommt es jedoch nur in der Hälfte der Fälle zu spürbaren Veränderungen der Durchblutung und der Herzfrequenz. Meist ist das Absinken der fetalen Herzfrequenz (Dezeleration) nur kurzfristig und hat keine größeren Auswirkungen. Bei einer längeren straffen NSU um den Hals kann es jedoch in Ausnahmefällen zu einem intrauterinen Fruchttod durch eine fetale Hypoxie (fetaler Sauerstoffmangel) kommen.

Aufgrund der Beschaffenheit der Nabelschnur ist ein Sauerstoffmangel jedoch selten. Der Fetus wird über die Nabelschnur mit sauerstoffreichem Blut aus dem mütterlichen Blutkreislauf versorgt. Diese Versorgung kann nur durch eine Kompression der Nabelschnur und der darin befindlichen Gefäße gestört werden. Die Nabelschnur ist jedoch infolge ihrer Beschaffenheit und ihres Aufbaus nicht so leicht zu komprimieren.

So ist sie im Innern mit einem vor Kompression schützenden Bindegewebe aus feinen Kollagenfibrillen, Hyaluronsäure und Proteoglykanen ausgestattet, welches als Wharton-Sulze bezeichnet wird. Bei Feten mit einem geringen Anteil an Wharton-Sulze ist das Risiko für eine Hypoxie bei einer NSU erhöht. Des Weiteren besitzt die Nabelschnur nach links gedrehte Spiralen, die sie zusätzlich vor Abknicken und Kompression schützen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Eine Nabelschnurumschlingung lässt sich pränatal leicht durch eine Doppler-Sonografie nachweisen. Diese Untersuchung wird jedoch nur bei einer vorausgegangenen Fehl- oder Totgeburt empfohlen, wo ein Zusammenhang mit der NSU vermutet wird. Während der Geburt kann eine Nabelschnurumschlingung in der Austreibungsphase zu pathologischen Veränderungen in der fetalen Herztätigkeit führen.

Durch eine Kardiotokografie lassen sich diese Veränderungen nachweisen. Dabei werden veränderliche Dezelerationen (Senkungen der Herzfrequenz) angezeigt, die in der Regel nur kurze Zeit andauern. Eine Mikroblutuntersuchung sollte dann zur Abschätzung der Sauerstoffversorgung des Kindes durchgeführt werden.

Komplikationen

Eine Nabelschnurumschlingung stellt zwar selber eine Komplikation während der Schwangerschaft dar. Sie ist allerdings selten gefährlich. Nur in Ausnahmefällen kann es zu schweren Komplikationen kommen, die unter Umständen sogar tödlich für den Fetus enden. Bei einer Nabelschnurumschlingung werden Arme, Beine, Rumpf oder Hals von der Nabelschnur umwickelt. Besonders bei einer festen Umschlingung des Halses kann möglicherweise die Blutversorgung des Hirns beim Fetus gefährdet sein.

Dann kommt es zur sogenannten fetalen Hypoxie, die von einer Unterversorgung des Kindes mit Sauerstoff gekennzeichnet ist. Als Folge kann ein intrauteriner Fruchttod eintreten. Obwohl die Nabelschnurumschlingung in der Regel harmlos ist und keiner besonderen Maßnahmen bedarf, sollte jedoch bei einer entsprechenden Diagnose eine ständige ärztliche Überwachung stattfinden.

Nur so kann gewährleistet werden, dass bei einer gefährlichen Zuspitzung der Situation auch eine schnelle medizinische Nothilfe möglich ist. Während der ärztlichen Überwachung bei einer Nabelschnurumschlingung wird anhand von Mikroblutuntersuchungen der Sauerstoffgehalt des Blutes und regelmäßigen Herzfrequenzmessungen die Herzfrequenz des Kindes untersucht.

Eine sehr starke Absenkung der Herzfrequenz kann eine tödliche Gefahr für den Fetus anzeigen. Dann sollte schnell gehandelt werden. In Einzelfällen ist unter Umständen ein primärer Kaiserschnitt notwendig. In diesem Fall wird die Geburt noch vor den Wehen durch den Kaiserschnitt eingeleitet. Allerdings sind die notwendigen medizinischen Maßnahmen immer vom Zustand des Fetus abhängig.

Therapie & Behandlung

Die Nabelschnurumschlingung erfordert meist keine besonderen Maßnahmen. Jedoch sollte während des Geburtsprozesses über die Kardiotokografie die Herzfrequenz des Kindes überwacht werden. Wenn es zu längeren Dezelerationen kommt, ist es gleichzeitig indiziert, die Sauerstoffversorgung durch Mikroblutuntersuchungen zu bestimmen, um im Notfall schnell reagieren zu können. In Einzelfällen kann eine primäre Sectio (Schnittentbindung, Kaiserschnitt) notwendig sein.

Besonders Schwangere, die eine frühere Totgeburt durchgemacht haben, bedürfen besonderer Aufmerksamkeit. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass die Nabelschnurumschlingung primär meist nicht die Todesursache des Kindes darstellt. Wie bereits erwähnt, können verschiedene Vorschädigungen und Erkrankungen von Kind oder Mutter, die Wahrscheinlichkeit einer NSU etwa durch ein Polyhydramnion erhöhen. Oft ist die Ursache für die Totgeburt jedoch in diesen Schädigungen zu suchen.

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Vorbeugung

Eine Vorbeugung vor einer Nabelschnurumschlingung beim heranwachsenden Fetus ist nicht möglich. Die NSU ist eine häufige Begleiterscheinung der Geburt und hat in der Regel keine große Auswirkung auf das Kind. Lediglich in Risikofällen sollten während der Schwangerschaft eine Doppler-Sonografie und eine Kardiotokografie durchgeführt werden.

Ein Risiko besteht, wenn bereits in der Vergangenheit eine Schwangerschaft mit einer Fehl- oder Todgeburt endete. Auch bei bestimmten Erkrankungen der Mutter wie Diabetes mellitus ist eine stärkere Überwachung empfehlenswert. Speziell in diesem Fall kann jedoch die werdende Mutter durch eine gesunde Lebensweise das Risiko für eine Nabelschnurumschlingung mindern helfen.

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Quellen

  • Koletzko, B.: Basiswissen Pädiatrie. Springer Medizin Verlag, Berlin 2009
  • Schneider, H., Husslein, P., Schneider, K.T.M.: Die Geburtshilfe. Springer, Berlin Heidelberg 2011
  • Weyerstahl, T., Stauber, M.: Gynäkologie und Geburtshilfe, duale Reihe. Thieme, Stuttgart 2013

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