Hodenhochstand (Maldescensus testis)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 6. Dezember 2017
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Befinden sich nach der Geburt eines Kindes einer oder beide Hoden nicht im Hodensack, so handelt es sich um eine Entwicklungsstörung, den Hodenhochstand. Ein solcher Hodenhochstand bedarf so gut wie immer einer medizinischen Behandlung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Hodenhochstand?

Etwa 1-3% aller männlichen Säuglinge und 30% aller Frühgeborenen sind von einem Hodenhochstand betroffen. Beim Hodenhochstand handelt es sich um eine Entwicklungsstörung, bei der entweder ein oder beide Hoden nicht in den Hodensack gewandert sind. Für gewöhnlich wandern die Hoden etwa im siebten Schwangerschaftsmonat in den Hodensack.

Es ist möglich, dass innerhalb des ersten Lebensjahres ein verspätetes, selbstständiges Wandern der Hoden in den Hodensack stattfindet. Generell wird zwischen 3 Formen des Hodenhochstandes unterschieden:

Leistenhoden: Bauchraum und Hodensack werden durch den Leistenkanal verbunden, hier befindet sich der Hoden in diesem Falle

Gleithoden: Der Hoden wird immer wieder in den Leistenkanal zurück gezogen beruhend auf der Tatsache, dass der Samenstrang des Hodens zu kurz ist

Bauchhoden: Es ist nicht möglich den Hoden zu ertasten, da sich dieser in der Bauchhöhle befindet

Von diesen Formen abzugrenzen ist der Pendelhoden. Beim Pendelhoden handelt es sich nicht um eine Erkrankung sondern um die reflexartige Verschiebung des Hodens vom Hodensack in den Leistenkanal, hier handelt es sich nicht um einen Hodenhochstand.

Ursachen

Ein Hodenhochstand kann sowohl eine anatomische als auch eine hormonelle Ursache haben. So kann es zum Beispiel sein, dass ein Leistenbruch vorliegt oder der Leistenkanal zu eng ist, sodass der Hoden keine Möglichkeit hat in den Hodensack zu wandern.

Hormonell bedingt kann es zu einer verzögerten Entwicklung des Kindes im Mutterleib kommen, was sich ebenfalls auf die Wanderung des Hodens auswirkt. Prinzipiell ist es so, dass eine Entwicklung der Hoden bei Ungeborenen in der Nierengegend stattfindet.

Da die Temperatur außerhalb des Körpers, im Hodensack, für die Spermienproduktion optimal ist, wandern die Hoden während der Entwicklung in den Hodensack. Oftmals wird bei einem Hodenhochstand jedoch keine eindeutige Ursache festgestellt.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Während der U1-Untersuchung des Neugeborenen kann der Hodenhochstand von einem Kinderarzt diagnostiziert werden. Um eine Diagnose stellen zu können tastet der Arzt den Hodensack ab, während das Kind sich nacheinander in stehender, sitzender und liegender Position befindet.

Ist es dem Arzt nicht möglich den Hoden zu ertasten so wird ein Hormonstimulationstest durchgeführt, dieser dient dazu Hodengewebe nachzuweisen. Weiterführende Diagnosemethoden werden mithilfe einer Bauchspiegelung sowie mit MRT und Ultraschall durchgeführt. Diese Verfahren werden jedoch nicht regulär bei einem Hodenhochstand durchgeführt.

Ein zu spät behandelter Hodenhochstand kann im Verlauf verschiedene, schwerwiegende Folgen haben. Durch bereits beschädigtes Hodengewebe kann es zur Unfruchtbarkeit kommen. Diese tritt bei etwa 30% der Betroffenen ein. Durch einen Hodenhochstand steigt zudem das Risiko für einen Leistenbruch und eine spätere Erkrankung an Hodenkrebs.

Komplikationen

Wird ein Hodenhochstand nicht rechzeitig medizinisch behandelt, drohen im weiteren Verlauf mitunter ernstzunehmende Komplikationen. Diese zeigen sich zumeist ab dem Jugendalter. Babys und Kinder haben nur selten unter den unmittelbaren Auswirkungen eines Hodenhochstands wie Hormonstörungen oder Schmerzen zu leiden. Obwohl die Hoden nicht korrekt anliegen, sind sie normal ausgebildet.

Bei Jugendlichen, die ein sexuelles Bewusstsein entwickeln, besteht jedoch die Gefahr von psychischen Belastungen, wenn sich ein oder beide Hoden nicht im Hodensack befinden. In der Regel wird ein Hodenhochstand jedoch bereits vor dem ersten Geburtstag behandelt, sodass dies nur selten der Fall ist.

Ohne eine Therapie drohen im Erwachsenenalter Folgeerscheinungen, zu denen unter anderem die Hodentorsion (Hodendrehung) gehört. Die Drehung des Hodens am Samenstrang wird oft durch die falsche Lage des Hodens verursacht. Aufgrunddessen droht das Abschnüren der hodenversorgenden Gefäße, sodass der Hoden ohne eine schnelle Behandlung absterben kann.

Im Falle eines Leisten- oder Gleithodens bilden sich bei manchen Betroffenen innerhalb des Leistenkanals Schwachstellen. Dadurch ist wiederum das Einbrechen von Eingeweiden aus der Bauchhöhle denkbar, was von Medizinern als Leistenbruch bezeichnet wird.

Eine weitere Komplikation stellt die Unfruchtbarkeit dar. Liegt der Maldescensus testis nur bei einem Hoden vor, hat dies kaum Auswirkungen. Sind jedoch beide Hoden betroffen, werden zum Teil deutlich weniger Kinder gezeugt. Des Weiteren kann sich ein Hodenhochstand begünstigend auf Hodenkrebs auswirken. So erhöht sich die Krebsgefahr ohne Behandlung um das Zwanzigfache.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Ein Hodenhochstand wird meist direkt nach der Geburt vom Kinderarzt diagnostiziert und umgehend behandelt. Eine ärztliche Behandlung ist spätestens dann erforderlich, wenn die Fehllage der Hoden Schmerzen oder anderweitige Beschwerden hervorruft. Eltern, die bei ihrem Kind entsprechende Anzeichen bemerken, sprechen am besten mit dem Kinderarzt. Sollten sich ernste Komplikationen einstellen, muss das Kind im Krankenhaus behandelt werden. Die Eltern sollten umgehend eine Untersuchung veranlassen, um das Risiko für Spätfolgen wie Unfruchtbarkeit oder Hodenkrebs zu minimieren.

Personen, bei denen im Kindesalter ein Hodenhochstand festgestellt und behandelt wurde, sollten auch im späteren Leben regelmäßig den Hausarzt oder einen Urologen aufsuchen. Durch eine umfassende Untersuchung wird sichergestellt, dass der Hoden richtig gelagert ist und keine Probleme verursacht. Zudem lassen sich etwaige Auslöser wie hormonelle Schwankungen frühzeitig erkennen und beheben, bevor es zu einem Hodenhochstand kommt. Liegt der Fehllage eine ernste Erkrankung zugrunde, ist eine engmaschige Überwachung durch einen Facharzt erforderlich. Die Behandlung erfolgt in der Regel in einer Fachklinik für Urologie.

Behandlung & Therapie

Senkt der Hoden sich bei einem Hodenhochstand nicht selbständig innerhalb der ersten sechs Lebensmonate ab, so ist eine Behandlung durch einen Urologen zu empfehlen. Bevor jedoch ein operativer Eingriff vorgenommen wird, sollte eine Hormonbehandlung durchgeführt werden. Bei der Hormontherapie wird das Hormon Gonadotropin verabreicht. Es soll dafür sorgen, dass der Hoden in den Hodensack (weiter) wandert.

Das Hormon kann in Form von Nasenspray über die Schleimhaut aufgenommen werden oder intramuskulär injiziert werden. Eine Hormontherapie bei Hodenhochstand ist in 20% aller Fälle erfolgreich. Es gibt Ausnahmen, bei denen eine Operation durchgeführt werden sollte. Zu diesen Ausnahmen zählen:

  • Hodenhochstand in der Pubertät
  • Gleichzeitiger Leistenbruch
  • Erfolgslose Hormontherapie
  • Abnormale Positionierung des Hodens

Bei einer Operation wird der Hoden operativ in den Hodensack verlegt und dort an der tiefsten Stelle festgenäht. Ist der Hoden bereits verkümmert so wird er entfernt um weitere Folgeschäden zu vermeiden. In jedem Falle des Hodenhochstands sind regelmäßige Kontrollen ab dem 15. Lebensjahr notwendig.

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Vorbeugung

Da es sich bei einem Hodenhochstand um eine Entwicklungsstörung handelt gibt es keinerlei Vorbeugungs-Maßnahmen. Lediglich Spätfolgen lassen sich vermeiden, indem ein Hodenhochstand durch frühzeitige Kontroll-Untersuchungen behandelt wird.

Das können Sie selbst tun

Wurde beim Kind ein Hodenhochstand festgestellt, ist eine medizinische Behandlung erforderlich. Die zuerst stattfindende Hormontherapie kann in Rücksprache mit dem Arzt durch alternative Verfahren aus der Naturheilkunde und der Homöopathie unterstützt werden.

Die wichtigste Maßnahme ist jedoch die Beobachtung des Kindes. Durch das Verhalten des Kindes lässt sich relativ schnell erkennen, ob die Hormontherapie erfolgreich ist, denn ein Absenken des Hodens macht sich oft durch eine Schmerzreduktion bemerkbar. Der betroffene Hoden sollte regelmäßig von einem Arzt kontrolliert werden, denn nur so kann sichergestellt werden, dass tatsächlich ein Absenken stattfindet.

Bleibt der Hodenhochstand trotz hormoneller Behandlung bestehen, muss eine Operation durchgeführt werden. Da es sich dabei um einen Routineeingriff handelt, muss das Kind nicht besonders darauf vorbereitet werden. Wichtig ist es, dem Kind etwaige Ängste zu nehmen und die Zeit im Krankenhaus so angenehm wie möglich zu gestalten. Mit älteren Kindern sollte über die Entwicklungsstörung gesprochen werden, am besten gemeinsam mit dem Kinderarzt, der dem Betroffenen die Gründe für die Störung erklären und gleichzeitig Ängste bezüglich eines chirurgischen Eingriffs nehmen kann.

Nach der Operation sollte das Kind für einige Tage zuhause bleiben und sich schonen. Vor allem auf sportliche Betätigung sollte in der ersten Zeit nach einem Eingriff verzichtet werden.

Bücher über Urologie & Hodenhochstand

Quellen

  • Gasser, T.: Basiswissen Urologie. Springer, Berlin 2011
  • Hautmann, R.: Urologie. Springer, Berlin Heidelberg 2014
  • Sökeland, J., Schulze, H., Rübben, H.: Urologie. Thieme, Stuttgart 2004

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