Gallensäureverlust-Syndrom

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 7. November 2016
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Das Gallensäureverlust-Syndrom entwickelt sich aus einem physiologisch bedeutsamen Verlust an Gallensäuren im Darm. Es äußert sich durch hartnäckige Durchfälle, die sich auch mit den üblichen Medikamenten nicht behandeln lassen. Ob kurative oder lediglich symptomatische Therapien möglich sind, hängt von der jeweiligen Ursache des Gallensäureverlust-Syndroms ab.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Gallensäureverlust-Syndrom?

Bei einem Gallensäureverlust-Syndrom kommt es, wie der Name bereits sagt, zu einem erheblichen Verlust von Gallensäuren im Darm. Gallensäuren sind notwendig zur Emulgierung von Nahrungsfetten, damit diese dann im Dünndarm resorbiert werden können. Gleichzeitig werden mit der Resorption von Fetten und Fettsäuren dort auch fettlösliche Vitamine aufgenommen.

Die Gallensäuren gelangen aus der Leber über die Gallengänge ins Duodenum (Zwölffingerdarm), verrichten dort ihre Funktionen und werden in der Regel im Ileum (unterer Abschnitt des Dünndarms) wieder zurückresorbiert. Die wieder aufgenommene Gallensäure wird nun über den enterohepatischen Kreislauf in die Leber zurückgeführt.

Nur ein kleiner Teil der Gallenflüssigkeit (etwa fünf Prozent) wird im Darm abgebaut. Dabei entsteht unter anderem das Abbauprodukt Bilirubin, welches dem Kot die braune Farbe verleiht. Die über den enterohepatischen Kreislauf recycelten Gallensäuren werden wiederum für den gleichen Prozess verwendet.

Deren geringer Verlust durch Abbau im Darm wird in der Leber durch Neusynthese aus Cholesterin ausgeglichen. Kommt es jedoch durch bestimmte Prozesse zu einem erheblichen Verlust an Gallensäuren, müssen diese verstärkt neu synthetisiert werden, um die normale Fettverdauung und Vitaminversorgung des Organismus aufrechtzuerhalten.

Ein Verlust der Gallensäuren wird dadurch hervorgerufen, dass diese in den Dickdarm gelangen und dort abgebaut werden. Das führt zu einem kompensierten oder in schwereren Fällen zu einem dekompensierten Gallensäureverlust-Syndrom.

Bei einem kompensierten Gallensäureverlust-Syndrom reicht die Kapazität der Gallensäureneubildung aus, um die normale Fettverdauung zu gewährleisten, während es bei der dekompensierten Form zur Malabsorption von Fetten und fettlöslichen Vitaminen mit den Symptomen einer Mangelernährung kommen kann.

Ursachen

Als Ursachen eines Gallensäureverlust-Syndroms gelten sowohl die Störung der Resorption von Gallensäuren im unteren Teil des Dünndarms (Ileum) als auch ihr verstärkter Abbau im Dünndarm durch Fehlbesiedlung mit Bakterien. Die Gallensäureresorption entfällt unter anderem bei einer Entfernung des Ileums im Rahmen einer Darmoperation bei Morbus Crohn.

Auch bei Morbus Crohn selber ist die Wiederaufnahme der Gallensäuren gestört. Ein verstärkter Abbau von Gallensäuren im Dünndarm findet beim sogenannten Blindsack-Syndrom statt. Das Blindsack-Syndrom ist durch eine sackartige Ausstülpung am Dünndarm gekennzeichnet. Hauptursache dieses Syndroms sind Operationen am Dünndarm.

In dieser Ausstülpung sammeln sich Reste des Darminhaltes und Gallensäuren, die unter intensiver Bakterienbildung abgebaut werden. So kommt es hier zu einem erheblichen Verlust an Gallenflüssigkeit, der zu einer massiven Störung der Fettverdauung, Vitamin-B12-Mangel und schwerer Anämie führen kann. Früher wurde vermutet, dass hauptsächlich diese beiden Ursachen für ein Gallensäureverlust-Syndrom verantwortlich seien.

Nach neueren Erkenntnissen leidet aber auch ein erheblicher Teil der Reizdarmpatienten an diesem Syndrom. Hier konnten noch keine erkennbaren Ursachen für die Resorptionsstörungen festgestellt werden. Trotzdem wird diese sogenannte idiopathische Form des Gallensäureverlust-Syndroms heute mit etwa 33 Prozent beziffert.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Ein Gallensäureverlust-Syndrom äußert sich durch hartnäckige chologene Diarrhöen. Diese Durchfälle entstehen durch die osmotische Wirkung der Gallensäuren. Sie sind mit starken Bauchkrämpfen verbunden. Durch die Durchfälle kann es zu Gewichtsverlust und Dehydratation kommen.

In der Afterregion bilden sich häufig Ekzeme aufgrund von Reizwirkungen der Gallensäuren. Bei Nahrungskarenz bessern sich die Beschwerden. In den dekompensierten Fällen des Gallensäureverlust-Syndroms treten Fettstühle (Steatorrhö) auf, die sich durch regelrechte Fettfilme auf dem Wasser bemerkbar machen.

Da der Gallensäureverlust sehr groß ist, sinkt auch die Gallensäurekonzentration in der Gallenblase. In der Folge können Gallensteine und auch Harnsteine entstehen. Die Gallensteine stellen salzartige Ausfällungen von Gallensäuren dar, während die Harnsteine aus Oxalaten bestehen, da im Darm verstärkt Oxalsäure resorbiert wird. Bei dauerhafter Störung der Fettsäureresorption kommt es einem Mangel an den Vitaminen B12, A, D und F. Ein Vitamin-B12-Mangel kann langfristig zu einer perniziösen Anämie führen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Es gibt mehrere Untersuchungsmöglichkeiten zur Feststellung eines Gallensäureverlust-Syndroms. Eine Möglichkeit ist die Stuhluntersuchung auf Gallensäuren. Aussagekräftiger ist der 15SeHCAT-Test. Ein weiterer Test, der 4C-Glykocholat-Atemtest, wird nur noch selten durchgeführt. Am besten bewährt hat sich die Gabe des Austauscherharzes Cholestyramin. Wenn sich in diesem Fall die Beschwerden bessern, ist die Diagnose Gallensäureverlust-Syndrom gesichert.

Behandlung & Therapie

Die beste Therapie eines Gallensäureverlust-Syndroms stellt die Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung dar. Oftmals ist das aber nicht mehr möglich. Wenn beispielsweise der untere Dünndarmabschnitt (Ileum) im Rahmen einer Darmoperation entfernt werden musste, können nur noch symptomatische Behandlungen zur Besserung der Symptome durchgeführt werden.

In diesem Sinne hat sich das Austauscherharz Cholestyramin am besten gegen die Durchfälle bewährt. Es wird mit der Nahrung aufgenommen und absorbiert die Gallensäuren. So können diese nicht mehr ihre osmotische Wirkung gegen die Darmwände ausüben und die Durchfälle kommen zum Erliegen.

Allerdings sollte das Harz bei Fettstühlen nicht eingesetzt werden, weil sich hier die Mangelerscheinungen noch verstärken würden. Vitaminmangelerscheinungen müssen durch Vitaminsubstitution behandelt werden.




Vorbeugung

Da das Gallensäureverlust-Syndrom hauptsächlich nach Darmoperationen bei schweren Darmerkrankungen auftritt oder durch unklare Ursachen hervorgerufen wird, kann eine spezielle Empfehlung zur Vorbeugung nicht gegeben werden.

Betroffene können aber durch eine gesunde, abwechslungsreiche und fettarme Ernährung zur Besserung der Symptome beitragen. Nahrungsergänzungsmittel mit mittelkettigen Fettsäuren und fettlöslichen Vitaminen werden empfohlen.

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