Diurese

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 13. November 2016
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Die Diurese ist die Harnausscheidung über die Nieren. Diurese kann therapeutisch forciert und zur Entgiftung eingesetzt werden. Bei Erkrankungen wie Diabetes mellitus überschreitet die Diurese den durchschnittlichen Normwert von 1,5 Litern am Tag.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Diurese?

Die Nieren sind paarige Organe in Bohnenform, deren Hauptaufgabe die Entgiftung und Harnbildung ist. Die Harnbildung besteht aus Schritten der Filtration, der Reabsorption und der Konzentration. Vor allem mit der Sekretion und der Reabsorption besitzen die Nieren eine wesentliche Beteiligung an systemischen Regulationen.

Die Organe regulieren den menschlichen Wasser- und Elektrolythaushalt. Außerdem stellen sie das Säure-Basen-Gleichgewicht des Säure-Basen-Haushalts sicher.

Als Urinzeitvolumen bezeichnet der Mediziner die Menge an Urin, die in einem definierten Zeitintervall von 24 Stunden von den Nieren zur Verfügung gestellt und anschließend ausgeschieden (Miktion) werden kann. Im Normalzustand der Nieren gilt das Prinzip der Antidiurese. Unter diesen Bedingungen beträgt das Urinzeitvolumen durchschnittlich zwischen 1,5 und zwei Litern pro Tag. Bei Diurese kann das Urinzeitvolumen um ein Vielfaches ansteigen.

Mit der Diurese ist in der erweiterten Definition die Harnausscheidung durch die Nieren gemeint. In vereinzelten Quellen bezieht sich der Begriff der Diurese auf Harnausscheidungswerte, die über dem durchschnittlichen Normalwert von zwei Litern liegen. Grundsätzlich kann Diurese therapeutisch stattfinden, pathologische Hintergründe haben oder durch bestimmte Ernährungsweisen herbeigeführt werden.

Funktion & Aufgabe

Die Diurese im Sinne der Harnausscheidung ist die Hauptaufgabe der Nieren. Diurese trägt wesentlich zur Entgiftung des menschlichen Körpers bei und reguliert den Wasser- sowie Elektrolythaushalt. Der erste Schritt der Harnbildung entspricht der Filtration von Primärharn innerhalb der Nierenkörperchen. Der Primärharn beträgt im Durchschnitt 180 Liter pro Tag.

Blutplasma wird bei der Primärharnbildung durch das innere Blatt der sogenannten Bowman-Kapsel gepresst. Größere Blutbestandteile dringen nicht ein, da das Blutgefäß sie abfängt. Aus dem Kapselraum der Bowman-Kapsel tritt Gegendruck ein. Zudem erzeugen Eiweißmoleküle im Blut einen Gegendruck, indem sie Wasser im Blutgefäß behalten. Durch das Druck-Gegendruck-Prinzip beträgt der effektive Filtrationsdruck in der Bowman-Kapsel rund acht mmHg.

Nach der Bildung des Primärharns nach Druck-Gegendruck-Prinzip modifizieren die Nieren den Primärharn. Dieser Schritt findet im proximalen Tubulus statt und beinhaltet die Wiederaufnahme von Bestandteilen wie Elektrolyten, Wasser, Glukose und Resteiweiß ins Blut. Das Volumen des Primärharns reduziert sich durch diese Prozesse auf durchschnittlich 19 Liter pro Tag.

Die Diurese ist die Harnausscheidung über die Nieren.

Im letzten Schritt der Harnbildung konzentrieren die Nieren den Urin in der sogenannten Henle-Schleife und in den Sammelrohren per Gegenstromprinzip. Im Wesentlichen wird dem Primärharn bei der Konzentration ohne zusätzlichen Energieaufwand Wasser entzogen. Aus dem Konzentrationsprozess in der Henle-Schleife geht der Sekundärharn hervor. Dieser Sekundärharn beträgt unter normalen Umständen durchschnittlich rund 1,5 Liter am Tag.

Alle aufgeführten Prozesse bemächtigen die Nieren zur Diurese. Hormone wie Adiuretin (ADH) stehen der Diurese entgegen, da sie die Wasserrückresorption fördern. Aldosteron steigert zur selben Zeit die Natriumrückresorption.

Auch auf den Körper wirkende Größen der Physik beeinflussen die Diurese. Die Diurese-Aktivität steigt zum Beispiel bei Kältebelastung oder Druckbelastung an. Auch niedriger Luftdruck in Höhen von rund 3000 Metern steigert die Diurese. Die sogenannte Kältediurese hängt mit einer verminderten Produktion des Hormons ADH zusammen. Die Umwelt des Menschen hat damit einen Einfluss auf seine Diurese-Aktivität.

Auch die Ernährung kann die Diurese beeinflussen. In Kaffee enthaltenes Coffein zeigt beispielsweise diuretische Wirkung. Bei gewohnheitsmäßig hohem Kaffeekonsum erhöhen die Nieren ihre Diurese allerdings nicht.




Krankheiten & Beschwerden

Unterschiedliche Maßnahmen der Medizin beeinflussen die Diurese von außen. Harntreibende Mittel sind das bekannteste Verfahren zur Steigerung der Diurese. Diese Medikamente werden auch als Diuretika bezeichnet und sind in unterschiedlichem Zusammenhang indiziert.

Bei verschiedenen Nieren- und Herzkreislauferkrankungen kann eine Forcierung der Harnausscheidung über Diuretika die Kreislaufbelastung reduzieren. Daher kommen harntreibende Mittel häufig bei Herzinsuffizienz zum Einsatz.

Patienten mit Vergiftungen erhalten ebenfalls eine Form der forcierten Diurese. Diese Art der Diurese findet in Form von intensivmedizinischen Entgiftungsmaßnahmen statt. Giftige und wasserlösliche Substanzen werden durch die gesteigerte Harnproduktion aus dem Körper getrieben.

In unterschiedlichen Quellen wird der Begriff der Diurese im Kontext von pathologisch hohen Harnausscheidungen der Nieren verwendet. Eine pathologische Form der Diurese kann die osmotische Diurese sein. Hierbei handelt es sich um eine vermehrte Wasserausscheidung durch die Niere, die von osmotisch wirksamen Substanzen verursacht wird.

Die Konzentrierung des Harns erfolgt in einem gesunden Körper überwiegend auf passive Art und Weise. Der Tubulusflüssigkeit wird hierbei durch Osmose Flüssigkeit entzogen. Je mehr osmotisch aktive Teilchen die Flüssigkeit enthält, desto weniger davon kann resorbiert werden. Die steigende Anzahl an osmotisch aktiven Elementen vermindert den osmotischen Gradienten zwischen Tubulusflüssigkeit und Umgebungsgewebe. Dadurch reduziert sich die Wasserrückresorption und das Urinzeitvolumen nimmt zu.

Aus dem klinischen Alltag kennt der Mediziner die osmotische Diurese vor allem in Zusammenhang mit Erkrankungen wie der Diabetes mellitus. Diese Stoffwechselerkrankung manifestiert sich oft durch Symptome wie die Polyurie. Bei der Polyurie erhöht sich die altersüblich physiologische Urinmenge täglich auf über 1500 Milliliter pro Quadratmeter Körperoberfläche.

Dieses Phänomen hängt mit dem Glukoseüberangebot bei Diabetes mellitus zusammen. Der proximale Tubus besitzt im Angesicht des Überangebots eine zu geringe Transportkapazität für Glukose. Aus diesem Grund verbleiben osmotisch aktive Glukoseteilchen im Tubulus. Die Wiederaufnahme von Wasser wird so verhindert. Die tagtägliche Diurese der Patienten steigt damit über den Normwert.

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