Anus

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. November 2016
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Der Anus oder After dient als Endsegment des Verdauungsapparates der kontrollierten Stuhlentleerung und stellt die Kontinenz des Rektums (Mastdarm) sicher. Die meisten der Beschwerden im Analbereich sind in aller Regel ungefährlich, werden allerdings aufgrund falscher Scham in vielen Fällen nicht abgeklärt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Anus?

Als Anus (auch After) wird die Ausscheidungsöffnung des gastrointestinalen Traktes bzw. des Enddarms bezeichnet.

Als Bestandteil des Verdauungsapparates gewährleistet der Anus eine kontrollierte Defäkation (Stuhlentleerung) und stellt als rektales Schließorgan die Stuhlkontinenz sicher.

Der Anus wird hierbei in erster Linie durch einen internen und externen Ringmuskel modelliert, deren Muskeltätigkeit in Zusammenarbeit mit weiteren Strukturen des Verdauungstraktes die Defäkation steuert.

Anatomie & Aufbau

Der Anus wird vor allem aus zwei bedeutenden Ringmuskeln gebildet. Der autonom, d.h. unabhängig vom menschlichen Willen, funktionierende innere Ringmuskel, der sogenannte Musculus sphincter ani internus, besteht aus glatter Muskulatur, die nahtlos von der rektalen Tunica muscularis (glatte Muskelschicht des Rektums) ausgeht.

Dieser ist vom äußeren Ringmuskel des Anus, dem Musculus sphincter ani externus, über eine längsgestreifte Muskelschicht getrennt. Der quergestreifte Musculus sphincter ani externus besitzt schlingenförmig verlaufende Fasern und wird in den Pars subcutanea, Pars superficialis sowie Pars profunda unterteilt.

Der äußere Ringmuskel ist willkürlich über den Nervus pudendus innerviert und leitet über seine Erschlaffung den Stuhlabgang über den Anus ein. Das durch die Sphinktermuskulatur geformte und etwa 4 cm lange Endsegment des Rektums wird Analkanal (Canalis analis) bezeichnet und bildet das Lumen des Anus. Der Analkanal ist von taschenförmigen Analkrypten ausgekleidet, die als Ausführungsgänge der Glandulae anales (Analdrüsen) schleimiges Sekret in den Canalis analis sezernieren.

Posterior (zur Rückseite) wird der Anus durch ein bindegewebiges Band (Ligamentum anococcygeum) mit den Steißbeinwirbeln (Os coccygis) verbunden, während anterior (bauchseits) die Urethra (Mann) bzw. Vagina (Frau) unmittelbar dem Anus anliegt.

Funktionen & Aufgaben

Schematische Darstellung zur Anatomie des Rektum bzw. Anus, sowie der Schließmuskeln. Klicken, um zu vergrößern.

Die beiden ringförmig angelegten Schließmuskel steuern im Zusammenspiel mit dem Musculus levator ani den Defäkationsprozess und fungieren entsprechend gemeinsam als rektaler Schließapparat. Der innere Sphinkter verhindert hierbei den unwillkürlichen Stuhlabgang.

Dringt der Darminhalt während seiner Passage durch den gastrointestinalen Trakt in das Rektum, werden an dessen Wand Dehnungsrezeptoren stimuliert, die eine Erweiterung (Dilation) des inneren Schließmuskels bedingen, während der externe Ringmuskel kontrahiert bleibt und über einen dauerhaften Spannungszustand (Dauertonus) der Muskulatur die Kontinenz aufrechterhält.

Zudem bedingt der externe Analsphinkter eine Erweiterung des sogenannten Plexus venosus rectalis (rektales Venengeflecht), wodurch der Anus zusätzlich abgedichtet und ein Abgang von Darmgasen verhindert wird. Darüber hinaus wird durch die Kontraktionen des internen Ringmuskels sichergestellt, dass das Blut nicht zurückströmen kann. Dadurch werden die Hämorrhoiden angefüllt und sorgen für eine Feinabdichtung des Rektums. Mit zunehmendem Füllungsvolumen baut sich der Stuhldrang auf.

Die willkürlich gesteuerte Erschlaffung des externen Ringmuskels leitet die Defäkation ein, wobei der innere Schließmuskel ebenfalls erschlafft. Unterstützt wird die Stuhlentleerung durch die reflektorische Kontraktionstätigkeit des zwischen Rektum und Sigma gelegenen Dickdarmabschnitts (Rectosigmoid) sowie durch die Anhebung des Anus durch den Musculus levator ani. Durch die sogenannte Bauchpresse, die gleichzeitige Kontraktion von Zwerchfell sowie Bauch- und Beckenbodenmuskulatur, kann der Stuhlabgang über den Anus zusätzlich beschleunigt werden.

Krankheiten

Der Anus kann von unterschiedlichen Beschwerden und Erkrankungen betroffen sein, die allerdings in den meisten Fällen ungefährlich sind. Eine der klinisch relevantesten Erkrankungen des Anus ist beispielsweise die Perianalthrombose (auch Analthrombose), bei welcher im äußeren Bereich des Anus bzw. im Venenplexus eine Venenthrombose (Blutgerinnsel) infolge langen Sitzens (Stase) oder permanenter Presstätigkeiten vorliegt. Eine Perianalthrombose sollte differenzialdiagnostisch von einem Perianalabszess abgegrenzt werden, der sich anhand einer eitrigen Entzündung in den Gewebestrukturen um den Anus auszeichnet und in aller Regel durch eine bakterielle Infektion bedingt wird.

Darüber hinaus können sich im Anschluss an eine konservative Therapie der Perianalthrombose sogenannte Marisken (Hautfalten) entwickeln, die bei ungenügender Analhygiene anfällig für Infektionen sind und zu Dermatitis und Pruritus (Juckreiz) führen können. Bei einer verminderten Durchblutung der Analkanalhaut, einem erhöhten Sphinktertonus (Spannungszustand der Ringmuskulatur) und/oder vorliegender Obstipation (Verstopfung) kann zudem die Haut des Analkanals einreißen (Analfissur).

Eine sehr häufige Erkrankung des Analbereichs sind Hämorrhoidalleiden, die mit einer Vergrößerung der hämorrhoidalen Blutpolster, der ringförmigen arterovenösen Gefäßpolster, die die Feinkontinenz sicherstellen, einhergehen. In seltenen Fällen können sich Analkarzinome (bösartige Tumoren) manifestieren. Daneben können auch genetisch bedingte Fehlbildungen des Anus wie eine Atresia ani (verschlossener Anus) beobachtet werden.

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