Wadenmuskulatur

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 12. November 2016
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Die Wadenmuskulatur im engeren Sinn setzt sich aus dem zweiköpfigen Wadenmuskel und dem Schollenmuskel zusammen. Die Hauptaufgabe der Wadenmuskulatur besteht in der Beugung des Fußes nach unten, eine enorm wichtige Funktion beim Gehen, Laufen, Springen und anderen Bewegungsabläufen.

Inhaltsverzeichnis

Was kennzeichnet die Wadenmuskulatur?

Von der Vielzahl der Muskeln im Bereich der Waden zählen nur der zweiköpfige Wadenmuskel (Musculus gastrocnemius ) und der Schollenmuskel (Musculus soleus ) zur Wadenmuskulatur im engeren Sinn. Beide Muskeln werden häufig als dreiköpfiger Wadenmuskel (Musculus triceps surae ) zusammengefasst.

Gelegentlich wird auch der lange Wadenmuskel (Musculus plantaris ) dem Musculus triceps surae zugerechnet, weil er ebenfalls die Beugung des Fußes nach unten unterstützt. Vor allem der Musculus gastrocnemius verleiht der Wade das typische Aussehen. Die Hauptaufgabe besteht in der Beugung des Fußes nach unten.

Um die Aufgabe erfüllen zu können, sind die Muskeln am oberen Ende mit dem unteren Teil des Oberschenkelknochens verbunden und mit dem unteren Ende über die Achillessehne mit dem Fersenbein, dem Calcaneus, verwachsen. Der doppelköpfige Wadenmuskel ist ein starker Skelettmuskel, weil die Kräfte, die beim Laufen und Springen auf das Sprunggelenk – und damit auf den Calcaneus - einwirken, enorm sein können und von der Achillessehne auf den Muskel übertragen werden.

Anatomie & Aufbau

Der Musculus gastrocnemius besitzt nach oben zwei Köpfe, den inneren Caput mediale und den seitlichen Caput laterale, die beidseits am unteren Ende des Oberschenkelknochens angewachsen sind.

Am unteren Ende läuft der Muskel in die Achillessehne aus, die mit dem hinteren Ende des Calcaneus verbunden ist und über eine starke Hebelwirkung Kräfte, die zum Beispiel durch einen Sprung auf das Sprunggelenk einwirken, auffangen kann, oder Kräfte an das Sprunggelenk übertragen kann, wenn ein Sprung beabsichtigt ist.

Der Musculus soleus liegt unterhalb des Wadenmuskels und lässt sich seitlich außen unter dem Musculus gastrocnemius erfühlen. Das untere Ende des Muskels mündet ebenfalls in die Achillessehne und ist daher mit dem Calcaneus verbunden. Der Musculus plantaris, der von einigen Autoren der Wadenmuskulatur zugerechnet wird, mündet nach unten ebenfalls in die Achillessehne.

Der Muskel, der unterhalb der großen Wadenmuskeln verläuft, hat beim Menschen nur eine geringe Bedeutung, nimmt aber auch eine gefäßschützende Funktion wahr. Innerviert wird die gesamte Wadenmuskulatur vom Schienbeinnerv (Nervus tibialis), einem der beiden Hauptäste des Ischiasnervs (Nervus ischiadicus), der aus dem lumbo-sakralen Nervengeflecht (Plexus lumbosakralis) entspringt.

Funktion & Aufgaben

Die Hauptfunktion der Wadenmuskulatur besteht in der Beugung des Fußes beziehungsweise im Abwinkeln des Fußes nach unten und im Auffangen von Kräften, die vom Calcaneus über die Achillessehne an die Wadenmuskulatur weitergeleitet wird.

Das ist immer dann der Fall, wenn der Fuß belastet wird, ohne, dass sich die Ferse am Boden abstützen kann. In einer weiteren Funktion unterstützt der Musculus gastrocnemius die Beugung des Knies, bzw. das Anheben des Unterschenkels zum Gesäß hin. Eine weitere wichtige Funktion besteht in der Unterstützung der Supination – der Auswärtsdrehung - des Fußes.

Es handelt sich um Anhebung des inneren Fußrandes, also beim linken Fuß der rechte Fußrand und umgekehrt. Gleichzeitig wird der äußere Fußrand abgesenkt. Das kann man sich auch als Verkantung des Fußes nach außen vorstellen. Falls die Verkantung unvorbereitet durch äußere Einwirkungen, etwa durch nicht bemerkte Unebenheiten oder Hindernisse am Boden, provoziert wird, kann dadurch eine Überdehnung ein „Umknicken“, bewirkt werden.

Die Supination wird durch andere Muskeln wie dem hinteren Schienbeinmuskel und verschiedenen Zehenbeuger ebenfalls unterstützt. Die oben beschriebenen Funktionen der Wadenmuskulatur spielt bei Bewegungsabläufen eine wichtige Rolle, bei denen statische oder dynamische Belastungen des Vorfußes erfolgen, ohne dass sich die Ferse am Boden abstützen kann.

Das trifft nicht nur bei Tätigkeiten wie Gehen, Laufen und Springen zu, sondern auch beim Radfahren, bei dem nicht die gesamte Fußsohle belastet wird, sondern vornehmlich der Fußballen.

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Krankheiten & Beschwerden

Beschwerden, die mit der Wadenmuskulatur in Zusammenhang gebracht werden, können von den Muskeln selbst ausgehen oder von der nervlichen Versorgung verursacht werden. Die häufigste und in der Regel harmloseste Form ist der Muskelkater.

Er stellt sich meist innerhalb von 12 bis 24 Stunden nach einer Überlastung des betreffenden Muskels ein. An der Wadenmuskulatur tritt er häufig ein nach langem Bergabgehen auf geteerter Straße. Eine weitere Art von Beschwerden, die direkt den Muskel betreffen, sind Muskelkrämpfe, die sich in willentlich nicht steuerbaren bis zu einer Minute andauernden schmerzhaften Muskelkontraktionen manifestieren.

In einfachen Fällen handelt es sich lediglich um eine Störung des Elektrolythaushalts etwa durch Mineralverlust infolge starken Schwitzens. Auch starker Alkoholkonsum und Hyperventilation können Muskelkrämpfe verursachen. Meistens liegt ein verminderter Magnesiumspiegel vor.

Es können auch sogenannte symptomatische Krämpfe auftreten, die ursächlich auf andere Primärerkrankungen verursacht werden. In diesem Zusammenhang können Durchblutungsstörungen, Medikamente (z. B. Diuretika, Betablocker) eine Rolle spielen und sollten abgeklärt werden.

Abgesehen von Neuropathien, die zu Muskelbeschwerden führen können, sind besonders häufig Beschwerden, die durch „eingeklemmte“ Nerven entstehen, weil etwa betroffene Motoneuronen, die die Muskeln zur Kontraktion, beziehungsweise zur Entspannung anregen, die Signale nur noch eingeschränkt übertragen können.

Da die Wadenmuskulatur vom Nervus tibialis mit Nervenimpulsen versorgt wird, muss dessen Verlauf auf mögliche Unterbrechungen untersucht werden, falls ausschließlich die Wadenmuskulatur nervlich unterversorgt ist.

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