Retroflexio uteri

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 5. Oktober 2017
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Als Retroflexio uteri wird ein rückwärtsgeneigter Uterus bezeichnet, der entweder mobil oder fixiert sein kann. Mobile Rückwärtsneigungen sind häufig mit Schwangerschaften oder altersphysiologischen Veränderungen assoziiert und besitzen dann keinen pathologischen Wert. Meist bedarf das Phänomen keiner Therapie.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Retroflexio uteri?

Die Gebärmutter wird auch Uterus genannt und ist birnenförmig. Das Organ liegt in seiner natürlichen Anatomie meist vorwärts gebeugt im Unterleib und wist in Richtung der Bauchdecke. Der Uterus ist bis zu zehn Zentimeter lang und fünf Zentimeter breit. In einer Schwangerschaft ist eine erhebliche Größenzunahme möglich.

Rund zehn Prozent der Frauen leiden an einer rückwärts geneigten Gebärmutter. Dieses Phänomen wird Retroflexio uteri genannt und lässt das Organ in Richtung des Kreuzbeins weisen. Ein retroflektierter Uterus muss keinen pathologischen Wert haben und kann einer Variante der anatomisch normalen Lage entsprechen, die keine Beschwerden verursacht.

Sobald Frauen mit rückwärtsgeneigter Gebärmutter schwanger werden, richtet ihr Uterus sich im Normfall spontan auf. Wenn der rückwärtsgeneigte Uterus nicht mobil ist, sondern fixiert. Eine Uterusretroflexion mit Mobilität heißt Retroflexio uteri mobilis. Die fixierte Variante wird Retroflexio uteri fixata genannt. Letztere Form verursacht meist Beschwerden und besitzt daher Krankheitswert.

Ursachen

Mobile Formen der Uterusretroflexion können genetisch bedingt sein und damit von Geburt an vorliegen. Wenn es sich nicht um eine angeborene, sondern um eine erworbene Rückwärtsneigung handelt, entsprechen solche Veränderungen typischerweise einer natürlichen Veränderung nach einer Schwangerschaft. Auch das Alter kann für die mobile Form der Uterusrückwärtsneigung eine Rolle spielen.

Die altersphysiologisch natürlichen Veränderungen bringen die Gebärmutter oft dazu, den Neigungswinkel und die Neigungsrichtung zu wechseln. Fixierte Uterusrückwärtsneigungen haben andere Ursachen. Dieses Phänomen tritt häufig im Rahmen von Verwachsungen mit einem Nachbarorgan ein. Auch eine Endometriose kann diese anatomische Veränderung verursachen.

Als solche werden herdförmige Flächen von Uterusschleimhaut bezeichnet, die außerhalb der physiologisch natürlichen Lokalisation vorkommen. Das Endometrium hängt immer mit dem weiblichen Zyklus zusammen. Aus diesem Grund ist die Endometriose meist ein Phänomen, das im Rahmen von abnormer Hormonwirkung des Zyklus vorkommt. Damit ist auch die Retroflexio uteri fixata meist auf hormonelle Ursachen zurückzuführen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Von einer Retroflexio uteri ist immer dann die Rede, wenn sich der Winkelgrad zwischen der Cervix uteri und dem Corpus uteri vergrößert. Wenn dieser Winkel von Geburt an vergrößert ist, handelt es sich in aller Regel um eine harmlose Lagevariante, die keinerlei Symptome verursacht. In den seltensten Fällen leiden die Betroffenen unter leichten Schmerzen, die vom Kreuzbein ausgehen.

In Ausnahmefällen können Dysmenorrhoe auf eine Rückwärtsneigung der Gebärmutter zurückzuführen sein. Als solche sind krampfartige Schmerzen während der Menstruation bekannt. Wenn ein Zusammenhang besteht, so handelt es sich bei der vorliegenden Rückwärtsneigung in aller Regel um die fixierte Variante.

Die fixierte Variante kann außerdem Kohabitationsschmerzen verursachen und damit für Schmerzen beim Geschlechtsverkehr der Frau verantwortlich sein. In extrem seltenen Einzelfällen wurde im Zusammenhang mit der Retroflexio uteri Infertilität beobachtet. Auch solche Fruchtbarkeitsprobleme betreffen am wahrscheinlichsten Frauen mit der fixierten Form der Uterusrückwärtsneigung.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Der Arzt stellt die Diagnose auf eine Retroflexio uteri in der Regel mittels Bildgebungen wie dem Ultraschall. Auf der Bildgebung ist die Vergrößerung des Neigungswinkels mehr oder weniger deutlich zu erkennen. Oft handelt es sich bei dem Befund um einen Zufallsbefund, da die Rückwärtsneigung des Uterus bislang asymptomatisch verlaufen ist.

Nur in den seltensten Fällen suchen die Patienten wegen Schmerzproblematiken den Arzt auf, der daraufhin mittels Bildgebung nach möglichen Ursachen forscht und die Rückwärtsneigung entdeckt. Vor allem asymptomatische und mobile Retroflexio uteri besitzen eine äußerst günstige Prognose. Fixierte Formen gehen meist mit einer ungünstigeren Prognose einher, lassen sich beim heutigen Stand der Medizin in der Regel aber korrigieren.

Komplikationen

Bei der Retroflexio uteri kommen in der Regel keine Komplikationen vor. Die nach hinten abgewinkelte Gebärmutter ist meist mobil und kann sich deshalb während der Schwangerschaft aufrichten, sodass keine Beschwerden auftreten. Allerdings sind in seltenen Einzelfällen doch mal Symptome möglich, die aber so gut wie nie lebensgefährlich werden. So kommt es zuweilen zu Kreuzschmerzen, wenn die Gebärmutter durch Verwachsungen fixiert ist und ständig gegen das Kreuzbein drückt.

Des Weiteren treten dann häufig krampfartige Schmerzen während der Menstruation auf, was als Zyklusanomalie bezeichnet wird. Auch während des Geschlechtsverkehrs kann es zu sogenannten Kohabitationsschmerzen kommen. Einige Patientinnen werden sogar unfruchtbar. Allerdings treten diese Komplikationen nur dann auf, wenn es aufgrund entzündlicher Prozesse oder einer sogenannten Endometriose zu Verwachsungen der Gebärmutter mit dem Bauchfell am Mastdarm gekommen ist.

In diesem Fall ist der Uterus fest fixiert und kann sich deshalb auch bei einer Schwangerschaft nicht mehr aufrichten. In der Regel ist bei Retroflexio uteri keine Therapie notwendig. Es handelt sich meist um eine harmlose Lageanomalie einer mobilen Gebärmutter, die bei circa zehn Prozent der Frauen auftritt. Zur Verhinderung eventuell auftretender Komplikationen bei einem verwachsenen und fixierten Uterus kann eine operative Lösung der Verwachsungen erfolgen. Allerdings bilden sich die Verwachsungen häufig immer wieder neu.

Therapie & Behandlung

Eine Retroflexio uteri bedarf nur in den seltensten Fällen einer tatsächlichen Behandlung. Solange keine Beschwerden oder Begleitsymptome vorliegen, ist eine Lagekorrektur in der Regel nicht notwendig. In der Schwangerschaft richtet sich ein mobil rückwärtsgeneigter Uterus meist ohnehin auf. Falls die Patientin es so wünscht, kann der Arzt den rückwärtsgeneigten Uterus auch manuelle therapieren und das Organ mit den Händen in die richtige Lage schieben.

Falls die manuelle Korrektur der Lage nicht gelingt, kann unter Umständen eine weiterführende Behandlung stattfinden. Diese Behandlung entspricht einem operativen Eingriff, bei dem der Arzt das Oran aufrichtet. Dieser Schritt wird allerdings nur dann gegangen, wenn das Phänomen ernstzunehmende Beschwerden verursacht oder mit Verwachsungen assoziiert ist.

In der Operation trennt der Arzt die Verwachsungen, um der Gebärmutter wieder zu ihrer ursprünglichen Mobilität zu verhelfen. Wenn der verdrehte Uterus mit Unfruchtbarkeit assoziiert ist, wird die Infertilität nach der Operation weiterbeobachtet und sollte sich durch die Lagekorrektur idealerweise auflösen. Falls sie weiter bestehen bleibt, hat eventuell kein ursächlicher Zusammenhang zum Retroflexio uteri bestanden und die Unfruchtbarkeit muss nach der Operation weiter erforscht und behandelt werden

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Vorbeugung

Vom Retroflexio uteri sind bis zu 20 Prozent aller Frauen betroffen. Einer angeborenen Lageanomalie lässt sich nicht vorbeugen. Der erworbenen Form im Rahmen von altersphysiologischen oder schwangerschaftsassoziierten Veränderungen lässt sich in Maßen vorbeugen. So wird beispielsweise darüber spekuliert, inwieweit regelmäßige Beckenbodengymnastik den Uterus durch die Straffung der umliegenden Muskeln in der richtigen Lage hält.

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Quellen

  • Beckermann, M.J.: Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Schwabe, Basel 2004
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Kaufmann, M., Costa, S.-D., Scharl, A. (Hrsg.): Die Gynäkologie. Springer, Berlin 2013

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