Priapismus

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 18. August 2017
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Als Priapismus bezeichnet man eine krankhafte, mehr als zwei Stunden anhaltende und meist schmerzhafte Dauererektion des männlichen Gliedes. Priapismus tritt unabhängig von sexueller Erregung auf; zum Orgasmus und/oder zur Ejakulation kommt es in diesem Zustand nicht.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Priapismus?

Mitunter klingt eine zunächst normale Erektion des Penis nach sexuellen Aktivitäten nicht mehr ab, so z. B. nach Einnahme oder Überdosierung erektionsfördernder Mittel oder Verletzungen der Penisschwellkörper bei Geschlechtsverkehr oder Masturbation.

Priapismus ist immer ein urologischer Notfall, der baldmöglichst durch einen Arzt behandelt werden sollte. Geschieht das nicht, besteht die Gefahr einer dauerhaften Schädigung der Penisschwellkörper und damit einer Erektilen Dysfunktion (ED, Impotenz).

Benannt ist die Erkrankung nach dem griechischen Fruchtbarkeitsgott Priapos, der in der Kunst regelmäßig mit übergroßem, erigiertem Penis dargestellt wird.

Ursachen

Priapismus ist in den meisten Fällen (90 %) unmittelbare Folge eines stark verminderten oder völlig unterbrochenen Abflusses venösen Blutes aus den Penisschwellkörpern (Low-Flow-Priapismus). Wegen der damit verbundenen mangelhaften Sauerstoffversorgung der glatten Penismuskulatur besteht hier die akute Gefahr einer dauerhaften Schädigung des Schwellkörpergewebes mit der Folge einer Erektilen Dysfunktion.

Darüber hinaus ist in ca. 10 % der Fälle ein wesentlich verstärkter Bluteinstrom in den Penis für die Dauererektion verantwortlich (High-Flow-Priapismus).

Das Risiko einer Sauerstoffunterversorgung ist hier jedoch geringer. Gelegentlich ist diese Form des Priapismus sogar schmerzfrei, bedarf aber nicht minder einer alsbaldigen ärztlichen Behandlung.

Die genauen Gründe des Priapismus sind in etwa 50 bis 60 % % der Fälle nicht bekannt oder nicht sicher feststellbar.

Häufig geht Priapismus jedoch mit folgenden Verhaltensweisen bzw. Krankheitsbildern einher:

  • versehentliche oder absichtliche Überdosierung erektionsfördernder Medikamente, insbesondere sogenannter PDE-5-Hemmer (Viagra, Levitra, Cialis),
  • Verletzungen der Penisschwellkörper, Penistraumata (z. B. nach Operation, Unfall, aber auch durch zu enge, unflexible Penisringe, die bei vollständiger Erektion des Gliedes nicht mehr abgenommen werden können und die Durchblutung und damit die Sauerstoffversorgung des Penis blockieren,
  • Verletzungen der Wirbelsäule, des Rückenmarkes und/oder der reizweiterleitenden Nervenbahnen vom Gehirn zu den Geschlechtsorganen,
  • Drogenmissbrauch (z. B. Kokain, Marihuana, Ecstasy),
  • Multiple Sklerose (MS),
  • Diabetes mellitus,
  • Genuss bestimmter Aphrodisiaka,
  • Nebenwirkungen bestimmter Antidepressiva,
  • allergische Reaktionen bei Anwendung erektionsfördernder Präparate, die in die Penisschwellkörper injiziert werden (Schwellkörper-Autoinjektionstherapie, kurz: SKAT),
  • Malaria,
  • der Biss der „Schwarzen Witwe“ und artverwandter Spinnen, die das Nervengift Alpha-Latrotoxin abgeben und ihr Netz bevorzugt unter Toilettensitzen anlegen. Ähnliches gilt für die noch giftigere Brasilianische Wanderspinne.

Typische Symptome & Anzeichen

  • schmerzhafte Dauererektion des Penis

Diagnose & Verlauf

Erkennbar ist Priapismus zumeist daran, dass zwar die Penisschwellkörper maximal erigiert sind, die Eichel aber weich und im Vergleich zur gesunden Erektion verhältnismäßig klein bleibt.

Typisch ist eine Verkrümmung des Gliedes nach oben.

Dauert der Zustand länger an, kommt es zur Blaufärbung der Vorhaut, anschließend der Eichel und schließlich des gesamten Penis, was ein alarmierender Hinweis auf einen für das betroffene Gewebe existenzbedrohenden Sauerstoffmangel ist.

Die ärztliche Diagnose erfolgt meist im Patientengespräch und wird durch die Laboranalyse einer Blutprobe aus den Penisschwellkörpern abgesichert. Die Untersuchung des Penis mittels Ultraschall (Duplex-Sonografie) ermöglicht es insbesondere, Verletzungen der Schwellkörper, der Blutgefäße oder andere Ursachen des Priapismus zu erkennen und exakt zu lokalisieren.

Komplikationen

Priapismus ist in jedem Stadium als medizinischer Notfall zu betrachten und unverzüglich zu behandeln. Mit der Behandlung des Low-Flow-Priapismus sollte spätestens vier bis sechs Stunden nach Auftreten der Dauererektion begonnen werden, um Spätfolgen zu vermeiden. Wird der Priapismus nicht behandelt, kann dies zu einem dauerhaften Potenzverlust führen.

Mit Komplikationen trotz rechtzeitiger Behandlung ist vor allem dann zu rechnen, wenn eine Operation erforderlich wird, weil eine Punktierung des Penis sowie eine Spülung der Schwellkörper mit Kochsalzlösung nicht erfolgreich war. Im Fall einer Operation kann es zu einer Verletzung des Penis und der umliegenden Areale kommen. Starke Blutungen, Nachblutungen und Blutergüsse sind ebenso möglich wie Nervenschäden an der Eichel, wodurch das sexuelle Empfinden beeinträchtigt werden kann. Weitere mögliche Komplikationen sind Infektionen und Wundheilungsstörungen. Auch eine abnorme Narbenbildung ist möglich.

Unabhängig von der Behandlungsmethode kann sich die Form des Penis nach einem Priapismus dauerhaft verändern, wobei insbesondere mit einer Verkrümmung zu rechnen ist. In diesem Fall stellen sich häufig psychische Komplikationen ein. Die betroffenen Männer fühlen sich entstellt und entwickeln Komplexe, oftmals auch gegenüber ihrer Partnerin oder ihrem Partner, was mit einer beträchtlichen Einschränkung der Lebensqualität einhergeht und eine Psychotherapie erforderlich machen kann.

Behandlung & Therapie

Bei der Behandlung des Priapismus steht zunächst die Schmerzbekämpfung im Vordergrund. Nur der seltene High-Flow-Priapismus ist manchmal schmerzfrei.

Sodann wird versucht, das Abschwellen des Gliedes durch Verabreichung spezieller Medikamente zu erreichen.

Gelingt das nicht, erfolgt eine Verringerung der Blutmenge im Penis, indem per Spritze/Kanüle Blut aus den Schwellkörpern entnommen wird.

Gefäßerweiternde Injektionen dienen dazu, den Blutrückfluss aus dem Glied in den Körper wiederherstellen oder zu verbessern.

Als letzte Möglichkeit kann schließlich ein operativer Eingriff indiziert sein. Dabei wird entweder die Blutzufuhr zum Penis gehemmt oder der Blutabfluss aus dem Glied verbessert, indem eine künstliche Verbindung zwischen venösem und arteriellem System hergestellt, der Penis „entlastet“ und der Priapismus damit beendet wird (Shunt-OP).

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Eine wirksame Vorbeugung gegen Priapismus besteht im Wesentlichen darin, diejenigen Ursachen bewusst zu vermeiden, auf die der Mann selbst Einfluss hat, etwa, indem er erektionsfördernde Mittel und Aphrodisiaka verantwortungsbewusst nutzt, Drogenmissbrauch meidet und beim Umgang mit diversen Sexspielzeugen Vorsicht walten lässt.

Bücher über Erektile Dysfunktion (Erektile Impotenz)

Quellen

  • Gasser, T.: Basiswissen Urologie. Springer, Berlin 2011
  • Haag, P., Harnhart, N., Müller, M. (Hrsg.): Gynäkologie und Urologie. Für Studium und Praxis 2014/15. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2014
  • Sökeland, J., Schulze, H., Rübben, H.: Urologie. Thieme, Stuttgart 2004

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