Posttestikulärer Hypogonadismus

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 19. September 2017
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Beim Hypogonadismus handelt es sich um eine Unterfunktion der Keimdrüsen, die beim Mann zum Beispiel in Form des posttestikulären Hypogonadismus vorliegen kann. Die Ursache dieser Fertilitätsstörung liegt entweder in einem Samenwegverschluss oder in einer anderweitigen Motilitätsbeeinträchtigung der Spermien. Falls die Motilität nicht widerherzustellen ist, findet künstliche Befruchtung statt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist posttestikulärer Hypogonadismus?

Für Unfruchtbarkeit und Zeugungsunfähigkeit, Infertilität oder Sterilität gibt es unterschiedliche Gründe. Fertilitätsstörungen betreffen häufiger die Frau als den Mann. Beim Mann liegen die häufigsten Gründe für Unfruchtbarkeit in einer abnormalen Anzahl oder Motilität der Spermien.

Obgleich häufiger die Frau für eine kinderlose Ehe verantwortlich ist, handelt es sich auch bei der männlichen Infertilität um ein relativ weit verbreitetes Phänomen. Bis zu 15 Prozent der Ehen bleiben wegen einer männlichen Unfruchtbarkeit kinderlos. Der posttestikuläre Hypogonadismus ist eine Fertilitätsstörung des Mannes, die mit mangelnder Motilität oder einem Verschluss der Samenwege assoziiert ist.

Die Samenwege sind dienen dem Transport der Samenflüssigkeit und liegen innerhalb der Hoden sowie außerhalb des Hodens. Posttestikulärer Hypogonadismus ist in 20 Prozent aller Fälle für männliche Infertilität verantwortlich. Einseitig posttestikulärer Hypogonadismus ist von beidseitig posttestikulärem Hypogonadismus zu unterscheiden. Nur die beidseitig vorliegende Form führt tatsächlich zu männlicher Unfruchtbarkeit.

Ursachen

Zwei Varianten vom posttestikulären Hypogonadismus existieren. Während die eine ihre Ursache in den Samenwegen hat, liegt die Ursache der anderen in der Motilität oder Zusammensetzung der Spermien. Hypogonadismus ist grundsätzlich als Unterfunktion der Keimdrüsen zu verstehen. Diese Unterfunktion kann neben der primären Form sekundär nach einem Verschluss der Samenwege auftreten, da der Verschluss den Hoden schädigt.

Bei der Ursache in den Samenwegen liegt ein angeborener oder erworbener Verschluss der ableitenden Wege vor. In der angeborenen Form ist in der Regel Aplasie oder Atresie im Ductus deferens oder in den Nebenhodengängen für das Phänomen verantwortlich. Die erworbene Variante kann mit Entzündungen oder Gefäßligaturen nach einer Hernienoperation assoziiert sein.

Falls Motilitätsstörungen für die Infertilität verantwortlich sind, können diese Störungen auf unterschiedliche Ursachen zurückgehen. Eine Spermienstrukturstörung kann zum Beispiel eine Unbeweglichkeit der Spermien verursachen. Dasselbe gilt für die falsche Zusammensetzung des Samens, wie sie im Rahmen von Entzündungen eintreten kann.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Männer mit posttestikulärem Hypogonadismus zeigen ein ursachenabhängig klinisches Bild. In der Regel ist das am weitesten verbreitete Symptom die Kinderlosigkeit. In den meisten Fällen suchen die Betroffenen erst den Arzt auf, nachdem ihr Kinderwunsch trotz regelmäßiger Versuche auch nach Monaten oder Jahren unerfüllt bleibt.

Alle weiteren Symptome des posttestikulären Hypogonadismus sind für den Mann nicht zu identifizieren und zeigen sich ausschließlich in der klinischen Analyse des Spermiogramms. So kann beim posttestikulären Hypogonadismus zum Beispiel durch einen Mangel an Spermatozoen im männlichen Ejakulat gekennzeichnet sein, wenn ein Verschluss der Samenwege vorliegt.

Dieses Symptom ist auch als Aspermie bekannt. Auch andere Entwicklungsstufen der Samen können bei einem Verschluss zu Mangelware werden. Wenn dagegen eine Motilitätsstörung vorliegt, zeigen sich im Spermiogramm strukturell und mobil eingeschränkte Spermatozoen.

Abhängig von der primären Ursache können Begleitsymptome wie Schmerzen vorliegen. Das ist zum Beispiel bei ursächlichen Entzündungen der Fall, die für die mangelnde Bewegungsfähigkeit der Spermien verantwortlich sein können.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose des posttestikulären Hypogonadismus wird von einem Fertilitätsarzt gestellt. In der Regel wenden sich die Betroffenen bei langfristig unerfülltem Kinderwunsch an eine Fertilitätsklinik, wo ein Spermiogramm erstellt wird. Im Labor wird das Spermiogramm erhoben, wobei im Rahmen der Diagnostik vor allem die Form des posttestikulären Hypogonadismus zu bestimmen ist.

Wenn sich nachweislich keinerlei Spermatozoen in der Probe befinden, liegt ein Verschluss der Samenwege vor. Falls Spermien vorhanden, aber nicht ausreichend bewegungsfähig sind, handelt es sich um die zweite Variante der Erkrankung. Die Prognose hängt von der Art des posttestikulären Hypogonadismus ab.

Komplikationen

In den meisten Fällen kommt es bei dieser Erkrankung zu einer Unfruchtbarkeit beim Patienten. Diese muss nicht vollständig ausgebildet sein, kann allerdings zu einem unerfüllten Kinderwunsch führen. In der Regel kann der Betroffene dabei allerdings auf andere Methoden zurückgreifen, um dem Kinderwunsch dennoch nachgehen zu können.

Weiterhin kann es bei dieser Krankheit zu schweren psychischen Beschwerden oder auch zu Depressionen kommen. Die Betroffenen leiden dabei an einem deutlich verringerten Selbstwertgefühl oder auch an Minderwertigkeitskomplexen. Auch die Lebensqualität des Patienten wird bei dieser Erkrankung erheblich eingeschränkt und verringert. In vielen Fällen schämen sich die Betroffenen für die Beschwerden dieser Erkrankung, sodass auch ein Arzt dabei nicht direkt aufgesucht wird.

In einigen Fällen führt die Krankheit auch zu leichten Schmerzen in den Hoden, die zu einer generellen Gereiztheit führen können. Andere gesundheitliche Einschränkungen treten dabei allerdings nicht auf. Eine Behandlung dieser Erkrankung ist in der Regel nicht möglich. Mit Hilfe verschiedener Techniken kann einem Kinderwunsch dennoch nachgegangen werden. Besondere Komplikationen treten dabei in der Regel nicht auf. Auch die Lebenserwartung des Patienten wird dabei nicht beeinflusst.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung von Fertilitätsstörungen ist ein eher junges Therapiegebiet. In vielen Fällen des Hypogonadismus führt bereits eine Substitutionstherapie mit Sexualhormonen zum erwünschten Erfolg. Diese Substitution entspricht beim Mann der Gabe von Androgenen. Als Wirkstoffe aus der Arzneimittelgruppe der Sexualhormone kommen Testosteron, DHEA und Anabolika in Frage.

Bei einem Verschluss der ableitenden Samenwege kommt in der Regel auch eine kausale Therapie in Frage, bei der der Verschluss der Samenwege operativ zur Auflösung gebracht wird. Allerdings führt dieses Vorgehen oftmals nicht zur Widerherstellung der ursprünglichen Hodenfunktion. Die Hoden haben durch den Verschluss in der Regel bereits irreversiblen Schaden genommen.

Falls auch die Hormonsubstitution nicht zum Ziel führt, muss die Motilität der Spermien verbessert werden. Zink, zum Beispiel, kann dabei förderlich sein. In den meisten Fällen ist bei fortwährend eingeschränkter Motilität allerdings künstliche Befruchtung erforderlich. Hierzu werden der Frau Eizellen entnommen und „im Glas“ mit den Spermien des Mannes in Kontakt gebracht.

Oft werden die Spermien direkt in die Eizelle injiziert. Diese direkte Injektion erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Befruchtung trotz Motilitätseinschränkung erfolgreich verläuft. Der Frau wird die befruchtete Eizelle wieder eingesetzt und sie trägt idealerweise das Kind aus.

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Vorbeugung

Zu den Vorbeugemaßnahmen zählt beim pottestikulären Hypogonadismus vor allem eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Insbesondere die ausreichende Versorgung mit Zink trägt zur Gesundheit der Spermien und Keimdrüsen bei. Verschlussverursachten Fertilitätsstörungen lassen sich vorbeugen, indem die Samenwege regelmäßig untersucht werden. Wenn ein eingetretener Verschluss rechtzeitig bemerkt und aufgelöst wird, bleibt die Fertilität in der Regel uneingeschränkt erhalten.

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Quellen

  • Gasser, T.: Basiswissen Urologie. Springer, Berlin 2011
  • Haag, P., Harnhart, N., Müller, M. (Hrsg.): Gynäkologie und Urologie. Für Studium und Praxis 2014/15. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2014
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

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