Popliteales Entrapment-Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 21. September 2017
Startseite » Krankheiten » Popliteales Entrapment-Syndrom

Von einem poplitealen Entrapment-Syndrom ist bei einer Verklemmung der Arteria poplitea in der Kniekehle die Rede. Meist ist eine Hypertrophie des Musculus gastrocnemius für die Kompression der Arterie verantwortlich. Die Therapie der Wahl besteht in einer operativen Dekompression des verklemmten Blutgefäßes.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das popliteale Entrapment-Syndrom?

Als Arteria poplitea betitelt die Medizin die Fortsetzung der Oberschenkelschlagader oder Arteria femoralis. Die Arteria poplitea zieht vom Hiatus adductorius aus durch die Fossa poplitea hindurch und erreicht so den unteren Anteil des Musculus popliteus, wo sie in die Endäste Arteria tibialis anterior und Arteria tibialis posterior aufzweigt.

Wie alle Arterien führt die Arteria poplitea Blut aus dem Herzen in die Körpergewebe der Peripherie, leitet also dementsprechend vom Herzen fort. Die Gewebeversorgung mit Blut entspricht wiederum einer Versorgung mit Sauerstoff, Nährstoffen und Botenstoffen, auf die alle Gewebe des Körpers zwingend angewiesen sind.

Das popliteale Entrapment-Syndrom ist eine Kombination aus verschiedenen Symptomen, die von einer Kompression der Arteria poplitea bedingt werden können. Die Symptomkombination tritt vorwiegend bei Kompressionen der Arterie in den Geweben der Kniekehle auf. In den meisten Fällen ist der Musculus gastrocnemius mit seinen Bandanteilen an der Kompression beteiligt. Die Verklemmung der Arterie kann zu einem vollständigen Poplitealarterienverschluss werden.

Ursachen

Das popliteale Entrapment-Syndrom hat eine Verklemmung der Arteria poplitea zur Ursache. In den meisten Fällen verklemmt sich die Arterie beim Sport. Häufig rutscht der Musculus gastrocnemius über die Arterie und ruft damit die Kompression hervor. Besonders gefährdet für die Verklemmung sind neben Sportlern vor allem Menschen mit einem hypertrophen Musculus gastrocnemius.

Hypertrophien sind Vergrößerungen von Geweben, die durch Zellvergrößerung verursacht werden. Grundsätzlich entwickeln sich die meisten Hypertrophien durch funktionell erhöhte Belastung. Der Musculus gastrocnemius kann demnach durch regelmäßiges Training hyperplasieren. Allerdings können Gewebe auch von Geburt an hypertroph ausfallen oder durch hormonelle Zusammenhänge größer werden.

Da die Arteria popliteale in der unmittelbaren Nachbarschaft des Muskels und seiner Bandapparate verläuft, kann es bei einer Muskelvergrößerung leicht zur Kompression kommen. Beide anatomischen Strukturen müssen die Kniekehle passieren, verlaufen also direkt benachbart durch eine anatomische Engstelle. Die Wahrscheinlichkeit einer Kompression innerhalb der Kniekehle ist so von Natur aus gegeben.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das popliteale Entrapment-Syndrom äußert sich durch einen Komplex aus unterschiedlichen Symptomen. Am häufigsten handelt es sich bei den Betroffenen um junge Männer bis zu einem Alter von etwa 35 Jahren. Das Leitsymptom der Kompression ist ein pathologisch veränderter Fußpuls.

So verschwindet der Fußpuls der Betroffenen bei bestimmten Bewegungen und Aktivitäten beispielsweise oft ganz. Bei der Streckung des Knies lässt sich an Patienten mit dem poplitealen Entrapment-Syndrom in den meisten Fällen keinerlei Fußpuls detektieren. Auch bei der Dorsalflexion des betroffenen Fußes fällt der Fußpuls scheinbar aus.

Aufgrund der Kompression treten Durchblutungsstörungen ein, die sich beispielsweise in einem leicht einschlafenden Fuß manifestieren können. Schmerzen verursacht das Syndrom nur in den seltensten Fällen. Allerdings kann ein verändertes Warm-Kalt-Empfinden vorkommen. In vielen Fällen wurde von beidseitigen Kompressionen der Arterie berichtet. Abhängig von der Schwere und Dauer der Kompression können die Arterienwände zu Schaden kommen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Zur Diagnose des poplitealen Entrapment-Syndroms kommen diagnostische Verfahren wie die Doppler- oder Duplexsonographie zur Anwendung. Der Arzt fordert den Patienten bei der Untersuchung zur Streckung des Knies oder zur Dorsalbeugung des Fußes auf und dokumentiert so bei Patienten mit dem Syndrom das Versiegen des arteriellen Strompulses an der Arteria poplitea.

Meist lässt sich die Diagnose nicht im Ruhezustand stellen. Das heißt, dass eine Sonographie am bewegungslosen Fuß keinerlei Hinweise auf das popliteale Entrapment-Syndrom vermittelt. Die Prognose für Patienten mit dem Syndrom ist günstig. In Einzelfällen löst sich die Kompression von selbst. In allen anderen Fällen muss der Arzt nach der Diagnose schnellstmöglich intervenieren, um Folgeerkrankungen auszuschließen.

Komplikationen

In erster Linie kommt es beim Entrapment-Syndrom zu einem veränderten Fußpuls. Diesen kann der Patient in den meisten Fällen auch fühlen. Vor allem bei Belastungen oder bei sportlichen Aktivitäten ist diese Änderung zu spüren. Weiterhin kann es durch die Kompression zu verschiedene Störungen der Durchblutung kommen, sodass die Füße einschlafen oder kribbeln.

Auch Lähmungen oder andere Störungen der Sensibilität können beim Entrapment-Syndrom auftreten und die Lebensqualität des Betroffenen deutlich verringern. Auch Krämpfe oder Schmerzen können dabei auftreten. In vielen Fällen verlieren die Betroffenen auch das Kalt-Warm-Empfinden und können diese Zustände nicht mehr richtig unterscheiden. Sollte es beim Entrapment-Syndrom nicht zu einer Behandlung kommen, kann es zu irreversiblen Schäden kommen, die nicht mehr behandelt oder wiederhergestellt werden können.

In der Regel kann das Entrapment-Syndrom mit Hilfe eines operativen Eingriffs behandelt werden. Dabei kommt es nicht zu Komplikationen oder zu anderen besonderen Beschwerden. Der Betroffene ist allerdings auch nach dem Eingriff auch Therapien angewiesen, sodass mehrerer Jahre vergehen können, bis der Fuß wieder in einer gewöhnlichen Art und Weise belastet werden kann. Die Lebenserwartung des Patienten wird durch das Entrapment-Syndrom in der Regel nicht verringert.

Behandlung & Therapie

Das popliteale Entrapment-Syndrom wird kausal behandelt. Die Kompression der Arterie wird vom Arzt im Rahmen eines operativen Verfahrens aufgelöst. Zur Operationsplanung benötigt der Operateur einen umfassenden Überblick über die Verklemmung. Diesen Überblick verschafft er sich mit Verfahren wie der Angiographie, dem CT oder dem MRT.

Bei der Operation entfernt der Arzt einzelne Anteile des Musculus gastrocnemius, um die Arteria popliteale aus der Verklemmung zu befreien. Die operative Dekompression erfolgt oft relativ unmittelbar nach der Diagnosestellung, da die Verklemmung das Risiko für Thrombosen ansteigen lässt und deshalb so schnell wie möglich aufgelöst werden sollte. Nach der Operation ist das betroffene Bein zunächst zu schonen.

Um das Bein wieder zur normalen Belastbarkeit zu bringen, kann gezielte Physiotherapie nach der operativen Dekompression erforderlich sein. In Einzelfällen hypertrophiert der Muskel Jahre nach der Operation zum wiederholten Mal und eine zweite Dekompressionsoperation muss angesetzt werden. Im Regelfall erholen sich die Patienten nach der Dekompression schnell. Alle Symptome des poplitealen Entrapment-Syndroms erledigen sich in der Regel, sobald die Arterie aus der Verklemmung befreit wurde.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Das popliteale Entrapment-Syndrom kann durch Fehlbelastungen bedingt werden. Aus diesem Grund lässt sich dem Syndrom insofern vorbeugen, als dass die Kniekehlenmuskeln mit Verstand belastet werden. Bei der Neigung zu hormonellen Ungleichgewichten kann es zur Prävention außerdem sinnvoll sein, den eigenen Hormonstatus regelmäßig überprüfen zu lassen und, falls erforderlich, steigenden Wachstumshormon-Konzentrationen gegenzusteuern.

Bücher über Knieschmerzen

Quellen

  • Engelhardt, M. (Hrsg.): Sportverletzungen – Diagnose, Management und Begleitmaßnahmen. Urban & Fischer, München 2009
  • Greten, H., Rinninger, F., Greten, T. (Hrsg.): Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2010
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: