Plantaraponeurose

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 10. November 2016
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Die Plantaraponeurose befindet sich im Bereich der Fußsohle. Sie erfüllt wichtige Statik- und Schutzfunktionen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Plantaraponeurose?

Eine Aponeurose ist eine flächenhafte Sehne beziehungsweise eine Sehnenplatte. Der Begriff plantar ist eine Ortsbezeichnung und kommt von Planta pedis = Fußsohle. Der zusammengesetzte Namen Plantaraponeurose kennzeichnet dementsprechend eine Sehnenplatte im Bereich der Fußsohle.

Im engeren Sinn ist der Begriff Aponeurose hier nicht ganz korrekt gebraucht, denn ein weiteres Kennzeichen fehlt. Sehnen sind per Definition die bindegewebigen Ursprungs- und Ansatzstrukturen von Muskeln. Sie befestigen den Muskel an den Knochen. Flächenhafte Sehnen kommen an platten Muskeln vor, zum Beispiel bei den schrägen Bauchmuskeln. Zwar ist die Ursprungssehne des M. flexor digitorum brevis am Fersenbein mit der Plantaraponeurose verwachsen, sie bildet aber dennoch eine selbstständige bindegewebige Struktur mit eigenständigen Funktionen.

Die Gewebezusammensetzung und die Gewebeeigenschaften entsprechen aber der einer festen derben Sehne. Manche Autoren ordnen sie eher dem Fasziengewebe zu und verwenden daher den Begriff Plantarfaszie.

Anatomie & Aufbau

Ähnlich wie Muskeln, Sehnen und Bänder haben Aponeurosen einen systematischen Aufbau aus bündelartigen Einheiten.

Neben der Grundsubstanz (Matrix) und Fettkörpern befinden sich massive Anreicherungen von Kollagenfasern in den Faserbündeln, die der Struktur eine enorme Zugfestigkeit verleihen. Sie sind nach der Zugrichtung ausgerichtet und in der Plantaraponeurose zusätzlich in Schichten angeordnet.

Die Sehnenplatte entspringt an der Unterseite des Fersenbeines, am Tuber calcanei. Von dort verläuft sie zunächst als Bahn in Richtung der Zehen. Im mittleren Bereich der Fußsohle teilt sie sich in 5 Faserstränge auf, die deltaförmig zu den Zehen ziehen. Die geschlossene Formation löst sich dort auf und zwischen den 5 Bündeln entstehen Zwischenräume. Der Ansatz der Plantaraponeurose befindet sich im Bereich der Zehengrundgelenke, wo die Züge in die Gelenkkapseln, in Bänder und die Sehnen der Zehenbeuger einstrahlen. In Höhe der Köpfchen der Mittelfußknochen treten regelmäßig 2 quer verlaufende Faserzüge auf, die die Längszügel miteinander verknüpfen und eine Verbindung zum Fußinnen- und Außenrand herstellen.

Nach außen ist die Plantaraponeurose über bindegewebige Brücken fest mit der Haut verwachsen. Im Bereich dieser Verbindungen entstehen Hohlkammern, in die Fettgewebe eingelagert ist. Auf diese Art und Weise bildet sich ein relativ dickes polsterartiges Gewebe.

Funktion & Aufgaben

Die Plantaraponeurose ist eine sehr wichtige Struktur am Fuß mit vielen Funktionen. Zusammen mit der Haut bildet sie die Schutzhülle nach außen. Das Eindringen von Fremdkörpern und Krankheitserregern in tiefere empfindliche Schichten wird verhindert oder erschwert.

Die besondere Verbindung zwischen Haut und Plantaraponeurose mit der Druckpolsterkonstruktion stellt einen wirksamen Puffer beim Stehen und Gehen dar. Belastungen werden nicht so schnell und nicht so intensiv auf die tiefer liegenden Strukturen übertragen, insbesondere nicht auf die Knochen. Die festen Querverbindungen verhindern die sonst übliche Verschieblichkeit der Haut, sie wird fixiert. Dieser Mechanismus wirkt sich positiv auf die Standfestigkeit aus und ist eine wichtige Stabilitätskomponente.

Eine weitere wichtige Funktion der Plantaraponeurose ist der Schutz der darunter befindlichen Strukturen. Neben den Muskelbäuchen und Sehnen der dort entlang ziehenden Muskeln sind dies vor allem Gefäße und Nerven. Diese verlaufen zum großen Teil unter den bedeckten Flächen der Plantaraponeurose. Sie treten in den Zwischenräumen aus und gelangen zu ihren jeweiligen Versorgungsgebieten.

Die mechanisch wichtigste Funktion der Plantaraponeurose ist die Beteiligung an der Gewölbekonstruktion des Fußes, welche sich aus Längs- und Quergewölbe zusammensetzt. Die Stützen dieser Architektur bilden die 3 Kontaktpunkte an der Ferse, am Großzehenballen und am Kleinzehenballen. Der Aufbau besteht aus 3 Schichten. Den inneren Anteil bilden die Knochen des Fußskeletts, den mittleren Bänder und den äußeren die Plantaraponeurose mit den dort verlaufenden Muskeln und Sehnen. Wegen ihrer Ausdehnung und der damit verbundenen besseren Hebelwirkung, ist ihr Wirkungsgrad auf das Längsgewölbe größer als der der anderen Strukturen. Für das Quergewölbe stellen die Querverbindungen nur eine kleine Zusatzfunktion bereit.

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Krankheiten

Ein typisches Überlastungssyndrom, bei dem sich eine schmerzhafte Reizung der Plantaraponeurose entwickelt, ist die Plantarfaszitis. In seltenen Fällen können auch Einrisse im Gewebe entstehen.

Relativ häufig tritt dieses Krankheitsgeschehen bei Laufsportlern auf, besonders wenn schlechtes Schuhwerk benutzt wird und der Untergrund sehr hart und wenig federnd ist. Die Entwicklung eines Fersensporns kann die Folge von langanhaltenden oder rezidivierenden Reizungen sein. In der Akutphase ist regelgerechtes Auftreten schmerzbedingt nicht oder nur eingeschränkt möglich. Dadurch werden im Knie- und Hüftgelenk und in der Wirbelsäule ungünstige Belastungsmomente erzeugt.

Der wichtigste Beschwerdekomplex, der die Plantaraponeurose betrifft oder sogar von ihr mit verursacht wird, sind Fußdeformitäten wie Senk-, Spreiz- und Plattfuß. Beim Senkfuß ist das Längsgewölbe abgeflacht oder nicht mehr vorhanden, beim Spreizfuß gilt das gleiche für das Quergewölbe und beim Plattfuß sind beide Konstruktionen betroffen. Es gibt verschiedene Auslöser für diese Problematik wie Achsfehlstellungen der Kniegelenke oder Frakturen mit Defektheilungen im Bereich der Fußwurzel und der Sprunggelenke.

Bei Menschen mit einer angeborenen Bindegewebsschwäche sind alle stützende Bänder, Sehnen und auch die Plantaraponeurose zu lasch und können die Gewölbe nicht mehr optimal stützen, sie sinken ab. Ein bedeutsamer Verstärker für diesen Prozess ist Übergewicht, welches die Last für die haltenden Strukturen deutlich erhöht. Bis zu einem gewissen Grad kann durch ein entsprechendes Training der beteiligten Muskulatur der Verfall der Gewölbe aufgehalten oder verlangsamt werden. Wenn der Vorgang aber soweit fortgeschritten ist, dass die innere Fußwurzelreihe von der äußeren abrutscht können aktive Maßnahmen nichts mehr ausrichten.

Zur Verminderung von Beschwerden und zur Vermeidung von ungünstigen statischen Veränderungen in anderen Gelenken und der Wirbelsäule werden dann meistens Einlagen verordnet.

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