PANDAS

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 25. Oktober 2016
Symptomat.deKrankheiten PANDAS

PANDAS ist ein mittlerweile anerkanntes neuropsychiatrisches Syndrom, welches durch eine vorhergehende Infektion mit betahämolysierenden Streptokokken der Gruppe A bei Kindern und Jugendlichen ausgelöst werden kann. Die Symptome ähneln denen einer Zwangsstörung oder des Tourettesyndroms. Gute Erfolge zur Verhinderung einer Chronifizierung der Erkrankung wurden bereits durch Antibiotikabehandlung erreicht.

Inhaltsverzeichnis

Was ist PANDAS?

PANDAS ist die Abkürzung für die englische Bezeichnung des Syndroms Pediatric Autoimmune Neuropsychiatric Disorders Associated with Streptococcal Infections". Dieser Name steht für ein neuropsychiatrisches Syndrom, welches durch die Infektion mit betahämolysierenden Streptokokken der Gruppe A im Kindes- und Jugendalter ausgelöst werden kann.

Die bedeutendste Bakterienart dieser Gruppe ist Streptococcus pyogenes. Streptococcus pyogenes löst unter anderen Scharlach oder eine eitrige Tonsillitis aus. Es wurde festgestellt, dass in einigen wenigen Fällen das neuropsychiatrische Syndrom PANDAS im Anschluss an diese Infektionskrankheiten plötzlich ausbricht.

Unbehandelt kann diese Erkrankung chronifizieren. Das Syndrom PANDAS zeigt ähnliche Symptome wie Zwangsstörungen oder Tics (Tourettesyndrom). Es ist eine autoimmunologisch bedingte Störung, die auf eine Kreuzreaktion der Antikörper, welche die Oberfläche der Bakterien angreifen, mit speziellen Strukturen des Gehirns, den Basalganglien, zurückgeführt wird.

Betahämolysierende Streptokokken der Gruppe A haben allgemein die Eigenschaft, nach einer Infektion auch rheumatisches Fieber und andere rheumatisch bedingte Erkrankungen auslösen zu können. Der Mechanismus der Entstehung dieser Folgeerkrankungen der Infektion ist bei allen Erkrankungen des rheumatischen Kreises ähnlich.

Die Antikörper greifen häufig auch körpereigene Strukturen, vor allem Kollagen IV, an. Zu den daraus resultierenden Erkrankungen zählen rheumatische Herzentzündungen, Entzündungen der Gelenke (Arthritis), Hautentzündungen (Erythema), Muskelentzündungen oder Chorea minor.

Ursachen

Die Ursache für das Auftreten von PANDAS ist, wie bereits erwähnt, in einer Kreuzreaktion des Antikörpers gegen die Bakterienoberfläche mit körpereigenen Strukturen des Gehirns zu suchen. Hierbei handelt es sich um Strukturen der Basalganglien. Die Basalganglien sind für die Koordination der Bewegungen verantwortlich.

Werden sie beschädigt, kommt es zu Störungen in der Motorik, die dem Krankheitsbild von Chorea minor entsprechen. Im Unterschied zum Chorea minor dominieren bei PANDAS die psychiatrischen Symptome. Bei Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren wurde festgestellt, dass in Teilen des Gehirns, im Striatum, Veränderungen vorliegen.

Bei PANDAS handelt es sich also um eine Autoimmunerkrankung, bei welcher vom körpereigenen Immunsystem die Basalganglien angegriffen werden. Auslöser dieser Erkrankung sind nach bisherigem Kenntnisstand betahämolysierende Streptokokken der Gruppe A. PANDAS gehört jedoch zu einer Gruppe von Syndromen, die unter PANS zusammengefasst werden und ähnliche Symptome zeigen.

Es wird vermutet, dass alle Erkrankungen dieser Gruppe durch Basalganglien-Antikörper hervorgerufen werden, wobei aber bei PANS auch andere Infektionen und nichtinfektiöse Prozesse eine Rolle spielen können. Nur in der Untergruppe von PANS, von PANDA, ist der spezielle Auslöser der Erkrankung der Antikörper gegen betahämolysierende Streptokokken der Gruppe A.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das Syndrom PANDAS ist gekennzeichnet durch Störungen in der Motorik, die plötzlich nach Abschluss einer Infektion wie Scharlach, einer eitrigen Tonsillitis oder einer akuten Mittelohrentzündung auftreten können. Die Erkrankung beginnt abrupt mit Verhaltens- und Denkstörungen oder Tics. Die Nahrungsaufnahme wird oft verweigert.

Weitere Symptome sind Ängstlichkeit, Aggression, Reizbarkeit, Depressionen, Retardierung in der Verhaltensentwicklung bei Kindern und Jugendlichen, Konzentrationsstörungen, Verschlechterung der Schulleistungen, Verschlechterung der Handschrift, Schlafstörungen, Bettnässen, Gedächtnisstörungen und weitere psychiatrische Auffälligkeiten.

Ein Alleinstellungsmerkmal von PANDAS ist, dass die Kombination aller Symptome durch andere Erkrankungen wie Chorea minor, dem Tourettesyndrom oder einem Lupus erythematodes nicht besser erklärt werden kann. Vor allem müssen die Symptome im Anschluss an eine Infektion mit betahämolysierenden Streptokokken der Gruppe A auftreten.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnostik von PANDAS stützt sich auf die Art der Symptome im Zusammenhang mit der auslösenden Infektion. Differenzialdiagnostisch können noch die Symptome einer PANDAS mit den Symptomen einer Zwangsstörung ohne infektiösen Hintergrund (OCD) verglichen werden.

So treten bei PANDAS solche Symptome wie häufiger Harndrang, Trennungsängste, Impulsivität, Hyperaktivität, ein schlechtes Schriftbild und eine Verschlechterung der Schulleistungen in den Vordergrund. Diese Charakteristika sind eng verbunden mit der Wirkungsweise der Basalganglien. Schließlich geben bildgebende Verfahren Auskunft über die geschädigten Bereiche im Gehirn (Striatum).

Behandlung & Therapie

PANDAS ist ein Syndrom, welches sich derzeit noch im Forschungsstadium befindet. Daher gibt es noch keine Strategien für eine ursächliche Behandlung. Zurzeit findet hauptsächlich eine symptomatische Behandlung statt. So werden Verhaltenstherapien zur Behandlung von Verhaltensstrukturen angeboten.

Gleichzeitig werden auch medikamentöse Therapien mit Psychopharmaka angewendet. Fraglich ist jedoch, ob mit diesen Therapien eine Chronifizierung der Erkrankung verhindert werden kann. Hoffnungsvolle Ansätze für eine kurative Therapie zeichnen sich im Rahmen von Studien ab, wo mithilfe von antibiotischer Behandlung eine weitgehende Verbesserung und Zurückdrängung der Symptome erreicht wurde.

Bei diesen Therapien wird davon ausgegangen, dass durch die Bekämpfung der betahämolysierenden Streptokokken der Gruppe A auch die Antikörperwirkung gegen körpereigene Strukturen zurückgeführt wird. Solange keine irreversiblen Veränderungen im Gehirn vorliegen, kann die Krankheit danach völlig ausheilen.




Vorbeugung

Die beste Vorbeugung vor PANDAS ist die Verhinderung einer Infektion mit betahämolysierenden Streptokokken. Diese Infektionen sind ansteckend. Der wichtigste Übertragungsweg dieser Erkrankungen sind Tröpfcheninfektionen über einen Kontakt mit Mund und Rachen oder über die Luft.

So kann die Übertragung der Keime in Zeiten erhöhter Infektionsgefahr durch Vermeiden größerer Menschenansammlungen eingeschränkt werden. Bei Ausbruch der Erkrankung ist eine sofortige Antibiotikabehandlung notwendig. Die üblichen Hygienemaßnahmen müssen strikt eingehalten werden.

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