Lymphfollikel

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. November 2016
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Lymphfollikel spielen im Abwehrsystem des Menschen eine große Rolle. Sie enthalten eine große Menge an B-Lymphozyten, die sich bei einem Kontakt mit Krankheitserregern zu Immunzellen vermehren.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Lymphfollikel?

Lymphfollikel sind ein Bestandteil des lymphatischen Systems. Unter dem Lichtmikroskop sind diese als eine kugelförmige Ansammlung von B-Lymphozyten erkennbar.

Die Lymphfollikel sind an bestimmten Vorgängen des Abwehrsystems beteiligt. So übernehmen sie die Aufgabe, die B-Lymphozyten zu Plasmazellen zu vermehren und spezialisieren. Sie kommen hauptsächlich in den Lymphknoten vor, wo besonders viele Krankheitserreger angesiedelt sind. Im menschlichen Körper sind es insbesondere die Milz und der Rachenmandel, die mit einer großen Menge an Antigenen zu kämpfen haben.

Auch kommen die Lymphfollikel im retikulären Bindegewebe verschiedener Organe vor. Dazu zählen etwa die Schleimhäute des Verdauungstraktes, die Organe des respiratorischen Systems sowie in die Harn- und Geschlechtsorgane. Lymphfollikel entstehen als Reaktion auf lokale Reize, bilden sich vorübergehend zu Solitärfollikeln und treten als feste Bestandteile von lymphatischen Organen auf.

Anatomie & Aufbau

Das Aussehen der Lymphfollikel variiert je nach ihrem Entwicklungsstadium. Die Primärfollikel, auch Primärknötchen genannt, haben einen Durchmesser von bis zu einem Millimeter.

In diesem Stadium haben die Lymphfollikel noch keinen Antigen-Antikörper-Kontakt erfahren. Stattdessen zeichnen sie sich durch eine gleichmäßige Verteilung von kleinen Lymphozyten aus. Die Sekundärfollikel bzw. Sekundärknötchen besitzen hingegen ein helles Zentrum, das auch als Keim- oder Reaktionszentrum bezeichnet wird. Ein Kontakt mit Krankheitserregern führt dazu, dass die primären Lymphfollikel zu Sekundärfollikel aktiviert werden. Das Keimzentrum der Sekundärfollikel ist von einer dichten Rinde umgeben, das eine hohe Konzentration an T-Lymphozyten aufweist. Diese Rinde wird in der Fachsprache auch als parafollikulärer Raum genannt.

Im Keimzentrum der Sekundärfollikel befinden sich aktivierte B-Lymphozyten, welche in Plasmazellen differenziert werden. Zuletzt sind Solitärfollikel solche Lymphfollikel, die sich in der Tela submucosa befinden. Diese vergrößern sich etwa bei Infektionen in der Schleimhaut und können sogar zu der Größe einer Stecknadel heranwachsen. In einzelnen Bereichen des menschlichen Körpers kommen auch sogenannte Solitärfollikelformationen vor, die sich zu den Folliculi lymphatici aggregati zusammenlagern. Diese sind etwa als Peyer-Plaques in der Ileum-Schleimhaut zu finden.

Funktion & Aufgaben

Sobald Krankheitserreger in bestimmte Organe des Körpers eindringen, löst der Körper eine spezifische Immunreaktion aus. Als Bestandteil des lymphatischen Systems sind die Lymphfollikel an der Bekämpfung der Eindringlinge zuständig. Die Funktionen von Lymphfollikeln unterscheiden sich nach ihrem Funktionsstadium.

In den Polkappen von Primärfollikeln wird eine hohe Konzentration an unreifen B-Lymphozyten gebildet. Diese B-Lymphozyten werden auch als naive B-Zellen genannt, da sie noch keinen Kontakt mit Antigenen haben. Nach einem Antigenkontakt wird der Primärfollikel zu einem Reaktionsfollikel mit einer helleren Innenzone, welche ein zellarmes Reaktionszentrum ist. In diesem Stadium heißen die Lymphfollikel Sekundärfollikel. Nun sind sie von einem dunklen Lymphozytenwall umgeben. Darüber hinaus befinden sich in den Lymphfollikeln noch undifferenzierte B-Lymphozyten. Kommen diese mit den Gedächtniszellen und Helfer-Zellen in Kontakt, können sie spezifische Antikörper bilden.

Ein weiterer Aufgabenbereich von Sekundärfollikeln besteht darin, die B-Lymphozyten nach einem Antigenkontakt mitotisch zu vermehren und zu differenzieren. Da die B-Lymphozyten bereits durch die verschiedenen Entwicklungsstadien mit spezifischen Charaktereigenschaften geprägt sind, sind diese relevant für die späteren Vorgänge im Abwehrsystem. Nun reifen die vermehrten und differenzierten B-Zellen innerhalb der Lymphfollikeln heran. Dann entstehen bei einem Kontakt von intrafollikulären T-Lymphozyten mit follikulären dendritischen Zellen die B-Lymphoblasten. Diese wandern schließlich aus den Lymphfollikeln heraus, um sich zu antikörperbildenden Plasmazellen zu entwickeln.

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Krankheiten

Häufige Krankheiten, die im Zusammenhang mit den Lymphfollikeln auftreten, sind Mandelentzündungen, Wurmfortsatzentzündungen sowie das Anschwellen von Lymphknoten und der Milz.

Bei der Mandelentzündung, in der medizinischen Fachsprache als Angina tonsillaris oder kurz Tonsillitis bezeichnet, handelt es sich um einen akuten, bakteriellen Infekt der Rachenmandeln, der Gaumenmandeln oder der Zungenmandeln. Diese befinden sich allesamt im Rachenraum, wobei die Gaumenmandeln am ehesten von einer Mandelentzündung betroffen sind. Dringen Krankheitserreger in die Mandeln ein, schwellen diese an und lösen beim Betroffenen oft starke Schmerzen aus.

Eine Mandelentzündung wird häufig durch Streptokokken, Pneumokokken, Haemophilius influenzae oder Staphylokokken ausgelöst. Von dieser Erkrankung sind vor allem Kinder und Erwachsene mit einer geschwächten Immunabwehr betroffen. Wenn eine Mandelentzündung häufig auftritt und der Patient dadurch oft mit Atemschwierigkeiten zu kämpfen hat, kommt auch eine Operation infrage.

Bei einer Wurmfortsatzentzündung ist das wurmförmige Ende des Blinddarms entzündet. Zwar wird in der Umgangssprache von einer Blinddarmentzündung gesprochen, doch ist nicht der ganze Blinddarm von dem Infekt betroffen. Um lebensbedrohliche Folgen für den Patienten zu vermeiden, wird der 10 Zentimeter lange und 1 Zentimeter dicke Wurmfortsatz nach der Diagnose entfernt. Dieser enthält eine große Menge an Lymphfollikeln, die besonders im Kindesalter bei einer Infektion die Abwehr in Gange setzt. Die Entzündung tritt besonders bei Kindern und Jugendlichen ab 10 Jahren auf. Erwachsene sind noch bis zum 30. Lebensjahr für eine Wurmfortsatzentzündung anfällig. Die Symptome einer Wurmfortsatzentzündung sind unter anderem Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen und hohes Fieber.

Wenn die Lymphknoten und die Milz anschwellen, wird vom Mantelzell-Lymphom gesprochen. Dabei werden nicht nur die gesunden, sondern auch fehlerhaften B-Lymphozyten vermehrt. Diese haben ein ähnliches Aussehen wie solche Lymphozyten, die sich sonst im Randbereich der Lymphfollikeln befinden. Bei diesen Zellen handelt es sich um Tumorzellen, die vermehrt in den Lymphknoten und in der Milz wachsen und keinerlei Funktion für die Abwehr haben. Diese Erkrankung entsteht jedoch nicht wie die oben genannten zwei infolge einer Infektion. Auch gibt es bisher keine Indizien für eine erblich bedingte Ursache, obwohl bei ca. 85 Prozent aller Patienten eine genetische Veränderung vorliegt.

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