Kephalhämatom

Letzte Aktualisierung am 30. März 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Bei einem Kephalhämatom handelt es sich um eine Ansammlung von Blut am Kopf eines neugeborenen Kindes. Es zählt zu den Geburtstraumen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Kephalhämatom?

Das Kephalhämatom wird auch als Kopfblutgeschwulst oder Cephalhämatom bezeichnet. Es tritt bei Neugeborenen auf und zeigt sich am Kopf des Babys als Blutansammlung. In den meisten Fällen wird das Geburtstrauma durch einen zu engen Geburtskanal hervorgerufen.

Während sich das Hämatom zunächst schlaff zeigt, wird es später zu einer prallen Geschwulst. Nach einigen Wochen geht es jedoch von selbst wieder zurück. Die Bezeichnung Kephal entstammt dem Griechischen und steht für „dem Kopf zugehörig“. Das Kephalhämatom entsteht im Rahmen einer natürlichen Geburt, wobei es zum Zerreißen von kleinen Blutgefäßen kommt, die sich zwischen der Knochenhaut (Periost) und dem äußeren Schädelknochen befinden.

Grund dafür sind die großen Scherkräfte, die im Geburtskanal auf den Kopf des Babys einwirken. Bei Neugeborenen ist der Schädel noch weich, sodass er sich verformen lässt. Ein Kephalhämatom zeigt sich bei einhundert Geburten ein oder zwei Mal. In manchen Fällen findet außerdem ein unvollständiger Anbruch des Schädelknochens statt, was Mediziner als Infraktion bezeichnen.

Ursachen

Besonders häufig tritt ein Kephalhämatom bei Zangengeburten oder dem Einsatz von Saugglocken auf. Bei diesen Methoden werden spezielle Zangenlöffel oder eine Saugglocke am Schädel des Kindes angebracht, um die Geburt leichter zu gestalten. Verursacht wird die Ausprägung eines Kephalhämatoms durch das Einwirken von Schwerkräften.

Diese wirken durch die Enge des Geburtskanals auf den Säugling ein, indem sie die Weichteile des Kopfes verschieben. Dadurch kann wiederum die Kopfhaut vom Knochen abscheren. Blutgefäße, die unterhalb der Knochenhaut angesiedelt sind, reißen dabei ein, was eine Blutung auslöst.

Zumeist fällt diese aufgrund der intensiven Durchblutung der Knochenhaut recht stark aus. Füllt sich der Raum zwischen dem Knochen und der Knochenhaut, die sich nur geringfügig dehnen lässt, führt dies zum Stillstand der Blutung. Schließlich entsteht eine prall-elastische Schwellung.

Es gibt einige Risikofaktoren, die ein Kephalhämatom herbeiführen. Dabei handelt es sich in erster Linie um eine Zangengeburt sowie eine Saugglockengeburt. In manchen Fällen kann auch ein rasanter Durchtritt des Babykopfes durch das Becken der Mutter für das Entstehen der Kopfblutgeschwulst verantwortlich sein.

Gleiches gilt für einen sehr engen Geburtskanal. Diese Faktoren rufen ebenfalls Schwerkräfte hervor, die ein Kephalhämatom entstehen lassen. Ebenfalls zu den Risikofaktoren gehört die Scheitelbeinstellung, auch Hinterhauptslage genannt. Davon ist die Rede, wenn der Kopf des Kindes nicht wie vorgesehen mit der Stirn voran im mütterlichen Beckeneingang liegt. Dadurch kommt es zu einem erschwerten Eintritt in den Geburtskanal.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Bemerkbar macht sich ein Kephalhämatom schon kurz nach dem Geburtsvorgang als prall-elastische und berührungsempfindliche Geschwulst. In den ersten 24 Stunden nach der Geburt findet eine Vergrößerung der Kopfblutgeschwulst statt, die dann jedoch auf die Region des Schädelknochens beschränkt bleibt. In den meisten Fällen bildet sich das einseitig auftretende Hämatom an einem Scheitelbein (Os parietale), von dem die obere sowie die hintere Seite des Schädels geformt wird.

Ein Kephalhämatom weist die Größe eines Hühnereis auf und nimmt die Form einer Halbkugel an. Die Knochenhaut reagiert stark schmerzempfindlich, sodass sich das Baby bei äußeren Einwirkungen auf die Kopfgeschwulst oft unruhig verhält und weint. In seltenen Fällen treten mehrere oder sehr große Kephalhämatome auf.

Dadurch besteht die Gefahr, dass durch den Blutverlust eine Anämie (Blutarmut) einsetzt. Im schlimmsten Fall sind auch ein Volumenmangel oder sogar ein Kreislaufschock möglich. Geht das Kephalhämatom nicht von selbst wieder zurück, kann dies auf Störungen der Blutgerinnung hindeuten.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Entdeckung eines Kephalhämatoms erfolgt in der Regel schon kurz nach der Geburt durch eine Hebamme oder einen Kinderarzt. Mitunter wird das Kopfblutgeschwulst aber auch durch eine Geburtsschwellung des Kopfes überlagert, sodass die Eltern sie erst einige Tage später bemerken.

Der behandelnde Kinderarzt befragt dann bei der Untersuchung die Eltern, wann sie das Hämatom bemerkt haben, ob sich die Schwellung seit der Entdeckung verändert hat, ob eine Kopfverletzung des Babys möglich ist und wie die Geburt des Kindes verlief. Außerdem ist es von Wichtigkeit, ob beim Geburtsvorgang Zangen oder eine Saugglocke zum Einsatz gelangten.

Nächster Schritt ist die körperliche Untersuchung des Babys. Dabei kontrolliert der Arzt, ob eine Begrenzung der Schädelknochennähte oder eine Überschreitung vorliegt. Ferner kontrolliert er die Konsistenz der Schwellung. Von Interesse sind zudem eventuelle neurologische Symptome. Auch die Augen und das Gehör des Kindes werden getestet.

Der Verlauf des Kephalhämatoms ist in der Regel positiv. Obwohl die Größe der Kopfblutgeschwulst in den ersten Tagen noch zunimmt, geht sie in den folgenden Wochen und Monaten von selbst wieder zurück. Eine gefürchtete, aber sehr seltene Komplikation, ist eine Infektion des Hämatoms, was lebensgefährliche Ausmaße annehmen kann.

Komplikationen

Beim Kephalhämatom handelt es sich um eine sehr schwerwiegende Krankheit. Wird diese nicht behandelt, kann es zum Tode des Kindes kommen. In den meisten Fällen tritt das Kephalhämatom schon direkt nach der Geburt auf, sodass es zu einer starken Vergrößerung des Kopfes kommt. Dieser ist dabei vor allem mit Blut gefüllt. Durch die starke Befüllung mit Blut kann es zu verschiedenen Komplikationen am Kopf des Kindes kommen.

In der Regel ist die Knochenhaut sehr empfindlich, sodass es zu starken Schmerzen kommt. Das Kind weint dabei stark und ist sehr unruhig. Nicht selten tritt auch ein Kreislaufschock ein. Mitunter kann das Kephalhämatom auch von alleine wieder verschwinden. Sollten dies nicht der Fall sein, leidet der Betroffene in der Regel an Störungen der Blutgerinnung. Diese können auch das weitere Leben einschränken.

Eine direkte Behandlung des Kephalhämatoms findet meistens nicht statt, wenn das Blut wieder zurückfließt. Sollte dies nicht der Fall sein, kann das Blut auch direkt aus dem Kopf entnommen werden, damit es nicht zu Folgeschäden kommt. In der Regel wird die Lebenserwartung des Betroffenen durch das Kephalhämatom nicht eingeschränkt.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei den meisten natürlichen Geburten stellt das Kephalhämatom kein Grund zur Besorgnis dar. Im Normalfall führen die Folgen der Geburt innerhalb weniger Tage zu einer kontinuierlichen Linderung der Beschwerden, bis eine Beschwerdefreiheit erreicht ist. Da unmittelbar nach der Niederkunft eine intensive Untersuchung des Neugeborenen durch die Geburtshelfer sowie Kinderärzte erfolgt, müssen die Eltern bei einer stationären Geburt keinerlei Maßnahmen ergreifen. In den routiniert stattfindenden Untersuchungen und Tests wird der gesundheitliche Zustand des Kindes gründlich untersucht und Veränderungen werden detailliert beobachtet.

Bei einer Verschlechterung werden sofort ärztliche Behandlungen eingeleitet. Findet eine Hausgeburt statt, übernimmt die Hebamme die notwendige Erstversorgung von Mutter und Kind. Sie leitet bei besorgniserregenden gesundheitlichen Zuständen des Neugeborenen automatisch weitere Schritte ein und zieht einen Arzt bei Problemen hinzu.

Kommt es zu einer plötzlichen Geburt, bei der kein Geburtshelfer anwesend ist, sollte grundsätzlich zur Abklärung der gesundheitlichen Verfassung der Mutter sowie des Kindes ein Arzt aufgesucht werden. Bildet sich das Kephalhämatom nicht innerhalb der ersten Lebenstage stetig zurück oder kommt es zu einer weiteren Zunahme der Symptome, ist ein Arztbesuch schnellstmöglich erforderlich. Es liegen schwerwiegende Störungen vor, die ohne eine medizinische Versorgung zum Ableben des Neugeborenen führen können.

Behandlung & Therapie

Eine besondere Behandlung des Kephalhämatoms ist nicht erforderlich, da es sich von selbst wieder zurückbildet. Von einer Punktion, die zum Absaugen des Bluts dient, wird abgeraten, weil das Infektionsrisiko für das Baby zu groß ist. So besteht die Gefahr eines lebensbedrohlichen Abszesses.

Einzige medizinische Behandlungsmethode ist die Gabe von Vitamin K, das der Körper zur Herstellung von Eiweißen benötigt, die wiederum für die Blutgerinnung von Bedeutung sind. Liegt eine Kopfwunde am Kephalhämatom vor, muss diese steril versorgt werden.

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Vorbeugung

Einem Kephalhämatom vorzubeugen ist kaum möglich. So bildet sich die Kopfblutgeschwulst erst beim Geburtsvorgang.

Das können Sie selbst tun

Ein Kephalhämatom bedarf keiner besonderen Behandlung. Meist bildet es sich nach einigen Tagen von selbst wieder zurück, ohne dass weitere Beschwerden zu erwarten sind. Die Eltern sollten sicherstellen, dass die Wunde gut verheilt und keine reizenden Stoffe oder Krankheitserreger an den verletzten Bereich gelangen.

Der Bluterguss kann mit Hilfe verschiedener Hausmittel behandelt werden, wie zum Beispiel kühle Auflagen, Aloe vera oder einer sanften Salbe aus Ringelblumen oder Arnika. Alternativ dazu bieten sich Auflagen mit Zwiebeln oder Petersilie an – der Kinderarzt sollte vor der Anwendung dieser Mittel sein Einverständnis geben. Daneben kann ein Kephalhämatom durch die Gabe von Vitamin K gelindert werden. Je nach Größe des Blutergusses können die Vitamine entweder über die Ernährung oder auch durch Nahrungsergänzungsmittel zugeführt werden.

Bei einer Kopfwunde ist eine sterile Versorgung angezeigt. Dabei besteht ein erhöhtes Risiko für Komplikationen, weshalb die Behandlung in jedem Fall von einem Mediziner überwacht werden muss. Nachdem das Hämatom abgeklungen ist, sollte auf Auffälligkeiten im Verhalten des Säuglings geachtet werden. Falls ungewöhnliche Symptome bemerkt werden, ist ein Besuch beim Kinderarzt zu empfehlen.

Quellen

  • Beckermann, M.J.: Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Schwabe, Basel 2004
  • Schneider, H., Husslein, P., Schneider, K.T.M.: Die Geburtshilfe. Springer, Berlin Heidelberg 2011
  • Stauber, M., Weyerstrahl, T.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013

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