Saugglocke

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 16. Dezember 2016
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Die Saugglocke ist ein Instrument zur Geburtshilfe. Sie kommt ausschließlich bei Komplikationen während der Entbindung zum Einsatz.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Saugglocke?

Als Saugglocke wird ein medizinisches Instrument bezeichnet, mit dessen Hilfe ein Säugling auf die Welt geholt wird. Dieser Vorgang ist auch als Saugglockengeburt oder Vakuumextraktion bekannt.

Der Einsatz einer Saugglocke kommt jedoch nur dann in Betracht, wenn im Rahmen des Geburtsvorganges unvorhergesehene Komplikationen eintreten, die entweder für das Kind oder für die Mutter lebensgefährliche Folgen haben können. Dazu gehört zum Beispiel Sauerstoffmangel beim Baby.

Eine wichtige Rolle spielt zudem, wie tief der Säugling schon im Geburtskanal steckt. So gilt es, zwischen einer Saugglockengeburt, einer Zangengeburt oder einem operativen Kaiserschnitt sorgfältig abzuwägen.

In Deutschland werden pro Jahr knapp 5 Prozent aller Kinder mithilfe einer Saugglocke zur Welt gebracht.

Formen, Arten & Typen

Es gibt zwei unterschiedliche Arten von Saugglocken. Dies sind die konventionelle Saugglocke sowie die sogenannte Kiwi-Saugglocke. Bei der Kiwi-Saugglocke handelt es sich um eine Einmalglocke. Während die konventionelle Glocke mit einem Elektromotor betrieben wird, verfügt die Kiwi-Variante lediglich über einen Handgriff, mit dem der Arzt manuell Unterdruck erzeugt. Da der Druckaufbau bei der Kiwi-Saugglocke langsamer abläuft, gilt dieses Verfahren als schonender für das Kind. Auch die Anwendung dieser Version ist simpel. Grundsätzlich wird die Geburt mit einer Saugglocke als schonender angesehen, als die Geburt mit einer Zange.

Die Größe einer Saugglocke (auch als Vakuumextraktor bezeichnet) beträgt 40, 50 oder 60 Millimeter. Während das Material der Glocke in früheren Jahren zumeist aus Metall bestand, kommt heutzutage in erster Linie Silikon zum Einsatz. Weitere mögliche Materialien sind Gummi und Kunststoff.

Aufbau & Funktionsweise

In Deutschland werden pro Jahr knapp 5 Prozent aller Kinder mithilfe einer Saugglocke zur Welt gebracht.

Bei der Saugglocke handelt es sich um eine runde Schale. Das Instrument verfügt an seiner äußeren Seite über einen Schlauch, der die Glocke mit einer Vakuumpumpe verbindet. Des Weiteren befindet sich an der Glocke eine Zugkette.

Um das Baby auf die Welt zu holen, setzt der Geburtshelfer die Schale auf die Schädeldecke des Kindes. Anschließend saugt der Schlauch Luft aus der Schale, wodurch es in dieser zur Entstehung eines Vakuums kommt. Die Innenseite der Saugglocke presst sich dabei stark gegen den Schädel des Kindes. Hat sich die Schale festgesaugt, zieht der Arzt an der Zugkette, die an ihrer Rundung sitzt.

Dies geschieht während der Wehen der Mutter, die bei diesem Vorgang mitpresst. Auf diese Weise wird der Geburtsvorgang beschleunigt. Kommt das kleine Köpfchen des Säuglings zum Vorschein, endet das direkte Vakuumsaugen. Im Anschluss gelangt der restliche Körper des Babys auf die Welt.

Bevor die Saugglocke eingesetzt wird, muss meist die Harnblase der Mutter entleert werden, was über einen Katheter stattfindet. Darüber hinaus nimmt der Gynäkologe eine inwendige Untersuchung vor. Sie dient zur Bestimmung der Position des Babykopfes. Außerdem wird das Ausmaß der Absenkung ermittelt. Diese Untersuchung ist überaus wichtig zur korrekten Anpassung der Saugglocke auf dem Schädel des Kindes.

Hat der Arzt die Untersuchungen zur Zufriedenheit abgeschlossen, bringt er die Saugglocke auf dem Kopf des Babys an. Schon nach wenigen Minuten saugt sich das Instrument am Schädel des Babys fest. Die Zugfestigkeit der Glocke wird in der Regel erreicht, wenn der Unterdruck bei 0,8 kg/cm² liegt. Vor dem Beginn der Prozedur führt der Arzt noch einen Probezug an der Kette durch.

Damit eine Saugglocke zur Anwendung kommen kann, müssen bestimmte Bedingungen bestehen. Dazu gehören die Eröffnung oder der Sprung der Fruchtblase, das komplette Öffnen des Muttermunds, das korrekte Anlegen der Saugglocke, sowie die Durchführung eines Dammschnitts. Außerdem muss sich der Kopf des Babys innerhalb des kleinen Beckens befinden.

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Medizinischer Nutzen

Der Einsatz einer Saugglocke kann für die Gesundheit von Mutter und Kind von entscheidender Bedeutung sein. So ist die letzte Phase der Geburt überaus anstrengend für Mutter und Baby. Zum Beispiel kommt es zu einer schlechteren Durchblutung der Plazenta sowie zu einem starken Druck auf den Kopf des Säuglings. Dadurch besteht das Risiko einer unzureichenden Durchblutung des Gehirns. Mitunter setzt auch eine Verlangsamung der Herzfrequenz des Kindes ein. Mithilfe einer Saugglocke lässt sich der Geburtsvorgang dann beschleunigen. Aber auch eine starke Erschöpfung der Mutter kann den Einsatz einer Saugglocke notwendig machen.

Obwohl die Saugglockengeburt als relativ sicher gilt, sind dennoch Komplikationen und Nebenwirkungen im Bereich des Möglichen. Dazu gehört u. a. die Kopfgeschwulst. Dabei handelt es sich um das Anschwellen des Unterhautgewebes, was durch die Glocke hervorgerufen wird. Die Schwellung ist jedoch nicht weiter ungewöhnlich und gilt als normal. In der Regel bildet sich die Geschwulst schnell wieder zurück.

Erfolgt jedoch eine zu schnelle Druckänderung, wenn die Saugglocke angebracht oder abgenommen wird, sind Verletzungen an der Kopfhaut denkbar. Sogar gefährliche Hirnblutungen können auftreten. Auch für die Mutter birgt die Anwendung einer Saugglocke gewisse Risiken. Dazu gehören ein verstärktes Aufreißen des Dammschnitts oder Risse im Muttermund.

Nicht zum Einsatz kommen darf eine Saugglocke bei einer Frühgeburt. Da hier eine erhöhte Gefahr von Hirnblutungen besteht.

Die Saugglockengeburt hat grundsätzlich den Vorteil, dass im Vergleich zur Zangengeburt seltener Verletzungen bei der Mutter auftreten. Ferner ist ein leichterer Ausgleich von fehlenden Anpassungen des Kopfes des Kindes an das kleine Becken der Mutter möglich.

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