Hoffa-Kastert-Syndrom

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 21. Oktober 2016
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Das Hoffa-Kastert-Syndrom äußert sich in einer Verdickung (Hypertrophie) des Hoffa-Fettkörpers, der sich innerhalb der Kniegelenkkapsel vom unteren Rand der Kniescheibe bis zum Schienbeinkopf erstreckt. Er ist als weich-elastische Struktur von außen gut tastbar. Die Hypertrophie des Hoffa-Fettkörpers ist keine eigenständige Krankheit, sondern stellt meist eine Entzündungsreaktion auf wiederkehrende oder einmalige traumatische Einwirkungen auf das Knie oder auf entzündliche Prozesse im Kniegelenk dar.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Hoffa-Kastert-Syndrom?

Das Hoffa-Kastert-Syndrom ist durch eine Hypertrophie des Hoffa-Fettkörpers im Kniegelenk gekennzeichnet. Der Hoffa-Fettkörper (Corpus adiposum infrapatellare) befindet sich innerhalb der Kniegelenkkapsel und reicht vom unteren Rand der Kniescheibe (Patella) bis zum Schienbeinkopf. Die Struktur dient nicht nur – ähnlich wie bei Schleimbeuteln - der Polsterung, sondern erfüllt mannigfache sensomotorische Aufgaben.

Sie wird deshalb intensiv durchblutet und von einem Geflecht schnell leitender C-Fasern innerviert. Der Orthopäde Albert Hoffa beschrieb 1904 erstmals eine Hypertrophie des Fettkörpers als eigenständige Krankheit. Erst 50 Jahre später postulierte der Chirurg Josef Kastert, dass eine Hypertrophie des Fettkörpers in der Regel mit Läsionen im Knie wie Meniskus- oder Knorpelschäden oder mit Entzündungen bestimmter Strukturen im Knie assoziiert ist.

Die ursprüngliche Bezeichnung Hoffasche Krankheit für eine Hypertrophie des Corpus adiposum infrapatellare wurde durch den Begriff Hoffa-Kastert-Syndrom substituiert, der den medizinischen Sachverhalt treffender repräsentiert.

Ursachen

Die Vielzahl der sensomotorischen Aufgaben des Hoffa-Fettkörpers, die ihm neben seiner mechanischen Polster- und Verschiebefunktion obliegen, bedingt seine komplexe und empfindliche Feinstruktur. Der Fettkörper gibt ständig Rückmeldungen an das Gehirn über Bewegungsabläufe im Knie, so dass aufgrund der Meldungen unbewusst motorische Korrekturanweisungen an die betreffenden Muskelpartien erfolgen.

Hinsichtlich seiner sensomotorischen Aufgaben unterstützt der Hoffa-Fettkörper auch das propriozeptive System, das die Wahrnehmung und Koordinierung der Lage des Körpers und seiner Gliedmaßen im dreidimensionalen Raum ermöglicht. Sehr empfindlich reagiert der Corpus adiposum infrapatellare auf wiederkehrende äußere Druckreize und auf ungewöhnliche Bewegungsabläufe oder Verletzungen im Knie.

Häufig werden dadurch Entzündungsreaktionen ausgelöst. Zu Entzündungsreaktionen kann es auch kommen, wenn andere Strukturen im Kniegelenk entzündet sind. Der Fettkörper ist von Immunzellen durchsetzt, die durch Botenstoffe anderer Immunzellen in umliegenden Strukturen aktiviert werden können. Entzündungsreaktionen im Fettkörper führen zu seiner Hypertrophie.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Entzündungsreaktionen im Corpus adiposum infrapatellare und die damit verbundene Hypertrophie der Struktur führen zu einer Bewegungseinschränkung des Knies, wobei besonders die Beugung betroffen ist. Es entsteht ein weicher Widerstand gegen eine Abwinklung des Knies. Hierin unterscheiden sich die Symptome deutlich von Meniskusschäden, die zu einer härteren und stärker akzentuierten Blockade des Gelenks führen.

Die Symptome werden von zunehmenden Schmerzen im Knie begleitet. Vor allem zeigen sich Spannungsschmerzen beim Versuch der Beugung. Typischerweise sind auf beiden Seiten des Patellabandes wulstige Anschwellungen mit weicher bis derber Struktur zu sehen.

Die sicht- und tastbaren Schwellungen sind druckschmerzempfindlich. In vielen Fällen, aber nicht immer, schwillt das Knie insgesamt an, so dass die typischen Symptome des Hoffa-Kastert-Syndroms weniger deutlich zu erkennen sind.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Zu Beginn einer zu stellenden Diagnose steht die Erfassung der sicht- und tastbaren Symptome und der Schmerzmuster im Vordergrund (klinische Untersuchung). Wichtig ist dabei auch die Anamnese, die Aufschluss über den Beginn und die Verursachung der Beschwerden geben kann.

Falls die so gestellte Diagnose Fragen offen lässt, die vor Festlegung einer Therapie abgeklärt werden müssen, kommen bildgebende Verfahren wie Röntgen, Magnetresonanztomografie (MRT) und Computertomografie (CT) in Frage. Je nach Befund kann sich eine Kniearthroskopie anbieten, in deren Verlauf eine Diagnose präzisiert werden kann und gleichzeitig ein minimalinvasiver chirurgischer Eingriff erfolgt.

Der Krankheitsverlauf des Hoffa-Kastert-Syndroms richtet sich vor allem nach der verursachenden Grunderkrankung, die häufig in einer Läsion bestimmter Strukturen im Knie besteht. Falls die Hypertrophie des Fettkörpers über längere Zeit erhalten bleibt, findet in der Struktur zunächst ein fibröser Umbau statt.

Es kommt zum verstärkten Einbau kollagener Fasern, die den Corpus adiposum härten und zu deutlicher Funktionseinschränkung führen. Im weiteren Verlauf kann es sogar zu Kalkeinlagerungen oder Verknöcherungen innerhalb des Fettkörpers kommen, was die Gelenkfunktion des Knies stark einschränken kann.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung des Hoffa-Kastert-Syndroms zielt in erster Linie auf die Verbesserung der verursachenden Grunderkrankung ab. Grunderkrankungen können beispielsweise Beschädigungen des Meniskus oder Läsionen eines oder mehrerer Bänder sein. Auch Frakturen oder Erkrankungen des Gelenkknorpels können der Auslöser für eine Entzündungsreaktion des Fettkörpers sein.

In den Fällen, in denen ein Primärschaden im Knie erkannt und erfolgreich behandelt werden konnte, bildet sich das Hoffa-Kastert-Syndrom selbständig zurück. Dabei kommt es nicht zu nachhaltigen Funktionsminderungen. In Ausnahmefällen, in denen sich bereits faserige Strukturen in Form von Zotten gebildet haben und den Gelenkspalt einklemmen, wird eine Teilresektion des Fettkörpers vorgenommen, um die Beweglichkeit des Knies wieder herzustellen.

In einigen Fällen ist es auch notwendig, eine Teilresektion vorzunehmen, weil der Fettkörper den Zugang zu der Struktur behindert, deren Schaden per Arthroskopie behoben werden soll. Generell werden Resektionen oder Teilresektionen des Fettkörpers im Gegensatz zu früher zurückhaltender vorgenommen, um die vielfältigen Funktionen des Corpus adiposum infrapatellare möglichst wenig zu beeinträchtigen.




Vorbeugung

Weil das Hoffa-Kastert-Syndrom meist durch Läsionen oder Entzündungen an anderen Strukturen des Knies verursacht wird, existieren keine direkt vorbeugenden Verhaltensweisen, die ein Auftreten der Krankheit verhindern könnte. Die beste Vorbeugung besteht in einem Schutz des Knies vor Verletzungen, Fehlbelastungen und Überlastungen.

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