Harnröhrenstriktur

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 1. Dezember 2017
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Eine Harnröhrenstriktur oder Harnröhrenverengung ist eine Verengung der Urethra (Harnröhre), die angeboren oder erworben sein kann und in aller Regel operativ behandelt wird. Überwiegend Männer sind von echten Harnröhrenstrikturen betroffen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Harnröhrenstriktur?

Eine angeborene oder erworbene Verengung der Urethra wird als Harnröhrenstriktur bezeichnet. Dabei sind Harnröhrenstrikturen durch narbige Verengungen von Stenosen (Engstellen) infolge benigner Prostatahyperplasien (vergrößerte Prostata) zu differenzieren.

Am häufigsten sind Strikturen in der prostatischen, membranösen, bulbären oder penilen Harnröhre sowie in der Fossa navicularis lokalisiert. Durch die Stenose der Harnröhre ist eine vollständige Entleerung der Blase lediglich eingeschränkt möglich. Dies führt zu einer erhöhten Anfälligkeit für Harnwegsinfektionen, die bei ausgeprägten Verläufen zu einem Rückstau des Urins in die Nieren und somit zu Schädigungen der Nieren führen kann.

Eine Harnröhrenstriktur manifestiert sich symptomatisch anhand eines abgeschwächten Harnstrahls, der gießkannenartig verformt, gedreht oder geteilt ausfallen kann, und einem „Nachtröpfeln“ nach der Miktion (Wasserlassen). Ebenso sind Schmerzen während der Miktion, am Penis bzw. der Vagina sowie im Bereich des Dammes charakteristisch für Harnröhrenstrikturen.

Ursachen

Bei Harnröhrenstrikturen kann grundsätzlich zwischen erworbenen und angeborenen Verengungen differenziert werden. Zu den angeborenen Stenosen gehören Fehlbildungen im Bereich der äußeren Genitalien wie eine Hypospadie, bei welcher die Harnröhre nicht durch das Schwellkörpergewebe geschützt wird.

Erworbene Harnröhrenstrikturen werden vor allem durch Verletzungen infolge von Unfällen (straddle trauma, Beckenbrüche) oder Manipulationen bzw. chirurgische Eingriffen an der Urethra bedingt. Insbesondere endoskopische Eingriffe über die Harnröhre (Anastomosenenge nach Radikaloperation an der Prostata, Harnblasenspiegelung) und langfristig angelegte Blasenkatheder stellen Risikofaktoren für Harnröhrenverengungen dar.

Zudem können bakterielle Harnröhreninfektionen (Urethritis, Gonorrhoe), pathologische Bindegewebsveränderungen (Balanitis xerotica obliterans, Lichen sclerosus) sowie Tumoren im Bereich der Harnröhre und der umliegenden Strukturen Harnröhrenstrikturen verursachen.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Eine Harnröhrenstriktur wird anhand der charakteristischen Symptome im Rahmen der Anamnese diagnostiziert. Abgesichert wird die Diagnose durch eine Messung von Fluss und Druck des Harns während der Miktion. Eine Mikrohämaturie (Blut im Harn), die mikroskopisch oder mit Hilfe des Sangur-Tests festgestellt werden kann, deutet ebenso auf eine Harnröhrenstriktur.

Sonographisch können zudem möglicher Restharn nach der Miktion, Veränderungen der Blase, der Harnröhre und der Nieren sowie die Blasenwanddicke ermittelt werden. Im Rahmen einer Röntgenaufnahme unter Kontrastmittel (retrograde Urethrographie) kann die Striktur lokalisiert sowie deren Ausmaß bestimmt werden. Etwaige Unklarheiten können abschließend durch eine Endoskopie der Harnröhre (Urethroskopie) beseitigt werden.

Allgemein weist eine Harnröhrenstriktur eine gute Prognose auf. Um langfristige Komplikationen wie Nierenschäden oder einen kompletten Harnverhalt zu vermeiden, sollte die Verengung frühzeitig diagnostiziert und therapiert werden.

Komplikationen

In den meisten Fällen tritt die Harnröhrenstriktur fast nur bei Männern auf. Durch die Verengung der Harnröhre kann es dabei zu unterschiedlichen Beschwerden kommen. Der Harnstrahl ist durch die Krankheit abgeschwächt und das Wasserlassen ist damit nur noch eingeschränkt möglich, sodass der Betroffene in der Regel die Toilette öfter aufsuchen muss.

Nicht selten kommt es durch die Harnröhrenstriktur auch zu einer Blasenentzündung. Diese ist mit starken und stechenden Schmerzen verbunden und schränkt die Lebensqualität des Patienten extrem ein. Ebenso kommt es zu Schmerzen und anderen Beschwerden beim Wasserlassen. Dieses ist in der Regel mit einem starken Brennen verbunden. Durch die Schmerzen beim Wasserlassen kommt es bei den meisten Patienten auch zu psychischen Beschwerden und zu einer Reizbarkeit.

Dabei wird absichtlich weniger Flüssigkeit angenommen, um diese Schmerzen zu vermeiden. Dadurch kann sich eine Dehydrierung ausbilden. Die Behandlung der Harnröhrenstriktur erfolgt durch einen operativen Eingriff und führt nicht zu besonderen Beschwerden oder Komplikationen. Nach dem Eingriff treten ebenfalls keine Beschwerden auf und die Schmerzen lassen nach. Auch ein möglicher Tumor kann ohne Komplikationen entfernt werden. Die Lebenserwartung wird durch die Harnröhrenstriktur nicht beeinflusst oder verringert.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei einer Harnröhrenstriktur kommt es nicht zu einer Selbstheilung, sodass die Krankheit in jedem Fall von einem Arzt behandelt werden muss. Sie kann nur durch einen operativen Eingriff bekämpft werden. Da die Harnröhrenstriktur in der Regel angeboren ist, treten die Beschwerden schon in einem sehr jungen Alter auf. Die Betroffenen leiden unter einem sehr schwachen Harnstrahl. Es bleibt weiterhin Harn in der Blase zurück, sodass die Betroffenen relativ häufig die Toilette aufsuchen müssen. Bei diesen Beschwerden sollte eine Untersuchung durchgeführt werden. Weiterhin deuten auch häufige Entzündungen der Blase auf eine Harnröhrenstriktur hin. Diese werden von Schmerzen oder einem Brennen beim Wasserlassen begleitet.

Bei Verdacht auf eine Harnröhrenstriktur sollte ein Urologe aufgesucht werden. Dieser kann meistens auch die Behandlung durchführen, bei der es nicht zu besonderen Komplikationen kommt. Die Beschwerden werden dadurch vollständig gelindert. Da vor allem Männer sehr häufig von dieser Erkrankung betroffen sind, sollten diese, wenn die Symptome eintreten, einen Arzt aufsuchen.

Behandlung & Therapie

In aller Regel wird eine Harnröhrenstriktur operativ therapiert. Prinzipiell stehen hierzu zwei Operationsverfahren zur Verfügung, deren Wahl von der Art und dem Ausmaß der Stenose sowie vom allgemeinen Gesundheitszustand des Betroffenen abhängt.

Bei der sogenannten Urethrotomie (Harnröhrenschlitzung) wird entweder blind (Urethrotomie nach Otis) oder unter Sicht (Urethrotomie nach Sachse) ein Urethrotom in die Harnröhre eingeführt und diese im Bereich der Striktur durch einen Schnitt eingeschlitzt. Im Anschluss wird zur Vermeidung von Komplikationen (insbesondere bei einer Urethrotomie nach Sachse) ein Blasenkatheder gelegt, der für mehrere Tage verbleibt.

Zur Reduzierung des Risikos für Rezidive kann über diesen ein kortisonhaltiges Gel in die betroffene Harnröhre gespritzt werden. Führt die Operationsmethode nicht zum gewünschten Erfolg, treten wiederholt Rezidive auf oder liegen langgezogene Strikturen vor, ist in aller Regel eine Mundschleimhautplastik angezeigt. Im Rahmen dieser Mundschleimhautplastik wird die Harnröhre über der Engstelle eröffnet und ein Stück der Mundschleimhaut (aus der Unterlippe oder Wange) von korrespondierender Größe und Länge eingenäht.

Anschließend werden zur Schienung und Offenhaltung der Harnröhre für etwa acht Tage ein Blasen- und zur Blasenentleerung ein Bauchdeckenkatheter gelegt. Kann im Rahmen einer Urethrographie eine problemlose und vollständige Blasenentleerung nachgewiesen werden, wird der Bauchdeckenkatheter entfernt (nach etwa drei Wochen).

Bei Strikturen von einer Länge von bis zu zwei Zentimetern kann der verengte Teilbereich chirurgisch entfernt und die Harnröhrenenden vernäht werden. Liegt der Verengung ein Tumor zugrunde, hängen die Therapiemaßnahmen der Harnröhrenstriktur von der Tumorbehandlung ab.

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Vorbeugung

Einer Harnröhrenstriktur kann durch eine Vermeidung auslösender Faktoren vorgebeugt werden. So sollten beispielweise Infektionen der Harnröhre frühzeitig und konsequent behandelt bzw. durch geeignete Schutzmaßnahmen (Gonorrhoe) verhindert werden, um Strikturen der Harnröhre zu vermeiden.

Das können Sie selbst tun

Wurde eine Harnröhrenstriktur festgestellt, können die Betroffenen selbst einige Maßnahmen ergreifen, um die Beschwerden zu lindern und den Heilungsverlauf zu fördern.

Zunächst gilt es, etwaige Begleiterscheinungen wie Blasenentzündungen oder Harnverhalt auszukurieren. Dies gilt durch Bettwärme und das Tragen ausreichend warmer Kleidung. Eine gesunde und ausgewogene Diät kann zur Genesung beitragen. Bei starken Beschwerden sollten die individuellen Symptome durch einen Arzt abgeklärt und gegebenenfalls medikamentös behandelt werden. Nach einer Operation an der Harnröhre gelten Schonung und Bettruhe. Betroffene sollten sich für mindestens eine Woche krankschreiben lassen und während dieser Zeit auf anstrengende körperliche Tätigkeiten verzichten. Daneben muss die Operationswunde nach den Anweisungen des Arztes gepflegt werden, damit keine Wundheilstörungen auftreten oder Narben zurückbleiben.

Sollten sich nach der Behandlung erneut Beschwerden einstellen, wird am besten mit dem zuständigen Arzt gesprochen. Womöglich muss ein erneuter Eingriff durchgeführt werden oder der Harnröhrenstriktur liegt eine ernste Ursache zugrunde, die bislang nicht festgestellt wurde. Zuletzt gilt es, eine weitere Harnröhrenstriktur zu vermeiden. Dies gelingt, indem Infektionen der Harnröhre frühzeitig und konsequent therapiert werden. Idealerweise werden Infektionen durch geeignete Schutzmaßnahmen verhindert.

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Quellen

  • Brühl, W., Wienert, V., Herold, A.: Aktuelle Proktologie. Uni-Med, Bremen 2011
  • Gasser, T.: Basiswissen Urologie. Springer, Berlin 2011
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016

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