Handarthrose

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 14. November 2017
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Unter Handarthrose wird eine degenerative Erkrankung der in der Hand befindlichen Gelenke verstanden, die mit einem beschleunigten Verschleiß der Gelenkknorpel einhergeht. Aufgrund der allgemein ab dem 50. Lebensjahr zunehmenden Gelenkdegeneration, nimmt das Risiko für Gelenkarthrosen mit diesem Alter zu.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Handarthrose?

Als Handarthrose wird eine degenerative Erkrankung der knorpeligen Strukturen der Handgelenke bezeichnet, die durch einen beschleunigten Verschleiß- bzw. Abnutzungsprozess charakterisiert ist.

Insbesondere die Mittel- und Endgelenke der Finger, das Daumensattelgelenk sowie das Handgelenk (v.a. zwischen Speiche und Elle sowie Speiche und Kahnbein) sind häufig von einer Handarthrose betroffen. Schäden an den knorpeligen Gelenkstrukturen führen zu Aufrauungen und Rissen, so dass diese an Dicke verlieren und nicht mehr ihre stoß- bzw. druckmindernde Funktion erfüllen und das Gelenk entlasten können.

Da die betroffenen Knorpelstrukturen und angrenzenden Knochen zunehmend größeren Belastungen ausgesetzt sind, verdichten die Knochen (subchondrale Sklerosierungen) und bilden Anbauten (Osteophyten). Im weiteren Verlauf können sich sekundär Entzündungen der Gelenkinnenhaut (Arthritis) und Gelenkergüsse manifestieren, die neben der für eine Handarthrose charakteristischen Gelenksteife zu Schmerzen führen können.

Ursachen

Arthrotischer Verschleiß wird in aller Regel durch eine Schädigung der Gelenkknorpelschicht verursacht, wobei in den meisten Fällen die zugrunde liegende Ursache für diese Schädigung nicht festgestellt werden kann (primäre Handarthrose).

Vermutet werden neben genetischen Faktoren (familiäre Häufung) hormonelle Ursachen, da insbesondere Frauen nach dem Klimakterium (Wechseljahren) von Fingergelenkarthrosen betroffen sind. Zudem können Kristallopathien (Kristallablagerungen wie Gicht), Stoffwechselerkrankungen, rheumatoide Arthritis, Osteoporose (Knochenschwund), Osteonekrosen (Absterben eines Knochenabschnittes) sowie genetisch oder unfallbedingte Gelenkfehlstellungen Schädigungen der Knorpelstrukturen in den Gelenken und somit eine Handarthrose bedingen (sekundäre Handarthrose).

Begünstigt wird der Verschleißprozess zusätzlich durch eine dauerhafte Überlastung der entsprechenden Gelenke (Übergewicht, gelenkbelastende Tätigkeiten) sowie Bewegungsmangel.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Schematische Darstellung Unterschied zwischen gesundem Gelenk, Arthritis und Arthrose. Klicken, um zu vergrößern.

Eine Handarthrose wird anhand der charakteristischen Symptome (Schmerzen, Schwellung, Rötung, Überwärmung, Gelenksteifigkeit) diagnostiziert. Abgesichert wird die Diagnose durch eine Röntgenuntersuchung, die die typischen arthrosebedingten Gelenkveränderungen wie verschmälerter Gelenkspalt, Verdichtung der gelenknahen Knochen und Knochenanbauten (Osteophyten) sichtbar macht.

Zudem ermöglicht ein Röntgenbild Aussagen zum Stadium der Handarthrose. Im Rahmen einer Computertomographie, Magnetresonanztomographie oder Blutuntersuchung können zugrunde liegende Stoffwechselerkrankungen oder Osteopathien festgestellt werden. Gelenkpunktionen und Urographien (Röntgenkontrastdarstellung von Niere und Harnwegen) dienen der Diagnose von Kristallopathien wie Gicht.

Knorpelige Strukturen verlieren im Unterschied zu anderen körpereigenen Strukturen wie beispielsweise Haut, Nägel oder Haare nach Abschluss der Pubertät die Fähigkeit zur Regeneration, so dass Schädigungen nicht oder lediglich stark begrenzt kompensiert werden können. Bei frühzeitiger Vorbeugung bzw. Diagnose und Therapiebeginn können degenerative Veränderungen und ein Fortschreiten der Handarthrose verlangsamt werden.

Komplikationen

Durch die Handarthrose kommt es zu einem schnellen Verschleiß der Handgelenke und damit zu relativ starken Schmerzen. Diese Schmerzen können dabei entweder in Form von Bewegungsschmerzen oder als Ruheschmerzen auftreten und beeinflussen damit in jedem Fall die Lebensqualität negativ. Durch die Schmerzen kommt es auch zu erheblichen Bewegungseinschränkungen, sodass gewöhnliche Tätigkeiten mit den Händen in der Regel nicht mehr ohne Weiteres durchgeführt werden können.

Oft breiten sich die Schmerzen auch auf die gesamte Hand aus. Ruheschmerzen können dabei nachts zu Schlafbeschwerden führen. Nicht selten kommt es auch zu einer Schwellung der Gelenke. Durch die Schmerzen und die Beeinträchtigungen im Alltag aufgrund der Handarthrose können auch psychische Beschwerden oder andere Verstimmungen aufkommen. Oft ziehen sich die Patienten aus dem aktiven Leben zurück und nehmen dabei nicht mehr an sozialen Interaktionen teil.

Die Behandlung der Handarthrose erfolgt mit Hilfe von Medikamenten, Therapien oder durch einen operativen Eingriff. Es treten dabei keine weiteren Komplikationen auf. Allerdings kann nicht vorausgesagt werden, ob die Finger und die gesamte Hand nach der Behandlung wieder vollständig genutzt werden können. Die Lebenserwartung wird durch die Handarthrose nicht beeinflusst.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Sobald es zu unerklärlichen Beschwerden im Handgelenk oder in der Hand kommt, ist ein Arztbesuch unbedingt empfehlenswert. Dies gilt vor allem dann, wenn die Bewegung der Handgelenke eingeschränkt ist. In diesem Fall sollte der Orthopäde abklären, ob eine Handarthrose vorliegt beziehungsweise wo die Ursache für die Symptome liegt. Oftmals entwickeln sich die Beschwerden eher schleichend über Monate oder gar Jahre hinweg. In diesem Fall sollten die Betroffenen einen Arzt um Rat fragen, sobald ihnen die Symptome im Alltag bewusst werden. Ein Arztbesuch ist insbesondere dann unumgänglich, wenn die Hand nur noch vermindert leistungsfähig ist oder die Kraft in den Fingern zunehmend nachlässt.

Auch Durchblutungsstörungen im Bereich der Hand müssen untersucht und rechtzeitig behandelt werden. Gleiches gilt, wenn die Betroffenen Gegenstände nicht oder nur noch mit größter Mühe festhalten können oder die Hand im Ruhezustand häufig zittert. Viele Patienten entwickeln ein sogenanntes Vermeidungsverhalten, um die Hand zu schonen. Dies ist jedoch eher kontraproduktiv. Stattdessen ist ein Arzt zu konsultieren, damit dieser die notwendigen Untersuchungen durchführen und entsprechende Therapiemaßnahmen einleiten kann. Besondere Eile ist geboten, wenn sich die Symptome bereits auf andere Bereiche ausbreiten oder die Schmerzen so stark ausgeprägt sind, dass eine regelmäßige Medikamenteneinnahme erforderlich ist.

Behandlung & Therapie

Die therapeutischen Maßnahmen zielen bei einer Handarthrose in erster Linie auf eine Schmerzreduzierung, Verbesserung der Beweglichkeit sowie Verlangsamung des Gelenkverschleißes. Zunächst kommt hierzu in aller Regel eine konservative Therapie aus Physiotherapie sowie Kühlung oder Wärmeanwendung und Medikation mit schmerz- und entzündungshemmenden Medikamenten (nichtsteroidale Antirheumatika) bei akuten Schmerzen zum Einsatz.

Bei ausgeprägten Schmerzen und Entzündungen werden zusätzlich Cortison oder Radionuklide (Radiosynoviorthese) zur Schmerzreduzierung lokal in das betroffene Gelenk injiziert. Wird durch die konservativen Therapiemaßnahmen keine Verbesserung der Symptome erzielt, kann ein chirurgischer Eingriff erforderlich werden. Hierzu stehen verschiedene operative Therapieverfahren zur Verfügung. So kann bei einer primären Handarthrose eine sogenannte Denervation infrage kommen, bei welcher die schmerzleitenden Nerven im Handgelenk durchtrennt und ausgeschaltet werden, während das Gelenk selbst und dessen Beweglichkeit erhalten bleiben.

Bei arthrotischem Verschleiß der Fingermittelgelenke oder des Handgelenkes wird oftmals ein prothetischer Gelenkersatz bzw. ein Platzhalter aus Silikon chirurgisch eingesetzt, um die Schmerzfreiheit und Beweglichkeit des betroffenen Gelenks zu gewährleisten. Ein weiteres Verfahren stellt die Gelenkversteifung dar, das im Falle eines Verschleißes der Fingerendgelenke sowie Betroffenen, die beruflich diese Gelenke stark beanspruchen, empfohlen wird.

Ist das Daumensattelgelenk (Rhizarthrose) bzw. die Handwurzel im Bereich des Daumensattelgelenks betroffen, kommt in der Regel eine partielle Gelenkentfernung (Handwurzelknochen) mit gleichzeitiger Sehnenaufhängung bzw. Plastik aus körpereigenen Strukturen zur Gelenkstabilisierung zum Einsatz (Epping-Plastik). Zudem wird bei einer Handarthrose eine Nahrungsumstellung zugunsten einer pflanzlichen Ernährung mit den Knorpelstoffwechsel unterstützenden Nahrungsergänzungsmitteln (u.a. synthetische Knorpelbausteine, Glucosaminsulfate, Kollagenhydrolysate) sowie Antioxidantien und Vitaminen empfohlen.

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Vorbeugung

Arthrotischen Verschleißprozessen und entsprechend auch der Handarthrose kann durch regelmäßige, gelenkschonende sportliche Aktivität vorgebeugt werden. Durch diese wird die Durchblutung der den Knorpel versorgenden Gelenkinnenhaut gefördert und der Aufbau einer stabilisierenden Muskulatur gewährleistet. Ebenso beugt die Vermeidung einer einseitigen und ungünstigen Dauerbelastung der Handgelenke einer Handarthrose vor.

Das können Sie selbst tun

Schmerzreduzierung sowie die Erhaltung der Beweglichkeit stehen bei der Therapie von Handarthrose an erster Stelle. Darüber hinaus können Betroffene einiges tun, um ihre Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.

An erster Stelle steht regelmäßige Bewegung, die jedoch möglichst gelenkschonend sein sollte. Auch Sportarten, bei denen die Hände nicht oder nur in geringem Maße zum Einsatz kommen, sind geeignet. Sie fördern die Durchblutung und tragen auf diese Weise dazu bei, dass die Gelenkknorpel optimal mit Nährstoffen versorgt werden. Darüber hinaus stärkt regelmäßige, individuell angepasste Bewegung die im Gelenkbereich befindliche Muskulatur. Der Krankheitsverlauf kann dadurch ebenfalls positiv beeinflusst werden.

Des Weiteren sind Wärme- und Kälteanwendungen hervorragend zur Selbsthilfe bei Handarthrose geeignet. Sind die Fingergelenke akut entzündet, haben sich Kältepackungen bewährt. Sie lindern die Schmerzen, hemmen die entzündlichen Prozesse und wirken abschwellend. Auch zwischen den Schüben geht Handarthrose mit Schmerzen einher. In diesem Fall sind wärmende Umschläge und Wärmepackungen geeignete Methoden, um die Beschwerden zu lindern. Die Wärme fördert die Durchblutung und trägt effektiv zur Muskelentspannung bei.

Darüber hinaus ist es bei Arthrose grundsätzlich ratsam, den eigenen Speiseplan zu überdenken, um die Therapie zu unterstützen. Vor allem Wurst und Fleisch enthalten die entzündungsfördernde Arachidonsäure, die eine bereits vorhandene Handarthrose verschlimmern kann.

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Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Baenkler, H.-W., et al.: Kurzlehrbuch Innere Medizin. Thieme Verlag, Stuttgart 2010
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016

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