Erythrasma

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 12. Dezember 2017
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Ein Erythrasma ist eine Erkrankung der Haut infolge einer bakteriellen Infektion mit Erregern des Typs Corynebacterium minutissimum, die mit einer Prävalenz von 5 bis 10 Prozent relativ häufig ist. Insbesondere Männer sind von einem Erythrasma mit chronischem Verlauf betroffen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Erythrasma?

Als Erythrasma (auch Baerensprungsche Krankheit) wird eine oberflächliche Hauterkrankung bezeichnet, die auf eine bakterielle Infektion mit Corynebacterium minutissimum zurückzuführen ist.

Symptomatisch manifestiert sich ein Erythrasma vor allem durch glatte, scharf begrenzte rötliche Verfärbungen der Haut, die innerhalb von mehreren Wochen größer werden, gegebenenfalls konfluieren (sich vereinigen) und eine feinlamelläre Schuppung sowie gelblich-braune Verfärbung (Milchkaffee) entwickeln.

Hierbei sind insbesondere die intertriginösen Hautareale (Hauteinfaltungen) wie Achseln, Leisten sowie perianale und submammäre (unter der Brust) Bereiche von einem Erythrasma betroffen, da es in diesen Arealen vermehrt zu Schweißbildung und Beeinträchtigungen des Säurehaushaltes der Haut kommt.

Charakteristisch sind bei einem Erythrasma zudem symmetrisch auftretende Herde an den Oberschenkel im Bereich des Skrotums. In aller Regel tritt ein Erythrasma ohne Juckreiz auf und kann in vielen Fällen einen asymptomatischen Verlauf aufweisen.

Ursachen

Ein Erythrasma manifestiert sich infolge einer bakteriellen Infektion mit dem gram-positiven, saprophytären Corynebacterium minutissimum. Der Erreger ist neben Dermatophyten und Candida albicans als Komponente des normalen Hautmilieus auch auf gesunder Haut zu finden.

Sind die Umweltbedingungen für den Erreger infolge einer gestörten Hautflora durch vermehrte Schweißbildung (Feuchtigkeit) oder Wärmeentwicklung günstig, kann sich dieser vermehren und die Hautzellen und den Interzellularraum des Stratum corneum (oberste Epidermisschicht) befallen. Die metabolische Aktivität der Bakterien bedingt eine Auflösung des Keratins, dem Hauptbestandteil des Stratum corneum, wodurch die charakteristischen Hautveränderungen hervorgerufen werden.

Zudem stellen eine Hyperhidrose (krankhaftes Schwitzen), Diabetes mellitus, Adipositas sowie immunsuppressive Therapiemaßnahmen (bspw. bei einer HIV-Infektion) und enganliegende Kleidung prädisponierende Faktoren für ein Erythrasma dar.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Bei einem Erythrasma leiden die Betroffenen in erster Linie an verschiedenen Hautbeschwerden. Diese wirken sich dabei sehr negativ auf die Ästhetik des Betroffenen aus und schränken diese deutlich ein. Dadurch kommt es in vielen Fällen auch zu Depressionen oder zu Minderwertigkeitskomplexen und zu einem verringerten Selbstwertgefühl. Die Betroffenen fühlen sich mit ihrem Aussehen dabei nicht wohl.

Durch die starken und großflächigen Rötungen kann es dadurch vor allem bei Kindern zu Mobbing oder zu Hänseleien kommen, sodass auch diese an psychischen Beschwerden leiden. Die Haut selbst schuppt dabei und verändert ihre Farbe. Im Genitalbereich kann ein Erythrasma auch mit Schmerzen oder mit einem Juckreiz verbunden sein und sich dadurch sehr negativ auf die Lebensqualität des Betroffenen auswirken.

Die Krankheit breitet sich dabei häufig auch in die benachbarten Regionen aus und führt auch dort zu Rötungen und zu einem Juckreiz. In der Regel kommt es neben einem Erythrasma gleichzeitig auch zu anderen Hautbeschwerden, sodass die Betroffenen auch an einer Dermatitis leiden können. Die Lebenserwartung wird durch die Erkrankung allerdings nicht negativ beeinflusst. Mit einer einfachen Therapie können die Beschwerden relativ gut gelindert und eingeschränkt werden.

Diagnose & Verlauf

Ein Erythrasma wird anhand der charakteristischen Hautveränderungen diagnostiziert. Mit Hilfe einer sogenannten Wood-Lampe (UV- bzw. Schwarzlicht) können Pigmentveränderungen und die fluoreszenten Erregerherde auf der Haut, die bei UV-Licht durch das von ihnen gebildete Porphyrin leuchtend rot bzw. korallenfarben fluoreszieren, sichtbar gemacht werden.

Ebenso können mikroskopisch die gram-positiven Erreger durch eine Gram-Färbung nachgewiesen werden (Blaufärbung der Bakterien). Differentialdiagnostisch ist eine Abgrenzung von ähnlichen und ebenso häufigen Hauterkrankungen wie kutane Candidose, Psoriasis, Kontaktdermatitis, seborrhoische Dermatitis und Tinea erforderlich.

Daneben können auch Trichomycosis palmellina und Keratolysis sulcata von Corynebakterien hervorgerufen werden. Ein Erythrasma stellt eine harmlose Infektionserkrankung dar, die allerdings bei Männern und Erkrankungen wie Hyperhidrose oder Diabetes mellitus oftmals einen chronischen Verlauf aufweist.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wenn großflächige Hautrötungen und andere Symptome eines Erythrasma bemerkt werden, sollte ein Arzt konsultiert werden. Sollten sich bereits Schuppen gebildet haben, wird am besten sofort medizinischer Rat eingeholt. Selbiges gilt bei starken Beschwerden wie Juckreiz oder Schmerzen im Genitalbereich und unter den Achseln. Werden diese Symptome festgestellt, so liegt auf jeden Fall eine ernste Hautkrankheit zugrunde. Ob es sich dabei um ein Erythrasma handelt, kann nur ein Dermatologe ermitteln.

Besonders gefährdet sind Menschen, die an einer Hyperhidrose, Diabetes mellitus oder Adipositas leiden. Auch eine vermehrte Schweißbildung oder eine auf andere Weise gestörte Hautflora stellen Risikofaktoren dar, die eine rasche Abklärung erfordern. Sollten sich im Verlauf der Behandlung Komplikationen einstellen, muss der zuständige Arzt informiert werden. Im Allgemeinen sollte die Therapie gut überwacht werden, um etwaige Folgebeschwerden frühzeitig erkennen und behandeln zu können. Neben dem Allgemeinmediziner oder dem Dermatologen kann mit einem Erythrasma auch zu einem Internisten gegangen werden. Bei starken Beschwerden ist ein Klinikbesuch angezeigt.

Behandlung & Therapie

Die therapeutischen Maßnahmen umfassen bei einem Erythrasma eine lokale Therapie der betroffenen Hautareale mit Imidazol-, Miconazol- oder Fusidinsäure-haltigen Salben bzw. Cremes oder Lösungen mit Erythromycin. Diese Substanzen trocknen die lokal behandelten Hautbereiche und wirken gleichzeitig antimikrobiell.

Zudem kann eine Kombination aus Acetylsalicylsäure (ASS) und Benzoesäure in Betracht kommen. Bei schwereren oder hartnäckigen Verläufen kann eine systemische Therapie mit Erythromycin (viermal täglich 250g) über einen Zeitraum von vierzehn Tagen angezeigt sein. Aufgrund der hohen Patientencompliance (Therapietreue) kann auch eine einmalige Therapie mit Clarithromycin (1000mg) infrage kommen.

Im Rahmen photodynamischer Therapiemaßnahmen, die eine Alternative zu den pharmakologischen Ansätzen darstellen, kann eine Rotlichtbehandlung angewendet werden. Einen bedeutenden Bestandteil der Therapiemaßnahmen stellt bei einem Erythrasma darüber hinaus eine konsequente Körperhygiene dar. Hierzu werden die Anwendung von sauren Seifen oder synthetischen Detergenzien (Syndets bzw. synthetisch hergestellte waschaktive Substanzen) zur Stabilisierung der Hautflora empfohlen, während Feuchtigkeit und fettende Cremes und Salben vermieden werden sollten.

Die betroffenen Hautareale sollten bei einem Erythrasma generell möglichst trocken gehalten (bspw. durch gründliches Abtrocknen nach dem Baden und Duschen). Bei Betroffenen mit Adipositas können ausgeprägtere Hautfalten (v.a. unter den Brüsten und in den Leisten) mit Hilfe von eingelegten Mullkompressen, Leinenläppchen und/oder feuchtigkeitsabweisenden Pudern vor Feuchtigkeit geschützt werden.

Darüber hinaus sollte zur Vermeidung einer erhöhten Schweißbildung bei einem Erythrasma luftdurchlässige bzw. atmungsaktive Kleidung getragen werden.

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Vorbeugung

Prophylaktisch kann bei zu Rezidiven neigenden Erythrasmen ein- bis zweimal monatlich ein antimikrobiell wirkendes Therapeutikum lokal appliziert werden. Zudem sollten die Prädilektionsstellen (bevorzugt befallene Bereiche) trocken gehalten und atmungsaktive Kleidung getragen werden. Auch eine Vermeidung von Adipositas durch sportliche Aktivität kann einem Erythrasma vorbeugen.

Das können Sie selbst tun

Ein Erythrasma ist eine harmlose bakterielle Infektion, die aber leicht chronisch werden kann. Betroffene sollten deshalb zeitnah einen Hautarzt konsultieren. Dies gilt insbesondere für Risikopatienten. Dazu zählen Personen, die an Diabetes mellitus leiden oder stark übergewichtig sind und Patienten mit schwachem Immunsystem.

Eine erfolgreiche Therapie setzt immer die Mithilfe des Patienten voraus. Wichtig ist ein hohes Maß an Körperhygiene. Die befallenen Areale müssen regelmäßig gereinigt werden. Dazu wird am besten ein leicht saures Reinigungsmittel verwandt, um das Hautmilieu zu stabilisieren. Darüber hinaus ist es wichtig, dass die Haut trocken gehalten wird. Nach dem Baden oder Duschen muss der Körper mit einem frischen, sauberen Handtuch vollständig getrocknet werden. Starkes Schwitzen ist eine der Ursachen für die Entstehung der Krankheit und sollte vermieden werden. Wenn das, wie zum Beispiel beim Sport, nicht möglich ist, muss zeitnah geduscht und der Körper anschließend trocken gerieben werden. Bei Personen, die an starkem Übergewicht leiden, befällt die Krankheit häufig die Hautfalten, da diese besonders warm und feucht sind. Um diese Areale trocken zu halten, können entweder Mullbinden eingelegt oder mehrmals täglich ein Körperpuder aufgetragen werden. Bei manchen Betroffenen können beide Maßnahmen gleichzeitig angezeigt sein.

Darüber hinaus sollte auf eng sitzende Kleidungsstücke verzichtet und vorwiegend lose sitzende, atmungsaktive Textilien getragen werden.

Bücher über Hautrötungen

Quellen

  • Dirschka, T., Hartwig, R.: Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2011
  • Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010
  • Sterry, W., Worm, M., Burgdorf, W.: Checkliste Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2014

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