Zystizerkose

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 28. Juli 2017
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Eine Zystizerkose beziehungsweise Infektion durch einen Schweinebandwurm, kann sich jeder Mensch zuziehen, der nicht gut erhitztes oder rohes Schweinefleisch isst, das in weiterer Folge Larven des Bandwurms (Finne) enthält. Der Befall des Bandwurms wird nicht bemerkt; nur in wenigen Fällen führt die Infektion tatsächlich zu Beschwerden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Zystizerkose?

Die Zystizerkose oder auch Infektion durch den Schweinebandwurm wird auch als sogenannte Taeniasis bezeichnet. Dies deshalb, da Bandwürmer, wie der Rinderbandwurm oder der Schweinebandwurm, der Gattung der Taenia angehören. So wird der Schweinebandwurm Taenia solium und der Rinderbandwurm Taenia saginata genannt. Bei den Bandwürmern handelt es sich um Parasiten. Jene benötigen, damit sie überleben, einen Wirt.

Die Schweinebandwürmer (sogenannte Plattwürmer) leben im Darm und können, neben wenige Millimeter, durchaus eine Größe von mehreren Metern erreichen. Dabei durchläuft der Bandwurm einen bestimmten Zyklus, wobei - je nach Entwicklungsstadium - ein Wirtswechsel durchgeführt wird. Der Zwischenwirt des Bandwurms ist das Schwein; der Endwirt ist im Regelfall der Mensch, auch wenn der Bandwurm den Mensch durchaus auch als Zwischenwirt nutzen kann. Im Rahmen jenes Stadiums können durchaus starke Beschwerden auftreten, die sofort medizinisch behandelt werden müssen.

Ursachen

Die Ursache liegt vorwiegend in der Tatsache des Verzehrs von nicht genug erhitztem oder rohem Schweinefleisch, welches Larven des Bandwurms enthielt. Der Übertragungsweg des Bandwurms hängt mit dessen Lebenszyklus zusammen; so infiziert der Bandwurm im Normalfall das Schwein sowie den Menschen, sodass ein abwechselnder Wirtswechsel entstehen kann.

Die Entstehung des Bandwurms - durch den Verzehr von rohem oder auch nicht stark genug erhitztem Schweinefleisch - beginnt mit der Tatsache, dass die Finnen in den menschlichen Darm gelangen. Danach bildet sich aus der Kopfanlage der Wurmkopf. Jener heftet sich mit dem Hakenkranz an die Darmwand. Danach beginnt die Reifung des Wurms. Bis alle Gliederketten ausgewachsen sind, können mehrere Wochen vergehen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Auch wenn der Befall jahrelang unbemerkt bleiben kann, gibt es durchaus Symptome, die auftreten können. Betroffene klagen oftmals über Appetitlosigkeit, Übelkeit sowie Erbrechen, Gewichtsverlust sowie Anämie (Blutarmut). In vielen Fällen berichteten Betroffene auch von einem starken Juckreiz des Afters.

Liegt ein starker Befall vor, beziehungsweise wird der Mensch als Zwischenwirt gesehen und die klassische Zystizerkose tritt ein, können mitunter Krampfanfälle, Kopfschmerzen oder auch Schwindel auftreten. In wenigen Fällen leiden Patienten unter Sehstörungen, einem Hydrozephalus (Wasserkopf) oder auch einer Meningitis (Hirnhautentzündung). Selten entstehen Schäden des Herzmuskels sowie der Skelettmuskulatur. Jene Symptome sollten auf keinen Fall unterschätzt werden; der Patient muss sofort medizinisch behandelt werden.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Der Mediziner entnimmt, bei Verdacht auf Zystizerkose, eine Stuhlprobe. Unter einem Mikroskop kann festgestellt werden, ob Bandwurm-Eier im Stuhl vorhanden sind. Die Proglottiden - Glieder des Wurms - können nur nachgewiesen werden, wenn sie bereits im Darm zerfallen sind. Mittels Immunfluoreszenz und ELISA stehen zwei weitere Techniken zur Verfügung, die im Rahmen der Diagnose verwendet werden können.

Die Mediziner bzw. das Laborpersonal beginnt mit der Ausweisung der Wurm-Partikel (Antigene), welche als klassische Reaktion des menschlichen Immunsystems ausgelöst und nachgewiesen werden können, sowie auch Antikörper, welche ebenfalls als Reaktion gebildet werden. Indirekte Hinweise können Verkalkungen im Gewebe darstellen, welche jedoch nur sehr schwer sichtbar auf Röntgenbildern erkennbar sind. Erkennen Mediziner auf dem Röntgenbild tatsächlich „Verkalkungen“, so handelt es sich um die Finnen der Zystizerkose, die sich abgelagert haben.

Im Regelfall nimmt die Krankheit einen relativ unkomplizierten Verlauf. Zu beachten ist, dass eine derartige Erkrankung nur selten vorkommt; vor allem, weil im mitteleuropäischen Raum vorwiegend auf rohen oder ungenügend erhitzten Schweinefleischkonsum verzichtet wird. Gefährlich wird es jedoch, wenn sich die Larven weiterentwickeln. Im Rahmen der Zystizerkose können Larven das Muskelgewebe, die Augen oder auch das Gehirn befallen. In jenen Fällen muss der Betroffene schnell und effektiv behandelt werden, damit etwaige weitere Folgeschäden verhindert werden können.

Therapie & Behandlung

Im Rahmen der Therapie spielt der Schweinebandwurm die Hauptrolle. Das Augenmerk liegt darin, dass der Wurm entfernt wird. Dabei werden etwa Wirkstoffe wie Praziquantel oder auch Niclosamid verschrieben; jene Wirkstoffe sollen dazu führen, dass die Würmer abgetötet werden. Mitunter können die Würmer auch „gelähmt“ werden, sodass es ihnen unmöglich wird, sich am Darm „festzuhalten“. In weiterer Folge werden die Würmer - im Rahmen des Stuhlgangs - ausgeschieden.

Die Dauer sowie auch der Erfolg der Therapie hängen davon ab, inwiefern die Krankheit fortgeschritten ist. Jedoch muss der Patient damit rechnen, dass die Therapie durchaus mehrere Wochen dauern kann. Auf Grund der Therapie werden relativ viele Schweinebandwurm-Antigene freigegeben. Antigene sind nichts anderes als Bestandteile, auf welche das menschliche Immunsystem reagiert. Mitunter klagen Betroffene über Überempfindlichkeitsreaktionen oder enorme Nebenwirkungen, die vor allem zu Beginn der Therapie belastend sein können.

Aus diesem Grund verabreichen die Mediziner auch Kortison, sodass die Abwehrreaktion des Körpers gedämpft wird. Wird festgestellt, dass der Mensch jedoch nichts anderes als ein Zwischenwirt ist, kann sich der Wurm auch im Nervengewebe verkapseln. Liegt eine Zystizerkose vor, muss eine mehrtätige Praziquantal-Therapie verabreicht werden.

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Vorbeugung

Wichtig ist, dass der Verzehr von rohem oder auch ungenügend erhitztem Schweinefleisch vermieden wird. Nur so ist es möglich, dass eine Zystizerkose verhindert werden kann.

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Quellen

  • Hahn, H., et al.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer, Berlin 2012
  • Suttorp, N., et al.: Infektionskrankheiten. Thieme, Stuttgart 2004
  • Wenk, P., Renz, A.: Parasitologie. Thieme, Stuttgart 2003

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