Zystische Echinokokkose

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 10. April 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Bei der zystischen Echinokokkose handelt es sich um eine spezielle Form der Echinokokkose, deren Ursache in einer parasitären Infektion liegt. Der verantwortliche Erreger ist Echinococcus granulosus, der zu den Bandwürmern gerechnet wird. Die Erkrankung entsteht, wenn die Finne der Parasiten zystische Strukturen im Zwischenwirt ausbilden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine zystische Echinokokkose?

Eine Infektion des Menschen erfolgt in der Regel, indem die betroffenen Personen die Larven des Bandwurms auf oralem Weg in den Organismus aufnehmen.
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Die zystische Echinokokkose wird mitunter auch Echinokokkenblase, Blasenwurm und Hydatidenzyste genannt. Die Zysten breiten sich stark aus, sodass es zu einer Verdrängung des benachbarten organischen Gewebes kommt. Im überwiegenden Teil der Fälle wird der Mensch durch den sogenannten Hundebandwurm infiziert.

Der Mensch nimmt für diesen Bandwurm die Position eines Zwischenwirtes ein, während Tierarten wie Hund oder Wolf potenzielle Endwirte darstellen. Das deutsche Infektionsschutzgesetz sieht vor, dass sämtliche Infektionen mit dem entsprechenden Bandwurm ärztlich meldepflichtig sind.

Grundsätzlich ist Echinococcus granulosus auf der ganzen Welt beheimatet. Insbesondere ist er jedoch in südlichen Regionen wie dem mediterranen Raum verbreitet. Eine Infektion des Menschen erfolgt in der Regel, indem die betroffenen Personen die Larven des Bandwurms auf oralem Weg in den Organismus aufnehmen.

Ursachen

Die zystische Echinokokkose entwickelt sich, nachdem die Larven des Bandwurms in den Körper des Menschen gelangt sind. Zunächst schlüpfen die Wurmlarven im Inneren des Darms, von wo aus sie sich zur Leber bewegen. Im späteren Verlauf des Befalls breiten sie sich nach Möglichkeit auch in andere Körperorgane aus und bevorzugen insbesondere die Lungen.

Die Inkubationszeit ist vergleichsweise lang, sodass viel Zeit bis zur Manifestation erster Beschwerden vergeht. Typisch für Zysten der zystischen Echinokokkose sind Kapseln von Bindegewebe, die die Gebilde umgeben.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Symptome und Beschwerden der zystischen Echinokokkose umfassen ein relativ großes Spektrum. Grundsätzlich verläuft die Erkrankung von Patient zu Patient unterschiedlich und hängt in erster Linie davon ab, in welchem Bereich des Körpers und in welchen Organen sich die Zysten befinden. Auch die Ausprägung und Stärke der Immunreaktion des Organismus wirkt sich auf die Beschwerden aus.

Im überwiegenden Teil der Fälle sind die Zysten in Lunge und Leber zu finden. Meist zeichnen sich die Zysten durch ein gemächliches Wachstum aus, sodass es lange Zeit nicht zu Symptomen kommt. Die Beschwerden bilden sich vor allem dann, wenn die Zysten zu viel Platz beanspruchen und dadurch andere Organe verdrängen.

Außerdem bilden sich Symptome, wenn sich eine durch Bakterien verursachte Superinfektion im befallenen Organismus bildet. Schließlich führen auch die Entstehung von Fisteln und anaphylaktische Effekte zum vorzeitigen Auftreten von Beschwerden. Andernfalls bleiben der Befall mit den Bandwürmern und die zystische Echinokokkose lange unentdeckt.

Weitaus seltener als in Leber und Lunge bilden sich auch in Herz, Nieren oder Knochen die typischen Zysten. Dabei treten wiederum andere Symptome auf. Grundsätzlich ist die Inkubationszeit variabel und erstreckt sich über einen Zeitraum von einigen Monaten bis mehreren Jahren. Das Alter der betroffenen Patienten spielt für den Befall mit den Bandwürmern ebenfalls keine Rolle.

Beobachtungen weisen allerdings darauf hin, dass die zystische Echinokokkose gehäuft bei Personen zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr auftritt. Die Finne des Hundebandwurms erscheint als Blase, die mit einer Flüssigkeit ausgefüllt ist. Die Reaktion des menschlichen Körpers auf diese Zyste besteht darin, Bindegewebe um die Blase herum aufzubauen. Auf diese Weise entstehen die sogenannten Brutkapseln. In diesen entwickeln sich nach einiger Zeit die Bandwürmer.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Eine Diagnose der zystischen Echinokokkose erfolgt in zahlreichen Fällen entweder durch Zufall im Rahmen anderer Untersuchungen oder relativ spät, wenn die Erkrankung bereits erhebliche Beschwerden verursacht. Sobald sich der Verdacht auf das Vorliegen der zystischen Echinokokkose ergibt, sind die Symptome von einem Arzt abzuklären.

Hier wird zunächst eine gründliche Anamnese durchgeführt, wobei auch mögliche Kontakte zu Larven der Bandwürmer erörtert werden. Anhand der Beschreibungen des Patienten gewinnt der behandelnde Arzt bereits eine Vielzahl an wertvollen Hinweisen, die ihm bei der Stellung der Diagnose behilflich sind. Später werden klinische und dabei vor allem bildgebende Verfahren eingesetzt, um die zystische Echinokokkose zu diagnostizieren.

Im Rahmen der Bildgebung sind Zysten und deren Lokalisation nachweisbar. Laboranalysen liefern Hinweise über entsprechende Antikörper. Auch CT- und Röntgenuntersuchungen eignen sich zur Diagnosestellung der zystischen Echinokokkose. Im Hinblick auf die Differenzialdiagnose schließt der Arzt zum Beispiel Amöbenabszesse oder Tumoren aus.

Komplikationen

In der Regel treten beim Befall mit dem Hundebandwurm kaum Beschwerden auf. In seltenen Fällen kann es jedoch sogar zu teils schweren Komplikationen kommen. Erst wenn eine große Anzahl von Zysten entstanden ist, können sie Druck auf Blutgefäße und Gallenwege ausüben. Es treten dann Spannungsgefühle, Bauchschmerzen und in manchen Fällen auch Gelbsucht auf.

Der Verlauf der Erkrankung ist unterschiedlich, weil außer der Leber auch die Lunge, die Niere, das Herz oder gar das Gehirn befallen sein kann. Allerdings ist meist immer nur ein Organ betroffen. In schweren Fällen kann es in der Leber zu Blutungen und irreversiblen Organschädigungen kommen. Abgestorbene Parasiten hinterlassen Zufallshöhlen, in denen es auch zu Einblutungen kommen kann. Dann besteht auch die Gefahr von bakteriellen Superinfektionen, die sogar bis zur Sepsis führen können.

Bei Befall der Lunge kann es zum Platzen von Lungenzysten kommen, die zu Blutungen führen und zusammen mit starkem Husten und Atembeschwerden auftreten. Wenn das zentrale Nervensystem und vor allem das Gehirn befallen sind, treten verschiedenartige oft irreversible neurologische Störungen auf. In manchen Fällen kann der Parasit mit Hilfe medikamentöser und chirurgischer Behandlung nicht vollständig beseitigt werden. Im Rahmen einer sehr gefährlichen Komplikation, dem anaphylaktischen Schock, ist jedoch in sehr seltenen Fällen aufgrund einer massiven Reaktion des Immunsystems sogar eine Spontanheilung möglich.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Charakteristisch für die Erkrankung ist eine schleichende und stetige Zunahme von verschiedenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Diese zeigen sich bei jedem Patienten individuell und sollten einem Arzt vorgestellt werden, sobald sie vom Betroffenen bewusst wahrgenommen werden. Allgemeine Funktionsstörungen, ein Krankheitsgefühl sowie eine innere Schwäche deuten auf das Vorliegen einer gesundheitlichen Störung hin. Kommt es zu einem Engegefühl im Organismus, klagt der Betroffene über eine Druckempfindlichkeit oder zeigt sich eine Sensibilitätsstörung, sind die Beobachtungen von einem Arzt untersuchen zu lassen. Unregelmäßigkeiten der Verdauung, Veränderungen des Hautbildes sowie eine abnehmende allgemeine Belastbarkeit des Organismus sind Hinweise, denen nachgegangen werden sollte. Ein Arztbesuch ist notwendig, damit eine Abklärung der Beschwerden erfolgen kann.

Bei Schmerzen, einer Geräuschentwicklung während des Verdauens oder Unregelmäßigkeiten der Atemtätigkeit wird eine ärztliche Untersuchung benötigt. Kommt es zu Auffälligkeiten des Herzrhythmus, Veränderungen des Blutdrucks Einschränkungen der Mobilität und einer Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit, ist ein Arzt zu konsultieren.

Kopfschmerzen, eine innere Unruhe sowie Mattigkeit sollten ebenfalls begutachtet werden. Schlafstörungen und Abgeschlagenheit sind weitere gesundheitliche Unregelmäßigkeiten, die auf das Vorliegen einer Erkrankung hindeuten. Sobald die Beschwerden anhalten, sollten sie einem Arzt vorgestellt werden. Zeigen sich Veränderungen des gewohnten Verhaltens, liegen Stimmungsschwankungen vor oder eine innere Gereiztheit, sollte diesen Unregelmäßigkeiten ebenfalls nachgegangen werden.

Behandlung & Therapie

Die zystische Echinokokkose wird dann therapiert, wenn sie Beschwerden verursacht. Jedoch kommt auch bei Zysten, die keinerlei Symptome auslösen, in der Regel eine medikamentöse Therapie zum Einsatz. Dabei wird bevorzugt der Wirkstoff Albendazol angewendet. Neben einer Behandlung mit diversen Arzneimitteln besteht auch die Möglichkeit, chirurgische Eingriffe durchzuführen.

Das Ziel solcher Verfahren besteht darin, Zysten in der Leber zu entfernen. Nach der Entfernung wird der Bereich mit einer Lösung aus Kochsalz gereinigt. Außerdem wird unter Umständen eine sterilisierende Mischung injiziert. Auch in solchen Fällen kommt das Medikament Albendazol zum Einsatz.


Vorbeugung

Der zystischen Echinokokkose lässt sich vorbeugen, indem der Befall des Organismus mit den Larven des Hundebandwurms vermieden wird. Dies ist in erster Linie durch die Einhaltung hygienischer Standards zu erreichen.

Nachsorge

Bei einer Echinokokkose sind die Maßnahmen einer direkten Nachsorge in den meisten Fällen deutlich eingeschränkt. Sie stehen dem Betroffenen mitunter gar nicht erst zur Verfügung, sodass bei dieser Krankheit in aller erster Linie schon sehr frühzeitig ein Arzt aufgesucht werden sollte, damit es nicht zu anderen Komplikationen und Beschwerden kommt. Je eher dabei ein Arzt aufgesucht wird, desto besser ist in der Regel auch der weitere Verlauf der Erkrankung.

Die Betroffenen selbst sind bei einer Echinokokkose meist auf die Einnahme von verschiedenen Medikamenten angewiesen. Dabei sollte immer eine regelmäßige Einnahme und auch die richtige Dosierung beachtet werden, um den Beschwerden richtig und dauerhaft entgegenzuwirken. Weiterhin sind auch regelmäßige Kontrollen und Untersuchungen durch einen Arzt sehr wichtig.

Dadurch können weitere Schäden erkannt werden. Sollte die Echinokokkose durch einen operativen Eingriff behandelt werden, wird Betroffenen nach dem Eingriff angeraten, sich zu schonen und auszuruhen. Von stressigen Tätigkeiten oder von anstrengenden Bewegungen sollte abgesehen werden. Die Krankheit selbst verringert meist nicht die Lebenserwartung des Betroffenen, wenn sie richtig behandelt wird. Allerdings hängt der weitere Verlauf auch sehr stark vom Zeitpunkt der Diagnose der Erkrankung ab.

Das können Sie selbst tun

Bis es zu dieser Diagnose kommt, ist meist sehr viel Zeit vergangen und der Patient ist bereits in ärztlicher Behandlung. Je nachdem, was der Arzt rät, wird der Patient Medikamente bekommen oder sich sogar operativen Eingriffen unterziehen müssen. Wie bei allen Operationen ist hier eine gute Compliance wichtig, damit es nicht zu unnötigen prä- oder post-operativen Komplikationen kommen kann. Dazu gehört unter anderem, die behandelnden Ärzte und Chirurgen über alle eingenommenen Medikamente und alle bekannten Vorerkrankungen zu informieren, um das Narkoserisiko zu minimieren.

Um den Verlauf der Gesundung zu unterstützen, sollten die Patienten vor und nach dem Eingriff für einen guten Allgemeinzustand sorgen. Wer auf Genussgifte wie Nikotin oder Alkohol verzichtet und sich stattdessen gut ernährt, Stress meidet, regelmäßige Schlafenszeiten einhält und auf einen regelmäßigen sportlichen Ausgleich achtet, aktiviert und unterstützt sein körpereigenes Immunsystem und kann so entscheidend dazu beitragen, sich von der Zystischen Echinokokkose schnell zu erholen.

Insbesondere die Bewegung in der frischen Luft, vorzugsweise auf dem Land oder im Wald, aktiviert das Herz-Kreislaufsystem um damit auch das Immunsystem. Gerade wenn im Vorfeld die Patienten über einen Leistungsabfall, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit und Schlafstörungen geklagt haben, sind beispielsweise tägliche, ausgedehnte Waldspaziergänge eine gute Möglichkeit, die eigenen Kräfte wiederzuerlangen.

Quellen

  • Darai, G., Handermann, M., Sonntag, H.-G., Zöller, L. (Hrsg.): Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen. Springer, Berlin 2012
  • Suttorp, N., et al.: Infektionskrankheiten. Thieme, Stuttgart 2004
  • Wenk, P., Renz, A.: Parasitologie. Thieme, Stuttgart 2003

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