Viszerale Leishmaniose (Kala Azar)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. November 2017
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Viszerale Leishmaniose (Kala Azar) ist eine Infektionskrankheit, die auf einen in tropischen und subtropischen Gebieten verbreiteten parasitären Erreger (Leishmania) zurückzuführen ist. In Abhängigkeit vom Erregersubtyp kann eine viszerale Leishmaniose einen schweren Verlauf aufweisen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist viszerale Leishmaniose?

Als viszerale Leishmaniose (Kala Azar) wird eine in Deutschland selten anzutreffende Infektionskrankheit bezeichnet, die auf eine Übertragung des parasitären Infektionserregers (Leishmania) durch Insekten (Schmetterlingsmücken, Sandfliegen) zurückzuführen ist.

Die Erreger der viszeralen Leishmaniose gehören zur Klasse der Protozoen (tierische Einzeller), den so genannten Mastigophora (auch: Geißeltierchen), die in Asien (v.a. Indien), Afrika, Südamerika sowie im Mittelmeerraum verbreitet sind. In den meisten Fällen infizieren sich Betroffene während ihrer Reisen in diese Länder mit dem Erreger.

Während andere Formen der Leishmaniose die Haut (kutane Leishmaniose) oder Haut und Schleimhaut (mukokutane Leishmaniose) betreffen, sind bei der schwersten Infektion mit Leishmania, der viszeralen Leishmaniose, die inneren Organe, insbesondere Milz, Leber, Lymphknoten und Knochenmark, betroffen. Daneben können Hautveränderungen in Form von dunklen Flecken auftreten, woraus sich der indische Ausdruck für viszerale Leishmaniose Kala Azar („schwarze Haut“) herleitet.

Ursachen

Die viszerale Leishmaniose wird durch einen parasitären Erreger (Leishmania donovani, L. chagasi, L. infantum) hervorgerufen, der zur Klasse der Mastigophora gehört. Die Infektion mit einer viszeralen Leishmaniose erfolgt über Stiche bestimmter Insektenarten (Sandfliegen), die sich im Vorfeld bei infizierten Wirbeltieren (Maus, Wolf, Hund) infiziert haben.

Nach dem Insektenstich dringen die Leishmanien in das Monozyten-Makrophagen-System ein, das in Kooperation mit den Lymphozyten an der Immunregulierung beteiligt ist und Abbau- und Fremdsubstanzen beseitigt, und vermehren sich.

Zum Monozyten-Makrophagen-System gehören unter anderem das retikuläre Bindegewebe in lymphatischen Organen, die Kupffer-Sternzellen der Leber sowie Histiozyten der Haut. Entsprechend stark betroffen sind diese Organsysteme. Neben der indirekten Infektion durch Insektenstiche ist eine direkte Übertragung durch Organtransplantationen sowie Blutspenden möglich.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Die viszerale Leishmaniose äußert sich nach einer Inkubationszeit von 10 Tagen bis 10 Monaten (gelegentlich länger) anhand charakteristischer Symptome wie schleichender oder plötzlicher Erkrankungsbeginn mit wochenlangem remittierendem Fieber, Bauchschmerzen, Hepatosplenomegalie (Leber- und Milzvergrößerung), Anschwellen der Lymphknoten, ausgeprägter hypochromer Anämie (Hämoglobinmangel), Thrombozytopenie (Thrombozytenmangel) sowie dunkler, fleckiger Hautpigmentierung, Amyloidose (Proteinablagerungen) und Kachexie (Abmagerung).

Eine viszerale Leishmaniose wird anhand eines Erregernachweises im Knochen-, Milz-, Leber- oder Lymphknotenpunktat gesichert. Im fortgeschrittenen Erkrankungsstadium ist bei viszeraler Leishmaniose in einigen Fällen eine Punktion nicht mehr möglich, so dass die Diagnose anhand serologischer Untersuchungen (Immunfluoreszenzverfahren, ELISA-Technik) gesichert wird. Zur Bestimmung des Immunstatus des Betroffenen kann ein Leishmaninreaktionstest durchgeführt werden.

Der Verlauf einer viszeralen Leishmaniose hängt im starken Maße vom Erregersubtyp ab. Während Leishmania chagasi und Leishmania infantum oftmals keine Symptome hervorrufen und von selbst heilen, können die in vielen Fällen langwierigen Infektionen mit Leishmania donovani unbehandelt letal verlaufen.

Komplikationen

Bei Kala Azar leiden die Betroffenen an verschiedenen Hautveränderungen. Diese wirken sich sehr negativ auf die Ästhetik des Betroffenen aus und können dabei auch zu Minderwertigkeitskomplexen oder zu einem deutlich verringerten Selbstwertgefühl beim Patienten führen. Bei Kindern kann die Krankheit damit auch Mobbing oder Hänseleien auslösen.

Weiterhin führt Kala Azar zur Ausbildung von Geschwüren und weiterhin zu einem starken Gewichtsverlust des Patienten. Die Betroffenen leiden mitunter an Durchfall und Erbrechen und können dabei auch starke Schmerzen im Bereich des Bauches verspüren. Weiterhin schwellen auch die Lymphknoten des Betroffenen an und es kommt zu Fieber.

Die Patienten wirken abgeschlagen und müde und können dadurch keine anstrengenden Tätigkeiten mehr ausführen. In der Regel wirkt sich die Krankheit negativ auf das Leben und den Alltag des Betroffenen aus. In den meisten Fällen kann Kala Azar relativ gut mit Hilfe von Medikamenten behandelt werden.

Dabei treten keine besonderen Komplikationen auf und die Beschwerden werden deutlich gelindert. In einigen Fällen können die Medikamente allerdings zu Nebenwirkungen führen. Bei einer erfolgreichen Behandlung wird die Lebenserwartung des Patienten nicht verringert.

Behandlung & Therapie

Die viszerale Leishmaniose wird systemisch mit Ambisome (liposomales Amphotericin B) therapiert. Liposomales Amphotericin B ist in den meisten Fällen gut verträglich und wird im Rahmen einer 10 bis 20-tägigen Therapie intravenös infundiert.

Bei Unverträglichkeit oder Nichtansprechen auf die Therapie mit liposomalem Amphotericin kommen bei viszeraler Leishmaniose alternativ Miltefosin und 5-wertige Antimonpräparate zum Einsatz. Miltefosin wird einen Monat lang zweimal täglich oral in Tablettenform verabreicht und verursacht lediglich geringfügige gastrointestinale Beschwerden (episodenhafter Durchfall oder Erbrechen).

Fünfwertige Antimonen (Natrium-Stibogluconat, Meglumin-Antimonat) werden hingegen intramuskulär oder intravenös im Rahmen einer durchschnittlich 28-tägigen Therapie im Krankenhaus vom Arzt gespritzt, wobei ein länger andauernder dumpfer Schmerz bei der Injektionsstelle sowie Übelkeit und Kopfschmerz Nebenwirkungen darstellen können.

In einigen Fällen ist eine Therapie mit Antimonen bei einer viszeralen Leishmaniose unwirksam, da die Infektionserreger Resistenzen gegen diesen Wirkstoff entwickelt haben. Daneben werden auch Pentamidin sowie das Antibiotikum Paromycin als Antiprotozoenmittel gegen viszerale Leishmaniose eingesetzt.

Pentamidin führt allerdings zu ausgeprägten Nebenwirkungen und beeinträchtigt unter anderem in über 10 Prozent der Betroffenen Störungen des Glukosestoffwechsels (Diabetes mellitus).

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Vorbeugung

Da eine viszerale Leishmaniose über Insekten auf den Menschen übertragen wird, sollten bei Reisen in Gebiete wie Asien, in erster Linie Indien, Afrika, Mittelmeerraum sowie Südamerika entsprechende Vorsorgemaßnahmen zum Schutz vor Mückenstichen getroffen werden. Hierzu gehören das Tragen geeigneter, langärmeliger Kleidung sowie der Gebrauch eines engmaschigen Moskitonetzes während des Schlafens. Bislang existiert keine Schutzimpfung vor einer viszeralen Leishmaniose.

Bücher über Tropenkrankheiten

Quellen

  • Diesfeld, H.J., Krause, G., Teichmann, D.: Praktische Tropen- und Reisemedizin. Thieme, Stuttgart 2003
  • Kretschmer, H., Kusch, G., Scherbaum, H. (Hrsg.): Reisemedizin. Beratung in der ärztlichen Praxis. Urban & Fischer, München 2005
  • Suttorp, N., et al.: Infektionskrankheiten. Thieme, Stuttgart 2004

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