Verätzung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 20. November 2017
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Eine Verätzung entsteht, wenn die Haut oder andere Teile des Körpers mit chemischen oder organischen Lösungen in Verbindung kommen, welche eine zerstörende Reaktion hervorrufen. Verätzungen hinterlassen meistens tiefe Wunden, verursachen starke Schmerzen und müssen vor allem in drastischen Fällen fachmännisch versorgt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Verätzung?

Von einer Verätzung spricht man in der Fachmedizin, wenn die Haut, die Schleimhäute oder das Gewebe des Körpers durch den Kontakt mit einer chemischen oder organischen Substanz, etwa Laugen und Säuren, in Verbindung kommen.

Je nach Zusammensetzung und Konzentration der Lösung kann diese mehr oder weniger starke Verätzungen hervorrufen. Hier muss unbedingt zwischen den Lösungen und deren Gefahrenpotenzial unterschieden werden, denn es gibt weniger aggressive und extrem aggressive Substanzen. Zwei weitere Rollen, die die Schwere der Verätzung beeinflussen, spielen die Sensibilität der betroffenen Körperstelle und die Dauer, der die Haut der Säure oder Lauge ausgesetzt ist.

Bestimmte Hautpartien sind weniger empfindlich als andere, was weniger starke Wunden und Narben zur Folge haben kann. Die sensibelste Hautpartie sind die Schleimhäute, die eindringenden Säuren und Laugen nur wenig Widerstand leisten.

Ursachen

Die Hauptursache ist der Kontakt mit der Haut, die zweite „Ursache“ ist die Reaktion, welche die Substanz auf dieser entfaltet. Säuren führen zum Beispiel zu einer oberflächlichen Abtötung der Hautzellen, die je nach Säuretyp und Konzentration Wunden verursachen sowie oberflächliche Gerinnungen und Verklumpungen der Zellen hervorrufen kann.

Dies lässt sich am besten mit einer Verbrennung vergleichen, bei der die Hautoberfläche ebenfalls verklumpt und gerinnt. Dadurch kann die Flüssigkeit jedoch nicht mehr tiefer ins Gewebe vordringen. Anders sieht es bei Verätzungen mit starken Säuren aus (etwa Schwefelsäure), welche durch die starke Aggression direkt bis tief ins Gewebe vordringen. Dabei greifen sie das Gewebe und die darüber liegenden Hautschichten an.

Laugen dringen hingegen ebenfalls direkt ins Gewebe ein und töten die darüber liegenden Hautschichten ab. Eine Lauge reagiert jedoch anders auf die Eiweiße der Haut als eine Säure. Hier verklumpt die Oberfläche nicht, sondern sie verflüssigt sich. Das ermöglicht der Lauge, immer tiefer in das Gewebe einzudringen. Problematisch ist hier, dass durch Laugen verursachte Verätzungen erst einmal weniger drastisch erscheinen, aber schwerwiegende Folgen haben können.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Als Erstmaßnahme werden Verätzungen der Haut mit reichlich fließendem Wasser gespült. Klicken, um zu vergrößern.

Verätzungen zeigen sich durch starke und verbrennungsähnliche Rötungen, durch rissige und blutige Hautstellen, durch eine aufgelöste Hautoberfläche und gehen mit Schmerzen einher.

Jedoch kann nur ein Arzt die Schwere der Verätzung gezielt diagnostizieren und so umgehend die richtige Behandlung einläuten.

Denn je nach Art des Lösungsmittels kann diese bei einer falschen oder ausbleibenden Behandlung sogar die inneren Organe angreifen oder zu Teilen in den Blutkreislauf geraten. Deshalb ist es ungemein wichtig bei schwer einzuschätzenden oder bei schweren Verätzungen sofort den Notdienst zu alarmieren, den Verletzten ruhig zu stellen und die betroffene Haut von Kleidung und Co. zu befreien.

Komplikationen

Aufgrund des Flüssigkeitsverlusts kann es zu einer Dehydration kommen. Insbesondere großflächige Verätzungen rufen dann auch neurologische Ausfallerscheinungen hervor. Ist der Mund- und Rachenraum betroffen, kann es zu einer Atemnot kommen und in schweren Fällen droht sogar das Ersticken.

Verätzungen durch Laugen können vor allem an den Schleimhäuten schwere Schäden hervorrufen. Besonders gefährdet sind Augen-, Mund-, und Rachenraum, denn dort kann eine Verätzung schnell zu einem Durchbruch führen und die unter der Haut befindlichen Muskeln und Nerven schädigen. Anschließend kann die Haut vernarben, wodurch die Organfunktion dauerhaft geschädigt wird.

Kommt das Lösungsmittel in Kontakt mit den inneren Organen oder gerät in den Blutkreislauf, kann dies ernste gesundheitliche Komplikationen hervorrufen. Im Extremfall treten bleibende Organschäden auf oder es kommt zu einer Blutvergiftung. Auch Vergiftungen sind nicht auszuschließen. Bei der operativen Behandlung einer Verätzung besteht immer die Gefahr von weiteren Verletzungen oder Infektionen.

Eine unsachgemäße Nachsorge kann zu Wundheilungsstörungen führen, die oft in Narben resultieren. Werden Schmerzmittel eingesetzt, können Neben- und Wechselwirkungen nicht ausgeschlossen werden. Gelegentlich kommt es zu allergischen Reaktionen auf die verwendeten Materialien und Medikamente.

Behandlung & Therapie

Je nach Lösungsmittel kann man die entstandenen Wunden mit viel Wasser ausspülen, da das jedoch nicht immer die gewünschte Wirkung zeigt, sollte dies wirklich nur im Notfall ohne fachärztliche Anweisung passieren.

Bereits der telefonisch alarmierte Notdienst kann hier übrigens hilfreiche Anweisungen geben. Ein Facharzt wird die Wunde eingehend untersuchen, sich über den Typ der Säure oder Lauge informieren und dann entsprechend weiter vorgehen.

Manche Substanzen müssen erst einmal neutralisiert werden, bevor die Wunde gereinigt und verarztet werden kann. Hier greift man, wieder je nach Schwere der Verätzung, meistens auf keimfreie Verbände und eventuell auch auf heilungsfördernde Salben und Tinkturen zurück.

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Vorbeugung

Verätzungen kann man durch einen bedachten Umgang mit riskanten Lösungsmitteln entgegenwirken und indem man stets geeignete Schutzkleidung trägt. Zudem sollte man sich gerade bei starken Säuren und Laugen über deren Wirkung und Reaktion bei Hautkontakt informieren und ebenfalls in Erfahrung bringen, wie man im Falle einer Verätzung am besten vorgehen sollte. So lässt sich zwar die Gefahr einer Verätzung nicht unbedingt minimieren, aber man weiß im Notfall schneller und gezielter richtig zu handeln, was die Schwere der Verletzung eindämmen könnte.

Bücher über Erste Hilfe

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Müller, S.: Notfallmedizin. Thieme, Stuttgart 2011
  • Ziegenfuß, T.: Notfallmedizin. Springer, Heidelberg 2011

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