Uterusatonie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 20. November 2017
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Als Uterusatonie wird eine Kontraktionsschwäche der Gebärmuttermuskulatur bezeichnet, die nach der Geburt des Kindes auftreten kann. Die Gebärmutter zieht sich dann nicht zusammen, wodurch ein lebensgefährlicher Blutverlust entstehen kann. Sie ist die häufigste Ursache für den Tod der Mutter nach der Geburt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Uterusatonie?

Als Uterus wird in der Medizin die Gebärmutter bezeichnet. Atonie bedeutet eine Muskelerschlaffung. Die Uterusatonie bezeichnet also eine Erschlaffung der Gebärmutter, die lebensbedrohliche Folgen für die Mutter haben kann. Sie kann nach der Geburt des Kindes eintreten, wenn sich die Gebärmuttermuskulatur nicht oder nur unvollständig zusammenzieht. Der Uterus ist in diesem Fall weich und von außen ertastbar, was für die Patientin schmerzhaft ist.

Bei der Mutter entsteht durch das fehlende Zusammenziehen ein überdurchschnittlicher Blutverlust, da sich die Blutgefäße auf diese Weise nicht schließen können. Durch die bleibende Öffnung tritt überdurchschnittlich viel Blut aus. Meist hat sich die Plazenta entweder nur in Teilen oder gar nicht von der Wand der Gebärmutter gelöst, was als Lösungsstörung bezeichnet wird. Andere Gründe sind ebenfalls erwiesen.

Ursachen

Die häufigste Ursache für die Uterusatonie ist eine Ablösungsstörung der Plazenta von der Gebärmutterwand. Hierbei wird der Mutterkuchen entweder gar nicht oder nur in Teilen ausgestoßen. Die blutende Plazenta oder ihre übrigen Reste bleiben im Uterus zurück. Dies kann durch eine Verwachsung der Plazenta mit der Wand der Gebärmutter bedingt sein, wenn sie bis in die Muskelschicht vordringt.

Wächst der Mutterkuchen auf einer alten Narbe, die beispielsweise durch eine Entfernung eines Tumors oder eine vorausgegangene Kaiserschnittgeburt entstanden ist, kann sie eine nur teilweise Lösung nach sich ziehen. Ein Krampf des inneren Muttermundes kann die Plazenta zurückhalten. In diesem Fall wird von einem eingeklemmten Mutterkuchen oder einer Placenta incarcerata gesprochen.

Eine weitere Ursache für die Rückbildungsstörung kann eine Überdehnung der Gebärmutter sein. Sie wird ausgelöst durch ein überdurchschnittlich großes Kind, Mehrlingsschwangerschaften oder sehr viel Fruchtwasser. Viele Geburten beanspruchen den Uterus genauso wie Entbindungen durch einen Kaiserschnitt. Auch eine Geburtszange oder eine Saugglocke, die als Hilfsmittel bei der Geburt des Kindes eingesetzt werden, können die Gebärmutter überdehnen.

Eine nachfolgende Kontraktion ist anschließend erschwert. Dauert die Geburt sehr lange an oder werden bestimmte Narkosegase verwendet, kann dies ebenfalls auf die Rückbildungseigenschaft der Gebärmutter einwirken. Werden bereits vor der Schwangerschaft so genannte Myome, also gutartige Tumore, in der Muskelschicht der Gebärmutter festgestellt oder liegt eine anatomische Fehlbildung des Uterus vor, können sie eine Atonie zur Folge haben.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Wird die Plazenta zirka eine halbe Stunde nach der Geburt ausgestoßen, gilt es, sie zunächst auf Vollständigkeit zu untersuchen. Ist sie es nicht, kann es zu schwallartigen Blutungen aus der Vagina kommen. Oftmals kollabiert der Kreislauf der Mutter recht schnell und es tritt ein Schockzustand ein.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Ist die Plazenta eine Stunde nach der Geburt des Kindes noch nicht ausgestoßen, muss gehandelt werden. Die Gebärmutter ist in diesem Fall weich und befindet sich meist oberhalb des Nabels. Wird Druck auf sie ausgeübt, empfindet die Patientin dies als schmerzhaft.

Komplikationen

Eine Uterusatonie kann unter Umständen schwerwiegende Komplikationen hervorrufen. Zunächst besteht die Gefahr, dass es bei der Geburt des Kindes zu einer starken Blutung kommt. Dadurch können Kreislaufbeschwerden, Blutarmut und gelegentlich auch ein Schock auftreten.

Begleitend dazu verspürt die Mutter meist starke Schmerzen, die den Geburtsvorgang erschweren können. Meist müssen Beruhigungsmittel verabreicht werden, die mit gesundheitlichen Risiken für das Kind und die Mutter verbunden sind. Bei einem schweren Verlauf kann das Kind nicht über den normalen Geburtsweg geboren werden, sondern mittels eines Kaiserschnitts zur Welt kommen.

Zwar handelt es sich dabei um einen Routineeingriff, dennoch können Komplikationen auftreten. So besteht die Gefahr, dass die inneren Organe, vor allem Blase, Darm und Gebärmutter, verletzt werden. Zudem kann es zu Infektionen und einem starken Blutverlust kommen. Nach der Operation leiden die betroffenen Frauen gelegentlich unter Wundheilstörungen oder Narbenschmerzen.

Mitunter kann sich die Wunde erneut öffnen und muss dann innerhalb eines zweites Eingriffs erneut geschlossen werden. Begleitend dazu sind die verordneten Beruhigungs- und Schmerzmittel immer mit gewissen Neben- und Wechselwirkungen verbunden. Allergiker erleiden möglicherweise einen allergischen Schock.

Behandlung & Therapie

Ist die Plazenta unvollständig abgestoßen worden, müssen die Reste per Ausschabung entfernt werden. Dies geschieht meist unter einer Narkose, da es schmerzhaft sein kann. Wurde der Mutterkuchen vollständig ausgestoßen und zieht sich die Gebärmutter dennoch nicht zusammen, werden zunächst Medikamente verabreicht. Sie heißen Uterotonika und sind Kontraktionsmittel, die Wirkstoffe wie Oxytocin oder Methylergometrin enthalten, um die Muskeln des Uterus zu unterstützen.

Anschließend wird der Inhalt der Gebärmutter ausgedrückt, damit der innere Widerstand nicht so groß ist und die Muskeln auch durch eine Bewegung angeregt werden. Die Harnblase der Mutter wird ebenfalls entleert. Kältereize durch das Auflegen von kühlenden Elementen unterstützen die kontraktierende Bewegung der Muskeln ebenfalls. Der von außen angewandte Credé-Handgriff unterstützt die Ablösung der Plazenta.

Führt dies nicht zum gewünschten Erfolg, kommt der Hamilton-Handgriff zum Einsatz. Hierbei wird die ganze Hand in die Scheide der Frau eingeführt. Sie wird zu einer Faust geballt, bei der die Fingerknöchel zur Vorderwand der Gebärmutter zeigen. Die andere Hand übt von außen ebenfalls Druck auf die Gebärmutter aus. Sie richtet die Gebärmutter auf und drückt sie gegen die innere Faust sowie das Schambein. So wird die Kompression der Gebärmutter unterstützt, die ein Schließen der großen Gefäße zur Folge hat. Die Gebärmutter soll auf diese Weise davor bewahrt werden, dass sie sich mit Blut anfüllt.

Eine Massage der Gebärmutter sollte die Kontraktion der Gebärmutter zum Abschluss bringen. Sie kann jedoch zu Nachwehen führen, die bis zu zwei Stunden andauern können. Haben an diesen Punkt alle Bemühungen keinen Erfolg gehabt, ist der letzte Ausweg zur Rettung des Lebens der Mutter die Entfernung der Gebärmutter.

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Vorbeugung

Die Patientin selbst kann zur Vorbeugung einer Uterusatonie nicht viel tun, außer regelmäßig zu den Vorsorgeuntersuchungen zu gehen. Während und nach einer Kaiserschnittgeburt kann der behandelnde Arzt entsprechende Medikamente wie Carbetocin oder auch Oxytocin verabreichen, um die Ablösung der Plazenta zu unterstützen. Zu bedenken ist auch, dass ein Wunschkaiserschnitt nicht zu empfehlen ist, da diese Geburtsart eine Uterusatonie begünstigt.

Bücher über Frauenleiden

Quellen

  • Beckermann, M.J.: Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Schwabe, Basel 2004
  • Schneider, H., Husslein, P., Schneider, K.T.M.: Die Geburtshilfe. Springer, Berlin Heidelberg 2011
  • Stauber, M., Weyerstrahl, T.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013

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