Pediatric Acute-onset Neuropsychiatric Syndrome

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 12. Juni 2017Geprüfte Qualität
Sie sind hier: Symptomat.deKrankheiten Pediatric Acute-onset Neuropsychiatric Syndrome

Unter dem Pediatric Acute-onset Neuropsychiatric Syndrome wird ein neuropsychiatrisches Syndrom verstanden. Es setzt sich aus zahlreichen unterschiedlichen Symptomen zusammen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Pediatric Acute-onset Neuropsychiatric Syndrome?

Das Pediatric Acute-onset Neuropsychiatric Syndrome wird in Kurzform auch als PANS bezeichnet. Gemeint ist damit eine neuropsychiatrische Störung, die plötzlich einsetzt. Sie zeigt sich das erste Mal im Kindes- oder Jugendalter. Dabei ist es gekennzeichnet von zwanghaften Verhaltensauffälligkeiten und Denkstörungen.

Ebenso gehören Tics sowie physisch-neurologische Auffälligkeiten zu den Merkmalen des Syndroms. Entdeckt wurde das Pediatric Acute-onset Neuropsychiatric Syndrome bei der PANDAS-Forschung, die sich mit dem neuropsychiatrischen Syndrom „Pediatric Autoimmune Neuropsychiatric Disorders Associated with Streptococcal Infections“ (PANDAS) befasste.

Die Forschungen fanden im US-amerikanischen NIMH-Institut in Bethesda (Maryland) statt. NIMH steht für „National Institute for Mental Heath“ und gilt weltweit als größtes Institut zur Erforschung von psychischen Erkrankungen. Es stellt eine Unterbehörde des amerikanischen Gesundheitsministeriums dar. Die Erforschung von PANS dauert nach wie vor an und befasst sich schwerpunktmäßig mit der Entstehung, Behandlung und Prognose des Syndroms.

Ursachen

Bislang war es noch nicht möglich, die exakten pathophysiologischen Ursachen für das Pediatric Acute-onset Neuropsychiatric Syndrome aufzuklären. Es wird in manchen Fällen vermutet, dass PANS die Folge von Infektionen mit Viren oder Bakterien ist. Als verdächtige Bakterien gelten unter anderem Mykoplasmen, Streptokokken und Borrelien. Aber auch genetische Veränderungen oder Störungen des Stoffwechsels werden als verdächtig eingestuft, für PANS verantwortlich zu sein.

So wurden Veränderungen von Stoffwechselprodukten wie Kynorenin und Entzündungsmarkern wie TNF-a und Neopterin beschrieben. Einige Wissenschaftler nehmen an, dass bestimmte Gehirnstrukturen durch immunologische Abläufe in Mitleidenschaft gezogen werden. Dies gilt insbesondere für die Region der Basalganglien.

Als prototypischen pathogenen Mechanismus betrachtet die Forschung die neurologische Erkrankung Chorea minor. Beim Pediatric Acute-onset Neuropsychiatric Syndrome sind jedoch die psychiatrischen Symptome dominierend. Das Syndrom ist verantwortlich für Denkstörungen, Zwangssymptome, motorische Störungen und Veränderungen des Verhaltens. Darüber hinaus kann PANS auch der Auslöser von Tic- und Zwangsstörungen bei erwachsenen Menschen sein.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Typisch für das Pediatric Acute-onset Neuropsychiatric Syndrome ist, dass die Beschwerden abrupt bei Kindern und Jugendlichen auftreten. Dabei entsprechen die Symptome einer Basalganglien-Dysfunktion. Darüber hinaus können sich viele unterschiedliche Beschwerden zeigen. Dazu gehören Aggressionen, aufsässiges Verhalten, Reizbarkeit, Ängstlichkeit, Depressionen, Rückschritte in der Verhaltensentwicklung sowie Verschlechterungen der schulischen oder beruflichen Leistungen.

Weiterhin kann es zu Schlafproblemen kommen, bei denen der REM-Schlaf oder Tag-Nachtrhythmus gestört ist. Ferner sind motorische oder sensorische Auffälligkeiten zu verzeichnen, zu denen zum Beispiel eine Verschlechterung der Handschrift zählt. Mitunter zeigen sich somatische Beschwerden wie Bettnässen (Enuresis) sowie eine veränderte Häufigkeit beim Wasserlassen.

Des Weiteren sind neurologisch-psychiatrische Auffälligkeiten wie Gedächtnisstörungen, kognitive Defizite oder Trennungsängste im Bereich des Möglichen. Nicht selten leiden die Patienten unter Tics oder Zwangsgedanken und verweigern die Aufnahme von Lebensmitteln.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Bei Verdacht auf ein Pediatric Acute-onset Neuropsychiatric Syndrome ist eine ärztliche Untersuchung notwendig. Der Arzt erstellt die Diagnose durch die Symptome, die bei PANS auftreten. Als charakteristisch gelten Tics, Denkstörungen, zwanghaftes Verhalten sowie die Weigerung zu essen. Darüber hinaus muss die Erkrankung bei einem Kind oder Jugendlichen vorkommen.

Als weiteres Kriterium gilt eine kurz zuvor aufgetretene Infektion. Ferner verlaufen die Beschwerden schubweise. Um den Verdacht auf PANS zu bestätigen, müssen mindestens zwei der Leitsymptome beim Patienten auftreten. Ein weiteres Diagnosekriterium stellt der Umstand dar, dass sich die Beschwerden nicht durch andere Krankheiten wie das Tourette-Syndrom, Chorea minor oder Lupus erythematodes erklären lassen.

Bei erwachsenen Personen existiert ein strukturell analoges Syndrom, das die Bezeichnung PIBS (Post-inflammatory Brain Syndrome) trägt. Grundsätzlich sind die Diagnosekriterien von PANS und PANDAS sehr ähnlich. Allerdings entsteht das Pediatric Acute-onset Neuropsychiatric Syndrome nicht zwangsläufig durch eine Infektion mit Streptokokken.

Seine Manifestation erreicht PANS in der Regel bei Kindern und Jugendlichen. Die Erkrankung kann bis ins Erwachsenenalter anhalten. Während manche Fälle einen akuten Verlauf nehmen, muss bei den meisten Patienten mit einer Chronifizierung gerechnet werden. In unterschiedlich starker Ausprägung besteht PANS dann das ganze Leben lang.

Behandlung & Therapie

Eine allgemein anerkannte Behandlung der Ursachen des Pediatric Acute-onset Neuropsychiatric Syndroms gibt es nicht. Grund dafür ist, dass sich sowohl PANS als auch dessen Subgruppen PANDAS und PITANDS noch in der Erforschungsphase befinden. Aus diesem Grund beschränkt sich die Therapie des Syndroms auf die Symptome.

Als mögliche Therapieoptionen werden vom NIMH-Institut antibiotische und immunbasierte Behandlungsformen genannt. Sind Bakterien der Auslöser des Pediatric Acute-onset Neuropsychiatric Syndroms, lassen sich zur Vorbeugung Antibiotika verabreichen, um weiteren Schüben entgegenzuwirken. Routinemäßig findet die Gabe der antibiotischen Mittel allerdings noch nicht statt, weil die entsprechenden Forschungen bislang nicht zum Abschluss gelangt sind.

So existieren bisher nur die Studienresultate der PANDAS-Untergruppe. Damit das Leiden keinen chronischen Verlauf nimmt, empfehlen die meisten Ärzte, so früh wie möglich mit der Behandlung von PANS zu beginnen. In Europa wird das Pediatric Acute-onset Neuropsychiatric Syndrome seit 2011 in einer Leitlinie zum Tourette-Syndrom und weiteren Ticstörungen berücksichtigt.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie betont die Notwendigkeit einer Behandlung von PANS bei Kindern, bei denen erst seit kurzem Zwangsstörungen bestehen.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Empfehlenswerte Vorbeugemaßnahmen gegen das Pediatric Acute-onset Neuropsychiatric Syndrome gibt es bislang nicht. So sind die genauen Ursachen des Syndroms noch immer unklar.

Bücher über Tic & Tourette-Syndrom

Quellen

  • Michaelis, R., Niemann, G.W.: Entwicklungsneurologie und Neuropädiatrie. Thieme, Stuttgart 2010
  • Remschmidt, H.: Kinder- und Jugendpsychiatrie. Thieme, Stuttgart 2011
  • Steinhausen, H.-C. (Hrsg.): Psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen. Urban & Fischer, München 2010

Das könnte Sie auch interessieren:

Welche Erfahrungen und Hinweise haben Sie zum Thema Pediatric Acute-onset Neuropsychiatric Syndrome?

Name oder Pseudonym:

E-Mail: (optional)

(wird nicht angezeigt, nur notwendig, wenn aktuelle Gesundheitsinformationen erwünscht werden)

Kommentar:

(Bitte auf Groß-, Kleinschreibung und verständliche, ganze Sätze achten.)

Sicherheitsfrage: Wieviel sind 30 plus 5?

Bekannt aus: