Klitorishypertrophie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Juli 2017
Startseite » Krankheiten » Klitorishypertrophie

Als Klitorishypertrophie wird in der Medizin eine abnormale Vergrößerung der Klitoris verstanden. Frauen leiden hierbei unter einer Klitoris, die teilweise durch ihre ungewöhnliche Größe dem männlichen Penis ähnelt. In vielen Fällen handelt es sich um eine angeborene Fehlbildung. Sie kann sich jedoch auch im Laufe des Lebens aus unterschiedlichsten Gründen entwickeln.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Klitorishypertrophie?

Die Klitorishypertrophie wird ebenfalls unter dem Begriff Megaloklitoris oder Klitoromegalie geführt. Die Fehlbildung wird in vier Klassen unterteilt:

  • eine hormonell bedingte Klitorishypertrophie
  • eine nicht-hormonell bedingte Klitorishypertrophie
  • eine Pseudo-Klitoromegalie
  • idiopathische Klitoromegalie

Die Gründe für die Entstehung einer Klitorishypertrophie sind vielfältig. Die häufigste Ursache für die Entstehung dieser Fehlbildung des weiblichen Genitals ist eine hormonelle Störung. Diese tritt sehr häufig bei jüngeren Mädchen auf. In den meisten Fällen besteht ein Defekt des Enzyms CYP21. Dieses Enzym beeinflusst die hormonellen Prozesse im Körper. Folge ist ein reduzierter Abbau des Steroidhormons Progesteron.

Hierdurch werden sowohl Androstendion als auch Testosteron übermäßig produziert. Durch diese vermehrte Bildung von Androgenen wird eine Vermännlichung weiblicher Personen verursacht.

Ursachen

Zu den häufigsten Gründen zählt der sogenannte Pseudohermaphroditismus, der als Folge eines adrenogenitalen Syndroms oder einer Nebennierenrindenhyperplasie entsteht. Die Entwicklung vollzieht sich oftmals in der frühen Schwangerschaft. Leidet der weibliche Fötus unter einem Enzymdefekt, entsteht ein unverhältnismäßiger Überfluss an männlichen Hormonen.

Tritt diese Störung vor der 14. Schwangerschaftswoche auf, kann ein ausgeprägter Hermaphroditismus die Folge sein. Grundsätzlich hängt die Ausprägung der späteren Klitorishypertrophie vom Zeitpunkt, der Intensität sowie Dauer der Beeinflussung durch die Androgene ab.

Eine Vergrößerung der Klitoris kann weiterhin durch Tumore mit androgener Wirkung ausgelöst werden. Die bösartigen Neubildungen sind nicht nur im Bereich der Eierstöcke wie der Hilus-Zelltumor und der Leydig-Zelltumore zu finden.

Auch können Krebserkrankungen der Nebenniere, Gonadentumore, die Steroide produzieren sowie Karzinosarkome in der Harnblase maskulinisierende Auswirkungen haben. Darüber hinaus zählen das Cushing Syndrom, das Fraser-Syndrom, die Gonadendysgenesie, das Turner-Syndrom sowie die Neurofibromatose zu den Krankheiten, die eine Klitoromegalie hervorrufen können.

Die Klitorishypertrophie kann daneben auch durch mechanische Reize entstehen. Permanentes Reiben des Kitzlers kann Entzündungen hervorrufen. Eine Vergrößerung des Präputiums und inneren Schamlippen kann eine Pseudo- Klitorishypertrophie vermuten lassen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das typische Anzeichen einer Megaloklitoris stellt die übermäßige Vergrößerung der Klitoris dar. Diese kann soweit ausgeprägt sein, dass die Klitoris wie ein kleiner Penis ausschaut. Es ist möglich, dass weitere androgene Merkmale wie eine starke männliche Behaarung auftreten. Neben der vergrößerten Klitoris können ebenfalls Veränderungen der äußeren Genitalien auftreten.

Leiden Patientinnen unter einer sehr ausgeprägten Maskulinisierung kann es bei einer Klitorishypertrophie zum Auftreten hodenartiger Schamlippen und zum Verschließen der Vagina oder des Urogenitalkanals kommen. Liegen der Vergrößerung der Klitoris andere Ursachen zugrunde, können die Symptome der Grunderkrankung ebenfalls auftreten.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Ein Frauenarzt kann durch eine gynäkologische Untersuchung feststellen, ob eine anatomische Fehlbildung des weiblichen Genitals vorliegt. Zunächst wird hierbei eine Erhebung der Anamnese durchgeführt. Hinsichtlich des Krankheitsbildes wird ein besonderes Augenmerk auf die Einnahme von Medikamenten gelegt. Hierdurch wird ausgeschlossen, ob eine Exposition mit Androgenen durch beispielsweise Doping vorliegt.

Über einen Abstrich wird anschließend eine mikroskopische Untersuchung des Scheiden- und Gebärmutterhalssekretes durchgeführt. Die Zellstrukturen geben Aufschluss über den Hormonhaushalt. Es können weitere Untersuchungen notwendig sein. Um die Diagnose einer Klitorishypertrophie zu sichern, wird eine umfangreiche Hormonuntersuchung durchgeführt. Hierfür muss eine Blutprobe entnommen werden. Durch eine Ultraschalluntersuchung kann der Gynäkologe weiterhin feststellen, ob ein Tumor an den Eierstöcken vorhanden ist.

Eine Kernspintomografie oder Magnetresonanztherapie der Nebenniere können erforderlich sein. Da eine signifikante postnatale Vergrößerung der Klitoris häufig aufgrund einer erheblichen hormonalen Stimulation entsteht, muss das Vorliegen anderer androgenproduzierender Tumore ebenfalls ausgeschlossen werden. Liegen keine bösartigen Neubildungen vor, müssen die Betroffenen auf weitere Erkrankungen mit androgener Wirkung wie das Cushing- oder Fraser-Syndrom untersucht werden.

Komplikationen

In den meisten Fällen kommt es bei der Klitorishypertrophie nicht zu besonderen gesundheitlichen Beschwerden oder Komplikationen. Diese Krankheit kann entweder angeboren sein oder im Laufe des Lebens auftreten. Sollte es ohne besonderen Grund zur Klitorishypertrophie kommen, so leiden Betroffene in der Regel an einer anderen Grunderkrankung.

In den meisten Fällen führt die Klitorishypertrophie in erster Linie zu psychischen Beschwerden. Die Patientinnen fühlen sich in ihrem Körper nicht wohl und leiden nicht selten an Minderwertigkeitskomplexen und an einem verringerten Selbstwertgefühl. Weiterhin können auch Depressionen und andere psychische Verstimmungen aufgrund der Krankheit auftreten.

Auch das sexuelle Leben ist durch die Klitorishypertrophie stark eingeschränkt, da sich die Frauen in der Regel für die Beschwerde schämen. Ebenso kommt es zu einer starken Körperbehaarung, die als unangenehm empfunden werden kann. Die Lebensqualität wird durch die Klitorishypertrophie erheblich eingeschränkt. Sollte der Grund für diese Krankheit ein Tumor sein, so muss dieser entfernt werden.

Dabei kann es in manchen Fällen auch zu einem negativen Krankheitsverlauf kommen, wenn sich die Krebserkrankung schon in andere Regionen des Körpers ausgebreitet hat. Durch einen operativen Eingriff können die Beschwerden allerdings korrigiert werden. Es kann allgemein nicht vorausgesagt werden, ob es zu einer verringerten Lebenserwartung des Patienten kommt.

Behandlung & Therapie

Bei einer diagnostizierten Fehlbildung der Klitoris muss geklärt werden, ob die Erkrankung isoliert oder als Bestandteil eines Symptomenkomplexes oder eines Syndroms zu betrachten ist. Die eigentliche Ursache der Klitoromegalie muss daher explizit erkannt werden. Eine Klitorishypertrophie kann letztlich durch einen operativen Eingriff korrigiert werden.

Durch die plastisch-chirurgischen Operationstechniken können sowohl eine anschließende sexuelle Stimulation sowie ein späteres unauffälliges Aussehen gewährleistet werden. Da eine krankhafte Veränderung des Genitals für die betroffenen Mädchen sehr belastend sein kann, sollte eine spätere psychotherapeutische Behandlung in Betracht gezogen werden.

Liegen hormonproduzierende Tumore als Ursache vor, müssen diese meist operativ entfernt werden. Teilweise können kombinatorische Verfahren wie Chemotherapie und Bestrahlung notwendig sein. Sind bestimmte Enzymdefekte für die Fehlbildung verantwortlich, ist eine Hormonbehandlung indiziert. Diese Therapie wirkt hemmend auf die Produktion der Androgene in den Eierstöcken sowie Nebennieren.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Die Entwicklung einer Klitorishypertrophie kann präventiv nicht abgewendet werden. Die angeborene Fehlbildung kann lediglich unmittelbar nach der Geburt im Rahmen der Erstuntersuchung diagnostiziert werden. Um die psychische Belastung durch eine Verkleinerung der Klitoris möglichst gering halten zu können, sind ein frühes Erkennen, das Diagnostizieren sowie eine adäquate Behandlung von größter Bedeutung. Eltern sollten daher zwingend die routinemäßigen Vorsorgeuntersuchungen ihrer Kinder wahrnehmen.

Bücher über die Vagina & Scheidenentzündung (Vaginitis)

Quellen

  • Goerke, K., Steller, J., Valet, A.: Klinikleitfaden Gynäkologie. Urban & Fischer, München 2003
  • Kaufmann, M., Costa, S.-D., Scharl, A. (Hrsg.): Die Gynäkologie. Springer, Berlin 2013
  • Weyerstahl, T., Stauber, M.: Gynäkologie und Geburtshilfe, duale Reihe. Thieme, Stuttgart 2013

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: