Kieferzysten

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 9. Oktober 2017
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Zysten sind Gewebehohlräume, die mit einer Epithelzellschicht ausgekleidet sind und Flüssigkeitsansammlungen aus Gewebewasser, Blut oder, bei entzündeten Zysten, auch Eiter enthalten können. Im Fall der Kieferzysten befinden sich diese Hohlräume im Unter- oder Oberkieferknochen bzw. im angrenzenden Weichteilgewebe.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Kieferzysten?

Kieferzysten entstehen häufiger im Ober- als im Unterkiefer und treten meist im mittleren Lebensalter auf. Bei den Kieferzysten unterscheidet man zwei Arten: die odontogene Zyste, die aus Zahngewebe entstanden ist und die nicht-odontogene Zyste, die sich im umliegenden Weichteilgewebe entwickelt.

Die Zyste ist durch die Zystenwand (Kapsel oder Hülle aus Weichteilgewebe) von ihrer Umgebung abgegrenzt und hat keinen Abfluss. Der Inhalt der Zyste wird meist durch die Epithelzellen, die die innere Zystenwand auskleiden, produziert.

Da der Zysteninhalt nicht abfließen kann, wächst die Zyste mit der Zeit und drückt auf benachbartes Gewebe. Kieferzysten sind in den allermeisten Fällen gutartig und werden erst bemerkt, wenn sie durch das Anwachsen Beschwerden verursachen.

Ursachen

Als Ursachen gelten Wachstumsstörungen bzw. Fehlentwicklungen, genetische Veranlagungen und Entzündungen, die zur Bildung einer Kieferzyste beitragen können. Etwa 80% aller Kieferzysten sind odontogene Zysten, die sich bei Entzündungen an der Wurzelspitze eines kranken oder toten Zahns bilden.

Diese Entzündungen können beispielsweise durch eine Wurzelbehandlung mit einer Reizung der Wurzelhaut entstehen und werden auch als radikuläre Zysten bezeichnet. Follikuläre Zysten entstehen dagegen bereits beim Fötus im Mutterleib bei der Anlage des Zahnkeims. Diese Art von Kieferzyste umgibt den Milchzahn noch vor dessen Durchbruch.

Manche follikuläre Zysten liegen auch direkt auf dem Zahn und wölben das Zahnfleisch nach oben, noch bevor der Zahn durch das Zahnfleisch bricht. Paradontalzysten bilden sich an gesunden Zähnen, während man Zahnfleischzysten häufig in der Nähe von Eckzähnen oder den vorderen Backenzähnen findet. Nicht-odontogene Zysten entstehen aus dem Weichteilgewebe, das den Kieferknochen umgibt. Sie befinden sich meist im Gaumen oder in der Kieferhöhle und können u.a. zu Zahnfehlstellungen führen.

Diagnose & Verlauf

Kieferzysten behandeln lassen

Da Kieferzysten sehr langsam wachsen und lange keine Beschwerden hervorrufen, werden sie in vielen Fällen nur durch Zufall bei Röntgen- oder Ultraschalluntersuchungen oder Zahnbehandlungen entdeckt. Werden die Zysten größer, können sie Schmerzen und durch die Verdrängung des umliegenden Gewebes unspezifische Druckgefühle im Bereich des Kieferknochens verursachen.

Wird die Kieferzyste nicht behandelt, kann diese sogar den Kieferknochen "aufweichen" und verformen. Drückt man mit dem Finger gegen einen durch die Zyste aufgequollenen Kieferknochen, lässt sich eine Art knisterndes Geräusch vernehmen.

Im weiteren Stadium kann die Zyste den Kieferknochen so weit verformen, dass dieser seine Substanz und Stabilität verliert und es dadurch sogar zu Entstellungen im Gesicht kommen kann. Auch Nervenschädigungen mit einhergehenden Lähmungserscheinungen sind möglich.

Komplikationen

In vielen Fällen führen Kieferzysten nicht zu besonderen Beschwerden oder Komplikationen. Diese können sich schon über mehrere Jahre im Körper des Patienten ausbreiten und führen dabei nicht zu Schmerzen oder anderen Beschwerden. Allerdings können die Kieferzysten auch zu einer Schwellung des Kiefers führen, die in der Regel sichtbar ist. Ebenso kann durch ein leichtes Drücken auf den Kiefer die Zyste diagnostiziert werden.

Ebenso kann die Zyste den Knochen des Kiefers verformen, sodass es dadurch zu starken Schmerzen kommen kann. Ebenso treten dabei Entstellungen im Gesicht auf, die nicht selten zu Depressionen oder zu anderen psychischen Beschwerden führen. Damit wird die Lebensqualität des Patienten deutlich eingeschränkt und verringert. Es kann dabei zu Lähmungen im Gesicht kommen, sodass die Einnahme von Flüssigkeiten und Nahrung für den Betroffenen möglicherweise erschwert ist.

Die Entfernung der Kieferzysten erfolgt in der Regel durch einen Chirurgen oder durch einen Zahnarzt. Dabei kommt es nicht zu besonderen Komplikationen. Betroffene sind weiterhin allerdings auf die Einnahme von Antibiotika angewiesen, damit es nicht zu Entzündungen nach der Entfernung kommt. Die Lebenserwartung des Patienten wird durch die Kieferzysten in der Regel nicht verringert.

Behandlung & Therapie

Wurde eine Kieferzyste bei einem bildgebenden Verfahren entdeckt, wird immer zu deren Entfernung geraten. Auf Röntgen- und Ultraschallbildern ist eine Zyste oftmals nicht von einem selten vorkommenden Tumor abgrenzbar, so dass nur die Entfernung durch einen Zahnarzt oder Kieferchirurgen und eine eventuell anschließende histologische Untersuchung Aufschluss über die Art der Zyste geben kann.

Radikuläre Zysten lassen sich in vielen Fällen mit der Zahnextraktion entfernen. Bei kleineren Zysten im Kieferknochen oder Weichteilgewebe wird meist eine Zystektomie (Entfernung) vorgenommen, während größere und ungünstig liegende Zysten auch nur eingeschnitten werden können (Zystostomie), damit der Inhalt der Zyste abfließen kann.

Ist durch die Kieferzyste ein Hohlraum im Kieferknochen entstanden, wird dieser mit Knochenersatzmaterial gefüllt, um die Stabilität des Kieferknochens zu erhalten bzw. wieder herzustellen. Sowohl bei der Entfernung als auch dem Einschnitt der Zyste ist eine anschließende Behandlung mit Antibiotika erforderlich, um eine Entzündung zu verhindern. Kieferzysten können rezidivieren, das heißt, sich später an der gleichen Stelle neu bilden.

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Vorbeugung

Die beste Prophylaxe sind eine gute Zahnpflege und Mundhygiene, eine gesunde Ernährung und regelmäßige zahnärztliche Kontrollen. Selbst bei kleineren oder unklaren Beschwerden sollte man den Zahnarztbesuch nicht scheuen, um eine sich eventuelle bildende Kieferzyste rechtzeitig zu erkennen. Wurde eine Zyste entfernt oder behandelt, ist eine regelmäßige Nachkontrolle erforderlich, um ein mögliches Rezidiv rechtzeitig aufzuspüren.

Das können Sie selbst tun

Eine Kieferzyste bereitet in aller Regel keine Beschwerden, muss aber trotzdem von einem Zahnmediziner behandelt werden. Andernfalls vergrößert sich der Hohlraum und kann gesundes Gewebe verdrängend oder Zahnfehlstellungen bedingen.

Als Selbsthilfe empfiehlt sich, dass Betroffene bei ersten Anzeichen einer Zyste einen Zahnarzt oder Kieferchirurg aufsuchen. Bis zum Arztbesuch sollte der betroffene Bereich möglichst nicht gereizt oder mit der Zunge berührt werden, um Verletzungen oder die Entstehung eines Bakterienherds zu vermeiden. Nach der Behandlung sind zunächst die Ratschläge und Vorgaben des Mediziners zu befolgen. Grundsätzlich ist eine gründliche Zahn- und Mundraumpflege wichtig.

Damit die Genesung problemlos vonstatten gehen kann, sollte der Körper ausreichend geschont werden. Direkt nach der Operation bedeutet dies auf essen und trinken zu verzichten. Nach und nach können zunächst wieder flüssige Speisen wie Suppen oder Brei verzehrt werden. Alkohol, Kaffee und Nikotin sind nach Möglichkeit zu vermeiden, da der Körper bereits einer großen Belastung ausgesetzt ist. In den Tagen danach sollten anstrengende Tätigkeiten und Sport vermieden werden. Zudem sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt angezeigt. Bei unerwünschten Komplikationen sollte direkt die Zahnarztpraxis aufgesucht werden.

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Quellen

  • Gängler, P., et al.: Konservierende Zahnheilkunde und Parodontologie. Thieme, Stuttgart 2010
  • Hausamen, J.-E., et al.: Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Springer, Heidelberg 2012
  • Kruse Gujer, A., Jacobsen, C., Grätz, K.W.: Facharztwissen Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Springer, Heidelberg 2013

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