Keratozyste

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 20. November 2017
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Keratozyste ist die medizinische Bezeichnung für einen keratozystischen odontogenen Tumor. Gemeint ist damit ein aggressiv wachsender, aber in den meisten Fällen gutartiger Tumor.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Keratozyste?

Unter einer Keratozyste wird ein keratozystischer odontogener Tumor (KOT) verstanden. In der Medizin ist sie auch als odontogene Primordialzyste bekannt. Dabei handelt es sich um einen Hohlraum innerhalb des Kieferknochens, der mit verhornendem Plattenepithel ausgestattet ist.

Der Begriff Keratozyste gilt jedoch mittlerweile als veraltet und wurde durch die Bezeichnung Keratozystischer odontogener Tumor ersetzt, weil sie nicht den Eigenschaften einer Zyste entspricht. So handelt es sich um eine uni- oder multizystische intraossäre Neoplasie, die in der Regel gutartiger Natur ist. Anstelle eines normalen Zahns bildet sich stattdessen ein keratozystischer odontogener Tumor.

Seit 2005 rechnet die WHO (Weltgesundheitsorganisation) entwicklungsbedingte Keratozysten den Kopf-Hals-Tumoren zu. Aus feingeweblicher Sicht zählt die Keratozyste zu den odontogenen epithelialen Tumoren, bei denen auch eine Hartsubstanzbildung vorliegen kann. In den meisten Fällen zeigt sich ein keratozystischer odontogener Tumor im Unterkiefer.

So beträgt der Anteil 50 bis 80 Prozent. Die Keratozyste ist zumeist am aufsteigenden Unterkieferast oder an den hinteren Backenzähnen angesiedelt. Besonders betroffen ist das männliche Geschlecht. Unter den odontogenen Tumoren belegt die Keratozyste den 2. Rang. In den meisten Fällen kommt eine Keratozyste im Alter zwischen 10 und 40 Jahren oder zwischen 50 und 70 Jahren vor.

Ursachen

Die Keratozyste gehört zu den odontogenen Tumoren. Diese entstehen in den ursprünglichen Geweben der Zahnbildung. Die Ursache des keratozystischen odontogenen Tumors ließ sich allerdings bislang nicht eindeutig klären. Es besteht die Vermutung, dass seine Bildung aus den Resten der Zahnleiste erfolgt.

Multiple keratozystische odontogene Tumore kommen auch im Rahmen des Gorlin-Goltz-Syndroms vor. Darüber hinaus bilden sich dabei Basaliome. Es handelt sich bei dieser Erkrankung jedoch um einen Ausnahmefall. In der Regel ist das Vorkommen der Keratozyste solitär.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das Wachstum eines keratozystischen odontogenen Tumors findet normalerweise unbemerkt statt, sodass er oftmals nur durch Zufall im Rahmen von zahnärztlichen Röntgenuntersuchungen diagnostiziert wird. Die Keratozyste präsentiert sich als mehrschichtiges verhornendes Plattenepithel in Form eines Hohlraums innerhalb des Kieferknochens. Dabei liegt oft eine Parakeratinisierung des Epithels vor.

Das Wachstumsmuster des keratozystischen odontogenen Tumors ist sehr aggressiv, sodass sich meist Satellitenzysten bilden. Der kortikale Knochen wird durch die Keratozyste zerstört. Diese kann zudem das benachbarte Weichgewebe befallen. Zu den Anzeichen eines keratozystischen odontogenen Tumors gehören das örtliche Anschwellen des Kieferknochens sowie das Lockern und Verschieben von Zähnen. Schmerzen sind dagegen nur in seltenen Fällen zu verzeichnen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Wie bereits erwähnt, lässt sich die Keratozyste meist nur durch Zufall im Rahmen einer zahnärztlichen Röntgenuntersuchung feststellen. Das Abgrenzen zu einem Ameloblastom kann durch Röntgenaufnahmen allerdings nicht erfolgen. Daher bedarf es für eine exakte Diagnosestellung einer histologischen Untersuchung des Tumors beziehungsweise einer Probe im Anschluss an dessen Entfernung.

Während kleinere keratozystische odontogene Tumore eine ovale oder runde Form aufweisen, haben größere Keratozysten einen bogigen Randverlauf. Nicht selten besteht eine Randsklerose. Selbst nach einer erfolgreichen operativen Entfernung des keratozystischen odontogenen Tumors muss häufig mit einem erneuten Erscheinen der Keratozyste gerechnet werden.

So liegt die Rezidivrate bei 40 bis 60 Prozent. Sogar noch Jahre später ist das weitere Auftreten einer Keratozyste möglich. In seltenen Fällen kann der keratozystische odontogene Tumor entarten und in ein bösartiges Plattenepithelkarzinom übergehen. Mitunter kommt es auch zu einem Ameloblastom.

Komplikationen

Bei der Keratozyste kommt es in der Regel zu einem Tumor. Dieser breitet sich extrem stark aus, ist allerdings in den meisten Fällen gutartig. In den meisten Fällen erfolgt die Behandlung erst spät, da der Tumor nur zufällig bei Kontrolluntersuchungen diagnostiziert wird. Der Betroffene leiden dabei nicht an besonderen Beschwerden oder Symptomen.

Allerdings kann es zu Einschränkungen und zu Beschwerden im Mundraum kommen. Dabei sind die Zähne oft locker und können sich verschieben. Es kommt allerdings nicht zu Schmerzen. Nicht selten können auch Entzündungen im Mundraum auftreten, die den Alltag des Betroffenen erheblich einschränken. Nicht selten tritt dieser Tumor auch nach der Behandlung nochmals auf und muss daher nochmal entfernt oder anders behandelt werden.

Bei der Behandlung kommt es zu einer operativen Entfernung des Tumors. Dabei treten keine besonderen Komplikationen auf. Allerdings kommt es nicht jedes Mal zu einem positiven Krankheitsverlauf, sodass die Betroffenen eventuell nochmals an diesem Tumor erkranken. Bei einer erfolgreichen Entfernung wird die Lebenserwartung meistens nicht eingeschränkt. Bestimmte Defekte an den Knochen können dabei mit einem Ersatzmaterial aufgefüllt werden.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung eines keratozystischen odontogenen Tumors besteht aus dessen operativer Entfernung. Diese ist allerdings nicht immer einfach, da er häufig über Satelliten- oder Tochterzysten verfügt. So wachsen kleine Zellstränge, die von der Keratozyste ausgehen, in den benachbarten Knochen hinein, was die Bildung von kleinen Tochtertumoren (Metastasen) zur Folge hat.

Mit bloßem Auge lassen sich diese Tochtertumore nicht erkennen. Daher kann es vorkommen, dass sie selbst bei einer sorgfältigen operativen Entfernung des Tumors übersehen werden, wodurch der Eingriff nicht komplett durchführbar ist. Aus diesem Grund zeigen sich später wiederholt Rezidive.

Um das Entfernen der kleinen Mikrozysten zu gewährleisten, fräst der Operateur die Knochenhöhle aus. Dabei kommt es zu einem Defekt, der sich mit autologem Knochen oder Knochenersatzmaterial wieder auffüllen lässt. Bei einigen Patienten fällt der Befund derart umfangreich aus, dass dies eine Unterbrechung der Knochenkontinuität notwendig macht.

Das bedeutet, dass der Chirurg nicht nur den keratozystischen odontogenen Tumor, sondern auch den restlichen dünnen Knochen entfernt. Dieses Vorgehen stellt die einzige Möglichkeit dar, ein wiederholtes Auftreten der Keratozyste zu vermeiden. Durch den Einsatz von Osteosyntheseplatten lässt sich die Kontinuität des Knochens wiederherstellen. Alternativ ist auch das Einsetzen eines Knochentransplantats im Bereich des Möglichen.

Empfohlen wird zudem das zusätzliche Verwenden von Carnoy-Lösung, um den Zystenbalg intraoperativ zu fixieren. Auf diese Weise besteht die Möglichkeit, die Rezidivrate herabzusetzen. Eine wichtige Rolle bei der Therapie spielt auch die Nachsorge im Anschluss an die operative Entfernung des keratozystischen odontogenen Tumors. Diese beinhaltet eine jährliche Röntgenkontrolle in einem Zeitraum von wenigstens fünf Jahren. Aber auch darüber hinaus kann es zu einem erneuten Auftreten einer Keratozyste kommen.

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Vorbeugung

Maßnahmen, die zur Vorbeugung eines keratozystischen odontogenen Tumors dienen, sind nicht bekannt. So ließen sich die genauen Ursachen für die Entstehung einer Keratozyste noch nicht ermitteln.

Das können Sie selbst tun

Patienten, die an einer Keratozyste leiden, sollten auf jeden Fall mit einem Arzt sprechen. Der gutartige Tumor muss ärztlich diagnostiziert und anschließend operativ entfernt werden.

Vor dem operativen Eingriff muss unter Umständen die Diät angepasst werden, abhängig davon, wo die Zyste lokalisiert ist und welche Größe sie hat. Patienten, die regelmäßig Medikamente einnehmen oder an Beschwerden des Kreislaufsystems leiden, die bislang nicht abgeklärt wurden, sollten den zuständigen Arzt darüber informieren. Nach der Operation gelten zunächst Schonung und Bettruhe. Zudem muss die Operationswunde sorgsam gepflegt werden, um Wundheilstörungen, Infektionen und andere Probleme auszuschließen. Sollte sich erneut eine Zyste bilden, ist ein weiterer Besuch beim Arzt angezeigt. Generell muss nach einer Tumor-Operation regelmäßig eine Untersuchung durchgeführt werden, da ein erhöhtes Risiko für Komplikationen besteht.

Begleitend zu diesen Maßnahmen muss nach Möglichkeit auch die Ursache für die Entstehung der Keratozyste ermittelt werden. Außerdem ist eine logopädische Behandlung angezeigt, um etwaige Sprachstörungen zu lindern. Bei dauerhaften Problemen beim Sprechen, wie sie vor allem nach der Entfernung größerer Tumore auftreten können, sind weitere zahnärztliche Behandlungsmaßnahmen zu ergreifen.

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Quellen

  • Pfeifer, B., Preiß, J., Unger, C. (Hrsg.): Onkologie integrativ. Urban & Fischer, München 2006
  • Preiß, J. et al.(Hrsg.): Taschenbuch Onkologie. Zuckschwerdt, München 2014
  • Sauer, R.: Strahlentherapie und Onkologie. Urban & Fischer, München 2009

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