Plattenepithel

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 10. November 2016
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Als Plattenepithel wird eine bestimmte Art von Körperzellen bezeichnet, die an unterschiedlichen äußeren und inneren Körper- und Organoberflächen vorkommt. Plattenepithel hat deckende bzw. schützende Eigenschaften und ist daher auch unter dem Namen Deckepithel bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Plattenepithel?

Epithelgewebe besteht aus einzeln aneinandergereihten Zellen, die Form und die Dicke der gebildeten Reihen sind je nach Körperregion und Funktion aber unterschiedlich. Deshalb sind verschiedene Arten von Plattenepithel bekannt. Die meist flach liegenden Epithelzellen sind stark miteinander verbunden und bilden daher eine Deck- und Schutzschicht.

Epithelgewebe aller Arten gilt deshalb als besonders robust und stabil. In der Mitte jeder Epithelzelle befindet sich typischerweise ein Zellkern, Nukleus. Im Zellplasma jeder Plattenepithelzelle befinden sich die sogenannten Zellorganellen, die für die Stoffwechselleistung jeder einzelnen Zelle verantwortlich sind.

Im Zellkern befindet sich das Genom mit der Erbinformation in Form eines DNS-Stranges als Doppelhelix. Typische Zellorganellen in jeder Plattenepithelzelle sind beispielsweise das endoplasmatische Retikulum, der Golgi-Apparat, die Ribosomen und die Mitochondrien als Kraftwerke jeder Zelle. Im histologischen Labor ist die Differenzierung der unterschiedlichen Zelllagen von Plattenepithel leicht möglich. Die Histologie, also die feingewebliche Untersuchung von Plattenepithelien, spielt besonders in der Pathologie eine große Rolle, wenn es um die Diagnostik von entzündlichen Veränderungen oder Zellproliferationen geht.

Anatomie & Aufbau

Die oberste Zellschicht ist bei allen Arten von Plattenepithelgewebe meist unregelmäßig geformt und typischerweise eng miteinander verzahnt. Diese als mosaikartig erkannte Verzahnung geschieht durch sogenannte Tight Junctions und andere bewegliche Bindeproteine, die für eine enorme, kaum auflösbare Bindung innerhalb der Plattenepithelzellen sorgen.

Grundsätzlich muss zwischen einschichtigem und mehrschichtigem sowie zwischen verhornendem und unverhornendem Plattenepithel anatomisch unterschieden werden. In einigen Organsystemen hat sich das Plattenepithel den speziellen anatomischen Voraussetzungen derart angepasst, das daraus spezielle funktionsspezifische anatomische Bezeichnungen gebildet wurden.

So wird beispielsweise das mehrreihige unverhornende Plattenepithel des gesamten Urogenitaltraktes als Urothel bezeichnet. Das unverhornende Plattenepithel im Bereich des Respirationstraktes wird wegen seiner typischen Form auch als Zylinderepithel bezeichnet. Die gesamte Außenhaut eines Menschen besteht aus verhornendem, mehrschichtigem Plattenepithel und gilt durch die zusätzliche Einlagerung von Kollagenfasern als besonders stabil in seiner Schutzwirkung gegenüber der Außenwelt. Die Hornschicht wird gebildet durch das fortlaufende Absterben von sogenannten Keratinozyten, Hornzellen. Diese Keratinisierung ist eine weitere Eigenschaft von bestimmten Plattenepithelien, die anatomisch zur Differenzierung herangezogen werden kann.

Funktion & Aufgaben

Plattenepithel hat in seinen unterschiedlichen Variationen und Erscheinungsformen wichtige Schutz- und Deckfunktionen auf der Oberfläche von Organen, Organsystemen und Gefäßen. Plattenepithel übernimmt dabei aber nicht die Aufgabe von sogenanntem Parenchym, den eigentlichen Organfunktionszellen. Einschichtiges , unverhorntes Plattenepithel bildet beispielsweise die Abgrenzung der Lungenbläschen, Alveolen.

Ohne Plattenepithel an der Oberfläche der Alveolen wäre aufgrund der fehlenden Oberflächenspannung kein Gasaustausch möglich. Mehrere Lagen des einschichtigen Plattenepithels finden sich auch im häutigen Labyrinth des Innenohres. Dort ist das Epithel maßgeblich an der Weiterleitung der Schallwellen sowie an der Aufrechterhaltung des Gleichgewichtssinns beteiligt.

Die gesamte Schleimhaut der Mundhöhle besteht aus mehrschichtigem, unverhornten Plattenepithel. Durch die permanente Benetzung mit Speichel ist die Hauptaufgabe auch dort eine Schutzfunktion als derbe Barriere gegen Keime oder stumpfe Einwirkungen bei der Nahrungsaufnahme. Auch die ganze Speiseröhre ist nach innen mit dem mehrschichtigen Plattenepithel ausgestattet.

So kann der Speisebrei muskulär aktiv und trotzdem gefahrlos bis in den Magen transportiert werden. Mehrschichtiges verhorntes Plattenepithel bildet die oberste Hautschicht der Außenhaut, auch Epidermis genannt. Die Oberhaut ist aufgrund ihrer mehrschichtigen Bauart die wichtigste Eintrittsbarriere gegen äußere Einwirkungen. Aufgrund der engmaschigen Struktur der Oberhaut können Bakterien, Viren oder Pilze eine intakte Hautoberfläche nicht durchdringen.

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Krankheiten

Epithel weist eine besonders hohe Mitose und Proliferationsrate auf. Doch genau dieser Umstand macht Plattenepithel vergleichsweise anfällig für Störungen und Krankheiten. Nur ein intaktes Plattenepithel, sei es in Form von Schleimhaut oder Haut kann seinen Schutz,- Stütz-,- und Deckfunktionen vollumfänglich nachkommen. Schon leichte Schleimhautdefekte können zu Eintrittspforten für Krankheitserreger werden und damit schwere Infektionen nach sich ziehen.

Damit sich nicht nur nur Defekte im Plattenepithel der Oberhaut, sondern auch Defekte des Plattenepithels im Körper gemeint. Zu den häufigsten Krankheitsbildern, die in einem direkten Zusammenhang mit Veränderungen des Plattenepithels stehen, zählen Entzündungen sowie benigne und maligne Tumoren. Entzündungen des Plattenepithels sind gekennzeichnet durch die 5 sogenannten Kardinalsymptome Rubor, Calor, Dolor, Tumor und Functio laesa. Neben der Rötung und Schwellung ist also immer auch die physiologische Funktion gestört.

Im Falle einer Lungenentzündung führt das zu einer Einschränkung des Gasaustausches oder im Falle einer Entzündung des Urothels zu Beschwerden beim Wasserlassen. Bösartige Tumoren, die ihren Ausgang direkt vom Plattenepithel nehmen, sind häufig und werden als Plattenepithelkarzinome bezeichnet. Sie gehören zu den häufigsten humanen Tumorneubildungen, weisen häufig ein invasives Wachstum und eine Neigung zur Metastasierung auf.

Typische Plattenepithelkarzinome sind beispielsweise das Ösophaguskarzinom, das Pleuramesotheliom oder das Analrandkarzinom. Für die Prognose aller Plattenepithelkarzinome ist die Früherkennung von entscheidender Bedeutung. Solange ein Plattenepithelkarzinom nicht invasiv wächst und keine Tochtergeschwülste gebildet hat, gilt es als heilbar. Metastasierende Plattenepithelkarzinome sind allerdings für einen Großteil der Todesfälle durch Krebserkrankungen in den westlichen Industrienationen verantwortlich.

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