Histrionische Persönlichkeitsstörung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 5. Dezember 2017
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Betroffene einer histrionischen Persönlichkeitsstörung, kurz HPS, zeigen ein ausgeprägtes theatralisches und egozentrisches Verhalten. Eine Therapie kann erst erfolgen, wenn Betroffene Einsicht zeigen und sich selbst Hilfe suchen, und besteht in einer langjährigen Psychotherapie.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine histrionische Persönlichkeitsstörung?

Wie alle Persönlichkeitsstörungen zeigt sich die HPS in einem als anormal beschriebenen Wahrnehmungs- und Verhaltensmuster. Dieses beeinflusst die gesamte Persönlichkeit in ihrem Denken, Fühlen und Beziehungsverhalten und wirkt sich negativ auf das gesamte Berufs- und Alltagsleben der Betroffenen aus.

Betroffene der histrionischen Persönlichkeitsstörung zeigen eine von Anderen als übertrieben empfundene Emotionalität und neigen zur Dramatisierung ihres Erlebens. Diese gezeigten Gefühle wirken auf Andere jedoch oberflächlich und aufgesetzt, weil Betroffene tiefe, echte Gefühle nicht zulassen können und wollen und kein echtes Identitätsgefühl haben. Betroffene sind daher leicht beeinflussbar und ändern ihre Meinung sehr schnell.

Ein weiteres Symptom ist die beständige Suche nach Aufmerksamkeit und neuen Erlebnissen. Histrioniker reagieren sensibel darauf, nicht im Mittelpunkt zu stehen, und versuchen mit allen Mitteln, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Menschen, die unter HPS leiden, zeigen ein unstetes und schnelllebiges Beziehungsverhalten. Ihre Sozialkontakte gehen selten tief und beruhen auf sexueller Anziehungskraft, so dass insbesondere gleichgeschlechtliche Freundschaften schwierig sind.

Ursachen

Die Ursachen der histrionischen Persönlichkeitsstörung sind bis heute nicht ausreichend erforscht, um hierzu ausführliche Angaben machen zu können.

Die Ursache scheint, wie bei allen Persönlichkeitsstörungen, in der Kindheit zu liegen. Konnten Kinder keine eigene Identität entwickeln, wurde ihnen ein falsches Gefühl von Liebe und Aufmerksamkeit vermittelt oder fehlte es an stabilen, stützenden Beziehungen und ausreichender Aufmerksamkeit der Außenwelt für Gefühle, so entsteht eine Persönlichkeitsstörung. Die psychologische Forschung vermutet zudem eine genetische Vorbelastung der Betroffenen.

Die Ursachen der Persönlichkeitsstörung liegen offenbar in Traumata der frühen Kindheit oder sogar Schwangerschaft. Wie sich jedoch entscheidet, welche Art Persönlichkeitsstörung die Betroffenen entwickeln, ist nicht geklärt.

Typische Symptome & Anzeichen

  • übermäßige Emotionalität, Hang zu Selbstdramatisierung und Theatralik
  • Streben nach Aufmerksamkeit
  • Betroffene möchten immer im Mittelpunkt stehen
  • provokantes Verhalten, teilweise auch sexuell verführerische Provokationen
  • ggf. ähnliche Symptomatik wie bei Narzissmus

Diagnose & Verlauf

Die Diagnose erfolgt in der diagnostischen Abteilung einer psychiatrischen oder psychotherapeutischen Klinik.

Zunächst muss das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung mittels standardisierter Testmethoden nachgewiesen werden. Im Anschluss muss anhand der Kriterien des Diagnostischen und Statistischen Handbuchs Psychischer Störungen, DSM-IV, die genaue Persönlichkeitsstörung diagnostiziert werden.

Differenzialdiagnosen sind zu beachten und eindeutig auszuschließen. Liegen mindestens fünf der folgenden Symptome vor, so ist eine histrionische Persönlichkeitsstörung nachgewiesen:

1. Gefühl des Unwohlseins, wenn der Betroffene nicht im Mittelpunkt steht

2. Der Patient versucht, mit seiner körperlichen Erscheinung Aufmerksamkeit zu erregen

3. Zwischenmenschliche Kontakte der Betroffenen charakterisieren sich durch ein übertriebenes sexuell-anziehendes Verhalten

4. Der Gefühlszustand des Betroffenen wechselt rasch und wirkt oberflächlich

5. Ist dabei aber theatralisch und übertrieben und der Betroffene tendiert zur Selbstdramatisierung

6. Schilderungen des Betroffenen sind wenig detailliert

7. Der Patient ist leicht beeinflussbar

8. Das Beziehungsverhältnis ist gestört, Beziehungen werden als enger aufgefasst als sie sind.

Die histrionische Störung wird in der Kindheit angelegt und tritt im frühen Erwachsenenleben erstmals als solche in Erscheinung. Inwieweit die Betroffenen zu einem als normal angesehenen Leben befähigt werden können, hängt vom Schweregrad der Störung und der rechtzeitigen therapeutischen Intervention vor. Grundsätzlich gelten Persönlichkeitsstörungen jedoch als nicht vollständig heilbar.

Komplikationen

Da die histrionische Persönlichkeitsstörung geprägt ist von Egozentrik, der beständigen Suche nach Aufmerksamkeit, theatralischem Verhalten, übertriebener Emotionalität, starken Gefühlsschwankunen und manipulativem Verhalten in Kombination mit einer niedrigen Frustrationstoleranz und mangelndem Einfühlungsvermögen in die Bedürfnisse anderer, ergeben sich daraus eine Reihe von Komplikationen im zwischenmenschlichen Umgang.

Betroffene können nur schwer stabile, gesunde Beziehungen aufbauen. Die Umwelt reagiert zumeist befremdlich auf ihr Verhalten. Dies gilt besonders dann, wenn Bagatellereignisse (was sie für die Patienten nicht sind) übermäßig aufgebauscht werden. Auch die ständige Suche nach Aufmerksamkeit und das Bedürfnis im Mittelpunkt zu stehen, lässt Mitmenschen häufig auf Distanz gehen.

Dies ist auch dann der Fall, wenn die Manipulationstechniken, mit denen Histrioniker versuchen, ihre Bedürfnisse durchzusetzen, erkannt und abgelehnt werden. Diese früh angelernten Strategien, die histrionischen Persönlichkeiten zueigen sind, führen immer wieder zu zwischenmenschlichen Konflikten. Doch auch wenn Histrioniker sich in adäquater Behandlung befinden, sind die tief verankerten Verhaltensmustern nur schwer zu korrigieren, das sie meist bereits in der Kindheit erlernt wurden.

Im Umgang mit solchen Patienten ist eine konsequente Verhaltenstherapie angezeigt, wobei klare Regeln und Grenzen formuliert werden müssen. Zudem neigen histrionische Charakter verstärkt zu Depressionen und Angststörungen, so dass häufig eine Komorbidität vorliegt. Depressionen und Angstzustände können medikamentös behandelt werden. Insgesamt ergibt sich damit aber ein sehr komplexer Behandlungsbedarf.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Auffälliges Verhalten, das von Mitmenschen als ab der Norm beschrieben wird, ist grundsätzlich ärztlich untersuchen zu lassen. Nehmen die Menschen der näheren Umgebung eine Änderung des gewohnten Auftretens wahr, ist es ratsam, sich medizinisch beraten zu lassen. Bei einer histrionischen Persönlichkeitsstörung gehört es zum Krankheitsbild, dass es keine Krankheitseinsicht des Betroffenen gibt. Daher sind die erkrankten Menschen auf die Unterstützung und das Urteil von Angehörigen oder Personen des sozialen Umfeldes angewiesen. Sie sind in der erhöhten Verantwortung, einen Arzt zu kontaktieren und um Hilfe zu bitten. Ratsam ist es, das Vertrauen des Betroffenen zu gewinnen, um einen Arztbesuch gemeinsam mit ihm einleiten zu können.

Sobald das Auftreten eines Menschen stark emotional verletzend ist oder aufgestellte Regeln im Alltag nicht eingehalten werden, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Verhalten sich die Betroffenen rücksichtslos, verletzen sie die Intimsphäre ihrer Mitmenschen oder sind die pietätlos, ist eine Ursachenforschung sinnvoll. Kann das Verhalten von mehreren Personen des sozialen Umfeldes trotz aller Versuche nicht mehr toleriert werden, ist ein Arztbesuch anzuraten. In besonders schwierigen Situationen kann eine Zwangseinweisung erfolgen. Hierfür muss ein Amtsarzt gerufen werden, der eine Einschätzung der Situation abgibt.

Behandlung & Therapie

Die histrionische Persönlichkeitsstörung erfordert eine langwierige, für Patient, Angehörige und auch den Psychotherapeuten anstrengende, Behandlung.

Möglich ist eine Therapie erst, wenn der Betroffenen selbst Handlungs- und Therapiebedarf sieht, da seine Mitarbeit eine wichtige Voraussetzung des Therapieerfolges ist. Im Vergleich zu anderen Persönlichkeitsstörungen scheinen Betroffene der HPS schneller Hilfe zu suchen und eine größere Einsicht mitzubringen.

Die besten Aussichten bietet eine Verhaltenstherapie. Ursachenforschung kann betrieben werden und hilfreich sein, wichtiger ist es jedoch, den Betroffenen neue Verhaltensmöglichkeiten aufzuzeigen und diese einzuüben. Psychopharmaka können Therapie begleitend eingesetzt werden, wenn die Betroffenen unter Depressionen leiden, sind jedoch bei reiner HPS nicht hilfreich.

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Vorbeugung

Der histrionischen Persönlichkeitsstörung können nur Eltern im frühen Kindheitsalter vorbeugen, indem sie ihren Nachwuchs zu starken Persönlichkeiten erziehen. Betroffene selbst haben keine Präventionsmöglichkeiten.

Das können Sie selbst tun

Aufgrund der Ego-Synthonie des Störungsbildes lassen sich Betroffene mit Histrionischer Persönlichkeitsstörung selten wegen des Störungsbildes als solches behandeln. Sie suchen eher wegen psychischer Sekundärkrankheiten wie Angststörungen oder Depressionen ärztliche Hilfe auf.

Bis heute konnten gegen dieses Störungsbild noch keine Medikamente entwickelt werden. Im Rahmen von Psychotherapien kann den Betroffenen aber durchaus geholfen werden. Als besonders erfolgversprechend gilt dabei die Kognitive Verhaltenstherapie, in welcher der Psychotherapeut in Zusammenarbeit mit dem Betroffenen versucht, dessen dysfunktionale Denkstrukturen aufzubrechen. Dabei ist es wichtig, dass die hinter der Störung liegenden Persönlichkeitsmerkmale nicht aufgegeben werden. Wie bei jeder Persönlichkeitsstörung sind sie Teil des eigenen Charakters. Im Rahmen der Therapie lernt der Betroffene aber, die Ausprägungen seiner persönlichen Eigenschaften auf ein vernünftiges Maß zurückzuführen, damit aus einer Histrionischen Persönlichkeitsstörung ein Histrionischer Persönlichkeitsstil werden kann.

Schafft der Betroffene es, den Weg zurück zu (echter) Anerkennung und Glück zu finden, dann werden die Bedingungen abgebaut, die eine Intervention rechtfertigen, nämlich Leidensdruck und Beeinträchtigung. Dabei können die Angehörigen mit Empathie und viel Geduld dem Betroffenen helfen. Sie benötigen dafür Aufklärung über das Krankheitsbild, damit sie das Verhalten des Betroffenen richtig deuten können.

Bücher über histrionische Persönlichkeitsstörung

Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Köhler, T.: Medizin für Psychologen und Psychotherapeuten. Schattauer, Stuttgart 2014
  • Payk, T., Brüne, M.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013

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