Gestationshypertonie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 13. November 2017
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Die Gestationshypertonie ist eine Komplikation während der Schwangerschaft. Die Blutdruckwerte überschreiten dabei in aufeinanderfolgenden Messungen einen Grenzwert von 140/90 mmHg. Wenn Bettruhe und Ernährungsumstellung den Blutdruck nicht senken, kann eine medikamentöse Therapie durchgeführt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Gestationshypertonie?

Bei der Gestationshypertonie tritt während der Schwangerschaft ein deutlich erhöhter Blutdruck auf. Das Phänomen wird daher auch als Schwangerschaftshypertonie bezeichnet. Von einem hypertonischen Blutdruck ist dann die Rede, wenn der systolische Blutdruck dauerhaft oder situativ über 140 mmHg oder der diastolische Blutdruck dauerhaft oder situativ über 90 mmHg liegt. Die Gestationshypertonie kann entweder ohne oder mit Proteinen im Urin und einem Ödem verbunden sein.

In Kombination mit Proteinurie und Ödemen ist nicht mehr von einer reinen Gestationshypertonie, sondern von einer Präeklampsie die Rede. Wenn die Schwangere bereits vor der Schwangerschaft an einer arteriellen Hypertonie gelitten hat, liegt keine Gestationshypertonie vor. Die Schwangerschaftshypertonie ist mit rund 30 Prozent eine der häufigsten Ursachen für die Säuglingssterblichkeit während der Geburt und erhöht als Komplikation außerdem das Risiko für die Müttersterblichkeit.

Ursachen

In fast einem Viertel aller Schwangerschaften ist die werdende Mutter von einer Schwangerschaftshypertonie betroffen. Die Gestationshypertonie ist tritt dabei fast ausschließlich bei Erstschwangerschaften auf. Als hauptsächliche Ursache vermutet die Medizin den Blutzuwachs im Blutkreislauf der Mutter. Dieser Blutzuwachs beträgt während der Schwangerschaft rund 40 Prozent. Außerdem verändert sich der Stoffwechsel.

Sowohl der Kohlenhydrat-, als auch der Fettstoffwechsel sind von diesen Veränderungen betroffen. Der Blutzucker und die Blutfette steigen während der Schwangerschaft zum Beispiel an. Auch diese Umstellungen des Stoffwechsels können mit dem Phänomen der Gestationshypertonie in Zusammenhang stehen. Bislang sind die Ursachen für den Bluthochdruck aber eher spekulativ und wissenschaftlich nicht abschließend abgeklärt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Normalerweise beginnt die Hypertonie in der 20. Schwangerschaftswoche oder später. Die Schwangerschaftshypertonie lässt die Schwangere über typische Bluthochdrucksymptome klagen. Kopfschmerzen oder Druckgefühle können vorliegen. Ebenso häufig treten mehr oder weniger schwere Sehstörungen auf. Der Bluthochdruck kann Schwindel und Übelkeit verursachen. Da im Rahmen der Hypertonie auch der Gefäßdruck erhöht ist, urinieren die Betroffenen oft häufiger, als vor der hypertonischen Erkrankung.

Ehemals wurde außerdem die Ödembildung durch Wassereinlagerungen als eines der Leitsymptome angegeben. Mittlerweile wird das Ödem aber nicht mehr als typisches Symptom der Schwangerschaftshypertonie verstanden. Wassereinlagerungen begleiten nämlich die meisten Schwangerschaften. Innerhalb von drei Monaten nach der Geburt bildet sich das Phänomen in 85 Prozent der Fälle zurück. Die restlichen 15 Prozent leiden nach der Schwangerschaft an chronischem Bluthochdruck.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose auf eine Schwangerschaftshypertonie wird über die Messung des Blutdrucks gestellt. Als Grenzwert gilt ein Wert von 140/90 mmHg. Die Messungen finden in Ruhe statt. Eine einzelne Messung reicht zur Diagnose nicht aus. Eine Gestationshypertonie liegt nur dann vor, wenn der Wert in zwei aufeinanderfolgenden Messungen den angegebenen Grenzwert überschreitet.

Eine Urinprobe wird durchgeführt, um die reine Gestationshypertonie von der Sonderform der Präeklampsie abzugrenzen. Für eine leichte Gestationshypertonie gilt eine relativ günstige Prognose. Leicht erhöhte Werte sind also meist kein großes Risiko für die Mutter und den Fötus. Wenn die Gestationshypertonie allerdings zu einer Präeklampsie reift und damit weitere Komplikationen begünstigt, verschlechtert sich die Prognose. Sowohl für den Fötus, als auch die Mutter können sich so die Risiken erhöhen.

Komplikationen

Bei der Gestationshypertonie kommt es in den meisten Fällen zu einer starken Steigerung des Blutdruckes während der Schwangerschaft. Das Kind bleibt von der Krankheit in der Regel unberührt, für die Mutter können sich allerdings unterschiedliche Komplikationen ergeben. So kommt es in der Schwangerschaft verstärkt zu Kopfschmerzen und zu Schwindel.

Dieser kann mit Druckgefühlen und mit einer Übelkeit verbunden sein, sodass die Lebensqualität des Patienten stark verringert wird. Durch den erhöhten Blutdruck kann es ebenfalls zu Herzbeschwerden der Patientin kommen, welche lebensgefährlich sein können. Im schlimmsten Falle kann es dabei durch einen Herzinfarkt zum Tode kommen.

In der Regel kann die Gestationshypertonie relativ schnell und frühzeitig diagnostiziert werden, sodass auch schon früh mit der Behandlung begonnen werden kann. In schwerwiegenden Fällen kommt es durch die Gestationshypertonie zu einer Frühgeburt. Diese kann mit Folgeschäden und im schlimmsten Falle mit dem Tod des Kindes verbunden sein.

Allerdings kann die Krankheit mit einer Umstellung der Ernährung relativ leicht wieder bekämpft werden, sodass es zu keinen weiteren Komplikationen und Beschwerden kommt. In einigen Fällen ist die Behandlung mit Hilfe von Medikamenten notwendig.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Die Empfehlung für die werdende Mutter ist, an allen angebotenen Untersuchungen zur Vorsorge oder Kontrolle während der Schwangerschaft teilzunehmen. So erfolgt für Mutter und Kind die beste Überprüfung des gesundheitlichen Zustands. In den routinierten Behandlungen kommt es zu einer Messung des Blutdrucks, so dass Unregelmäßigkeiten frühzeitig erkannt werden und eine schnelle Diagnose möglich ist. Kommt es außerhalb der Untersuchungen zu Unregelmäßigkeiten, sollte schnellstmöglich ein Arzt konsultiert werden.

Starkes Herzrasen, Unregelmäßigkeiten des Herz-Kreislauf-Systems oder Durchblutungsstörungen müssen unverzüglich mit einem Arzt besprochen werden. Bei einem anhaltenden Gefühl der inneren Hitze, Schweißausbrüchen oder Hitzewallungen ist ein Arztbesuch erforderlich. Kommt es zu innerer Unruhe, einem Krankheitsgefühl oder erhöhter Körpertemperatur, wird ein Arzt benötigt. Hat die Schwangere das diffuse Gefühl, dass es Unregelmäßigkeiten bei der Entwicklung des Kindes gibt, sollte sie einen Arzt aufsuchen.

Bei einer allgemeinen Schwäche, einem ungewöhnlichen Abfall der Leistungsfähigkeit, Schlafstörungen oder Problemen der Konzentration ist ein Arztbesuch notwendig. Stellen sich Störungen der vorhandenen Sehkraft ein oder leidet die werdende Mutter unter Kopfschmerzen, sollte sie einen Arzt konsultieren. Die Rücksprache mit einem Arzt ist bei Schwindel, anhaltender Übelkeit oder Erbrechen ab dem zweiten Trimester erforderlich. Ein ungewohnt starker Harndrang muss abgeklärt werden.

Behandlung & Therapie

Werdende Mütter mit Gestationshypertonie werden zunächst gut überwacht. Die Überwachung ist nicht nur während der restlichen Schwangerschaft, sondern vor allem während der Geburt erforderlich. Die werdende Mutter wird vom Arzt außerdem über die Gestationshypertonie und ihre möglichen Folgen und Ursachen aufgeklärt. Dieses Aufklärungsgespräch gibt ihr idealerweise ausreichend Verständnis für das Krankheitsbild, um sich während der restlichen Schwangerschaft möglichst viel zu schonen.

Durch die Aufklärung und Überwachung hat die Hypertonie in nur wenigen Fällen ernstzunehmende Auswirkungen auf die weitere Schwangerschaft oder die Geburt. Über medikamentöse Therapien wird der Blutdruck zeitig gesenkt, um das Risiko für Mangelentwicklungen oder eine Frühgeburt zu reduzieren. Die Therapie der Gestationshypertonie kann allerdings nicht ursächlich, sondern lediglich symptomatisch erfolgen. Bei stark erhöhten Werten verordnet der Arzt Bettruhe.

Jede Aktivität kann den Blutdruck weiter erhöhen. Die körperliche Schonung der Mutter ist daher unabkömmlich, um die Risiken minimal zu halten. In der Regel wird der Mutter außerdem zu einer ausgeglichenen und schwangerschaftskonformen Ernährung geraten. Vor allem bei einer leichten Hypertonie zeigt eine Ernährungsumstellung oft Erfolge.

Für eine medikamentöse Therapie der Hypertonie müssen die Risiken und Nutzen abgewogen werden. Daher wird in der Regel nur bei schweren Hypertonien zu einer medikamentösen Intervention geraten. Nicht nur extrem hohe Werte, sondern auch anhaltend erhöhte Werte sprechen für die medikamentöse Therapie. Als blutdrucksenkende Medikamente können zum Beispiel Alphamethyldopa, Betablocker oder Hydralazin zum Einsatz kommen.

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Vorbeugung

Der Schwangerschaftshypertonie lässt sich nicht vorbeugen, da die Ursache im physiologischen Blutzuwachs während der Schwangerschaft liegt. Trotzdem lässt sich der Verlauf der Gestationshypertonie beeinflussen. Schwangere mit erhöhtem Blutdruck müssen sich schonen und stellen idealerweise ihre Ernährung um, um die Werte nicht weiter in die Höhe zu treiben.

Das können Sie selbst tun

Neben der medizinischen Behandlung von Gestationshypertonie mittels Medikamenten, können auch natürliche Hausmittel dabei helfen, den Blutdruck niedrig zu halten.

Entscheidend ist es auf den Flüssigkeitshaushalt zu achten und dafür zu sorgen, dass genug getrunken wird. Darüber hinaus sollten Schwangere, welche unter einem erhöhten Blutdruck in der Schwangerschaft leiden, reichlich Vitamin D zu sich nehmen. Das Vitamin unterstützt den Körper dabei, den Blutdruck unter Kontrolle zu halten. Außerdem lässt ein Mangel an Vitamin D, den Blutdruck sofort sinken. Natürliches Vitamin D wird in erster Linie durch Sonnenlicht auf der Haut produziert. Daher eignen sich Spaziergänge im Freien besonders gut. Überdies kann ausreichende Bewegung durch einen Spaziergang die Begleitbeschwerden einer Schwangerschaft lindern und sich sehr positiv auf das Wohlbefinden der Schwangeren auswirken.

Die Einnahme von Zwiebel, Knoblauch, Pfefferminztee, viel Obst und Gemüse sowie eine salzarme Ernährung helfen ebenfalls dabei, den erhöhten Blutdruck zu senken. Diverse Hausmittel mit Zusätzen verschiedener Öle und Kräuter, können ebenfalls dabei helfen, den Blutdruck zu senken. Dies ist jedoch nicht ohne Weiteres anzuraten, denn nicht alle Kräuter und Öle sind besonders in der Schwangerschaft verträglich.

Bücher über Schwangerschaftserkrankungen

Quellen

  • Beckermann, M.J.: Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Schwabe, Basel 2004
  • Feige, A., Rempen, A., Würfel, W., Jawny, J., Rohde, A. (Hrsg.): Frauenheilkunde – Fortpflanzungsmedizin, Geburtsmedizin, Onkologie, Psychosomatik. Urban & Fischer, München 2005
  • Schneider, H., Husslein, P., Schneider, K.T.M.: Die Geburtshilfe. Springer, Berlin Heidelberg 2011

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