Gasbrand (Gasödem)

Letzte Aktualisierung am 9. August 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Gasbrand bzw. ein Gasödem ist eine Erkrankung, die lebensgefährlich ist und deren frühere Gefährlichkeit bis in die heutige Zeit der modernen Medizin erhalten geblieben ist.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Gasbrand?

Die infektiös-toxische Erkrankung des Gasbrandes, welche durch ein plötzliches Auftreten sowie einen kurzen, meist tödlichen Verlauf gekennzeichnet ist, wird im im medizinischen Fachjargon ebenfalls mit Gasödem, Gasgangrän oder Gasphlegmone sowie mit anderen Begriffen bezeichnet.

Es handelt sich beim Gasbrand (Gasödem) um eine Infektionskrankheit, weil diese durch verschleppte, krankheitserregende Mikorrorganismen ausgelöst werden kann. Die Erreger beim Gasbrand (Gasödem) befallen vorwiegend die sogenannten Weichteile des Organismus, was zu ganz spezifischen Symptomen führt, die in den überwiegenden Fällen zum Tode der erkrankten Person führen.

Die Ursache für die extreme Pathogenität der Krankheitserrger basiert auf der Zerstörung des Gewebes, wodurch es zum Untergang des betroffenen Organs oder Organsystems kommt.

Ursachen

Die Ursachen für Gasbrand (Gasödem) liegen im Eindringen krankheitserregender Bakterien der Clostridienstämme. Diese Bakterien können sich unter Luftabschluss vermehren und gelangen durch unnatürliche Körperöffnungen und beschädigte Gewebsareale in den Organismus.

In der Regel gelten Wunden durch Verletzungen mit stark verschmutzten Wundbereichen als prädestinierte Orte. Die Clostridien, die zu Gasbrand (Gasödem) führen, sind nicht grundsätzlich krankheitsauslösend. Durch ungünstige gesundheitliche Begleitumstände der infizierten Patienten kommt es jedoch zu einer forcierten Vermehrung dieser Sporen.

Ein geschwächtes Immunsystem, weitere große Verletzungen, Erkrankungen des Stoffwechselsystems oder Karzinome können einen negativen Krankheitsverlauf beim Gasbrand (Gasödem) begünstigen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Gasbrand ist eine äußerst lebensbedrohliche Erkrankung, die sich sehr schnell ausbreitet. Ausgehend von der infizierten lokalen Wunde stirbt das umliegende Gewebe sehr schnell ab und führt unbehandelt zu einer schweren Sepsis. Zu Beginn kommt es zu lokalen Symptomen. Ungefähr zwei Tage nach der Infektion mit dem Bakterium Clostridium perfringens beginnt die Nekrose des Gewebes um die Wunde.

Zunächst nimmt der Wundschmerz stark zu. Gleichzeitig schwillt die Region um die Wunde an und bildet ein sogenanntes Wundödem. In dem betroffenen Bereich kommt es zu einer bräunlich-gelben bis bläulich-schwarzen Verfärbung. Aus der Wunde sickert ein trübes und braunes Sekret, welches sehr übel riechend ist. Typisch ist ein auffälliges Knistern beim Berühren der erkrankten Stelle.

Dieses Knistern, auch als Krepitation bezeichnet, wird durch eine starke Gasbildung aufgrund der Zersetzung des abgestorbenen Gewebes hervorgerufen. Des Weiteren zersetzen die Bakteriengifte auch die Muskulatur in dem betroffenen Bereich. Nach der anfänglich lokalen Ausbreitung der Infektion gelangen die Bakterien in den Blutkreislauf und verursachen eine lebensgefährliche Sepsis.

Die Sepsis äußert sich durch einen drastischen Abfall des Blutdrucks und einer enormen Steigerung der Herzfrequenz (Herzrasen). Durch die Bakteriengifte findet zunächst in kleinen Blutgefäßen eine verstärkte Blutgerinnung mit der Bildung von Thromben statt. Nach dem schnellen Verbrauch der Gerinnungsfaktoren kommt es dann zu inneren Blutungen, die zu einem tödlichen Multiorganversagen führen können.

Diagnose & Verlauf

Der Verlauf der Erkrankung Gasbrand (Gasödem) mit den typischen Symptomen kann gleichzeitig eindeutige Hinweise für eine genaue Diagnose geben. Nach dem Eindringen der Sporen in den Organismus, nach dem Stattfinden der Verletzung, vergehen 5 bis 48 Stunden, bis starke Entzündungszeichen der Wunde auftreten.

Massive Rötungen, Schwellungen, unerträgliche Schmerzhaftigkeit und eine heiße Wundumgebung drängen die von Gasbrand Betroffenen zum Arzt. Beim Abfühlen des zunächst lokal begrenzten Wundbereiches hört der Arzt beim Gasödem ein knisterndes Geräusch. Durch die Entstehung von CO2 und der Absonderung von gasbrandtypischem Wundwasser ist Gasbrand eindeutig feststellbar.

Die Patienten bei Gasödem werden zunehmend schwächer, bekommen Fieber und oftmals eine Blutvergiftung. Im Endstadium führen beim Gasbrand der Funktionsverlust der Nieren sowie das Versagen beinahe aller Organe zum letalen Ausgang. Die Diagnostik bei Gasödem beschränkt sich hauptsächlich auf die Tastung und die optische Befunderhebung sowie mikrobiologische Untersuchungen und röntgenologische Möglichkeiten.

Komplikationen

Ein Gasödem kann für den Patienten lebensgefährlich sein, wenn dieses nicht behandelt wird. In den meisten Fällen kommt es dadurch zu starken Wundschmerzen. Die Wunde ist dabei angeschwollen und verfärbt sich in eine braune Farbe. Ebenso kommt es zu einem üblen Geruch an der Wunde, welche auch eine Flüssigkeit absondern kann.

Die betroffene Stelle erzeugt oft auch Ruheschmerzen, sodass es zu Schlafproblemen kommen kann. Ebenfalls durch die Schmerzen verursacht sind Einschränkungen in der Bewegung. Weiterhin kann sich die Wunde durch das Gasödem entzünden und es kann eine Blutvergiftung auftreten, welche zum Tode führen kann. Nicht selten kommt es dabei zu Fieber und zu Erbrechen. Die Lebensqualität des Patienten wird durch das Gasödem erheblich verringert.

Bei der Behandlung werden in der Regel operative Eingriffe und Medikamente verwendet. Diese verläuft oft ohne Komplikationen, wenn sie schon frühzeitig eingeleitet wird. In den meisten Fällen ergibt sich dadurch ein stets positiver Krankheitsverlauf. Die Lebenserwartung wird nur dann verringert, wenn die Behandlung nicht sofort eintritt oder wenn eine mangelnde Hygiene an der Wunde vorherrscht.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Ein Arzt ist aufzusuchen, sobald es zu ungewöhnlichen Veränderungen einer vorhandenen Wunde am Körper kommt. Heilt die Wunde nicht innerhalb weniger Tage sichtbar ab, sollte ein Kontrollbesuch bei einem Arzt eingeleitet werden. Kommt es zu Rötungen der Haut, Schmerzen oder einer Schwellung der Wunde, besteht Anlass zur Sorge.

Eine ärztliche Abklärung der Symptome sollte erfolgen, sobald die vorhandenen Beschwerden an Intensität zunehmen oder sich weiter ausbreiten. Da es sich bei dem Gasbrand um einen lebensbedrohlichen Zustand handelt, ist es notwendig, dass eine rechtzeitige medizinische Versorgung stattfindet. Wird ein unangenehmer Geruch der Wunde bemerkt oder kommt es zu einem Ausfluss mit einer bräunlichen Verfärbungen, wird ein Arzt benötigt. Entstehen Geräusche beim Betasten der Wunde, ist es ratsam, einen Arzt zu konsultieren. Abgeschlagenheit, allgemeine Schwäche oder eine erhöhte Körpertemperatur gelten als unüblich und sind von einem Arzt untersuchen sowie behandeln zu lassen.

Bei Übelkeit, Erbrechen oder einem allgemeinen Krankheitsgefühl ist ein Arzt aufzusuchen. Nimmt die vorhandene Leistungsfähigkeit kontinuierlich ab, erhöht sich der Schlafbedarf und können alltägliche Aufgaben nicht mehr wie gewohnt erfüllt werden, ist ein Arztbesuch erforderlich. Eine Behandlung ist ebenfalls essentiell, sobald es zu Funktionsstörungen kommt oder sich der Gesundheitszustand allmählich verschlechtert.

Behandlung & Therapie

Obwohl die Häufigkeit der Sterblichkeit bei Gasbrand auch gegenwärtig besorgniserregend hoch ist, kann grundsätzlich eine therapeutische Hilfe geleistet werden. Diese basiert auf der Kombination aus einem oder mehreren chirurgischen Eingriffen, um befallene Gewebe zu entfernen, und einer Verabreichungen starker antibiotisch wirkender Medikamente.

Diese Maßnahme hat das Ziel, die Krankheitserreger gezielt zu bekämpfen, indem ihre Teilungsfähigkeit gestoppt wird. Zum Einsatz im Bereich der medikamentösen Therapie kommen hauptsächlich hochwirksame und hochdosierte Breitbandantibiotika, die für anaerob lebende Bakterien entwickelt wurden.

Bei fortgeschrittenen Symptomen ist die Therapie um ein Vielfaches schwerer. Die meisten Betroffenen müssen mit umfangreichen operativen Eingriffen behandelt werden, die zum Verlust von Organen und Extremitäten führen können. Eine bei Gasbrand als hyperbare Oxygenierung bezeichnete therapeutische Vorgehensweise ist von zahlreichen anderen Erkrankungen als Sauerstofftherapie bekannt.

Die Patienten mit Gasödem werden hierbei in Überdruckkammern behandelt. Um die Schwerstkranken mit Gasbrand am Leben erhalten zu können und deren Zustand soweit wie möglich stabilisieren zu können, sind umfangreiche intensivtherapeutische Maßnahmen erforderlich. Um die Chancen auf einen nicht tödlichen Ausgang bei Gasödem zu erhöhen, ist es unbedingt erforderlich, die Behandlung von Gasbrand so rechtzeitig wie möglich einzuleiten.

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Aussicht & Prognose

Gasbrand ist ein schweres Leiden, das in 30 bis 50 Prozent der Fälle tödlich verläuft. Noch höher ist die Lethalität bei endogenem Gasbrand, von welchem überwiegend immungeschwächte Personen betroffen sind. Die Prognose ist besser, wenn das Gasödem an den Extremitäten auftritt. Eine Erkrankung des Körperstamms verläuft in rund 50 bis 70 Prozent der Fälle tödlich. Wird die Erkrankung frühzeitig erkannt und wirksam therapiert, ist eine vollständige Genesung möglich. Oftmals müssen die befallenen Gliedmaßen amputiert werden. Dies geht mit körperlichen und seelischen Komplikationen einher.

Auch bei einem positiven Verlauf bleiben nach Gasbrand fast immer schwere körperliche Einschränkungen zurück. Neben Vernarbungen und sonstigen Hautveränderungen kommt es zu Missempfindungen, Lähmungserscheinungen oder Phantomschmerzen, welche das Wohlbefinden einschränken. Bei positiv verlaufendem Gasbrand wird die Lebenserwartung nicht zwingend eingeschränkt.

Schwerwiegende Ödeme am Torso oder Kopf erhöhen das Risiko für Infektionen und andere lebensbedrohliche Folgeerkrankungen. Grundsätzlich bietet Gasbrand also eine relativ schlechte Prognose. Bei einer frühzeitigen Diagnose und einer erfolgreichen Therapie ist eine partielle Heilung möglich. Die meisten Betroffenen leiden dauerhaft an den Folgen der nekrotischen Infektion.

Vorbeugung

Zur Vorbeugung gegen Gasbrand sind schon einfache Hinweise enorm hilfreich. Bei verletzungen und starken Verschmutzungen von Wunden müssen diese intensiv gereinigt und desinfiziert werden. Nach diesen Tätigkeiten müssen die involvierten Wundbereiche steril verbunden werden. Die Wundheilung beim Gasbrand sollte eine stetige Kontrolle des Heilungsverlaufs stattfinden. Handelt es sich um schlecht und ungenügend gereinigte Wunden können vorbeugende antibiotische Medikamente gegen Gasödem sinnvoll sein.

Nachsorge

Bei einem Gasbrand stehen dem Betroffenen nur eingeschränkt Möglichkeiten der Nachsorge zur Verfügung. Dabei sollte der Betroffene den Brand in erster Linie medizinisch behandeln lassen, um weitere Komplikationen und Beschwerden an der Haut zu verhindern. Je früher die Behandlung dabei eingeleitet wird, desto besser ist der weitere Verlauf der Erkrankung.

Im Allgemeinen sollte die schädliche Quelle für den Gasbrand sofort außer Kraft gesetzt werden, um die Haut nicht noch weiter zu verletzen. In vielen Fällen müssen dabei allerdings auch Krankheitserreger gestoppt werden, falls diese für den Gasbrand verantwortlich sind. Dabei erhalten die Betroffenen in der Regel Antibiotika und weitere Medikamente. Eine regelmäßige Einnahme dieser Medikamente sollte beachtet werden, wobei auch mögliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen im Vorfeld abgeklärt werden sollten.

Antibiotika dürfen nicht zusammen mit alkoholischen Getränken eingenommen werden, da ihre Wirkung durch den Alkohol sonst gelindert wird. Häufig benötigen die Betroffenen bei einem Gasbrand auch die Hilfe und die Unterstützung der Freunde und der Familie, um psychische Beschwerden zu vermeiden. Dabei ist auch eine liebevolle und intensive Pflege häufig notwendig. In schwerwiegenden Fällen kann der Gasbrand allerdings auch zu einer verringerten Lebenserwartung des Betroffenen führen.

Das können Sie selbst tun

Wurde ein Gasbrand festgestellt, erfolgt normalerweise direkt eine offene Wundbehandlung. Anschließend ist der Betroffene dazu angezeigt, die Wunde sorgsam zu pflegen, um eine weitere Infektion zu vermeiden bzw. eine Ausbreitung noch vorhandener Clostridien zu unterbinden.

Ist eine Operation vonnöten, gilt für den Betroffenen Schonung. Die wichtigste Selbsthilfe-Maßnahme liegt darin, die Erkrankung gut auszukurieren. Begleitend dazu müssen die Anweisungen bezüglich Körperhygiene und Wundpflege beachtet werden. Manchmal kann eine passende Diät den Heilungsverlauf unterstützen und die Beschwerden reduzieren. Der Arzt muss die Wunde regelmäßig kontrollieren und unter Umständen die Medikation anpassen. In vielen Fällen werden Antibiotika verschrieben, die von der erkrankten Person strikt nach den Vorgaben des Arztes eingenommen werden müssen. Sollten sich Nebenwirkungen bemerkbar machen, muss der Mediziner darüber informiert werden. Nach Rücksprache mit dem Arzt dürfen unter Umständen natürliche Präparate zur Schmerzreduktion eingesetzt werden.

Wenn keine weiteren Komplikationen auftreten, heilt ein Gasbrand meist nach wenigen Tagen bis Wochen aus und bedarf keiner weiteren medizinischen Behandlung. Durch eine ausreichende Wundversorgung kann die Entstehung eines weiteren Gasödems vermieden werden. Sollte es dennoch erneut zu einer Infektion kommen, muss umgehend der behandelnde Arzt konsultiert werden.

Quellen

  • Darai, G., Handermann, M., Sonntag, H.-G., Zöller, L. (Hrsg.): Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen. Springer, Berlin 2012
  • Hahn, H., et al.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer, Berlin 2012
  • Suttorp, N., et al.: Infektionskrankheiten. Thieme, Stuttgart 2004

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