Augenprothese

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 15. Dezember 2016
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Bei einer Augenprothese handelt es sich um ein Kunstauge. Sie dient als kosmetischer Ersatz für ein verlorenes Auge.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Augenprothese?

Unter einer Augenprothese wird ein künstliches Auge verstanden. Sie ist auch allgemein als Glasauge bekannt. Als Hilfsmittel kommt sie zur Anwendung, um die Gesichtsästhetik des Patienten zu verbessern. Sie ist nicht in der Lage, die Sehkraft wiederherzustellen.

Eingesetzt wird eine Augenprothese nach der operativen Entfernung oder dem Verlust eines Auges aufgrund eines Unfalls. Die Anfertigung einer Augenprothese erfolgt durch speziell ausgebildete Okularisten. Diese absolvieren eine Lehrzeit von 6 bis 7 Jahren und müssen über besondere manuelle Fähigkeiten sowie künstlerisches Talent verfügen. Sie sind auch als Augenprothetiker, Kunstaugenhersteller oder Augenkünstler bekannt.

In Deutschland gibt es bereits seit dem 19. Jahrhundert Augenprothesen, deren Herstellung in reiner Handarbeit erfolgt. Die Produktion des ersten Kunstauges in Deutschland fand 1835 in Lauscha statt.

Formen, Arten & Typen

Augenprothesen lassen sich in mehrere Formen unterteilen. Im Rahmen einer medizinischen Erstversorgung kommen zunächst Lochprothesen zur Anwendung. Dabei handelt es sich um Kollektionsaugen, die über ein Loch verfügen. Auf diese Weise wird die Zufuhr von Arzneimitteln erleichtert. Eine weitere Variante stellen die sogenannten Conformer dar. Dies sind individuell hergestellte Prothesen ohne eine Iriszeichnung. Sie werden eingesetzt, um die Adnexe oder Orbita (Augenhöhle) zu rekonstruieren.

Ist der Wundheilungsprozess der Augenhöhle abgeschlossen, erfolgt in der Regel eine weitere Prothesenversorgung. Diese ist erforderlich, um einen korrekten Sitz der Augenprothese zu gewährleisten. Dabei wird zwischen einwandigen Schalenprothesen, einwandigen Spezialprothesen sowie doppelwandigen Reformprothesen differenziert.

Eine einwandige Schalenprothese wird eingesetzt, um Augenstümpfe oder Plomben zu überkleiden, wenn ein geschrumpfter Augapfel vorliegt, das Implantat extrem groß ist, oder die Augenhöhlen nur wenig Platz und Halt bieten. Dies kann zum Beispiel bei Lidfehlstellungen der Fall sein. Eine einwandige Spezialprothese kommt zur Anwendung, wenn das Auge noch vorhanden, aber geschrumpft oder erblindet ist und eine Fehlstellung besteht. Doppelwandige Reformprothesen dienen zur Versorgung von tief liegenden Plomben oder Augenstümpfen.

Aufbau & Funktionsweise

In Deutschland gibt es bereits seit dem 19. Jahrhundert Augenprothesen, deren Herstellung in reiner Handarbeit erfolgt.

Bei Augenprothesen handelt es sich stets um individuelle Einzelanfertigungen. Sie bestehen entweder aus Kyrolithglas oder Kunststoff. Die Anfertigung der Augenprothesen richtet sich im Detail und in der Färbung nach dem zweiten Auge, das noch gesund ist. Dabei werden winzige Einzelheiten wie die Färbung des Augenkörpers, die Iris sowie die roten Bindehautäderchen, die bei jedem Menschen individuell verschieden ausfallen, berücksichtigt. Mithilfe von erhitzten Glasfadenstäbchen empfindet der Okularist sie innerhalb des Kunstauges nach.

Beim Kyrolithglas handelt es sich um ein spezielles Glas, das in Deutschland bereits seit etwa 1850 zur Anwendung kommt. Das Material dieses Glasauges wird einer Feuerpolitur unterzogen und weist eine sehr glatte und dichte Oberfläche auf. Augenprothesen aus Kyrolithglas haben die Eigenschaft, gut verträglich und pflegeleicht zu sein. Des Weiteren bieten sie einen angenehmen Tragekomfort. Schädliche Stoffe sind in den Glasaugen nicht enthalten. Mit ihrer Gewebeneutralität sorgen sie für eine gute Hygiene.

Eine Glasprothese wird wie das gesunde Auge mit Tränenflüssigkeit versorgt, wodurch es nicht austrocknet und einen natürlichen Glanz erhält. Auch beim Lidschlagen sind keine Beeinträchtigungen zu verzeichnen.

Das Anfertigen einer Glasprothese lässt sich schon bei einer einzigen Sitzung bewerkstelligen. Da ein Glasauge jedoch relativ zerbrechlich ist, sollte der Anwender beim Einsetzen und Herausnehmen der Augenprothese stets Vorsicht walten lassen.

Neben den Augenprothesen aus Kyrolithglas kommen auch Kunststoffprothesen zur Anwendung. Ihre Herstellung erfolgt aus dem medizinischen Kunststoff PMMA. Gegenüber dem Glasauge haben sie den großen Vorteil, unzerbrechlich zu sein. Allerdings sind die Kunststoffprothesen schlechter zu handhaben. Außerdem besteht durch eine unsachgemäße Anfertigung das Risiko von Entzündungen der Augenhöhle. Für das Herstellen einer Augenprothese aus Kunststoff sind in der Regel zwei Besuche bei einem Okularisten erforderlich. Außerdem wird empfohlen, die Prothese alle sechs Monate von einem Fachmann nachpolieren zu lassen. Nach etwa vier Jahren ist ein Ersatz der Kunststoffprothese nötig.

Zur Anwendung wird die Augenprothese einfach in die Augenhöhle eingesetzt und wieder herausgenommen. Es ist ratsam, das Einsetzen und Herausnehmen nicht über harten Untergründen wie Fliesen oder Waschbecken vorzunehmen.

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Medizinischer & gesundheitlicher Nutzen

Die Anwendung einer Augenprothese dient kosmetischen Zwecken und stellt die Harmonie des Gesichts wieder her. Die Sehkraft lässt sich durch das Kunstauge dagegen nicht wiedergeben. Eingesetzt wird eine Augenprothese zumeist nach dem Verlust eines Auges. Dieser kann aufgrund einer Krankheit, eines Unfalls oder einer Operation wie der Enukleation, bei der die chirurgische Entfernung des Auges stattfindet, eintreten. Das Gleiche gilt für Tumoroperationen, bei denen viel Gewebe verloren geht.

Sind auch benachbarte Körperstrukturen betroffen, wird die Augenprothese gelegentlich mit einer Epithese kombiniert. Es kann auch notwendig sein, ein blindes Auge zu entfernen, welches dem Patienten ständig Schmerzen bereitet. Ebenso ist mitunter der Austausch eines Auges mit einer Augenprothese aus kosmetischen Gründen sinnvoll, wenn zum Beispiel eine Schrumpfung des Auges besteht.

Augenprothesen haben den Vorteil, dass sie einem gesunden Auge oft sehr ähnlich sehen. In manchen Fällen lässt sich die Prothese sogar etwas bewegen, wenn auch mit Einschränkungen. Für Laien ist eine Augenprothese oftmals kaum zu erkennen, was den Trägern des Kunstauges ihr Leben erleichtert. Auf diese Weise erlangen die Betroffenen eine höhere Lebensqualität.

Der Einsatz einer Augenprothese ist nicht in jedem Fall möglich. Als häufige Gegenanzeige gilt das Vorliegen von Bindehautproblemen.

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