Epithese

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 15. Dezember 2016
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Epithesen sind ästhetische Prothesen aus körperfremden Materialien, die Körperdefekte ausgleichen sollen. Vor allem Körperdefekte im Gesicht werden durch Epithesen behoben. Damit verringert sich der Leidensdruck von Unfallopfern und Tumorpatienten, die Teile des Gesichts verloren haben.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Epithese?

Bei plastisch chirurgischen Epithesen wird körperfremdes Material dazu verwendet, Körperdefekte auszugleichen. Der Begriff der Epithese stammt aus dem Griechischen und bedeutet in seiner wörtlichen Übersetzung "das Aufgesetzte".

Die ersten Epithesen soll es schon bei den Ägyptern gegeben haben. Im Mittelalter wurden Epithesen erstmals bildlich dargestellt und im 18. Jahrhundert bereitete sich die moderne Epithetik vor. Der Zahnarzt Nicolas Dubois de Chémant formte damals erste Epithesen der Nase und des Kinns, die allesamt aus Porzellan bestanden. Später wurden auch Stoffe wie Kautschuk, Aluminium und Silikon für Epithesen entdeckt.

Die Epithetik steht vor allem unter dem Stern der Ästhetik. Durch die Epithese soll in der Regel eine Linderung von psycho-sozialen Belastungen nach Entstellungen herbei geführt werden. Der vorrangig ästhetische Aspekt unterscheidet eine Epithese von einer Prothese oder einer Orthese, die vorwiegend funktionalen Anforderungen gerecht werden müssen. Am häufigsten werden Epithesen für den Bereich des Gesichts angefertigt, so vor allem nach Unfällen oder Operationen.

Formen, Arten & Typen

Epithesen können aus verschiedenen, körperfremden Materialien hergestellt werden. So kann zum Beispiel sowohl Glas, als auch Kunststoff, Porzellan, Metall oder Gummi die Basis bilden. Welches Material verwendet wird, hängt vor allem von der Körperstelle ab, die durch die Epithese ersetzt werden soll.

Die Befestigung einer Epithese kann auf vier unterschiedliche Arten erfolgen. So kann eine Epithese des Auges in der leeren Augenhöhle zum Beispiel an bereits vorhandenen, anatomischen Strukturen befestigt werden. Augen- und Nasenepithesen können aber ebenso mechanisch befestigt werden. Sie können dann zum Beispiel an einer Brille angebracht sein, was das aufsetzen und abnehmen erleichtert. Da diese Art der Epithese allerdings tagtäglich mit der Brille abgenommen und aufgesetzt wird und zum Beispiel während sportlicher Betätigung von der Nase rutschen kann, ist sie heute nicht das beliebtes Modell.

Die dritte Befestigungsmöglichkeit ist die Fixierung der Epithese durch chemische Mittel wie medizinischen Klebstoff. Ein solches Vorgehen ist relativ schnell umsetzbar, kann aber die Haut reizen. Bei der vierten Art der Befestigung wird die Epithese an einem Titanimplantat kurz unter der Haut befestigt. Diese Verankerungsart ist in der modernen Medizin mittlerweile am weitesten verbreitet. Der Epithesenträger, also die Durchtrittsstelle der Titanimplantate durch die Haut muss zur Vermeidung von Entzündungen und anderen Komplikationen regelmäßig gesäubert werden.

Aufbau & Funktionsweise

Manche Patienten bevorzugen auch heute noch angeklebte Epithesen, da ihnen bei dieser Befestigungsart der Operationsaufwand erspart bleibt.

Manche Epithesen passen sich durch ihre Form selbst an einen Körperdefekt an und bleiben so ohne Hilfsmittel daran haften. Falls eine solche Epithese außerhalb der Möglichkeiten liegt, muss sie wie oben beschrieben mechanisch verankert werden. Meist implantiert der Arzt zu diesem Zweck kleine Metallstifte in den Knochen. Diese Metallstifte ragen am Ende der Implantation wie winzige Verankerungspfosten aus der Haut des Patienten heraus. An den Metallstiften lässt sich daraufhin die Epithese fixieren. Die endgültige Fixierung kann über magnetische Komponenten in der Epithese, über Stege, Druckknöpfe oder auch Klammern vorgenommen werden.

Eine entscheidende Frage ist in diesem Zusammenhang ist beispielsweise die danach, ob der Patient die Epithese regelmäßig abnehmen will oder sollte. So werden die individuellen Bedürfnisse des Patienten bei der Planung berücksichtigt. Auch die Lebenssituation des Patienten hat Einfluss auf die endgültige Befestigungsart. Ein junger Hochleistungssportler wünscht sich von einer Epithese beispielsweise oft Stabilität und Halt. Senioren und Seniorinnen in einem ruhigeren Leben liegt die einfache Handhabung der Epithese dagegen oft mehr am Herzen als die Stabilität der Befestigung. Manche Patienten bevorzugen auch heute noch angeklebte Epithesen, da ihnen bei dieser Befestigungsart der Operationsaufwand erspart bleibt. Wegen seiner geringen Haltekraft wird medizinischer Klebstoff heute aber nur noch für kleine und leichte Epithesen empfohlen.

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Medizinischer & gesundheitlicher Nutzen

Der Nutzen einer Epithese zeigt sich in erster Linie in der sozialen Integration und der verbesserten psychischen Verfassung der Patienten. Gerade Menschen mit Gesichtsdefekten ziehen sich aus Scham oft sozial zurück und leiden durch den entstellenden Defekt so unter psychisch verheerenden Folgen.

Durch Epithesen sollen Betroffene aber nicht nur weniger Spott oder Verstörung von anderen Menschen ernten. Sie sollen auch Sicherheit zurückgewinnen und den eigenen Selbstwert wieder steigern. Für die soziale Interaktion und damit den zwischenmenschlichen Umgang ist gerade das Gesicht mit seinen Einzelteilen ein unersetzlich wichtiges Instrument des Ausdrucks und wird sogar als eine Art Visitenkarte behandelt. Durch Epithesen wird dem Betroffenen die Sicherheit bei der sozialen Interaktion zurückgegeben. Soziale Interaktionen und zwischenmenschliche Beziehungen werden dem Patienten auf diese Weise erleichtert. Die Gefahr der Isolation nach einer Entstellung lässt sich über Epithesen daher reduzieren. Psychische Folgen werden so reduziert und die Lebensqualität der Betroffenen steigt an.

Dieser Aspekt spielt auch für Prothesen eine Rolle, steht im Bereich der Epithesen aber an einer noch bedeutenderen Stelle. Gesundheitlichen Nutzen haben Epithesen dementsprechend vor allem im Rahmen der psychischen Gesundheit.

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