Zyklothymia

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 28. Juli 2017
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Die Zyklothymia zählt zu den dauerhaften affektiven Störungen. Die Betroffenen leiden dabei unter einer Instabilität ihrer Stimmung sowie ihres Antriebs.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Zyklothymia?

Unter der Zyklothymia wird eine psychische Störung verstanden. Genauer gesagt stellt sie eine anhaltende affektive Störung dar. Sie macht sich durch eine chronische Instabilität der Stimmung des Patienten bemerkbar. Im Verlauf der Zyklothymia, die auch zyklothyme Persönlichkeit oder zyklothymes Temperament genannt wird, kommt es zur Abwechslung von depressiven, manischen und hypomanen Episoden.

Die Betroffenen empfinden die psychische Störung jedoch nicht als extrem, sodass nur in seltenen Fällen eine Behandlung stattfindet. Die Lebenszeitprävalenz der Zyklothymia schwankt zwischen 0,5 und 1 Prozent. Sie zeigt sich besonders häufig bei Menschen, deren Angehörige unter einer bipolaren affektiven Störung leiden.

Bei einigen Personen geht die zyklothyme Störung schließlich selbst in eine bipolare affektive Störung über. Die Beschwerden bei einer Zyklothymia fallen deutlich geringer aus als bei einer bipolaren affektiven Störung. Im deutschen Sprachraum erfolgt häufig eine synonyme Verwendung der Begriffe Zyklothymia und Zyklothymie. Der Zyklothymie-Begriff machte jedoch mit der Zeit einen Wandel in seiner Bedeutung durch.

Geprägt wurde er im Jahr 1880 durch den deutschen Psychiater Karl Ludwig Kahlbaum (1828-1899). Er diente seinerzeit als Begriff für die heutige bipolare affektive Störung und erfasste deren zyklierende Natur. In späteren Jahren fand die Bezeichnung dann Verwendung zur Umschreibung des Krankheitsbildes der zyklothymen Störung.

Ursachen

Die genauen Ursachen der Zyklothymia sind nicht bekannt. Es wird angenommen, dass genetische Dispositionen oder traumatische Ereignisse zu ihrer Entstehung führen. Dabei kann die Störung unabhängig vom Alter des Betroffenen auftreten. Meist sind belastende Erlebnisse oder andere Erkrankungen für sie verantwortlich.

Typisch für die zyklothyme Störung ist der Wechsel zwischen hypomanen (leicht gehobene Grundstimmung) und depressiven Episoden. Die dynamischen Schwankungen zeigen sich entweder spontan oder reaktiv, wobei sie durch bestimmte Ereignisse ausgelöst werden. Die Zyklothymia zeigt sich normalerweise bereits in der späten Kindheit oder im frühen Erwachsenenalter. Sie kann in manchen Fällen das ganze Leben lang bestehen. Über Monate bleiben dabei Stimmung und Antrieb oft unauffällig.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Kommt es während der Zyklothymia zu einer depressiven Phase, fehlt es den Patienten an Antrieb. Außerdem leiden sie unter Problemen beim Einschlafen oder Durchschlafen und Konzentrationsstörungen. Das Selbstvertrauen der betroffenen Personen ist reduziert. Sie führen weniger Gespräche als sie es normalerweise tun.

Darüber hinaus sind weitere typische Depressionssymptome zu verzeichnen wie der Verlust von Interessen, Schuldgefühle, Grübeln, Pessimismus über die Zukunft sowie sozialer Rückzug. Tritt eine Periode mit gehobener Stimmung auf, fällt der Antrieb stärker aus und das Schlafbedürfnis nimmt ab. Nicht selten ist das Selbstwertgefühl der Patienten stärker ausgeprägt. Sie führen mehr Gespräche als sonst und erweisen sich im Denken ungewöhnlich kreativ. Bei manchen Menschen kommt es während der hypomanen Episode zu einem stärkeren sexuellen Verlangen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose Zyklothymia lässt sich erst dann stellen, wenn die betroffenen Personen mindestens zwei Jahre lang unter dem Wechsel von hypomanen und depressiven Episoden leiden. Außerdem dürfen die symptomfreien Intervalle nicht länger als zwei Monate anhalten. Die hypomanen Perioden führen nicht zu starken beruflichen oder sozialen Beeinträchtigungen.

Auch zu einem Klinikaufenthalt kommt es nicht. Ebenso dürfen keine psychotischen Symptome auftreten, weil sonst die Bedingungen für eine gemischte oder manische Episode vorlägen. In solchen Fällen kann der Arzt keine zyklothyme Störung feststellen. Gleiches gilt, wenn während der ersten beiden Erkrankungsjahre eine Major-Depression zu verzeichnen ist. Auszuschließen sind zudem wahnhafte oder psychotische Störungen.

Die Symptome dürfen auch nicht durch die Einnahme von Medikamenten oder Drogen entstehen. Einen wichtigen Anhaltspunkt bilden zudem bipolare affektive Störungen, die innerhalb der Familie des Patienten vorkommen. Ein bedeutendes Diagnosekriterium für den Arzt ist, dass die Stimmungsschwankungen der Zyklotyhmia normalerweise nicht durch bestimmte Ereignisse im Leben des Patienten hervorgerufen werden.

In der Regel zeigen sie sich spontan. Bei der Differentialdiagnose ist auf Anpassungsstörungen mit depressiver Stimmung, eine bipolare Störung sowie depressive oder dysthyme Störungen zu achten. Die Zyklothymia dauert oft mehrere Jahre lang an.

Da die Patienten sie oft wegen ihrer leichten Ausprägung für gewöhnliche Stimmungsschwankungen oder nicht veränderbare Charaktereigenschaften halten, wenden sie sich nur selten an einen Arzt. In manchen Fällen geht die Zyklothymia auch mit Suchterkrankungen wie Drogen- oder Alkoholmissbrauch einher. Eher selten zeigt sich ein negativer Verlauf, der zu einer bipolaren Störung führt.

Behandlung & Therapie

Welche Behandlung bei einer Zyklothymia stattfindet, legt der Arzt individuell für den Patienten fest. So ist zum Beispiel die Gabe von Medikamenten wie Antidepressiva möglich. Allerdings wird die Einnahme von Antidepressiva kritisch gesehen. So kann sie bei alleiniger Anwendung bei rund 50 Prozent aller Patienten hypomane oder manische Symptome hervorrufen. Als geeignete Alternative gilt daher die Darreichung von Carbamazepin, Valproinsäure und Lithium.

Darüber hinaus kann auch eine Psychotherapie wie eine Gesprächstherapie oder Verhaltenstherapie durchgeführt werden. Eine weitere sinnvolle Behandlungsmöglichkeit stellt die Wachtherapie dar. Dagegen erwies sich die Anwendung der Elektrokrampftherapie zur Behandlung der zyklothymischen Störung als unwirksam. Wichtig ist, schon rasch nach der Diagnosestellung mit der Durchführung der Therapie zu beginnen, um einer Verschlimmerung der Krankheit entgegenzuwirken.

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Vorbeugung

Vorbeugende Maßnahmen gegen die Zyklothymia sind nicht bekannt. So wurden die auslösenden Ursachen der affektiven Störung noch nicht vollständig erforscht.

Bücher über Affektive Störungen

Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Lieb, K., Frauenknecht, S., Brunnhuber, S.: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer, München 2015
  • Möller, H.-J., Laux, G., Deister, A.: Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2015

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