Carbamazepin

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 28. November 2016
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Carbamazepin wird in der Medizin als Wirkstoff zur Vorbeugung und Behandlung neurologischer Erkrankungen eingesetzt. Vor allem wird es zur Prophylaxe von Krampfanfällen verwendet. Der Wirkstoff wird in Deutschland häufig verordnet.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Carbamazepin?

Carbamazepin ist eine Substanz, die als Antikonvulsivum bezeichnet wird. Antikonvulsiva sind Arzneimittel, die zur Behandlung und Vorbeugung epileptischer Anfälle verwendet werden. Chemisch wird es der Klasse der Dibenzazepine zugeordnet. Es ähnelt der Struktur des Stoffes Imipramin.

Synonyme Bezeichnungen für das Carbamazepin sind 5H-Dibenz[b,f]azepin-5-carbamid, 5H-Dibenzo[b,f]azepin-5-carboxamid und Carbamazepinum. Die Summenformel des Stoffes lautet C15H12N2O. Zur Verarbeitung liegt das Carbamazepin als weißes oder fast weißes kristallines Pulver vor. Es ist polymorph, kann also in verschiedenen Erscheinungsformen auftreten. Der Aggregatzustand ist fest. Carbamazepin ist in Wasser sehr schwer löslich. Es ist leicht löslich in Dichlormethan und wenig löslich in Aceton und Ethanol 96%.

Pharmakologische Wirkung

Der Stoff Carbamazepin wirkt im menschlichen Körper über die Blockade von Natriumkanälen, die sich in den Axonen der Nervenzellen befinden. Der genaue Wirkmechanismus ist bisher nicht abschließend geklärt. Der Wirkstoff wird in einer Zeit von 6 bis 8 Stunden nach Einnahme relativ langsam resorbiert. Die Bioverfügbarkeit beträgt 80%. Die therapeutische Breite des Carbamazepin ist gering. Eine genaue Dosierung ist folglich wichtig, um einerseits die gewünschte Wirkung zu erreichen, andererseits jedoch eine Überdosierung zu vermeiden. Dabei ist auf die richtige Dosis und die streng regelmäßige Einnahme des Medikamentes zu achten.

Carbamazepin wird im menschlichen Körper in der Leber metabolisiert. Die Verarbeitung erfolgt über Enzyme des Cytochrom-P450-Systems. Carbamazepin induziert das Enzymsystem. Hauptsächlich wird die Substanz in dem Enzym CYP3A4 verstoffwechselt. Da über das Cytochrom-P450-Enzymsystem zahlreiche Medikamente metabolisiert werden, liegt hier ein mögliches Risiko für die Entstehung von Wechselwirkungen des Carbamazepins mit anderen Arzneimitteln.

Bei der Verstoffwechselung von Carbamazepin im Körper entsteht als Folgeprodukt Carbamazepin-10,11-Epoxid. Dieser Stoff ist ebenfalls antikonvulsiv wirksam. Er soll jedoch auch für Nebenwirkungen des Medikamentes verantwortlich sein.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Carbamazepin wird in der Medizin als Wirkstoff zur Vorbeugung und Behandlung neurologischer Erkrankungen eingesetzt. Vor allem wird es zur Prophylaxe von Krampfanfällen verwendet.

In der Medizin wird Carbamazepin als Medikament zur Behandlung unterschiedlicher neurologischer Erkrankungen eingesetzt. Es ist in Deutschland rezeptpflichtig. Der Wirkstoff wird zur Behandlung und Vorbeugung verschiedener Formen der Epilepsie angewendet. Er wird bei fokalen Anfällen eingesetzt. Dabei handelt es sich um Krampfanfälle, die von einem umschriebenen Bereich des Gehirns ausgehen. Mit Carbamazepin werden sowohl einfache partielle (ohne Bewusstlosigkeit) als auch komplexe partielle Anfälle (mit Bewusstlosigkeit) therapiert. Generalisierte epileptische Anfälle betreffen beide Gehirnhälften. Auch bei diesen wird Carbamazepin eingesetzt. Ebenso findet der Wirkstoff bei gemischten Epilepsieformen Anwendung.

Ein weiteres Einsatzgebiet des Medikamentes ist die Trigeminus-Neuralgie. Dabei handelt es sich um anfallsartig auftretenden Gesichtsschmerz, der vom Gesichtsnerven Nervus trigeminus ausgeht. Bei der Glossopharyngeus-Neuralgie leiden die Patienten unter Schmerzen im Rachenraum. Auch diese Erkrankung kann mit Carbamazepin therapiert werden.

Die diabetische Polyneuropathie ist eine Folgeerkrankung der Zuckerkrankheit und ein weiteres Einsatzgebiet des Wirkstoffes. Carbamazepin wird auch gegen Symptome bei Multipler Sklerose wie Missempfindungen, Schmerzen, Sprech- oder Bewegungsstörungen verwendet.

Ein weiterer Einsatzbereich ist die Verhütung epileptischer Anfälle im Rahmen des Alkoholentzugs. Bei manisch-depressiven Erkrankungen wird der Wirkstoff benutzt, um Phasen der Krankheit vorzubeugen.

Carbamazepin liegt in Tablettenform vor. Abhängig von der Dosis und Darreichungsform kann es bei Erwachsenen und Kindern angewendet werden.

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Risiken & Nebenwirkungen

Häufig führt die Einnahme von Carbamazepin zu Schwindel, Müdigkeit, Benommenheit sowie Bewegungsstörungen. Ebenfalls häufig können Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit auftreten. Carbamazepin kann Überempfindlichkeitsreaktionen mit Hautausschlag, Fieber und Allgemeinsymptomen hervorrufen. Schwere allergische Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock sind sehr selten. Von schwerwiegenden bis lebensbedrohlichen Hautreaktionen wurden im Zusammenhang mit der Einnahme von Carbamazepin in Einzelfällen berichtet.

Die Einnahme von Carbamazepin kann zu Blutbildveränderungen führen, die meist harmlos sind. Sehr selten sind auch schwere Verläufe möglich. Durch den Wirkstoff können Wassereinlagerungen im Gewebe entstehen. Laborparameter wie Elektrolyte, Leber- oder Schilddrüsenwerte können verändert sein. Wirkungen der Substanz auf das Herz-Kreislauf-System mit Herzrhythmusstörungen und Beeinflussung des Blutdruckes können auftreten.

Zu Wechselwirkungen des Medikamentes kann es bei gleichzeitiger Einnahme verschiedener anderer, vor allem neurologisch wirksamer, Mittel kommen. Der gleichzeitige Konsum von Grapefruitsaft und Carbamazepin kann den Plasmaspiegel des Wirkstoffes, also die Aufnahme des Wirkstoffes in das Blut, beeinflussen. Das Mittel sollte niemals zusammen mit Alkohol genommen werden.

Bei dieser Darstellung handelt es sich nicht um eine vollständige Beschreibung aller möglichen Neben- und Wechselwirkungen.

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