Zervikale intraepitheliale Neoplasie

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 16. März 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die zervikale intraepitheliale Neoplasie, kurz CIN, bezeichnet charakteristische Veränderungen von Gewebezellen am Gebärmutterhals. Sie gelten als Vorstufe (Präkanzerose) des Gebärmutterhalskrebses (Zervixkarzinom).

Inhaltsverzeichnis

Was ist zervikale intraepitheliale Neoplasie

Bei einer zervikalen intraepithelialen Neoplasie treten in der Regel keine Symptome auf. Die Krebsvorstufe kann nur im Rahmen einer regelmäßigen Vorsorgeuntersuchung diagnostiziert werden.
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Bei der zervikalen intraepithelialen Neoplasie verändern sich die Gewebezellen am Gebärmutterhals. Diese Veränderung gilt als häufigster Auslöser für Gebärmutterhalskrebs. Ca. 80 % der Bevölkerung sind von einer Infektion mit HPV betroffen. Die zervikale intraepitheliale Neoplasie tritt häufig vor der Menopause auf, sodass vor allem jüngere Frauen einem erhöhten Risiko unterliegen. Die CIN wird in 3 Stadien eingeteilt.

CIN 1: leichte Dysplasie

Hierbei kommt es zu ersten Veränderungen der Zellen. Vorerst erfolgt in diesem Stadium eine Beobachtung. Kommt es in den nächsten Monaten zu keiner Rückbildung, folgt eine Entfernung des Gewebes. Etwa die Hälfte der CIN 1 Läsionen bilden sich von allein zurück und sind nicht therapiebedürftig.

CIN 2: mittelschwere Dysplasie

Die Behandlung erfolgt in der Regel bereits nach kurzer Beobachtungszeit.

CIN 3: schwere Dysplasie

In diesem Stadium ist die zervikale intraepitheliale Neoplasie bereits weit fortgeschritten und bedarf umgehender Behandlung. Hierbei ist fast das gesamte Gewebe betroffen.

Eine andere Möglichkeit der Einteilung ist die Pap-Klassifikation. Es gibt 5 Stadien, die sich, wie auch bei der CIN- Einteilung, nach den Merkmalen der Zellen richtet bzw. dem Schweregrad der Infektion.

Ursachen

Die Ursache einer zervikalen intraepithelialen Neoplasie liegt in der Infektion mit humanen Papillomaviren, kurz HPV. Betroffen sind vor allem Frauen im Alter zwischen 24 und 30 Jahren. Bei einer zervikalen intraepithelialen Neoplasie des 3. Grades, ist die Gefahr an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken am Höchsten.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Bei einer zervikalen intraepithelialen Neoplasie treten in der Regel keine Symptome auf. Die Krebsvorstufe kann nur im Rahmen einer regelmäßigen Vorsorgeuntersuchung diagnostiziert werden. Erst wenn sich ein Gebärmutterhalskrebs entwickelt hat, werden in einem späten Stadium blutig-schleimige Ausflüsse beobachtet. Das größte Risiko für eine zervikale intraepitheliale Neoplasie besteht für Frauen im Alter von 30 Jahren.

Fünfzehn Jahre später tritt dann der Altersgipfel für das Zervixkarzinom ein. Nicht jede zervikale intraepitheliale Neoplasie führt jedoch zu Gebärmutterhalskrebs. In ca. 80 Prozent der Fälle bilden sich die Veränderungen im Anfangsstadium von allein wieder zurück. Insgesamt kann die Präkanzerose in drei Stadien eingeteilt werden (CIN I-III).

Das Stadium CIN I ist durch milde Veränderungen des Plattenepithels gekennzeichnet. Dabei hellt das Zellplasma um den Zellkern herum auf. Der Zellkern lässt sich stärker anfärben. Des Weiteren verändern die Zellkerne ihre Form. Sie erscheinen nicht mehr rund. Im Stadium CIN II kommen bereits schwerwiegende Gewebeveränderungen vor, die fast alle Epithelschichten betreffen. Verstärkte Zellteilungen finden teilweise auch außerhalb des Plattenepithels statt.

Die einzelnen Zellen unterscheiden sich in Form und Größe. Außerdem werden leichte Zellkernanomalien beobachtet. Allerdings besteht immer noch eine Differenzierung der Zellschichten. Im dritten Stadium der zervikalen intraepithelialen Neoplasie sind die unterschiedlichen Zellgrößen noch ausgeprägter. Es handelt sich bereits um ein Karzinom, welches jedoch noch auf einen Gewebeabschnitt begrenzt ist.

Diagnose & Verlauf

Bei der zervikalen intraepithelialen Neoplasie zeigen sich keine Symptome. Aus diesem Grund sind regelmäßige gynäkologische Untersuchungen und Krebsabstriche unerlässlich. Sie sollten einmal jährlich durchgeführt werden.

Bei der Untersuchung wird, mittels Untersuchungsmikroskop (Kolposkop), der Muttermund eingehend betrachtet. Durch eine verdünnte Essigsäure- oder Jodlösung zeigen sich auf den erkrankten Hautaralen charakteristische Veränderungen.

Mitunter ist eine zervikale intraepitheliale Neoplasie auch tastbar. Besteht der Verdacht einer CIN, so wird aus dem betroffenen Areal eine kleine Gewebeprobe entnommen. Dieser Eingriff kann ambulant durchgeführt werden.

Komplikationen

Bei der zervikalen intraepithelialen Neoplasie besteht das größte Risiko darin, einen Gebärmutterkrebs zu entwickeln. Nicht jede zervikale intraepitheliale Neoplasie führt jedoch zum Krebs. Anhand des vorliegenden Schweregrades der Erkrankung kann aber abgeschätzt werden, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für diese Komplikation ist.

Bei Schweregrad I und II ist eine Spontanheilung der Präkanzerose möglich. Bedingt durch verschiedene Faktoren besteht jedoch die Gefahr, dass auch eine Neoplasie der Schweregrade I und II fortschreitet und den Schweregrad III entwickelt. In diesem Stadium besteht nur noch in zehn Prozent der Fälle die Chance für eine vollständige Rückbildung. Während bei Schweregrad I und teilweise auch II nur beobachtet wird, muss bei Schweregrad III das veränderte Gewebe durch Operation entfernt oder durch Laserkoagulation zerstört werden.

Denn in diesem Stadium besteht ein großes Risiko für die Ausbildung eines Zervixkarzinoms (Gebärmutterkrebs). Der Verlauf einer zervikalen intraepithelialen Neoplasie ist nicht vorauszusehen. Äußere Faktoren wie Immunsuppression (Schwächung des Immunsystems) oder Rauchen sowie innere Faktoren wie genetische Veranlagung fördern das Voranschreiten der Krankheit bis zur Ausbildung von Gebärmutterkrebs.

Allerdings wurde auch festgestellt, dass für Frauen, die bereits erfolgreich von der zervikalen intraepithelialen Neoplasie geheilt wurden, immer noch ein höheres Risiko besteht, später an einem Zervixkarzinom zu erkranken. Die Ursache dafür ist noch nicht bekannt. Aber es wird vermutet, dass bei den angewandten Operationsmethoden möglicherweise nicht immer alle Neoplasien erfasst werden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Geschlechtsreife Mädchen und Frauen sollten in regelmäßigen Abständen ein Kontrollbesuch bei einem Frauenarzt vornehmen. Mindestens ein bis zweimal jährlich ist ein Arztbesuch anzuraten, damit routinemäßig der gesundheitliche Zustand erfasst und dokumentiert werden kann. Die zervikale intraepitheliale Neoplasie ist gekennzeichnet durch eine anfängliche Beschwerdefreiheit. Da es dennoch unbehandelt zu der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs kommt, ist es notwendig, Vorsorgeuntersuchungen durchführen zu lassen. Zeigen sich Unregelmäßigkeiten im Bereich des Unterleibs oder kommt es zu Veränderungen, sollte ebenfalls ein Arzt konsultiert werden.

Bei Schmerzen oder Veränderungen der monatlichen Menstruationsblutung besteht Handlungsbedarf. Bei einem diffusen Unwohlsein oder der Kenntnis, dass der Geschlechtspartner unter Papillomaviren leidet ist ein Arzt aufzusuchen. Eine Kontrolle des gesundheitlichen Zustands ist anzuraten, damit gegebenenfalls entsprechende medizinische Behandlungen eingeleitet werden können. Bei Veränderungen der Libido oder anderen Unstimmigkeiten im Bereich des Unterleibs ist ebenfalls die Rücksprache mit einem Arzt anzuraten.

Kommt es zu einem ungewöhnlichen Ausfluss oder findet ein ungeschützter Geschlechtsverkehr statt, sind regelmäßige Untersuchungen zu empfehlen. Zur Vermeidung von Komplikationen und für eine Früherkennung von vorliegenden Erkrankungen ist die regelmäßige Zusammenarbeit mit einem Arzt notwendig. Vor allem Frauen mit einem Schwangerschaftswunsch sind gut beraten, sich den Kontrolluntersuchungen eines Arztes in wiederkehrenden Abständen zu stellen.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung richtet sich vor allem nach dem Schweregrad, dem Alter der Patientin sowie der Lokalisation der zervikalen intraepithelialen Neoplasie. Nicht selten kommt es zu einer Spontanheilung. Bei vereinzelten veränderten Zellen reicht mitunter eine lokale antientzündliche Therapie. Ist die zervikale intraepitheliale Neoplasie bereits fortgeschritten, ist eine Entfernung des Gewebes unumgänglich. Vor allem die Laser-Ablation ist eine gängige Methode. Hierbei werden durch einen Laserstrahl die oberflächlichen Schichten des Gewebes verdampft. Nicht selten kommt es bei dieser Behandlung jedoch zu Rezidiven.

Bei kleineren Läsionen empfiehlt sich die Kryotherapie. Bei dieser wird das betroffene Hautareal durch Kühlsonden mit einer Temperatur von ca. minus 90 Grad behandelt und zerstört. Eher selten wird die Konisation mittels Skalpell oder Elektroschlaufe angewendet. In der Regel erfolgt die Behandlung ambulant.

Wird eine zervikale intraepitheliale Neoplasie während einer Schwangerschaft diagnostiziert, kann die Behandlung erst nach der Geburt beginnen. Unabhängig davon welche Behandlung Anwendung findet, sind regelmäßige Nachuntersuchungen unerlässlich.


Vorbeugung

Einer zervikalen intraepithelialen Neoplasie ist nur bedingt vorzubeugen. Häufig wechselnde Sexualpartner, erhöhen das Risiko einer zervikalen intraepithelialen Neoplasie. In erster Linie gilt es eine Infektion mit HPV Viren zu vermeiden.

Anzuraten ist die Verwendung von Kondomen beim Geschlechtsverkehr. Diese können jedoch keinen 100 prozentigen Schutz bieten, da HPV auch durch intimen Kontakt (Petting) bzw. Berührung der Genitalien übertragen werden kann. Seit einigen Jahren existiert eine Impfung gegen HPV. Diese ist jedoch aufgrund ihrer, mitunter schweren Nebenwirkungen, äußerst umstritten.

Die Impfstoffe richten sich zudem nicht gegen sämtliche Stämme des Virus, sondern vor allem gegen die Hauptauslöser, den Hochrisikovirenstämmen HPV 16 und HPV 18. Um das Risiko einer zervikalen intraepithelialen Neoplasie zu minimieren, sollte auf eine gesunde Lebensweise ohne Alkohol und Nikotin, sowie eine jährliche, eingehende Untersuchung durch den Gynäkologen, geachtet werden.

Nachsorge

Die zervikale intraepitheliale Neoplasie kann in unterschiedlichen Schweregraden auftreten. Danach richtet sich die Nachsorge. Im Anschluss an eine spontan ausgeheilte niedrig-gradige zervikale intraepitheliale Neoplasie ist ein gesunder Lebenswandel mit vitaminreicher und zuckerarmer Ernährung, Verzicht auf Rauchen und Alkohol sowie ausreichend Sport und Bewegung an der frischen Luft sehr empfehlenswert, um erneuten Zelldysplasien vorzubeugen.

Safer Sex und kein häufiger Wechsel der Sexualpartner verhindern das Anstecken mit Humanen Papillonviren, die ein Hauptauslöser für die Veränderungen der Zellen sind. Eine gynäkologische Kontrolluntersuchung mit Abstrich sollte am Anfang halbjährlich und später mindestens einmal pro Jahr erfolgen.

Bei einer höhergradigen Dysplasie, die operativ entfernt wurde, ist Schonung direkt nach der Operation für mindestens eine Woche sehr wichtig. Es dürfen keine schweren Gegenstände gehoben werden und Ruhe ist förderlich. Eine ambulante Kontrolle ist nach circa eine Woche angezeigt. Wenn die Wundheilung erfolgreich abgeschlossen ist, sollte auch hier auf eine gesunde Lebensweise geachtet werden.

Unbedingt notwendig sind halbjährliche Kontrolluntersuchungen beim Gynäkologen, der im Rahmen eines Abstriches kontrolliert, ob es erneut zu einer zervikalen intraepithelialen Neoplasie gekommen ist. Stress und emotionale Belastungen schwächen das Immunsystem und begünstigen die Krankheit ebenfalls.

Das können Sie selbst tun

Die meisten Frauen mit einer Zervikalen intraepithelialen Neoplasie können ihren Alltag problemlos bewältigen. Die Erkrankung verläuft in der Regel symptomlos. In wenigen Fällen kommt es zu Störungen der Libido. Daher kann die Krankheit manchmal eine Belastung für die Partnerschaft darstellen. Bei manchen Betroffenen ist es in einem solchen Fall anzuraten, einen Paartherapeuten zu konsultieren.

Erst bei einer weit fortgeschrittenen Zervikalen intraepithelialen Neoplasie treten gelegentlich Schmerzen auf. Es kann mitunter zu Beschwerden oder Blutungen beim Geschlechtsverkehr kommen. Daher empfiehlt es sich, zumindest für die Zeit der Behandlung der Erkrankung auf Sex mit Penetration zu verzichten. Anschließend sollten die betroffenen Frauen auf jeden Fall Kondome verwenden, da es sonst zu einer erneuten Infektion oder anderen Komplikationen kommen kann. Dies ist insbesondere bei häufigen Partnerwechseln erforderlich. Der Geschlechtsverkehr sollte auf jeden Fall abgebrochen werden, wenn es zu Schmerzen oder Blutungen kommt.

Um dem Entstehen einer Krebserkrankung vorzubeugen, ist das Reduzieren von Risikofaktoren unbedingt notwendig. Betroffene Raucherinnen sollten ihren Nikotinkonsum sofort einstellen. Zudem sollte übermäßiger Alkoholkonsum vermieden werden. Auch etwaiges Übergewicht ist dringend zu reduzieren. Eine gesunde Ernährung und ein stabiles Immunsystem sind besonders wichtig.

Quellen

  • Feige, A., Rempen, A., Würfel, W., Jawny, J., Rohde, A. (Hrsg.): Frauenheilkunde – Fortpflanzungsmedizin, Geburtsmedizin, Onkologie, Psychosomatik. Urban & Fischer, München 2005
  • Goerke, K., Steller, J., Valet, A.: Klinikleitfaden Gynäkologie. Urban & Fischer, München 2003
  • Preiß, J. et al.(Hrsg.): Taschenbuch Onkologie. Zuckschwerdt, München 2014

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