Trichterbrust

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. Juli 2017
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Eine Trichterbrust ist eine trichterförmige Deformität der Thoraxwand infolge einer gestörten Ausbildung der Knorpelverbindungen zwischen Brustbein und Rippen. Männer sind mit einem Verhältnis von 3:1 etwas häufiger von einer Trichterbrust betroffen als Frauen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Trichterbrust?

Als Trichterbrust (Pectus excavatum) wird eine sichtbare Deformation der Thoraxwand bezeichnet, von welcher in aller Regel die 4. bis 7. Rippe im unteren Sternum betroffen sind und die sich im Gegensatz zur sogenannten Kiel- bzw. Hühnerbrust bereits im Kindesalter manifestiert.

Fehlentwicklungen in den knorpeligen Verbindungen zwischen Rippen und Brustbein bedingen eine trichterförmige Einsenkung des vorderen Thoraxbereichs, die symmetrischer oder asymmetrischer Gestalt sein kann.

Durch diesen Trichter können innere Brustorgane wie das Herz in Abhängigkeit von der spezifisch vorliegenden Ausprägung verdrängt werden und bei Extremformen zu folgenschweren kardiopulmonalen (Herz und Lungen betreffende) Alterationen führen, die eine verminderte Lungenbelüftung bedingen.

Darüber hinaus kann eine Trichterbrust mit einer Kyphoskoliose oder weiteren Erkrankungen infolge von Haltungsfehlern (Lumbalgie, Dorsalgie) einhergehen.

Ursachen

Die genauen Ursachen für eine Trichterbrust konnten bislang nicht abschließend geklärt werden. In den meisten Fällen ist die Erkrankung allerdings auf genetische Faktoren, die infolge eines gestörten Knorpelstoffwechsels zu weichen Rippenknorpeln führen, zurückzuführen.

Entsprechend befindet sich bei etwa 35 bis 37 Prozent der Betroffenen ein Verwandter ersten Grades mit dieser Erkrankung im familiären Umfeld. Allerdings konnte das spezifische Gen, das die Manifestierung einer Trichterbrust auslöst, noch nicht entschlüsselt werden.

Daneben wird eine Trichterbrust in einigen Fällen mit bestimmten Syndromen wie das Marfan-Syndrom assoziiert. Auch nach bestimmten Erkrankungen (Pleuraschwarte), als Folgeerkrankung chirurgischer Eingriffe am Zwerchfell oder Brustwand sowie infolge eines stark erhöhten Alkoholkonsums während der Schwangerschaft (fetales Alkoholsyndrom) kann eine Trichterbrust beobachtet werden.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Eine Trichterbrust kann in aller Regel anhand der von außen sichtbaren trichterförmigen Einsenkung im Bereich der Brustwand, die zumeist bereits im ersten Lebensjahr auftritt und sich bis zum Wachstumsabschluss verstärkt, diagnostiziert werden.

Die vollständige Beurteilung der Deformation erfolgt anhand einer Computertomographie der Brustwand. Im Rahmen von Lungenfunktionsprüfungen wie Spirometrie oder Bodyplethysmographie können Beeinträchtigungen der Luftwege festgestellt werden. Kardiodiagnostische Verfahren (Echokardiogramm) geben Aufschluss über eine Beteiligung des Herzens (Mitralklappen-Prolaps).

Daneben sollten durch eine Röntgenuntersuchung der Wirbelsäule andere zugrunde liegende Erkrankungen (Kielbrust, Harrenstein-Deformität) ausgeschlossen werden. Eine Trichterbrust weist in den meisten Fällen eine milde Ausprägung und einen guten Verlauf auf. Untherapiert kann eine Trichterbrust allerdings infolge von Haltungsfehlern zu Fehlbildungen der Wirbelsäule und Störungen des Herzens oder der Lunge führen.

Behandlung & Therapie

Die therapeutischen Maßnahmen hängen bei einer Trichterbrust von der spezifisch vorliegenden Ausprägung der Deformität ab. So werden leichte Fehlbildungen ohne klinische oder psychologische Beeinträchtigung in der Regel im Rahmen krankengymnastischer Maßnahmen zur Korrektur von Haltungsfehlern (Haltungsgymnastik) therapiert.

Eine Indikation für einen operativen Eingriff leitet sich aus der psychischen Belastung infolge der Trichterbrust sowie dem Grad der Deformation ab und in schwer ausgeprägten Fällen werden die konservativen Maßnahmen durch eine operative Korrektur der Fehlbildung komplementiert. In den meisten Fällen wird die Korrektur durch das minimal-invasive Operationsverfahren nach Nuss durchgeführt.

Hierzu wird über eine Öffnung des Brustkorbs durch zwei kleinere Schnitte im Bereich der Achseln ein individuell angepasster U- bzw. C-förmiger Metallbogen implantiert, der den Brustkorb durch dessen Anhebung in die reguläre Position bringt und Raum für proximale Organe wie das Herz schafft. Bei Jugendlichen verleibt das Implantat bis zum Wachstumsabschluss im Körper des Betroffenen, um einer erneuten Trichterbildung vorzubeugen.

Daneben kommt vereinzelt auch das offene Korrekturverfahren nach Ravitch – Welsh – Rehbein zum Einsatz, bei welchem über einen horizontalen (bei Männern) oder vertikalen (bei Frauen) Schnitt am Brustkorb die betroffenen Rippen modelliert bzw. entfernt und durch Implantate substituiert werden, um die Trichterbrust zu korrigieren.

Ein rein kosmetisches Operationsverfahren ist das Auffüllen der Einsenkung mit Silikonimplantaten. Zudem stellt eine langfristige Behandlung mit einer Saug- bzw. Vakuumglocke eine relativ neue alternative Therapiemöglichkeit dar, mit deren Hilfe das Sternum regelmäßig angehoben und entsprechend der Trichter verringert werden soll. Allerdings liegen noch keine Langzeitstudien zu dieser Behandlungsmöglichkeit für eine Trichterbrust vor.

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Vorbeugung

Einer genetisch bedingten Trichterbrust kann nicht vorgebeugt werden. Allerdings helfen physiotherapeutische Maßnahmen, insbesondere eine Stärkung der Rücken- und Brustmuskulatur, das Risiko für eine Organbeteiligung zu minimieren. Zudem sollte während der Schwangerschaft auf übermäßigen Alkoholkonsum verzichtet werden, um ein fetales Alkoholsyndrom, das neben anderen Fehlbildungen auch eine Trichterbrust bedingen kann, zu vermeiden.

Bücher über Trichterbrust

Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Grifka, J., Krämer, J.: Orthopädie, Unfallchirurgie. Springer, Heidelberg 2013
  • Niethard, F., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014

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